Kleingarten in Berlin (Quelle: dpa/Tagesspiegel/Mike Wolff
Audio: rbb|24 | 05.03.2019 | Laura Kingston | Bild: dpa/Tagesspiegel/Mike Wolff

Interview | Baustadtrat Tempelhof-Schöneberg über Kleingarten-Bebauung - "Ich rechne damit, dass wir ab 2020 mit dem Bau beginnen"

Nach dem Entwurf des Kleingarten-Entwicklungsplans trifft es Tempelhof-Schöneberg besonders hart: Hier liegen zehn der 15 Kleingärten, die neu bebaut werden sollen. Im rbb|24-Gespräch wirbt der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jörn Oltmann (Grüne), um Verständnis.

rbb|24: In dem Entwurf des Kleingartenentwicklungsplans, der uns vorliegt, sind allein zehn von 15 Kleingärtenkolonien in Ihrem Bezirk für die Bebauung vorgesehen. Warum trifft es die Kleingärtner in Tempelhof-Schöneberg so hart?

Jörn Oltmann: Für die soziale Infrastruktur brauchen wir in Tempelhof-Schöneberg deshalb so viele Kleingartenflächen, weil uns keine andere Flächen zur Verfügung stehen. Wir sind ein sehr verdichteter Bezirk. Insofern müssen wir vermutlich auf Kleingartenflächen Zugriff nehmen. Wir haben jetzt im Kleingarten-Entwicklungsplan hiervon zehn Flächen identifiziert, aber es steht noch nicht fest, in welcher Reihenfolge diese Flächen in Anspruch genommen werden.

Was fehlt Tempelhof-Schöneberg genau an sozialer Infrastruktur?

Wir haben eine völlig überfüllte Schulsituation. Wir müssen für die stark wachsende Bevölkerung auch in Tempelhof-Schöneberg neue Schulplätze zur Verfügung stellen. Daneben haben wir mit einem Sanierungsstau zu kämpfen. Dazu brauchen wir jeweils auch Flächen, sodass wir den Schulbetrieb auslagern können. Insgesamt fehlt es an Flächen für Schule, Erweiterungen für Sportflächen, für kulturelle und Jugend-Freizeiteinrichtungen.

Bei der Bebauung von zwei Kolonien gibt es ja schon einen konkreten Plan. Was genau soll dort hinkommen?

Für die Neue Mitte Tempelhof – das integrierte Stadtquartier, was wir da planen -, werden wir Kleingartenflächen der Kolonien "Friede und Arbeit" und "Germania" in Anspruch nehmen. Dort werden wir jeweils für die Polizei und die Bäderbetriebe ein Schwimmbad vorsehen. Es handelt sich hier um insgesamt 17 Parzellen. Diese 17 Parzellen können wir auch im bezirkseigenen Bestand kompensieren. Das heißt, wir können hier Ersatzflächen anbieten. Ich rechne damit, dass wir im Jahr 2020, 2021 mit dem Bau beginnen werden.

Die 10 betroffenen Kleingartenkolonien in Tempelhof-Schöneberg

Und bei den anderen acht?

Man muss davon ausgehen, dass die Kleingärten Flächen, die jetzt in Rede stehen, in den nächsten drei bis sieben Jahren in Anspruch genommen werden.

Wurden die Kleingartenverbände genügend in die Diskussion mit eingebunden? Herr Schramm vom Bezirksverband der Gartenfreunde Tempelhof e.V. wusste ja nur von zweien der Kolonien, die weichen müssen.

Der Kleingarten-Entwicklungsplan wird ja von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz für ganz Berlin herausgegeben. Die Kleingärtenverbände werden jetzt zu Ihrer Stellungnahme gebeten. So wie die Bezirke auch um ihre Stellungnahme gebeten worden sind.

Hier müssen wir jetzt in den Austausch eintreten mit dem Dachverband der Kleingärtner, der unser erster Ansprechpartner ist - über die Frage: Wie können wir das kompensieren? Wie können wir mögliche Ersatzvornahme bereithalten und wie können wir hier Lösungen für beide Seiten ermöglichen?

