Symbolbild: Betreuerinnen im Gespraech mit Bewohnern eines Pflegeheims. (Quelle: imago/photothek)
Audio: Inforadio | 07.03.2019 | Tina Friedrich | Bild: imago/photothek

Berliner Pflegeeinrichtungen - Heimaufsicht verdoppelt unangemeldete Prüfungen

Die Berliner Heimaufsicht prüfte Pflegeheime im vergangenen Jahr deutlich häufiger ohne Vorwarnung. Doch weil für unangemeldete Kontrollen zwei Prüfer statt nur einer notwendig sind, konnten auch deutlich weniger Heime kontrolliert werden. Von Tina Friedrich

Die Berliner Heimaufsicht kontrollierte im vergangenen Jahr deutlich weniger Heime, kam dafür aber viel häufiger ohne Anmeldung. Das erfuhr der rbb vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). Demnach erfolgten die Kontrollen 153 Mal - und damit in etwas mehr als der Hälfte aller Fälle - in stationären Pflegeeinrichtungen ohne Vorwarnung. Im Jahr 2017 lag die Quote noch bei 17,2 Prozent bei 86 unangemeldeten Prüfungen.

Dafür sank die Zahl der kontrollierten Einrichtungen deutlich: von 508 auf 303 Prüfungen. Der Grund laut Lageso: Für die unangemeldeten Termine brauche man mehr Personal als für die angekündigten Regelprüfungen. So könnten angekündigte Prüfungen auch von einem Kontrolleur alleine durchgeführt werden. Bei unangemeldeten Prüfungen müssen mindestens zwei Prüfer anwesend sein.

Ob sich durch die verstärkten unangemeldeten Prüfungen auch die Zahl der festgestellten Mängel im Jahr 2018 erhöht hat, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Das Lageso arbeitet an der Auswertung der Daten.

Der Tätigkeitbericht der Heimaufsicht erscheint einmal jährlich. Bei der Präsentation der Zahlen aus 2017 hatte Gesundheitssenatorin Dilek Kolat im vergangenen September angekündigt, den Anteil unangemeldeter Prüfungen auf 50 Prozent erhöhen zu wollen. Diese Quote konnte nur erreicht werden, weil 2018 nur etwa jede zweite Berliner Einrichtung kontrolliert wurde.

21 Prüfer für 584 Einrichtungen

Seit Jahresbeginn sind die meisten Kontrolleure darüber hinaus für andere Einrichtungen zuständig als bisher. Zuvor hatten die Mitarbeiter oft jahrelang die gleichen Pflegeeinrichtungen betreut. Mit der Rotation werde sichergestellt, dass bei den Prüfungen keine Routine einsetzt – und ein frischer Blick erhalten bleibe, begründet die zuständige Staatssekretärin Barbara König die Entscheidung auf Anfrage des rbb.

Insgesamt arbeiten bei der Heimaufsicht seit dem vergangenen Jahr 21 Prüfer, die in Berlin insgesamt 584 stationäre Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung beraten und kontrollieren. Die Heimaufsicht prüft beispielsweise die Personalausstattung eines Heimes, Hygienemängel oder die Pflegedokumentation. Werden Mängel, also Verstöße gegen das Wohnteilhabegesetz, festgestellt, werden die Mitarbeiter zunächst beratend aktiv. Wenn die Mängel nicht behoben werden, können Ordnungsstrafen verhängt werden. 

Weniger anlassbezogene Prüfungen

Die Heimaufsicht reagiert auch auf Beschwerden von Angehörigen, Pflegekräften oder Heimbewohnern. Die Zahl dieser anlassbezogenen Prüfungen ging im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr zurück. 39 Mal rückten die Prüfer nach Beanstandungen aus. Im Jahr 2017 gab es noch 45 anlassbezogene Prüfungen.

Beitrag von Tina Friedrich

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wer führt in dieser Angelegenheit die Fachaufsicht über das LAGeSo? Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales oder die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung? - Jedenfalls lobenswert!

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