Bis zu 20.000 Teilnehmer bei "Fridays for Future" in Berlin (Quelle: REUTERS/Annegret Hilse)
Video: rbb24 | 15.03.2019 | Theresa Majerowitsch | Bild: REUTERS/Annegret Hilse

Schüler demonstrieren für Klimaschutz - Bis zu 20.000 Teilnehmer bei "Fridays for Future" in Berlin

Seit Wochen demonstrieren Schüler für mehr Anstrengungen beim Klimaschutz: In Berlin überstieg am Freitag die Teilnehmerzahl die Erwartungen um ein Vielfaches. Im brandenburgischen Landtag kritisierten Jugendliche die Umweltziele der Abgeordneten.

Deutschlandweit haben am Freitag hunderttausende Schüler und Jugendliche für einen besseren Klimaschutz demonstriert. In Berlin kamen etwa 15.000 bis 20.000 Teilnehmer, wie ein Sprecher der Berliner Polizei rbb|24 mitteilte. Die Veranstalter hatten 5.000 Menschen erwartet.

Erstmals wurden die Schüler dabei von Eltern, Wissenschaftlern und Radfahrern unterstützt. So sprach etwa Klimawissenschaftler Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung zu den Schülern im Invalidenpark. Bereits zu Beginn war der Invalidenpark gut gefüllt, eine Stunde später wurde die Invalidenstraße wegen des großen Andrangs teilweise gesperrt, gegen 12 Uhr jedoch wieder freigegeben.

Auch in Brandenburg wurde demonstriert, Aktionen waren für Potsdam, Falkensee, Templin, Cottbus, Neuruppin, Eberswalde, Oranienburg und Luckenwalde angemeldet. Unter dem Motto "Fridays for Future" wird weltweit in mehr als 1.650 Städten demonstriert.

Diskussion über Klimaschutz ohne AfD-Beteiligung

In Potsdam haben hunderte Schüler mit einer Menschenkette rund um den Landtag  demonstriert. Nach Angaben der Veranstalter versammelten sich insgesamt rund 1.800 Schüler am Alten Markt in der Innenstadt. Auf Transparenten vor dem Landtag war zum Beispiel zu sehen: "Unsere Parole: Raus aus der Kohle!"

Kurz vor Beginn ihrer Demonstration in Potsdam haben warben Schüler der Bewegung "Fridays for Future" im Brandenburger Landtag eindringlich für mehr Klimaschutz. Der Potsdamer Schüler Simon Jüngling sagte bei dem Besuch: "Ich bedaure es sehr, dass Umweltziele aufgegeben werden." Er betonte: "Manche von uns sind wirklich richtig sauer." Es gehe nicht darum, wann gestreikt werde, sondern wofür. Eine Potsdamer Schülerin sagte der Nachrichtenagentur DPA: "Wir wollen, dass die Politik umdenkt in der Umweltfrage." 

Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) lobte das Engagement der Schüler: "Ich begrüße das sehr, dass ihr Flagge zeigt, ihr seid die nächste Generation." Mit den Schülern diskutierten Politiker der Fraktionen SPD, Linke, CDU und Grünen. Politiker der AfD nahmen nicht teil. 

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte zuvor bereits gelobt, dass sich die Schüler mit der Zukunft der Erde beschäftigen. Gleichzeitig kritisierte er jedoch, dass der Protest während der Unterrichtszeit stattfinde.

In Potsdam sind am 15.03.2019 Schüler für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gegangen (Quelle: rbb/ Ernst)Auch in Potsdam demonstrieren Schüler.

Klimaprotest in der Kohleregion

In Cottbus sind für eine bessere Klimapolitik rund 250 Schüler auf die Straße gegangen. Die Schüler kamen aus Cottbus, aber zum Beispiel auch vom Paul-Fahlisch-Gymnasium in Lübbenau. Am Rande der Veranstaltung blieben zahlreiche Passanten stehen, um sich die Kundgebung anzuhören. 