Und wie schaffen sie es, Ersatzflächen für alle zehn Kolonien zu schaffen, wenn es in Tempelhof-Schöneberg keinen Platz gibt?

Es geht ja hier um den Ankauf von möglichen Flächen. Das geht natürlich nur im Zusammenspiel mit der Landesebene. Das heißt mit anderen Worten, Flächen, die bisher unterausgenutzt und in privater Hand sind, könnten für Kleingärtenflächen entwickelt werden. Darüber hinaus muss es auch um die mögliche Abstimmung mit Nachbarbezirken gehen, ob es an der einen oder anderen Stelle möglich ist, Kleingärtenflächen zu erweitern beziehungsweise zu ergänzen. 

Glauben Sie, dass Sie Flächen vom Land bekommen, wenn doch in Berlin ein großer Wohnungsmangel herrscht?

Es hängt ja mal davon ab, mit welchem Planungsrecht diese Flächen versehen sind. Wenn wir ohnehin Flächen haben, die vom Planungsrecht her Kleingärtenflächen vorsehen, dann macht es viel Sinn, diese auch planungsrechtlich zu sichern oder diese Flächen - wo es möglich ist - zu ergänzen. Wir können nicht einfach Gewerbeflächen in Kleingärten umwandeln -  das müssen wir eben im jeweiligen Zusammenhang sehen. 

Der Senatsverwaltung für Umwelt wartet ja gerade auf die Stellungnahme aus den Bezirken, also von Ihnen. Stimmen Sie dem Entwurf des Kleingarten-Entwicklungsplans zu?

Der Bedarf an sozialer Infrastruktur ist so immens groß mit der wachsenden Stadt, dass wir natürlich eine Richtlinie - einen solche Entwicklungsplan - dringend benötigen. Er kommt eigentlich vom Prozess her viel zu spät. Dass er so spät kommt, hat einfach etwas mit den Kapazitäten auf den unterschiedlichen Ebenen zu tun. Da leiden wir alle gemeinsam; die Senatsverwaltung genauso wie die Bezirke. Wir würden unsere Vorstellung von sozialer Infrastruktur aber auch vom Wohnungsbau sehr viel schneller voranbringen wollen, wenn wir die notwendigen Kapazitäten hätten. 

Das Interview führte Laura Kingston, rbb|24

Beitrag von Laura Kingston

Kommentar

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Antwort auf [Robert] vom 06.03.2019 um 13:41
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17 Kommentare

  1. 16.

    Sie meinen doch nicht ernsthaft die Luxusvillen en miniature samt feinsten ökologisch toten englischen Rasen wären schützenswertes Grün? Und dann auf die Tränendrüse mit "denen ein stück Heimat genommen" und "wenn Heimat im weitesten Sinn genommen wird." drücken. Mir kommen die Tränen... vor Lachen.

    Ich habe eigentlich nur noch gewartet dass sie die Grünen mit dem bösen Iwan vergleichen, der die armen Deutschen aus geraubten Gebiet vertrieben hat.

    Denen wird noch nicht einmal ein Hobby genommen und 7000 € Steuergelder bekommen sie auch noch in den A... geschoben. Wenn das für die Luxusvilla nicht reicht und wer zu faul ist 1 Stunde mit dem Auto oder Bahn zu fahren der hat halt Pech!

  2. 15.

    Richtig , einerseits wird gerade bei den Grünen gejammert über schlechte Luft in Berlin.
    Trotzdem wird das das grüne abgeschafft.Der Speckgürtel ist auch noch da.

  3. 14.

    Kann es nicht. Ich meinte den Film von 1953, in dem sich das Problem von selbst erledigt.
    Da ich reale Gewalt ablehne, hoffe ich nämlich auf ein Wunder.
    Gruß von einem Cineasten an den anderen.

  4. 12.

    Jetzt machen Sie mir keine Hoffnungen, ja? Ich habe "Kampf der Welten" auch gesehen.
    Dass die Grünen nicht wie Menschen denken, halte ich aber für offensichtlich.

  5. 11.

    vielleicht sind die Grünen ja auch nur Marsianer, die als grüne Männchen getarnt, Berlin erobern wollen. VORSICHT, heute ist Aschermittwoch, da darf gepöbelt werden

  6. 10.

