Protestplakat gegen die Bebauung der Rummelsburger Bucht (Quelle: dpa/Markus Heine)
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Audio: Inforadio | 14.03.2019 | Annette Miersch | Bild: dpa/Markus Heine

Rummelsburger Bucht - Bürgerinitiative stellt alternativen Bebauungsplan vor

Die Rummelsburger Bucht ist eine der letzten großen Brachen in der Berliner Innenstadt. Vor allem private Investoren wollen bauen. Inzwischen gab es Nachverhandlungen zugunsten des Allgemeinwohls. Doch der Protest von Anwohnern lässt nicht nach. Von Annette Miersch

Mehr Wohnen, viel mehr Kultur, mehr Grün - dafür viel weniger Gewerbefläche: So lässt sich das Alternativkonzept der Bürgerinitiative "Rummelsburger Bucht retten" auf den Punkt bringen. Die Vision der Verfasser ist es, das Gebiet im Berliner Bezirk Lichtenberg zu einem, wie sie es nennen "urbanen Biotop" auszubauen: autofrei, kollektiv, solidarisch, sozialwirtschaftlich ausgerichtet, erklärt Mitverfasser und Anwohner Florian Hackenberger. "Wir bauen gemeinwohlorientiertes Wohnen und davon 30 Prozent mehr als der aktuelle Bebauungsplan vorsieht. Es entstehen also mehr Wohnungen zu günstigeren Preisen", so Hackenberger.

Außerdem werde gemeinwohlorientiertes Gewerbe gebaut. "Es entstehen also Flächen für kleine Inhaber und kollektivgeführte Läden, die in der Stadt verdrängt werden." Des Weiteren wollen die Initiatoren die Grünflächen erhalten, so soll mehr "Naturraum erlebt werden", sagt Hackenberger.

Statt Autos fahren Lastenräder

Auch alte Gebäude sollen auf dem Areal nicht abgerissen, sondern erhalten werden. Statt breiter Straßen gibt es Rad- und Fußwege, statt Autos fahren Lastenräder. Das derzeitige Obdachlosencamp am Wasser ist als dauerhafte Einrichtung eingeplant, ebenso Tiny-Häuser für alternatives Wohnen.

An der Stelle, wo das offizielle Bebauungskonzept derzeit ein großes Event-Aquarium plant, soll ein Gemeinschaftsgarten stehen. Die Rummelsburger Bucht soll "ein Ort werden, an dem sich die Stadt treffen und austauschen kann und Naherholungsqualitäten nutzen kann", sagt Iver Ohm. Auch die soziale Frage, wie Stadtentwicklung entwickelt wird, soll in den Vordergrund getragen werden.

Der Kulturwissenschaftler stellt sich als Experte für alternative Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligungsprozesse vor. In dem Planungsentwurf stecke viel Arbeit und Sachverstand, betont Ohm. Ein Anwalt für Planungsrecht, Architekten, Stadtplaner, Designer hätten ehrenamtlich mitgewirkt - auch Nicht-Lichtenberger wie er selbst. "Mir ist wichtig, dass wir nicht als Verhinderer wahrgenommen werden, sondern als produktive Mitdiskutanten."

Bezirk soll Bebauungsplan-Entwürfe prüfen

Und die sind mit den Nachverhandlungen zwischen Senat und privaten Investoren nicht zufrieden. Florian Hackenberger stellt klar: Sie gehen aufs Ganze und fordern einen Rückkauf beziehungsweise eine Rückübertragung der Flächen an das Land. "Wie das gehen soll, ist ganz einfach: Es werden die Ziele geändert und dann werden die Verträge rückabgewickelt. Das müsste wahrscheinlich innerhalb von ein bis zwei Jahren alles fertig sein und parallel dazu können die neuen Planungen laufen", sagt Hackenberger.

Die von Bezirksbügermeister Michael Grunst (Linke) befürchteten erneuten Verzögerungen oder gar erneuter Stillstand auf der Brache an der Rummelsburger Bucht sind aus Sicht der Initiative damit vom Tisch. Sie fordert nun, vom Bezirksamt und der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) angehört zu werden. Der Bezirk möge beide Entwürfe für einen Bebauungsplan prüfen. Die Zeit wird knapp. Denn die Abstimmung zum Investoren-B-Plan "Ostkreuz" von Bezirksbürgermeister Grunst steht bereits nächsten Donnerstag auf der BVV-Tagesordnung. 

Beitrag von Annette Miersch

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ich bin mittlerweile soweit, das mir egal ist was dahin kommt. Eben bin ich gerade wieder dort entlang gelaufen (wohne in unmittelbarer Nähe), es ist schlichtweg abartig wie es dort mittlerweile aussieht. Es muss endlich was passieren!

  2. 5.

    Das jetzige Projekt kann ich nicht einschätzen. Aber ich erinnere mich an die Immobiliengangster und ihre Machenschaften nach dem Mauerfall. Damals wohnte ich im Friedrichshain, Zentralviehhof.
    Was damals an Gestaltungschancen verpasst wurde - jammerschade.
    Was hätte man aus dem Mauerstreifen machen können! Ein grünes Band mitten durch Berlin. Mit Erholungswert, Symbolcharakter, Erinnerungswert.

  3. 4.

    Sehr schöner Entwurf. Hier wird Stadtklima, gesellschaftliches Zusammenleben, Bildung und arbeiten mitgedacht. Sicher kann man da noch was weiter entwickeln, aber der Entwurf ist doch super. Ich wohne und arbeite im Kollektiv auf der anderen Seite der Spree und würde da rüber ziehen, wenn es umgesetzt wird... Schöne Vorlage und weiter viel Erfolg

  4. 3.

    Warum weiter "Schönes Neues Berlin" - wie rund um die Mercedes Benz Arena - bauen, wenn es auch anders geht: gemeinwohlorientiert, sozial und nachhaltig ;) Viel Erfolg beim Überzeugen der BVV.

  5. 2.

    Der Senat sollte zuerst das alte Gift in der Bucht abpumpen lassen und danach weiter bebauen lassen.
    Auch das Wohnen wird als giftbelastet eingeschätzt.
    Hier wird Geld für alles Mögliche ausgegeben und die Sache wird aus angeblichen "Kostengrünen" ignoriert. Kostet aber nur so viel wie z. B. 40 kurze Radwegstrecken, die ja hier ziemlich teuer ausfallen.
    Was ist denn mal mit REALER grüner Politik?
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-lichtenberg-wasserstrassenamt-warnt-vor-dauerhaftem-aufenthalt-auf-dem-rummelsburger-see/19841994.html

  6. 1.

    Es ist allen Seiten sehr spät aufgefallen, dass das ganze Areal nur mit schicken, aber monotonen Neubauten zubetoniert wurde. Es war eine Planung ohne Infrastruktur und ein Bauen mit maximaler Rendite.

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