Symbolbild: Zwei Menschen arbeiten in einem Kleingarten in Frankfurt (Oder). Augenommen 2017 (Quelle: dpa/ Pleul)
Video: Abendschau | 04.03.2019 | Bild: dpa/ Pleul

Schulen, Straßen, Turnhallen - Diese 15 Kleingartenkolonien sollen ab 2020 geräumt werden

Ab 2020 werden 15 Berliner Kleingartenkolonien komplett geräumt - für Kitas oder Schulen. Hunderte weitere Parzellen sollen Verkehrsprojekten weichen. Das sieht der Entwurf des Kleingarten-Entwicklungsplans vor, der rbb|24 exklusiv vorliegt. Von Laura Kingston und Robin Avram

Ab dem kommenden Jahr sollen 15 Berliner Kleingartenkolonien verschwinden, in drei weiteren muss zumindest ein Teil der Pächter seine Lauben verlassen. Das geht aus dem Entwurf für den "Kleingartenentwicklungsplan 2030" hervor, der rbb|24 exklusiv vorliegt. Die endgültige Fassung will die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klima im April präsentieren. Die Räumung soll bis 2030 abgeschlossen sein.

Auf den dann frei geräumten Flächen sollen unter anderem Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Turnhallen und andere soziale Infrastrukturbauten entstehen. Insgesamt 429 Parzellen sollen laut dem Entwurf dafür weichen.

Video: rbb|24 | 04.03.2019 | Interview mit Laura Kingston

Kleingartenverbände bisher nicht informiert

Viele Kleingärtner haben von diesen Plänen noch nichts gehört. "Wir wissen von nichts", sagte Reinhard Schramm, Vorsitzender des Kleingärtner e.V. Tempelhof noch vor wenigen Tagen gegenüber rbb|24. "Das Einzige wovon wir wissen, ist die Neue Mitte." Für dieses Bauprojekt müssen zwei Gartenkolonien weichen, das ist bereits seit vergangenem Jahr bekannt. Aus dem Entwurf für den Kleingartenentwicklungsplan geht nun allerdings hervor, dass Schramms Verband sich von sieben weiteren Kleingartenanlagen verabschieden muss.

Bei Gesprächen mit anderen Kleingartenverbänden wird deutlich, dass sie von der Politik oftmals vor vollendete Tatsachen gestellt werden. "Die Betroffenen wissen immer erst am Ende, was passiert," sagt Jörg Gollnow-Jauernick vom Verband Marzahn. Am Freitag wurde ihm von der Senatsverwaltung für Umwelt mitgeteilt, dass die Bezirksverbände den Kleingartenentwicklungsplan am 11. März 2019 einsehen könnten.

Die 10 betroffenen Kleingartenkolonien in Tempelhof-Schöneberg

Ausgleichsflächen am anderen Ende der Stadt

Dass alle Pächter einen neuen Ort für ihre Aprikosenbäume und Hollundersträucher erhalten werden, glaubt die Senatsverwaltung offenbar selbst nicht. Zwar sollen 787 neue Parzellen als Ausgleich zu Verfügung stehen. Allerdings müssen die erwähnten 429 Kleingärtner sich diese mit "grob geschätzt [...] ca. 420" weiteren teilen, wie es in dem Entwurf heißt. Diese werden ihre Parzellen in den Jahren bis 2030 wegen anstehender Verkehrsprojekte verlassen müssen.

Zu diesen Betroffenen gehören etwa die Pächter der Anlage Bleibtreu 2 in Charlottenburg. Dort sollen die Betonpfeiler der neuen Rudolph-Wissel-Brücke entstehen. Das Ersatz-Gärtnerglück wird zudem nicht in der unmittelbaren Nähe bereitgestellt werden können. Dafür fehle einfach der Platz, heißt es in dem Entwurf.

Pächter, die ihre Zelle verlieren, sollen den Plänen zufolge eine Entschädigungszahlung von etwa 7.000 Euro bekommen. 