    Ich bin für eine vielfältige, durchmischte Stadt, in der die Kleingärten erhalten bleiben sollten. Statt deren Entfernung befürworte ich andere Formen der Nachverdichtung. Aber es stimmt schon, dass die Demokratie oft überfordert ist, Interessen auszugleichen, wie sich auch andengegensätzlichen Positionen in diesem Forum zeigt. Geht es nur nach denen, die laut schreien? Geht es nach dem Minderheitenschutz? Bürger*Innen fühlen sich vor alternativlose Entscheidungen gesetzt, Politiker*Innen fürchten sich vor Endlosdebatten. Ich kann beide Seiten nachvollziehen und hoffe auf eine Verbesserung der Demokratie über digitale Abstimmungen und Meinungsbilder.

  7. 9.

    Vorsicht mit dem Demokratiebegriff: statt "Wenn das Interesse der Mehrheit vor dem Interesse weniger steht, nennt sich das übrigens Demokratie." gilt vielmehr, dass in einer Demokratie Mehrheiten entscheiden, nicht deren Interessen. Dabei sind explizit die Belange von Minderheiten zu berücksichtigen, egal ob es völkisch Verwirrte sind oder Kleingärtner. Eben auch Interessen von Kleingärtnern - um mal aufs Thema zurück zu kommen - sind zu wahren.

  8. 8.

    @Tremor/Zobel-Wendland: Ja, genau. Alles Verschwörung.
    Dass sicherlich diejenigen, die eine Lobby, Geld oder Macht haben in diesem Land von Gegebenheiten profitieren, ist gar keine Frage - daran muss man auch arbeiten. Auch dieses System ist nicht perfekt, aber da sollte man erstmal die Komplexität verstehen und bewerten. Aber wie dann - sollten wir also nicht mehr bauen? Sollten wir nicht mehr Grundstücke suchen? Ihr seid die ersten, die über teure Miet- und Immobilienpreise meckern, wenn es an euer eigenes kleines egoistisches Portmonnaie geht.
    Herzlich willkommen in einer demokratischen Gesellschaft, die Grün mehrheitlich gewählt hat und aktuell auch wählt. Entweder ihr akzeptiert das (das nennt sich auch Demokratie) oder ihr geht einfach. Geht doch nach China, dort denkt man völkisch - dann lernt ihr nebenbei noch über wichtigere Dinge nachzudenken, wie zB. Menschenrechte, Zensur, Hierarchiedenken. Mal schauen, ob ihr das so toll findet.

  9. 7.

    Lieber Tremor, vor Verfassen solcher Texte, solltest du das nächste Mal bitte vorher nachdenken! Dass wir viele Menschen hier aufgenommen haben, hat mit der Wohnsituation nichts zu tun! Auch wenn es hier schwierig ist, haben es diese Menschen verdient, da sie es BEI WEITEM schwieriger haben, als wir. Armut, Krieg und traurige Schicksale sollten VOR dem Interesse einiger weniger Wohlhabender gehen. Uns geht es doch hier gut! Die Parteien haben hier völlig richtig gehandelt und es nicht erst jetzt bemerkt, dass der Wohnungsmarkt schwierigt ist. Das wusste man schon vorher. Das ist eben eine Frage von Abwägung und Selbstlosigkeit. Dieser dumme Egoismus in diesem Land nervt! Dass ein paar wenige ihr Idyll (auch wenn es Herzblut ist) auf vielen Quadratmetern wohl aufgeben müssen, wenn viele Menschen dort WOHNEN können ist wohl klar! Das ist eben in einer gesunden Gesellschaft so. Wenn das Interesse der Mehrheit vor dem Interesse weniger steht, nennt sich das übrigens Demokratie.

  10. 6.

    "D. h. ZUERST sollte man überlegen, was dem eigenen Volk (demgegenüber man sich verpflichtet hat) zugute kommt"

    Und die Vernunft sagt da klar: Wohnungen, Kitas, Schulen usw. statt Kleingärten (an dieser Stelle). Das kommt dem eigenen Volk zugute.

  11. 5.

