Eine Person füllt ein Formular aus (Quelle: imageBROKER/Jan Richter)
Audio: Fritz | 17.03.2019 | Nachrichten | Bild: imageBROKER/Jan Richter

Ratschläge Brandenburgs zum dritten Geschlecht - Bitte kreuzen Sie an: "Herr", "Frau" oder "keine Anrede"

Seit Januar kann in Deutschland "divers" als drittes Geschlecht eingetragen werden. Nach und nach kommt das im Alltag an. Brandenburg erwägt jetzt zum Beispiel, in Formularen das Kästchen "keine Anrede" anzubieten. Auch für Sanitärräume soll es neue Regelungen geben.

Nach der Einführung des dritten Geschlechts im Geburtenregister soll aus Sicht der Brandenburgischen Landesregierung auch die Anrede in Anmelde- und Bestellformularen erweitert werden. Neben "Frau" oder "Herr" wäre ein weiteres Kästchen "keine Anrede" zum Ankreuzen möglich, heißt es in der Antwort des Brandenburger Sozialministeriums auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion. Bei den allgemeinen Geschäftsbeziehungen könnten geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet werden.

Die Karlsruher Verfassungsrichter hatten 2017 entschieden, dass im Geburtenregister ein dritter Geschlechtseintrag möglich sein muss. Die bis dahin geltende Regelung, die nur die Optionen "weiblich" oder "männlich" kannte, wurde als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes gewertet. Die oppositionelle CDU wollte nun von der Landesregierung wissen, wie Mittelstand und Handwerk mit der - vom Bundestag dann 2018 beschlossenen - dritten Geschlechtsoption "divers" umgehen sollen.

Keine Empfehlung für die Begrüßung

Auch bei Gesetzestexten und in Verwaltungsschreiben verfolgt die Landesregierung nach Angaben des Ministeriums das Ziel, die Gleichstellung von Frauen, Männern und anderen Geschlechtern sprachlich zum Ausdruck zu bringen. Allerdings gibt die Landesregierung keine Empfehlung für die Begrüßung und Anrede im geschäftlichen Schriftverkehr.

Weder das Bundesverfassungsgericht noch das neue Geburtenregister machten hierzu konkrete Vorgaben. Der Rat für deutsche Rechtschreibung habe lediglich das Recht jener Menschen auf eine angemessene sprachliche Bezeichnung anerkannt, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlten. "In Gesellschaft und Rechtsverkehr wird sich ein angemessener Sprachgebrauch erst noch entwickeln müssen", erklärt das Ministerium.

Neue Vorschriften für Sanitärräume geplant

Auch für Sanitärräume und Arbeitskleidung in Unternehmen gibt es den Angaben zufolge bislang keine Regelungen für ein drittes Geschlecht. Nach den geltenden Bestimmungen für Arbeitsstätten muss es Toiletten-, Wasch- und Umkleideräume getrennt für Männer und Frauen geben. Lediglich Kleinbetriebe mit bis zu neun Beschäftigten können geschlechtsunabhängige Räume einrichten, die etwa zeitlich getrennt von Frauen und Männern genutzt werden. Kleinbetriebe könnten diese Regelung auch auf das dritte Geschlecht ausweiten.

Die Landesregierung werde sich aber für "entsprechende Klarstellungen in den Geschlechterfragen betreffenden Forderungen in Arbeitsschutzgesetzen und -verordnungen" einsetzen, kündigte das Ministerium an. Für die Arbeitskleidung werden Unternehmen Regelungen empfohlen, die eine Diskriminierung des dritten Geschlechts ausschließen.

Antidiskriminierungsstelle soll Vorschläge machen

Stellenausschreibungen sollten nach Ansicht der Landesregierung bei der Berufsbezeichnung den Zusatz (m/w/d) enthalten. Dies werde bereits häufig praktiziert. Die Bezeichnung "d" für "divers" entspreche auch dem Wortlaut des Gesetzes über die Einträge ins Geburtenregister. Denkbar seien aber auch andere geschlechtsneutrale Formulierungen. Im Internet gebe es dazu zahlreiche Vorschläge.