Noah Reißner vom Organisationsteam hat insbesondere in Cottbus eine Herausforderung in den Demonstrationen gesehen. Die Stadt gelte wegen des nahen Braunkohleabbaus für den Klimaschutz als schwieriges Pflaster. Trotzdem ließ er sich nicht abschrecken. "Unsere Schulpflicht erweitern wir auf die Pflicht, uns für wirksameren Klimaschutz und damit verbunden für einen Kohleausstieg vor 2038 - auch in der Lausitz - einzusetzen", sagte Reißner. Das Cottbuser Organisationsteam hatte die Demonstration extra auf 13 Uhr gelegt, damit die Schüler keinen allzu großen Unterrichtsausfall haben. 

Auf einem Platz in Cottbus demonstrieren rund 250 Schüler unter dem Motto "Fridays for Future". Quelle: rbbIn Cottbus demonstrierten rund 250 Schüler unter dem Motto "Fridays for Future".

"Messerscharfe Analyse der Zeit, in der wir leben"

Die Demonstrationen orientieren sich am Vorbild der 16-jährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die durch eine Rede bei der UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice weltweit Aufmerksamkeit erregte.

Der frühere Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, sagte dem rbb, Thunberg habe die Situation, in der sich die Menschheit derzeit befindet, messerscharf analysiert. "Die Erwachsenen nehmen ihre Verantwortung nicht wahr für die Zukunft, sie ignorieren die Fakten. Die Kinder müssen quasi die Zukunftsvorsorge selber in die Hand nehmen", so Schellnhuber. Das sei eine verkehrte Welt, die nun von den demonstrierenden Schülern wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden.

Sendung: Inforadio, 15.03.2019, 07:00 Uhr

Kommentar

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85 Kommentare

  1. 85.

    Ein erstes Ziel muss ein Geschwindigkeitslimit auf deutschen Autobahnen sein. Hier wird nicht an der Reduzierung der Verbrennung gearbeitet, hier lässt mans krachen. Hier werden tagtäglich die Bestrebungen nach mehr Nachhaltigkeit auf den Kopf gestellt, hier wird die Welt der Verschwendung ständig aufs neue geboren. Und wenn Verschwendung Zerstörung heißt, dann die Zerstörung der Erdatmosphäre. Wir brauchen ein Limit auf deutschen Autobahnen. Ohne das gibt es keine Änderung der fortschreitenden Erwärmung.

  2. 84.

    Wahre Worte. Danke. Verstehe sowieso nicht, weshalb z.B. die Kosmetikindustrie auch noch Plastik in ihre Produkte panscht.

  3. 83.

    79. Richard, bei Berlin, Sonntag, 17.03.2019 | 11:45 Uhr:
    "Diese grüne Panikmache ist unerträglich. Gehen Sie nach China, Indien, Russland. Die haben Nachhilfe in Sachen Klima nötig aber nicht Deutschland, wo man nach dem Einkauf nicht mal mehr ne Plastiktüte bekommt und erwartet, dass aus dem Auspuff eines Verbrennungsmotors reinster Sauerstoff kommt."

    UNSINN, solange Deutschland seinen Plastikmüll ins Ausland entsorgt, ohne sich darum zu kümmern, dass der Müll dort in die Landschaft und ins Meer gekippt wird!

    Deutschland hat auch Nachholbedarf, solange es nicht verboten ist, völlig unnötiges Mikroplastik in Kosmetika zu verwenden, von wo aus sie nach der Benutzung über das Abwasser in unsere Flüsse und ins Meer entsorgt wird, wo es GIFT für die Umwelt ist!

    Auf die anderen verweisen: "Die anderen schmeißen viel mehr Müll in die Landschaft!", ist kindisch bzw. pubertär!

  4. 82.

