Ein "Tempo 30"-Schild auf dem Tempelhofer Damm. Quelle: imago
Video: rbb|24 | 28.02.2019 | Abendschau | Bild: imago stock&people

Umweltgerechtigkeit in Berlin - Ärmere Kieze stärker mit Lärm und schlechter Luft belastet

Berliner, die in sozial schwachen Stadtteilen wohnen, sind überdurchschnittlich stark von Umweltbelastungen betroffen. Ein Senatsbericht listet erstmals die Werte für sämtliche Berliner Kieze auf - von Lärm, Luft und Hitzeentwicklung bis hin zu fehlenden Grünflächen.

Einwohner von Berliner Stadtteilen mit einem hohen Anteil armer Menschen sind überdurchschnittlich stark von schlechter Luft und Lärm betroffen.

Das geht aus einem umfassenden Bericht [externer Link] hervor, den die Senatsverwaltung für Umwelt am Donnerstag vorsgestellt hat. Für den sogenannten "Bericht zur Umweltgerechtigkeit" sind ähnlich wie bei einem Atlas Feinstaub, Lärm, Hitzestress im Sommer und der Anteil von Grünflächen erfasst und auf Karten dargestellt worden.

Grafik: Umweltkarte zum Thema Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2016/2017. Integrierte Mehrfachbelastungskarte: Umwelt und soziale Problematik. (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

Frische Luft in Zehlendorf, viel Lärm in Reinickendorf

Laut der Untersuchung sind innerhalb des S-Bahn-Rings und in direkt anschließenden Quartieren die Menschen besonders stark und mehrfach belastet. Hier leben viele Kinder in Armut, und besonders viele Menschen sind arbeitslos. In Bezirken, wie Treptow-Köpenick oder Zehlendorf, die weiter außerhalb der Innenstadt liegen, ist die Belastung demnach deutlich geringer.

Lärm, dreckige Luft und ein durch Hitzestau verschlechtertes Bioklima sind laut dem 450 Seiten starken Bericht vor allem in zentrumsnahen Zonen eine Belastung für die Anwohner.

Besonders schlecht schneiden beim Hitzestress allerdings weite Teile der Berliner Innenstadt ab. Teilweise liegen die durch verschiedene Faktoren belasteten Orte aber auch außerhalb des Zentrums. So fallen Armut und schlechte Luft auch rings um den Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf zusammen, wo die Nähe zum Flughafen Tegel eine zudem lästige Lärmquelle für die Anwohner darstellt. 

Auch in der nördlichen Bezirken der Innenstadt, wie Moabit und Wedding verlaufen vielbefahrene Straßen durch sozial schwache Gegenden. Dafür nehmen Luft und Lärmbelastung in Richtung Speckgürtel ab. Wer hier die Miete in den preislich gehobeneren Wohngebieten zahlen kann, der bekommt zusätzlich frischere Luft und mehr Ruhe.

Sendung: Inforadio, 28.02.2019, 14 Uhr 

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    ...Kleiner akustischer Nachtrag: Was ich meine kann man sich zum Beispiel hier AnHÖREN:
    https://www.youtube.com/watch?v=qs3Jl9wYXMk&feature=youtu.be
    ...und an jedem trockenen Tag an viel zu vielen Ecken im Osten unserer Stadt.

  2. 18.

    Warum eigentlich überbieten sich Politiker und Journalisten so eifrig dabei, den infernalischen Lärm unserer ach so umweltfreundlichen Berliner Straßenbahnen zu ignorieren, die gerade im Osten rund um die Uhr durch die Kurven heulen?! Anderswo wird eine 30er Zone nach der anderen eingerichtet und für viel Geld "Flüsterasphalt" eingebaut, bei uns baut man seit Jahren die alten Kurvenschmieranlagen aus und immer härteres Gleismaterial ein - weil die Kostenkennziffern der BVG unvergleichlich wichtiger sind als die Gesundheit der Anwohner?

    PS: In Halle oder Erfurt zum Beispiel fahren die Trams durchaus leise um die Ecken. Wie machen die das bloß?

  3. 17.

    aus Wikidpedia: Kiez bezeichnet vor allem in Berlin einen überschaubaren Wohnbereich, oft mit weitgehend vom Krieg verschonten Gründerzeit-Gebäuden in „inselartiger“ Lage und einem identitätsstiftenden Zugehörigkeitsgefühl in der Bevölkerung. - Also, Bezirke sind keine Kieze! https://de.wikipedia.org/wiki/Kiez

  4. 16.

