Ein Mann trägt eine Kippa am Brandenburger Tor (Quelle: Imago/ Mang)
Video: Abendschau | 12.03.2019 | Sylvia Wassermann | Bild: Imago/ Mang

"Historische Verantwortung" zum Schutz der Juden - Berlin verstärkt Einsatz gegen Antisemitismus

Berlins Senat will den Kampf gegen Antisemitismus verstärken und setzt dazu einen hauptamtlichen Beauftragten ein. Der Posten ist aber nur ein Bestandteil eines neuen Landeskonzepts zum Kampf gegen Antisemitismus in der Hauptstadt.

Berlin will mit einem neuen Konzept das jüdische Leben in der Hauptstadt besser schützen. Der Berliner Senat beschloss dafür am Dienstag als bundesweit erste Landesregierung ein Konzept zur Weiterentwicklung der Antisemitismus-Prävention. Der Schutz der Juden sei eine "historische Verantwortung", sagte Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) bei der Vorstellung des Konzeptes. Unter anderem werde es künftig einen Ansprechpartner des Landes zum Thema Antisemitismus geben, an den sich sowohl die Justiz als auch die jüdische Gemeinde wenden können.

"Berlin lernt aus der Geschichte und zieht hinsichtlich der Bekämpfung des Antisemitismus aus den bitteren aktuellen Erfahrungen konkrete Schlussfolgerungen", sagte Berlins Regierender Michael Müller (SPD). Die Bekenntnisse der Politik, die den Antisemitismus verurteilen, seien wichtig, forderten aber auch Maßnahmen und Angebote, wie sie mit dem Landeskonzept beschlossen wurden.

Auch neue Beratungsangebot sollen geschaffen werden

Zu den nun beschlossenen Maßnahmen gehören neben dem neuen Ansprechpartner laut Justizsenator Behrendt unter anderem neue Beratungsangebote für Opfer antisemitischer Überfälle und eine stärkere Kooperation von Schulen mit außerschulischen Lernorten wie Gedenkstätten. Schüler müssten "mit der Geschichte im Unterricht konfrontiert werden", unterstrich Behrendt. Zudem sollen menschenfeindliche und antisemitische Einstellungen in einem sogenannten "Berlin Monitor" erfasst werden.

Antisemitische Denkweisen seien weit verbreitet, beklagte Behrendt. Übergriffe auf Juden hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, antisemitische Hetze sei in den sozialen Medien weit verbreitet. Behrendt verwies auf einen Angriff auf einen jungen Mann mit Kippa, der im vergangenen Jahr in Prenzlauer Berg mit einem Gürtel verprügelt wurde. Bei den erfassten Taten handele es sich allerdings nur um "die Spitze des Eisberges", betonte er. 

Bundesweit ein Anstieg antisemitischer Straftaten

Im Jahr 2018 hatte die Polizei deutlich mehr antisemitische Straftaten verzeichnet als in den Vorjahren. Die Zahl der Gewalttaten gegen Juden stieg um 60 Prozent. Bundesweit registrierte die Polizei 1.646 Straftaten. Das sind knapp zehn Prozent mehr, als die Bundesregierung für 2017 gemeldet hatte, damals waren es 1.504. Insgesamt stellte die Polizei im vergangenen Jahr 62 Gewaltdelikte fest, im Jahr zuvor waren es 37.    

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Vor kurzen las ich von jemanden, der gelesen haben soll, das jemand las, dass man seinen primitiven Rassismus auch hinter scheinbar harmlosen Forderungen verstecken kann, dass man für die eine 3. Kategorie neben Rechtspopulist, Rechtradikaler und Rassist einführen sollte. Den Daswirdmanjanochsagendürfenwutbürgersalonfaschisten.

    Da macht es sich unser Staat ein wenig zu bequem und man schützt auch solche mit einer gewissen widerlichen Gesinnung.

  2. 11.

    Vor kurzem las ich, daß alle Angriffe auf Bürger jüdischen Glaubens, die nicht genau zugeordnet werden können, von wem die kamen, allesamt in der Statistik den deutschen Bürgern zugerechnet werden. Es müßte von unserem Staat eine 3. Kategorie eingeführt werden, 1. Deutsche, 2. Migranten und Deutsche mit Migrationshintergrund, 3. Nicht zuzuordnen, wer dahinter steckt! Da macht es sich unser Staat ein wenig zu bequem und man schützt auch solche von einer gewissen Religion.