In der Antwort an die CDU verweist das Ministerium auf eine Initiative der Länder, um mehr Klarheit und Rechtssicherheit für Verwaltungen und Wirtschaft zu schaffen. Ende Januar 2019 sei die Antidiskriminierungsstelle des Bundes um Hinweise zu den arbeitsrechtlichen Konsequenzen des Urteils und des Gesetzes gebeten worden. Diese wolle man zunächst abwarten.

Eine Beratungsstelle zu diesem Thema oder einen eigenen Leitfaden hat die Landesregierung den Angaben zufolge nicht geplant. Vorschläge über geschlechtsneutrale Formulierungen enthalte bereits ein Leitfaden der Stadt Hannover.

Kommentar

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Antwort auf [Carsten] vom 17.03.2019 um 17:34
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27 Kommentare

  1. 27.

    Ich fühle mich durch zu vage Angaben diskriminiert und verlange Gleichbehandlung für Recherche-Verweigerer.
    (Nebenbei: Müsste es nicht "DAS Wikipedia" heißen? Ist doch immerhin was Gutes. Und nur negative Begriffe wie Kraftausdrücke bleiben m. W. von der geschlechtlichen Einebnung verschont.)


  2. 26.

    "(zur Erinnerung: Demokratie richtet sich nach der Mehrheit - nicht nach den Sonderwünschen jedes noch so kleinen Grüppchens)"
    FALSCH! Nachhilfe gibt´s auf Wikipedia

  3. 25.

    Sex gibt es noch (siehe Überbevölkerung und Aids), Drogen landen im besten Fall beim Arzt oder auf dem Scheiterhaufen und als Rock 'n' Roll zu Helene Fischer wurde, war das meiner Meinung nach ein guter Tag (bin halt Ästhet).
    Ich staune nur - ganz unabhängig davon - wie wenig wir Deutschen unsere alten Gewohnheiten ablegen können.
    Alles muss in Schubladen gepackt werden.
    Selbst wenn es keinen Fingerhut ausfüllt.

  4. 24.

    wann ist aus sex, drugs und rock`n roll eigentlich laktoseintoleranz, veganismus und helene fischer geworden??

  5. 23.

    Zunächst mal wäre zu klären, ob Anreden überhaupt eine Diskriminierung darstellen, für wieviele Menschen diese überhaupt relevant wären (zur Erinnerung: Demokratie richtet sich nach der Mehrheit - nicht nach den Sonderwünschen jedes noch so kleinen Grüppchens) und dann wäre abzuwägen, ob Aufwand und Ergebnis in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen.
    Es geht nicht nur um Worte, sondern auch um deren Auswirkungen.
    Viele Leute finden diesen ganzen Genderquark iditotisch (wie Sie geahnt haben werden: Auch ich).
    Aber da entsprechende Maßnahmen umzusetzen Zeit, Aufwand und Geld kostet, ist es leider ein nicht vollkommen unwichtiges Thema.
    Ihrer Argumentation zufolge darf aber niemand rufen "Der Kaiser ist ja nackt!".

  6. 22.

    Es ist doch bemerkenswert, mit welcher Intensität so manch Kommentierende*r sich darüber äußert, wie sinnlos und unwichtig das Ganze doch sei, um selbstredenderweise dennoch so viel Sinn darin zu sehen, genau darüber einen Kommentar zu verfassen. Das nennt sich Doppelstandard und ist in Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, Klassismus etc. weit verbreitet.

    Es werden die üblichen rechtspopulistischen Narrative verbreitet: Es beträfe doch nur Wenige und sei deswegen nicht relevant oder diejenigen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, werden unter Rechtfertigungsdruck gesetzt und delegitmiert. Demokratie- und Menschenrechtsbildung? Fehlanzeige.

    Das Bundesverfassungsgericht hat die Ausräumung bestehender Diskriminierungen angeordnet, weil sich Politik und Co. zu fein waren, grundlegende Rechtsgüter aller(!) ernst zu nehmen. "Divers" ist wenn dann nur die Gesamtheit von möglichen Geschlechtsidentitäten, nicht aber ein einzelner Mensch. Auch klingt es eher nach "divergierend".

  7. 21.

    Oder die letzten Überlebenden hocken zwischen den Trümmer einer kaputt geschlagenen Welt und fragen sich mal wieder, wie das alles passieren konnte...

  8. 20.