    Man geht den einfachen Weg, indem man die verpachteten Kleingarten Flächen bebaut. Das geht schneller als die Bebauung des Tempelhofer Feldes. Kleingärten, so dicht im Wohngebiet sind nicht sinnvoll und fehlende Infrastruktur Einrichtungen haben Priorität, besonders Wohnungen. Die Betroffenen mag es schmerzen, die Bürger profitieren.

  12. 4.

    Vernunft ist etwas, das man bei vielen Politikern (und natürlich auch vielen anderen Leuten) nicht zu suchen braucht.
    Da wird der eigene Habitus gern zum Maßstab für die Allgemeinheit erklärt und niemals hinterfragt.
    Aber diese Kritiklosigkeit eigenen Einstellungen und Grundsätzen gegenüber sollte vernunftbegabten Menschen sehr zu denken geben.
    Ich möchte nicht von grünem Größenwahn regiert werden (laut dem Deutschland für so ziemlich alles verantwortlich ist), sondern in erster Linie schlicht von der Vernunft.
    D. h. ZUERST sollte man überlegen, was dem eigenen Volk (demgegenüber man sich verpflichtet hat) zugute kommt und erst DANACH, wie man dies ethisch korrekt umsetzt.
    Wohlgemerkt: Ich rede nicht von Rücksichtslosigkeit gegenüber Angehörigen anderer Völker, sondern von Umsicht (also dem Vermeiden von Rücksichtlosigkeit gegenüber dem EIGENEN Volk).

  13. 3.

    Der Lobbyist der Immobilienindustrie bei den Grünen.Der kann doch gar nicht anders als wie ein Immobilienentwickler denken.Die Lauben müssen weg, weil da gibt es keine grüne Eidechsen!!! wie auf dem Tempelhofer Feld.Man hat nicht danach gesucht und nach den Singvögel,oder kleine vom Aussterben bedrohte Fledermäuse und Menschen denen ein stück Heimat genommen wird.Gerade da sollten doch die Grünen als die besseren Menschen verständnis zeigen, wenn Heimat im weitesten Sinn genommen wird.

  14. 2.

    Warum hat man nicht einen Teil des Flugfeldes von Tempelhof bebaut und eine Gartenstadt mit Park und See angelegt?Anstatt so wie es jetzt ist, wurstige und mit politischem Druck der Grünen und Alternativen Scene durchgedrückt.Es gibt über Generationen gewachsene Kulturgüter , diese Menschen und Anlagen sollten Bestandsschutz geniessen.Jetzt schreit keiner auf , wenn sich die Politik und Wohnungsbauunternehmen die Hände reiben bei den Sahnestückchen die es zu verteilen gibt.Das sind ja nur die" piefiken"Kleingärtner aus längst vergangenen Tagen.Immer wie es gerade passt und dann alternativlos brüllen.

  15. 1.

    Tja, so ein Käse, liebe Grüne:
    Da beklatscht man, dass massenhaft Leute ins Land kommen und merkt irgendwie zu spät, dass es dafür u. a. an Wohnraum mangelt.
    Was bleibt einem da anderes übrig als aus Grün Grau zu machen, friedlichen Pflanzenfreunden ihr Herzblut zu nehmen, langfristig wohl auch die innerstädtische Autobahn zu bebauen (Steuerzahler, freu Dich schon mal auf Bau- und Instandhaltungskosten. Autofahrer, bau dort ja keinen Unfall, der Lufthilfe benötigen würde.) und damit die eigene Agenda wortwörtlich dazwischenzuquetschen, wo sie eigentlich keinen Platz hätte.
    Was Ersatzgartenflächen betrifft, bleibt Herr Oltmann (laut Bildbezeichnung: Altmann) sicherheitshalber im Konjuntiv.
    Hoffentlich vergessen die Schrebergärtner mitsamt ihrer Kinder und Besucher nicht, wem sie den Verlust ihrer Parzellen zu verdanken haben (und damit meine ich weiß Gott nicht nur EINE Partei).
    Doch stelle ich einfach mal die Frage:
    Sollte es im Senat mehr Grün geben als in Tempelhof-Schöneberg?

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