Menschen nehmen einer Demonstration zur Interationalen Frauentag in Berlin am 8. Maerz 2019 teil (Quelle: imago/Contini)
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Video: rbb|24 | 08.03.2019 | Bild: imago/Contini

Aktionen am arbeitsfreien Frauentag - Tausende demonstrieren für Frauenrechte in Berlin

Zum "Kampftag" der Frauenbewegung hat sich am Freitag die Vielfalt der feministischen Bewegung auf Berlins Straßen gezeigt: Beim "Purple Ride" radelten Aktivistinnen in rosa Tüll - am Clara-Zetkin-Denkmal wurden, ganz traditionell, rote Rosen niedergelegt.

Anlässlich des Internationalen Frauentages sind am Freitag in Berlin mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen. Zur einer zentralen Demonstration, die um 14 Uhr begann, waren etwa 10.000 Menschen angemeldet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zogen vom Alexanderplatz nach Kreuzberg. Die Polizei nannte keine Teilnehmerzahlen.

Aufgerufen hatte das Bündnis "Frauen*Kampftag", ein Zusammenschluss aus Parteien, Gewerkschaften und verschiedenen linken Initiativen. Die Veranstalter forderten in ihrem Aufruf unter anderem ein "Leben ohne Angst, Ausbeutung und Unterdrückung" sowie "gute Arbeit und soziale Absicherung".

An der Demonstration beteiligte beispielsweise das "Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung". Es forderte, dass die Abtreibungsparagrafen 218 und 219a aus dem Strafgesetzbuch gestrichen und Schwangerschaftsabbrüche legalisiert werden. Von der "feministischen Müttergruppe" hieß es, sie kämpfe um Sichtbarkeit. "Ganz oft werden Mütter bei Frauenkämpfen nicht mitgedacht", sagte Demonstrantin Jana dem rbb.

Berlin als "Stadt der Frau"

Auch Politikerinnen nahmen an der Kundgebung teil, wie die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock. Dem rbb sagte sie: "Frauentag heißt, weiter für gleichen Lohn, mehr Gleichberechtigung in den Parlamenten und vor allem gegen Gewalt an Frauen zu kämpfen. Wir haben lange noch nicht alles erreicht als Frauen."

Auch Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) ging zum Frauentag auf die Straße. Im rbb-Inforadio lobte sie, dass Berlin als einziges Bundesland den 8. März zum Feiertag erklärt habe. "Berlin ist die Stadt der Frau", so Kolat. Die Hauptstadt habe einen Spitzenwert bei Frauen in Führungspositionen und Programme im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen. Allerdings seien die immer noch vorhandenen Gerechtigkeitslücken bei Löhnen und bei der Rente nicht hinnehmbar.

"Ab aufs Rad, gegen das Patriarchat!"

Neben dem Protestzug am Alexanderplatz gab es noch weitere Veranstaltungen in Berlin. So startete in Kreuzberg am Mariannenplatz ein Fahrradkorso - unter dem Motto "Ab aufs Rad, gegen das Patriarchat!". Rund 80 Frauen folgten dem Aufruf zum "Purple Ride", viele mit rosa Warnwesten oder rosa Jacken. "Viele Frauen sind konfrontiert mit Seximus. Das erlebe ich fast jeden Tag. Deshalb bin ich hier, denn Seximus gehört für mich nicht zu einer demokratischen Gesellschaft", sagt eine junge Frau dem rbb, die sich dieser Kundgebung angeschlossen hatte.

Purpe Ride in Berlin (Quelle: rbb/Barke)
In Kreuzberg startete der "Purple Ride" | Bild: rbb/Barke

"Von der Matrosin bis zum General"

Am Brandenburger Tor wiederum verteilten Soldatinnen der Bundeswehr Rosen. Mit der Aktion warben die Streitkräfte um weiblichen Nachwuchs. Vor 30 Jahren dienten gerade 260 Frauen in der Bundeswehr, heute seien es schon 22.100, hieß es "Frauen haben in der Bundeswehr alle Chancen, aus eigener Kraft alles zu werden von der Matrosin bis zum General", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums.