Weitere Kolonien-Schließungen drohen ab 2030

Parallel zu diesen Plänen arbeitet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung derzeit an einem eigenen Vorschlag, um den Bau von Wohnungen voranzutreiben. Dieser "Stadtentwicklungsplan 2030" wird – aller Voraussicht nach – 26 weitere Kleingartenkolonien benennen, von denen die Pächter weichen müssen. Auf ihnen sollen ab 2030 rund 7.000 Wohnungen geschaffen werden. Welche Anlagen davon betroffen sind, ist noch unbekannt.  Der Senat will sich erst im zweiten Quartal dieses Jahres dazu äußern.

Diese Kleingartenkolonien werden in den kommenden Jahren geräumt

Wilhelm-Kuhr-Straße (Mitte) – vollständig betroffen

Virchow (Mitte) – nur zum Teil betroffen

Lehrter Straße (Mitte) – nur zum Teil betroffen

Hamburg (Pankow) – vollständig betroffen

Bornholm II (Pankow) – nur zum Teil betroffen  

Am Fichtenberg (Steglitz-Zehlendorf) – vollständig betroffen

Borussia (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Eschenallee (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Feldschlösschen (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Friede und Arbeit (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Germania (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Hansakorso (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Kaisergarten (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Morgengrauen (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Wild-West (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Zähringer Korso (Tempelhof-Schöneberg) – vollständig betroffen

Ehrliche Arbeit (Treptow-Köpenick) – vollständig betroffen

Immergrün (Marzahn-Hellersdorf) – vollständig betroffen

Sendung:  Abendschau, 28.02.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Laura Kingston und Robin Avram

Kommentar

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109 Kommentare

  1. 109.

    Sie tun hinterher so, als hätten Sie unten nicht behauptet, dort würden Wohnungen entstehen. Das war einfach falsch und ist hier der wichtigste Punkt, dass die Gärten nämlich nicht einmal für Wohnungsbau platt gemacht werden. Hören Sie endlich auf, mich nochmal verzerrt anzuposten.

  2. 108.

    Sehr gut, sehe ich wie wahrscheinlich viele genauso.Nach grünen seltenen Eidechsen wie auf dem Tempelhofer Feld hat man hier nicht gesucht.Das ist schon ein Haufen die Grünen.Heimatverlust müsste doch etwas auslösen oder gilt das nicht für "spiessige ,gestrige Laubennostalgiker".Weg damit wir haben andere Klientel und es gibt ein höheres Gut, wie wir es definieren.Wir sind schliesslich die Grünen .Punkt.

  3. 107.

    Sie werfen Begrifflichkeiten durcheinander. Eigenheimbesitzer und Pächter. Pächter wußten vorher dass ihr Garten, so schön sie ihn mit Fleiß und Aufwand auch eingerichtet haben, nur gepachtet ist. Auf Zeit, auf unbestimmte Zeit sogar.

    Hier wurde moniert dass der Senat Wohnungen (teuer) zurückkauft, jetzt macht es das naheliegendste und will landeseigene Flächen bebauen, auch wieder verkehrt. Noch dazu gibt es mehr als üppige Entschädigung, die der Senat, besser gesagt der Steuerzahler (!) nicht zahlen müßte.

    Warum sollen wir eigentlich für euer Hobby zahlen?

  4. 106.

    Die haben alle ne Macke...Man soll es endlich freigeben das man die garten ganzjährige nutzen und bewohnen darf, sowie die baubare Quadratmeterzahl erhöhen.

    Die solche Pläne durchsetzen, Kolonien aus zu löschen, sollten mal kennenlernen was es heißt solch einen Garten zu führen und auf zu bauen.

    Wenn Sie anfangen Kolonien platt zu machen, können Sie ja auch gleich noch anfangen Eigenheimbesitzer von ihren Grundstücken zu enteignen.

  5. 105.

    Sicher ist da was wahres dran. Vielleicht sollten alle Parteien einmal ihr Kriegsbeil begraben und „gemeinsam“ nach Lösungswegen suchen. Schade, wenn man mehr Zeit mit gegenseitigen Schuldzuweisungen verbringt, als mit dem Problem selbst.

  6. 104.

    Bitte, gern geschehen. ;-)

    Sie haben recht, das Thema ist ernst. Berlin leidet unter der Knappheit von bezahlbaren Wohnraum und die Spekulanten verdienen daran. Nun ist RRG der erste Senat der was dagegen unternimmt aber egal was er vorschlägt, man ist dagegen.