  3. 10.

    Sie versuchen Antisemitismus in eine bestimmte Richtung zu verorten und von dem allgemeinen Antisemitismus in der Bevölkerung und dem von Rechtsradikalen abzulenken. Es gibt viele Facetten des Antisemitismus, die Anschläge in Frankreich von Terroristen, die ihre Ideologie mit dem Islam begründen, ist eine davon.

  4. 9.

    Nach der Verbalattacke durch einen Islamisten meint der in Frankreich populäre Philosoph Finkielkraut, „Man darf nicht alles in einen Topf werfen. Wir erleben nicht die Rückkehr der 30er-Jahre. Es handelt sich um einen neuen Typ von Antisemitismus, dem wir ins Auge sehen müssen.“

    Schließlich habe man ihn als Zionisten beschimpft und „Palästina“ gerufen. „Ein Mann mit leichtem Bart rief mir zu: ‚Gott wird dich bestrafen!‘: Das hat nichts mit der Sprache des Rechtsextremismus zu tun. Das ist die Rhetorik der Islamisten“, so Finkielkraut im „Figaro“.

    Tausende Juden haben Frankreich seit dem Attentat auf Charlie Hebdo verlassen.

  5. 8.

    "Wo bleibt die Erziehung des Staates, wenn in arabischen Communities Intoleranz gelehrt wird?"

    Wo bleibt der Staat, wenn in deutschen Communities Intoleranz gelehrt wird? Cottbus, Chemnitz...

  6. 7.

    Sehr bedauerlich und nicht akzeptabel, dass gerade in unserem Land antisemitischen Tendenzen und auch Straftaten zu oft negiert und nicht hart genug geahndet werden. Wer die Kinder schon in der Schule ärgert und was sonst noch, ist doch wohl bekannt. Wo bleibt die Erziehung des Staates, wenn in arabischen Communities Intoleranz gelehrt wird?

  7. 6.

    Sorry, ich habe die Grammatik in ihrem zweiten Satz missverstanden.
    Expertenbericht lesen ist trotzdem immer gut.

  8. 5.

    Wo sehen sie einen Expertenbericht und was soll der ihres Erachtens ergeben haben? Dichten sie sich mal wieder Berichte um?

  9. 4.

    Klingt gut. Aber der Erfolg dieses Vorhabens wird stark davon abgängen, ob wir Alle den Mut aufbringen die, die offen, in ihren Camis, auf Schulhöfen und im täglichen Leben, ihren Hass gegen Juden zum Ausdruck bringen, zur Rede zu stellen oder ob wir weiterhin, auf Grund einer falschen Toleranz schweigen.

  10. 3.

    Da kann man gespannt sein, ob in diesen Juni wieder der antijüdische Al-Quds-HetzMarsch oder die Organisation BDS verboten wird.
    Auch sollte sich Die Linke von den Antisemiten in den eigenen Reihen trennen, bez. die Haltung gegenüber Israels überdenken
    Das wäre ein wirklicher Weg sich gegen den Antisemitismus zu stellen. Ansonsten bleiben Aktionen, wie das "Berlin trägt Kipa" nur ein Feigenblatt.

  11. 1.

    Ich (Jahrgang 1952)schäme mich. Seit Jahren schmerzt es mich, mit anzusehen wie Menschen jüdischen Glaubens,überwiegend deutsche Staatsbürger,insbesondere von Deutschen , aber auch von vielen anderen ethnischen Gruppen mit Hass in Wort und Tat angegangen werden.Die Anständigen, müssen ihrer Stimme Gehör verschaffen, öffentlich in Solidarität gehen .Das Judentum ist Teil unserer Geschichte. Der geistig-wissenschaftlich-kulturelle-soziale Reichtum unserer Gesellschaft ist durch Menschen jüdischen Glaubens sehr stark mitgeprägt.Es ist noch nicht lange her , da wolte wir im Rassenwahn alle Juden vernichten.Wir dürfen das nie vergessen , auch nicht die folgenden Generationen.Es gibt kein ich war ja nicht dabei.Es gibt ein geschichtliches Gewissen ,wo man sich für das Verbrechen schämen muss und über das Gute stolz sein darf.Weltweit werden Juden angegriffen.Hier in Deutschland sollen Sie sich sicher fühlen.Null Toleranz für Alle die das nicht Akzeptieren, als Staatsräson.

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