Blumen am Mahnmal fuer ehemalige Zwangsarbeiter in Berlin-Lichtenberg (Quelle: imago/Christian Ditsch)
Bild: imago/Christian Ditsch

Pläne des Dokumentationszentrums - Zwangsarbeiter-Standorte sollen besser erfasst werden

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit hat eine bessere Kennzeichnung von ehemaligen Zwangsarbeiterlagern in der Bundeshauptstadt gefordert. "Es gibt viele Gebäude auf der Berliner Denkmalliste, in denen während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter leben und arbeiten mussten, ohne dass daran erinnert wird", sagte die Leiterin des Dokumentationszentrums, Christine Glauning, dem Evangelischen Pressedienst am Wochenende.

Rund 3.000 Lagerstandorte im gesamten Stadtgebiet

Bislang seien erst etwa die Hälfte der rund 3.000 Lagerstandorte in der Stadt identifiziert. Sie sollen im Lauf des Jahres in einer interaktiven Datenbank online zugänglich gemacht werden, sagte die Historikerin.

Im Zuge von Bauprojekten und Bebauungsplänen würden immer wieder neue Orte der Zwangsarbeit entdeckt. Als Beispiel verwies Glauning auf die in Lichterfelde-Süd entdeckten Baracken eines früheren Kriegsgefangenenlagers. Dort sollen Grabungen stattfinden und ein Erinnerungsort entstehen, sagte Glauning. Dass das Thema "Archäologie und Zwangsarbeit" wieder aktuell geworden ist, zeigten auch Ausgrabungen auf dem Flughafen Tempelhof, auf einem Friedhof in Neukölln und in Rudow, wo im Zuge der Vorbereitungen für einen Schulneubau Reste eines Lagers entdeckt wurden.

Dokumentationszentrum will beratend tätig werden

Ein weiterer Erinnerungsort seien die seit 1945 baulich nahezu unveränderten Keller der Bockbierbrauerei in Kreuzberg, sagte Glauning. Dort sei in der NS-Zeit eine Untertageverlagerung der Produktion der Firma Telefunken geplant gewesen. "Auch hier wird im Zuge von Neuplanungen über die Frage des Erhalts der Keller, die Unterschutzstellung und die Errichtung eines Erinnerungsortes diskutiert", betonte die Historikerin.

Verantwortlich für die Kennzeichnung von ehemaligen Zwangsarbeiterlagern seien das Landesdenkmalamt und der Senat, sagte Glauning. Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit werde sich als Facheinrichtung gerne beratend daran beteiligen.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Sehr wichtig, vor allem durch das Aufkommen von rechtspopulistischen Gruppierungen, die braune Vergangenheit für künftige Generationen kenntlich zu machen.
    So etwas darf nie wieder passieren, nicht in Deutschland, nicht in Europa und nirgendwo sonst auf der Welt.

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