    Beim Klima themenfern mit der "AfD" kommen zu wollen, ist schon sehr merkwürdig. Wahrscheinlich machen die im Kopf einiger auch noch die Sommerzeit, Übergewicht und Heuschnupfen.

  5. 15.

    In West-Berlin lebten historisch viele Arme, Studenten, Einwanderer nahe der Berliner Mauer, weil da die Mieten am günstigsten waren. Habe ich jedenfalls mal gehört. Also Kreuzberg, Wedding, Neukölln, wohl auch in Mitte. Irgendwann wurde was Mitte und Wedding mit der Bezirksreform ein Gross- Mitte gemacht.

    In Ost-Berlin wurden in Mitte viele günstige Plattenbauten gebaut.

    Auch schreitete die Gentrifizierung in Berlin Mitte gefühlt nie so schnell voran wie in Prenzlauer Berg und Pankow. Es gab gefühlt lange Zeit noch günstigen Wohnraum dort bzw es gibt ihn immer noch dort, nur ist das seltener gewordern. Daher wohnen wohl immer noch viele mit wenig Vermögen in "Mitte".

  6. 14.

    Es müssen viel mehr Bäume gefällt werden, Grünflächen zubetoniert werden (dazu gehören auch Radwege)und Kleingärten abgeschafft werden. Und jetzt reden wir über schlechte Luft.
    Aber es gibt ja noch die Autofahrer die an allem Schuld sind.

  7. 13.

    Zusätzliche Verdichtung hilft gegen Lärm und Luftverschmutzung, weil weniger Leute in die Innenstadt pendeln müssen. Öffentlicher Nahverkehr ist auch viel kosteneffizienter in dichten Gegenden.

  8. 12.

    Nicht nur in Reinickendorf sind die Abgase von Flugzeugen die nach Tegel fliegen !Die gesamten Einflugschneisen sind davon betroffen !Hohen Neuen Dorf, Birkenwerder, Marzahn usw.! Da wird Kerosin über Bewohnten Gebiet abgelassen wird, wen noch davon zur Landung vorhanden ist!

  9. 11.

    Naja, in den besseren Büros, Hotels und Autos gibt es Klimaanlagen mit guten Luftfiltern; vielerorts auch für zu Hause hilfreich. Doch die Allgemeinheit kann besser durch eine starke Reduktion des Verkehrs mit Verbrennungsmotoren vor den Schadstoffen geschützt werden. Ein Anfang wäre, den versprochenen Vorrang für den ÖPNV in der "Umwelt[belasteteten]zone" konsequent durchzusetzen und den privaten motorisierten Durchgangsverkehr massiv einzuschränken. Positive Vorbilder gibt es reichlich: 9er Blocks in Barcelona, Citymaut in London, Mailand, Oslo, Paris, Rom, Stockholm, Straßburg - in Singapur seit 1975 - bald auch in Wien ...
    Auch Gewerbe, wie Holzkohlegrillrestaurats können durch bessere Filter zu saubererer Luft beitragen. Irgendwann hieß es mal, das Verbrennen von Braunkohle in Kohleöfen solle verboten werden. Davon ist nix mehr zu hören?! @rbb Oder kommt das doch noch? Bei unseren Nachbarn in Polen gibt es dazu eine erfolgreiche Kampagne, initiiert von einer kleinen Umweltgruppe.

  10. 10.

    Auf dem Bild unten links steht " Stand Juni 2014" und rechts in der Legende "2017"
    Ist das Opium für´s Volk, das hier gerade vom Senat gestreut wird? Ich komme mir langsam immer mehr veräppelt vor.

  11. 9.

    Interessant, wie die AfD ihren Anhängern suggeriert, dass schmutzige Luft, ungesundes Essen und Chemie im Trinkwasser total harmlos wären. Will die Partei ihre eigenen Mitglieder "sozialverträglich früh ableben" lassen?
    Leider gibt es immer genügend Leute, die sowas glauben und dann mit äusserster Aggressivität gegen jeden Wissenschaftler, Arzt und Politiker vorgehen, der das Märchen zerstört und mit nüchternen Fakten erklärt, warum ungesunde Dinge ungesund sind...

  12. 8.

    Sehr richtig zu betrachten was Ursache und Wirkung ist. Es war schon immer so, dass die reichere Bevölkerung in die klimatisch besseren Gegenden gezogen ist. Typisch in Deutschland und natürlich Berlin, dass der Westen grundsätzlich besser gestellt war als der Osten. Aufgrund der vorherrschenden Windrichtung (SüdWest)war die Luft im Westen besser als im Osten. Die gleichen Auswirkungen zeigen sich auch heute mit unseren aktuellen Belastungen.