    Dem kann ich nur zustimmen,wir waren auch auf der Straße und haben etwas bewirken können,wenn auch nicht genug...und unsere Kinder haben wir nach bestem Wissen erzogen und sie engagieren sich heute auch für ihre und bessere Zukunft! Ich verstehe nicht die Aufregung vieler Menschen,dass die jungen Menschen während der Schulzeit auf die Straße gehen - würden sie das in ihrer Freizeit machen, würden sie nicht ernst genommen werden.Außerdem ist es gelebtes und politisches Handeln und die Wahrnehmung ihrer "Kinderrechte" : Das Recht auf eine eigene Meinung und sich zu informieren, mitzuteilen, gehört zu werden und zu versammeln. Wenn Politiker nicht zum Wohle der Bürger handeln, den Ernst der Klimaveränderungen nicht erkennen, dann müssen diejenigen, die noch einige Jahrzehnte vor sich haben, eben solche Mittel einsetzen, um auf sich aufmerksam zu machen!

  5. 81.

    Dem kann ich nur zustimmen, wir waren auch auf der Straße und haben etwas bewirken können, wenn auch nicht genug...und unsere Kinder haben wir nach bestem Wissen erzogen und sie engagieren sich heute auch für ihre und bessere Zukunft! Ich verstehe nicht die Aufregung vieler Politiker, dass die jungen Menschen während der Schulzeit auf die Straße gehen - würden sie das in ihrer Freizeit machen, würden sie nicht ernst genommen werden. Außerdem ist es gelebtes und politisches Handeln und die Wahrnehmung ihrer "Kinderrechte" : Das Recht auf eine eigene Meinung und sich zu informieren, mitzuteilen, gehört zu werden und zu versammeln.
    Wenn Politiker nicht zum Wohle der Bürger handeln, den Ernst der Klimaveränderungen nicht erkennen, dann müssen diejenigen, die noch einige Jahrzehnte vor sich haben, eben solche Mittel einsetzen, um auf sich aufmerksam zu machen!

  6. 79.

    Sie scheinen nicht im Ansatz zu wissen, wie ein "platt gemachter Planet" aussieht.
    Diese grüne Panikmache ist unerträglich. Gehen Sie nach China, Indien, Russland. Die haben Nachhilfe in Sachen Klima nötig aber nicht Deutschland, wo man nach dem Einkauf nicht mal mehr ne Plastiktüte bekommt und erwartet, dass aus dem Auspuff eines Verbrennungsmotors reinster Sauerstoff kommt.

  7. 78.

    Das sehe ich genauso. Die, die hier am meisten an den Schülern rumnörgeln möchten nicht verstehen, dass diese Kinder von ihren Eltern und Grosseltern sozialisiert wurden. Zum Konsum, Luxus und einer naturfernen, materiellen Lebensweise. Anstatt sich zu freuen, dass ein Bewusstsein entsteht, wird drauf gekloppt. Alle müssen umdenken. Auch die Nörgler. Aber die lehnen sich zurück und machen weiter wie bisher. Umweltbewusster leben sollen doch die doofen Demonstranten.

  8. 77.

    Ich finde es gut, dass sich die Jugend so stark engagiert. Mit dem Älterwerden wird das Engagement bei vielen schon von alleine nachlassen.

    Schlimm wäre es, wenn schon der Jugend das alles egal wäre, dann könnte man von ihr nichts mehr erwarten.

  9. 76.

    #70. Es geht voran, SO36, Samstag, 16.03.2019 | 10:03 Uhr
    ist der beste Kommentar.

    Dämlich sind all diese Kommentare, die sagen, dass man sich nur dann um das Klima sorgen dürfe, wenn man sich selber IMMER und ÜBERALL 100% klimaneutral verhält. Was für ein Blödsinn! Natürlich kann man selber Schwächen haben und sich trotzdem für klimaschonende Maßnahmen einsetzen. Es gibt nicht nur schwarz=Klimasünder und weiß=klimaneutral. Zwischen diesen beiden Extrema gibt es viele Zwischenstufen. Es geht nicht darum, von heute auf morgen alle Klimasünden zu lassen, weil man sonst unglaubwürdig sei, sondern es geht darum, etwas bewußter zu leben und weniger Klimasünden zu machen. Jeder kleine Schritt ist besser als ein "weiter so!". Und wenn jemand nur alle 3 Jahre in den Urlaub fliegt, ist dies allemal besser als jedes Jahr zu fliegen. Man muss das Utopische verlangen, um wenigsten ein paar Schritte in die richtige Richtung zu kommen.