Rote Rosen für Clara

Einer "Parteisoldatin" der KPD - so nannten sie Kritiker - gedachte das eher traditionell feministische "FrauenNetz" derweil in Marzahn-Hellersdorf. Im Clara-Zetkin-Park legten die Frauen rote Rosen nieder, zum Gedenken an eine der wichtigsten Vorkämpferinnen der Frauenbewegung. "Wie auch in den vergangenen Jahren wollen wir Frauen die Gelegenheit geben, zu dieser Gedenkstunde zum Ausdruck zu bringen, was sie in der heutigen Zeit bewegt, betroffen macht, beunruhigt - aber auch begeistert oder beglückt," hieß es im Aufruf.

Damals Wahlrecht - heute Gleichberechtigung

Clara Zetkin ist die Schöpferin des Internationalen Frauentags. 1910 schlug die sozialistische Politikerin auf einer Konferenz vor, diesen Tag einzuführen - ein Jahr später war es so weit: Am 8. März 1911 gingen in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz erstmals zeitgleich Feministinnen auf die Straße. Die Forderung damals: die Einführung des Frauenwahlrechts.

Seit 1921 wird der Frauentag jährlich am 8. März gefeiert. 1977 erkannte die UN-Generalversammlung den 8. März als Internationalen Frauentag an. In Berlin ist der Tag in diesem Jahr erstmals Feiertag.

Impressionen vom 8. März in Berlin

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    > Katholischer Frauen- und Mädelbund mit dabei am Weltfrauentag <, na, das ist doch fein, dann wird es ja ein Leichtes sein, nach 2000 Jahren Christenheit nun endlich auch weibliche Priester, also Priesterinnen, auch in der Römischen Kirche zu erkämpfen und vielleicht auch noch ein paar Jüngerinnen des HErrn Jesus wiederzuentdecken. Das könnte auch dem steigenden Priestermangel gescheit abhelfen.

  2. 16.

    Fassen wir mal zusammen:
    Frauen rufen Diskriminierung
    Migranten rufen, oder andere tun das gern für sie Diskriminierung
    Schwule, Lesben rufen Diskriminierung
    Quere, Diverse... rufen Diskriminierung
    Muslime beklagen sich über Diskriminierung
    Leute, die Termine beim Jobcenter einhalten sollen rufen Diskriminierung
    Die Sakralisierung von echten oder vermeintlichen Diskriminierungsopfern nimmt hier Ausmaße an, die nicht mehr zu ertragen sind. Diejenigen, die nichts vorweisen können, werden garadezu angehalten Abbitte zu leisten. Das gern in Form von Steuern, Gebühren, Abgaben... . In der Regel sind das die arbeitenden deutschen weißen Heteromänner. Lasst sie endlich in Ruhe.

  3. 15.

    Früher, in der alten Bundesrepublik, wussten die Männer ganz genau, was für Frauen gut ist.
    Früher, in der alten DDR, wussten die Ideologen ganz genau, was für Frauen gut ist.
    Heute, in Gesamtdeutschland, wissen die Feministinnen ganz genau, was für Frauen gut ist.
    Sie haben nur ihr Geschlecht gewechselt, äußerlich jedenfalls ein bisschen. Und ihre Ideologie ein wenig angepasst.

  4. 13.

    Apropos labern, auch hier fehlen konkrete Vorschläge von ihnen wie das zu ändern ist.

    Es ist immer leicht Forderungen zu stellen statt konstruktive Kritik zu üben.

  5. 12.

    Sie sprechen von Berlin.
    In München hat der Katholische Frauenbund(!!) zur Demonstration zum Internationalen Frauentag aufgerufen. Was schon ein Treppenwitz an sich ist.

  6. 11.

    Toller Tag, ganz ohne Kirchenhokuspokus.

  7. 10.