    Wohnraumverdichtung, dagegen. Felder am Rand von Berlin bebauen, dagegen. Häuser aufstocken, dagegen.

    Da wird erfunden, da wird gedichtet, es ist unglaublich. Da unternimmt der Senat das naheliegendste, nämlich Land bebauen welches dem Land Berlin gehört und wieder wird nur gemeckert. Dabei wußte jeder Pächter woran er ist.

  7. 103.

    Immer mit der Ruhe, aber trotzdem Danke für die Vorführung unterschiedlicher Berliner Mundarten. Sehr amüsant, wenn auch nicht wirklich produktiv für dies ernste Thema.

  8. 102.

    Na Wedding, dritta Hinterhof, so wirde dir anhörst und lass ma jut sein, wenn ick uff nen Schoß will find ick schon watt.

    Un jezze schalten wa mal den Denkkasten ein oda haste den nur zum Hütetrajen? Watt meenste wofür de Kindajärten un ditt restliche Firlefanz sin? Zum ankieken oda weil mehr Männeken ooch mehr Krankenäusa, ne Penne, Vadda Jahn Gedächnishallen und so watt benötijen? Watt meenste denn wo ditt hin soll, nach JWD?

    Und du weenst hier wejen paar olle Schreberjärtn als wärs nen Weltunterjanj. Ick gloob meen Hamsta bohnert.

  9. 101.

    Hast'n Problem, woher willst'n wiss'n, wo ick herkomme? Bleib ma beim Thema, oda willst uff'n Schoß weil Mutti nich inne Nähe is?
    :-PP
    Die Kleenjärten, die Platt jemacht wer'n soll'n, sind nich für Wohnungen jedacht, sondern für irjendwat anderet. Für Kindajärten und Vakehrsfläch'n. Is dit etwa een Fünkchen Entwicklung, wie dit Jesetz jenannt wurde? Nee, dit is Beschiss der janzen Wählerschaft und die kleenen Leutchen, die sich nich wehren können.

  10. 100.

    Pass ma uff Männeken... plusta dir mal nich so uff. Ick kann zwa nich so schön balinern wie de Ostzonalen aber ick bin hier jeborn, meene Ollen ooch... Noch Frajen, Keule? :-P

  11. 99.

    Wer im letzten Winter einmal durch Laubenkolonien gegangen ist, hat vielleicht auch bemerkt, wie viele davon inzwischen ganzjährig (wenn auch nicht ganz legal) bewohnt sind. Das sind Wohnungslose, die in keiner Statistik auftauchen, weil sie selbst eine Lösung gefunden haben. Wenn die Mietpreise weiter so steigen, werden die Laubenkolonien die Slums Berlins, die die Politik natürlich nicht an prominenter Stelle haben möchte. Deshalb sollen die Innenstadt-KGAn weg. Wer Bestätigung für meine Behauptung sucht, soll auf der Karte einmal schauen, wo der Regierende Bürgermeister wohnt: mitten im größten Punktekneuel in Tempelhof.

  12. 98.

    Was mich am meisten ärgert, dass in der Abendschau am 04.03.19 ein Interview mit einem Renter gezeigt wird, bei dem im Hintergrund sein Kumpel (genauso alt) rumläuft, sodass bei vielen der Eindruck entseht, Kleingärten sind nur für alte Leute. (Bitte nicht falsch verstehen, auch ich werde mal Rentner...) Warum wird hier nicht eine von den kinderreichen Familien (für die wir jetzt wahrscheinlich Platz machen müssen) gezeigt, wo die Kinder bitterlich weinen, weil sie bald keinen Garten mehr haben werden. Das wäre mal LIVE!!!! Auch ein Kleingarten ist eine Art Kita!!! Bei mir war es so als Kind!!! Aber wahrscheinlich entwickeln Bürohengste diese Pläne, die selbst nie Kohlmeisen im Garten mit der Hand gefüttert haben! Bleibt doch bitte dieser Stadt fern!!! Ganz fern!!!!!!

  13. 97.