  13. 7.

    Ich bin zutiefst gerührt. Saubere Luft für Arme, damit sie nicht sterben. Nun machen wir die ganze Chose vollständig, weniger Zucker und Fett, Kein Alkohol und kein Tabak und vor allem Bewegung und Bildung. Habe ich was vergessen?

  14. 6.

    Rot-Rot-Grün auf der Suche nach der Quadratur des Kreises. Gerade noch wird von Verdichtung zum Zwecke der Entlastung des Wohnungsmarktes gelabert, schon wird das Argument „Umweltgerechtigkeit“ dagegen angeführt - aus den eigenen Reihen versteht sich. Das nun gerade innerhalb des S-Bahn-Rings, wo natürlich nur die Benachteiligten wohnen, das Umwelt-„Drama“ stattfinden soll, verwundert nicht wirklich. Ist es doch erklärtes politisches Ziel der Linksgrünen, den Individualverkehr im ersten Schritt aus den Innenstädten zu verbannen.
    Nur nebenbei: Dort befinden sich auch die 1a-Lagen für Gewerbeimmobilien und teure Büros. Jedenfalls am Tag sind also auch „die Reichen“ von der angeblichen Umweltungerechtigkeit betroffen. Und tagsüber ist die Belastung durch urbane Mobilität am höchsten, wie allseits bekannt ist.

  15. 5.

    Unsinn! "Arme Menschen" leben in Mitte? Da sind die Wohnungen ja soo günstig.
    Die Lärm- und Dreckbelastung hängt schlicht mit dem Verkehrsaufkommen - auch dem der Flugzeuge zusammen. Auf der Karte kann man das gut im Bereich Spandau und Pankow (Tegeleinflugschneise) sehen.
    Abgesehen davon sind eben alle Außenbezirke weniger belastet, die Einkommen der Bewohner differieren unabhängig davon, denn auch im Süden Berlins leben mitunter "arme Menschen".

  16. 4.

    Selbstverständlich ist Versiegelung von Kleingartenanlagen bei 40° im Sommer für das Stadtklima desaströs, deswegen wird das wohl gemacht. Ist so wie mit den roten Wellen, die dienen nur einer höheren Schadstoffbelastung.
    Heißeres Klima trofft aber nicht unbedingt Ärmsten sondern die Rentner zuallererst.

  17. 3.

    Ich fürchte, hier hat man Ursache und Wirkung vertauscht. Es dürfte doch wohl eher so sein, dass Menschen, die es sich leisten können, aus lärmgeplagten Kiezen wegziehen. Übrig bleiben die, die es sich nicht leisten können. Also kam nicht der Lärm zu den Armen sondern die Reicheren konnten erfolgreicher vor dem Lärm ausweichen, die Ärmeren kamen dann zum Lärm, weil dort die Mieten günstiger waren. Insofern ist die Wortschöpfung Umweltgerechtigkeit einfach Unfug, denn es gibt keine gerechte Lärmverteilung in der Stadt. Manche Gegenden sind leider zwangsläufig lärmgeplagter als andere, sei es durch Autos, Flugzeuge oder Bahnen. Aber heute soll selbst der größte Unsinn als Gerechtigkeit verkauft werden.

  18. 2.

    "vor allem im hochverdichteten Innenstadtbereich" Daher sollte UNBEDINGT weiter verdichtet werden durch zusätzliche Stockwerke und Bebauung von Grünanlagen (Anhalter Bahnhof, Blücherplatz, ... Tempelhofer Feld ist auch wieder im Gespräch). Danke auch für die schnelle Umsetzung der Luftreinhalterichtlinie und die Raucherbahnhöfe in den "armen" Gegenden. Super soziale Politik! Danke, Danke, Danke. Brauchen "Kinder in Armut" keine saubere Luft zum Atmen? Scheint den Chauffierten weiterhin egal zu sein. Effektive Maßnahmen zur Luftreinhaltung und Lärmreduktion fallen weiterhin aus.
    Baut doch am S-Bahnhof Grunewald oder auf dem Olympiagelände.

  19. 1.

    Vermögende und Landleute sind meist nicht von Lärm und Luftverschmutzung betroffen, sind daher oft gegen Massnahmen, die ihre "Freiheit Auto zu fahren" einschränken. Im Norden kommen Vermutlich auch noch die Flugzeug-Abgase hinzu.

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