Mahnwache der Berliner Feuerwehr vor dem Roten Rathaus in Berlin (Archivbild vom 26.04.2018) © imago/Seeliger
Audio: rbb 88,8 | 26.03.2019 | Christoph Reinhardt | Bild: imago/Seeliger

"Berlin brennt"-Mahnwachen - Warum die Feuerwehr-Proteste bislang kaum Wirkung zeigen

Vor genau einem Jahr haben Berliner Feuerwehrleute mit einer Mahnwache vor dem Roten Rathaus für mehr Personal und eine bessere Besoldung demonstriert. Einen Monat später kam die Einigung mit dem Senat - und dann das lange Warten.

"Berlin brennt" - unter diesem Motto haben Berliner Feuerwehrleute vor genau einem Jahr eine mehrwöchige Mahnwache vor dem Roten Rathaus begonnen. Ein Jahr später sagen Aktivisten: "Berlin brennt immer noch."

Zwar hatte sich Innensenator Andreas Geisel (SPD) Ende April 2018 mit den Demonstranten und ihren Gewerkschaften unter anderem auf kürzere Arbeitszeiten, 350 zusätzliche Stellen und neue Fahrzeuge geeinigt.

Doch die Umsetzung der Zusagen geht vielen Feuerwehrleuten nicht schnell genug. Erst in der Adventszeit gab es neue Proteste vor dem Rathaus, diesmal ohne Unterstützung der Gewerkschaften. Die Aktivisten fordern unter anderem eine drastische Erhöhung der Feuerwehrzulage, um Kollegen aus anderen Bundesländern nach Berlin zu locken. Außerdem wollen sie unter anderem für einen flexibleren Dienstplan kämpfen.

Situation ist "eindeutig schlechter geworden"

Die Feuerwehr habe anscheinend nicht die richtig große Priorität, beklagt Feuerwehrmann Erik Herbote, stellvertretender Vorstand des Vereins "Berlin brennt", im rbb-Interview. So seien zwar geleistete Überstunden bezahlt worden, doch die Erhöhung der Feuerwehrzulage - um sechs Euro pro Monat - sei immer noch nicht bei den Feuerwehrleuten angekommen.

Herbote kritisiert zudem, dass die Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 auf 44 Stunden durch die Umstellung von 24- auf 12-Stunden-Dienste nichts bringe. Denn der Vier-Stunden-Vorteil werde durch die häufigere Fahrt zur Arbeit wieder zunichte gemacht. Zudem verschärfe die Verkürzung der Arbeitszeit den Personalmangel.

Das Grundproblem sei "die Diskrepanz zwischen Einsatzzahlen und Personalausstattung", sagt Herbote. Die Berliner Feuerwehr sei nicht mehr im gleichen Maße leistungsfähig, wie wir vor einigen Jahren. So seien seit der Umstrukturierung Löschfahrzeuge oft nur noch mit vier statt sechs Mann besetzt. Man müsse das Personal von vierschiedenen Wachen "zusammenstückeln", sagt Herbote. Dadurch sei die Situation "eindeutig schlechter geworden", viele Kollegen hätten resigniert.

"Durststrecke" könnte noch drei Jahre andauern

Thomas Kirstein, Pressesprecher der Berliner Feuerwehr, kennt das Problem. Zwar seien die vereinbarten zusätzlichen 354 Stellen im letzten Doppelhaushalt enthalten. Doch: "Das Problem ist, egal wie viele zusätzliche Stellen wir bekommen, dass wir diese Leute finden und auch erstmal ausbilden müssen", sagt Kirstein im rbb. Man habe eine Ausbildungsoffensive gestartet, wolle auch im bundesweiten Vergleich attraktiver werden; bis die personellen Verstärkungen greifen, dauere es aber noch, räumt Kirstein ein. Zumal durch die Umstellung auf die 44-Stunden-Woche derzeit noch mehr Feuerwehrleute fehlten als vorher. In drei Jahren dürfte die "Durststrecke" überwunden sein, hofft Kirstein.

Landesbranddirektor Karsten Homrighausen setzt darauf, wieder Ruhe einkehren zu lassen und Vertrauen aufzubauen bei der Berliner Feuerwehr. Die Proteste im vergangenen Jahr hätten dazu geführt, dass der Fokus und das Bewusstsein der Öffentlichkeit und der politisch Verantwortlichen auf der Feuerwehr liegen. Erste Maßnahmen seinen umgesetzt, es werde aber auch ein weiterer Investitionsbedarf gesehen. Beispielsweise seien für die Erneuerung des Fuhrparks weitere Gelder nötig, so Homrighausen.

Über weitere Geldspritzen soll das Abgeordnetenhaus mit dem nächsten Haushalt entscheiden.

Sendung: Radioeins, 26.03.2019, 5:30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [ein Berliner] vom 26.03.2019 um 13:43
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1 Kommentar

  1. 1.

    Erschreckend zu erkennen, wie unfähig die SPD-Politik mit Feuerwehrleuten umgeht.

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