    Ach ja, die Wildtiere - wir haben in unserem Kleingarten kürzlich an einem Forschungsprojekt zu Wildtieren (wer Interesse hat: http://wildtierforscher-berlin.de) teilgenommen. All die Tiere, die wir durch Wildtierkameras "eingefangen" haben, werden es künftig schwer haben. Viele, viele Füchse werden, wie ja heute schon, in der Stadt herumstreunen. Nur als Beispiel.
    Während in Bayern die Bevölkerung auf die Straße geht und lautstark Bienenschutz einfordert, macht Berlin Orte, an denen Bienen Schutz finden, platt. Ich bin empört.

  14. 96.

    Sie haben Recht, die Laubenkolonien gehören zu Berlin; und sie steigern die Lebensqualität ALLER Bürger, indem sie das Stadtklima erheblich positiv beeinflussen. Und während Parks inzwischen total verwildern, pflegen Kleingärtner die Anlagen, die ein herrliches Spazier- und dadurch Naherholungsgebiet für viele darstellen. Nur mal so.
    Der in der Tat erhebliche Leerstand von Büroräumen im Kontext mit fehlendem bezahlbarem Wohnraum müsste doch Otto Normalverbraucher auch endlich mal auffallen! Und - ja, der einfachste Weg ist es eben, die vielen kleinen grünen Lungen plattzumachen, denn billiger kommt die Stadt an Grundstücke wohl nicht ran. Dass das deutlich kurz gedacht ist, fällt nicht auf oder was? Diese Stadt wird bald kochen. Herzlichen Glückwunsch, RRG!! - Was kann man überhaupt noch wählen, frag ich mich...??

  15. 94.

    Da merkt man, wer wirklich Berlin versteht und wer nicht - und wer Mundart oder Metrodialekt meint, lächerlich abstempeln zu dürfen, der hat nichts verstanden.
    Bleibt in Eurer kleinen Welt - oder Blase - wie man dass auch immer nennen mag - aber lasst die in Ruhe, die wirklich Berlin(er) sind - und kommt mir nicht mit Eurem pseudointellektuellen Kram. Arme Welt
    Und Ihr könnt mir dit nu wirklich nich vabieten - viel Spaß noch beim Uffrejen üba Leute, die det könn´ und ooch Ernst meenen, wat se zu die Kleenjärten schreiben :-P

  16. 93.

    Die Laubenkolonien haben eine lange Geschichte. Sie gehören zu Berlin und steigern die Lebensqualität der Bürger, die das Glück hatten, in dieser Großstadt einen Garten pachten zu können. Die Wartelisten sind lang und auch die reichen Familienclans machen es, wie erst kürzlich von der Polizei kommentiert, nicht leichter. Ich denke, 7000 Euro zu dem Ersatzgrundstück , das mit langen Fahrzeiten verbunden ist, sind als Entschädigung viel zu wenig. Wir brauchen Natur in dieser Stadt, in der es einen erheblichen Leerstand von Büroräumen reicher privater Investoren gibt, aber keinen bezahlbaren Wohnraum für die normal arbeitende Bevölkerung, die die Stadt am Laufen hält. Auch wenn ich einsehe, dass wir neue Schulen und Kitas brauchen, frage ich mich, ob die Verantwortlichen wirklich alle Möglichkeiten bedacht haben oder wieder einmal nur den einfachsten Weg gehen.

  17. 92.

    Und was passiert mit den Bäumen , Blumen und Wildtieren ?

  18. 90.

    Hat das jetzt schon mit Starrsinn zu tun oder ist das fehlende Lesekompetenz? Was ist denn an "Auf den dann frei geräumten Flächen sollen unter anderem Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Turnhallen und andere soziale Infrastrukturbauten entstehen." nicht zu verstehen? Zu was sollen denn zusätzliche Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Turnhallen und andere soziale Infrastrukturbauten sonst dienen?

    Wenn sie daran Zweifel haben ob das realisiert wird können sie mir doch nicht vorwerfen ich würde etwas "entgegengesetzt zum Artikel" behaupten oder schreiben. Ihr irrationaler Hass auf RRG trieft bei ihnen ja aus jeder Zeile aber verdrehen sie nicht meine Worte!

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