    Bitte nicht vergessen, auch alle Quotenregelungen anzupassen: Jedes soundsovielte Abgeordnete muss künftig divers sein.

  9. 18.

    Wegen solcher Sachen sitzt dieser ....... im Weißen Haus.

  10. 17.

    Wenn es ein drittes Geschlecht gibt, wer oder was ist dann bitte das erste und zweite Geschlecht?
    Das wäre doch mal ein schöner Streit.
    Ähnlich wie bei der dritten Welt, von der mal gesprochen wurde. Dort gab es auch nur die Glaubensfrage (nicht im religiösen Sinn), was die erste und zweite Welt denn wäre.

  11. 16.

    In hundert Jahren wird man über all dies herzlich lachen und es zum Gegenstand von Studien machen über den Zustand der Gesellschaft in der kollabierenden westlichen Kultur an der Wende vom zweiten zum dritten Jahrtausend.

  12. 15.

    Ja, es gibt noch etliche weitere Länder, die eine Regelung zum dritten Geschlecht / Intersexualität haben. Hier schreiben die Kollegen von der Deutschen Welle darüber: https://www.dw.com/de/viele-l%C3%A4nder-kennen-drittes-geschlecht/a-41291875
    Der Beitrag ist allerdings vom November 2017 - seitdem könnten also noch andere Länder dazu gekommen sein.

  13. 14.

    ..einfach nur krank!
    Gibt es außer Deutschland eigentlich auch andere Länder auf diesem Planeten, die mehr als zwei Geschlechter haben?

  14. 13.

    Ehrlich gesagt habe ich noch nie eine Frau das Männerklo betreten sehen. Aber hätte auch nun wahrlich kein Problem damit.

  15. 12.

    Das sehe ich ganz genauso. Um ehrlich zu sein, gehöre ich auch dazu. Wenn die Frauentoilette rappelvoll ist, gehe ich auch auf die Männertoilette. Wo ist denn das Problem, dass es freie Toilettenwahl gibt? Das im Stehen pinkeln kanns ja nicht sein. Denn wir Frauen machen die größere Sauerei, wenn wir den "Skiflieger" machen, um den Klodeckel nicht berühren zu müssen... ;-)

  16. 11.

    Alles irre oder alles Irre? Die englische Sprache ist da viel unkomplizierter, z.B. Anrede: Dear ... Name, oder Berufsbezeichnungen wie z.B. für Lehrer - teacher. Gilt für maskulin und wie auch für feminin.

  17. 10.

    Jeder sollte so leben, wie es für ihn richtig ist.
    Aber wir haben zur Zeit wirklich wichtigere Probleme, die uns „Alle“ betreffen.

  18. 9.

    Mir fällt dazu folgendes ein, wozu sind Eltern eigentlich da, wenn diese es nicht einmal schaffen ihre Sprößlinge richtig aufzuklären. Wie alt sind Ihre“Mädels“ denn, wenn ich fragen darf? Sind diese gerade in der Pubertät, dann sollten Sie zumindest mal im Internet recherchieren was Gendersein überhaupt bedeutet. Es gibt sogar recht gute Spielfilme zum Thema( TransAmerica z.B.). Zudem sei hier erwähnt, wenn sich schon eine Transgenderperson auf ein Damenklo begibt, dann hat sie sich mit hundertprozentiger Sicherheit als Frau und nicht als Mann entschieden. Letztendlich haben Ihre Töchter absolut nichts zu befürchten durch solch eine Person. Ich hege so meine Zweifel, ob Sie es mit Ihrem Kommentar ernst meinen. Stellen Sie doch gleichen Kommentar mal auf die Seite von „ queer.de“. Sie werden auf die Antworten nicht lange warten müssen und niemand wird Sie dafür verurteilen.

  19. 8.

    Es gibt deutlich wichtige Entscheidungen, welche die Politik fallen muss, aber dafür muss man einen Arsch in der Hose haben, und das hat keiner von diesen Personen. Da macht man lieber Unsinnigkeiten.
    Aber wo soll das hinführen?
    Für Flüchtlinge, wegen ihres angeblichen Schamgefühls, gibt es Sonderregelungen. Jetzt für die neugeschaffene Gruppe ebenfalls. Wo soll das hinführen?
    Der sogenannte Ottonormalbürger geht dabei fast verloren mit seinen Sorgen.

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