    @Rüdiger Maria Stumpf
    Guter Beitrag. Ich hätte es nicht besser formulieren können. Sie sprechen bestimmt 2,1 Mio Berlinern aus dem Herzen. Leider melden sich immer nur die 1,8 Mio Berliner unterstützt von den Medien zu Wort.
    Danke nochmal!

  8. 9.

    Es ist immer eine Frage des eigenen Standpunkts, wenn alle anderen links sind. Ansonsten: Wischt Euch mal den Schaum vom Mund ab, Männer. Sieht nicht schön aus.

  9. 8.

    Was haben Feministen an ihrem vermeintlichen Kampftag mit GLEICHBERECHTIGUNG für Frauen zu tun???? Mit gleichem Lohn für gleiche Arbeit, gleichen Chancen UND mit Männern, die das zulassen?

  10. 7.

    Top! Danke.
    Ansonsten eine „Kleinigkeit“ noch... ihr schreibt beim Purple Ride über rosa Warnwesten und Jacken. Die Organisation des Rides hat Lila also Purple getragen, wie es der Name des Events schon sagt. Purple ist auch die offizielle Arbe des IWD und steht auch sonst stark in Verbindung mit dem Feminismus. Daher haben auch viele viele Teilnehmer*innen Lila getragen, denn das war der Wunsch für diese Demo. Rosa war eher eine untergeordnete Farbe.

  11. 6.

    Bitte verzichten Sie zukünftig auf das Attribut "taubstumm" in Ihren Beiträgen,(nicht nur) wenn sich gehörlose Menschen mittels Gebärdensprache zu einem Thema in ihrem Beitrag äußern. Vielen Dank!

  12. 5.

    PS: Ihc habe hier noch ein Thema für Quotenfrauen, die noch mehr Quote und Genderitis wollen, die von Politikern vernachlässigte Praxis: Gruselige Situation für ein Land, dass sich seine Hebammen nicht mit angemessener Bezahlung (es geht da vor allem auch um die hohen Versicherungskosten) "leisten" kann:
    Der Hebammenberuf sterben langfristig aus, wer leidet darunter? Wieder direkt die Frauen und Kinder.
    Aber krampfhaft beinahe täglich in den Medien mit "Unisextoiletten" und Quotengelaber beim Wahlvolk Punkte machen wollen. Bei den Kitaproblemen geht es dann gleich weiter...
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/hebammen-krise-wenn-idealismus-nicht-mehr-reicht/24077390.html

  13. 4.

    Nur gut, dass Erich Honecker nicht mehr erleben muss, wie ausgerechnet das Land Berlin am 8. März 2019 die DDR überholt. In diesem Jahr ist der „Frauentag“ in Berlin zum ersten Mal gesetzlicher Feiertag. Das ist zweifellos ein neuer Höchststand, jedenfalls in der westlichen Welt. Im Übrigen erreicht Berlin, um es im DDR-Jargon zu formulieren, mit seinem neuen Feiertag „Weltniveau“. Schließlich befindet es sich jetzt feiertagspolitisch auf Augenhöhe mit Russland und Ländern wie Angola, Armenien, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Kuba, Mongolei, Nordkorea, Vietnam oder Weißrussland. Bei allem, was Berlin von diesen Ländern trennen mag, gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Ökonomisch sind alle diese Frauentag-Nationen vom Welthöchststand weit entfernt.

  14. 3.

    Gratulation an die Koalitionsparteien. Die Rechnung ist voll aufgegangen. Wenn man sich die Teilnehmer dieser Demo anschaut, dann sieht man wer was wählt und wählen wird. Alles dem linken Spektrum zuzuordnen. Die bürgerliche Mitte kann man mit der Lupe suchen.

  15. 1.

    „Oder wie eine Demo-Teilnehmerin mit Prinz Eisenherz-Frisur...“
    Was hat ihre Frisur mit ihrer Aussage oder überhaupt mit diesem Artikel/ Thema zu tun? Nunmal diese Beschreibung auch schon als Beleidigung bewertet werden kann.
    Bitte unbedingt mit dem Thema Feminismus und Sexismus auseinandersetzen, bevor man einen Artikel darüber verfasst.

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