  10. 75.

    Finde ich super, dass sich die Schüler/innen so für den Klimaschutz einsetzen. Ich wünsche mir sehr, dass es etwas in den Köpfen der Politiker bewirkt.

  11. 74.

    Die "Kinder" könnten es besser machen, nicht sofort, aber gleich in den nächsten Jahren. Da wechseln die ins Berufsleben und zum selbst zahlenden Konsumenten. Mit einem Fingerzeug auf andere und Abwertung der Älteren weisen die aber nur von sich selbst weg. Hier sind auch viele Ältere an realer Ökologie interessiert und viele Umweltbewusste leben eben gerade nicht wie "Langstreckenluisa". Da klafft eien tiefe Lücke zwischen Moralismus für andere und eigenem Verhalten.

  12. 72.

    Es ist einfach nur gruselig, was hier manche unbelehrbaren und neunmalklugen Erwachsene über den Protest der Jugend von sich geben. Gerade wir Älteren sollten die jungen Menschen unterstützen. Oder einfach die Klappe halten! Schließlich haben die vorangegangenen Generationen mit ihrem hedonistischen und egomanischen Lebensstil unseren Planeten platt gemacht.

  13. 71.

    Ein sehr erfrischender und wohltuender Kommentar. Ich schließe mich Ihren Worten an. Danke!

  14. 70.

    Liebe „Fridays for Future“ Teinehmer! Euer Engagement finde ich sehr bewegend und gut. Erinnert es mich an eine Zeit, als wir auf die Straße gingen, um uns Gehör zu verschaffen. Und wenn diese Demos auch nicht die ganze Welt veränderten oder retteten, bewegt haben wir doch etwas. Einige kleine Ziele erreichten wir, das Wichtigste war aber, überhaupt etwas zu tun und zu bewegen. Nämlich uns, weil wir wussten, dass wir das Richtige tun und uns von der schweigenden Masse der Mitläufer abhoben. Die Bevölkerung war damals genauso überfordert und ablehnend, wie sie es jetzt auch ist. Macht Euch nichts draus, lasst sie Gift und Galle spucken, denn viele verstehen nicht einmal worum es geht oder fühlen sich einfach bedroht von der Situation. Und manche sind bestimmt auch neidisch, weil sie noch nie den Mumm in den Knochen hatten, gegen den Strom zu schwimmen. Auch aus uns ist etwas „geworden“, wir haben Berufe gelernt und uns ein Leben aufgebaut. Und viele von uns haben inzwischen kluge und gebildete Kinder, die wir wiederum darin bestärken, dass sie weiter demonstrieren und ihre Meinung kund tun sollen. Und wenn es nur das ist, was die Demos von damals bewirkt haben, dann hat es sich dafür schon gelohnt. Weiter so, ich finde Eure Aktion großartig. Liebe Grüße :-)

  15. 69.

    Letzten Freitag war Feiertag in Berlin. Da lohnte sich Schule schwänzen nicht. Bin dafür dass alle Schülerinnen und Schüler wieder zur Schule laufen, wie es Generationen vor ihnen in Ost und West taten. Das dürfte schon mal den morgendlichen Individualverkehr drastisch minimieren.

  16. 68.

    Anstatt zu verstehen werden Sie ironisch und respektlos. Und wir wundern uns, dass "die" Jugend ist wie sie ist. Applaus. Sie haben nichts verstanden. Schade.

  17. 67.

    Was schreiben Sie denn da bloß? Jetzt sollen die Kinder alles wegzaubern, was wir Ihnen leider vor die Füße warfen? Was für ein Nonsens. Wie haben Sie sich eigentlich verdient, sich das Recht heraus zu nehmen, sich so ironisch über diese jungen Menschen zu äußern? Wir haben den Mist verzapft und zugelassen und Sie fordern, dass unsere Kinder gefälligst alles richten sollen, weil sie so dreist sind, sich aufzulehnen? Das ist völlig absurd, sorry.

  18. 66.

    Schreibt der, der nur krittelt, meckert und verhöhnt. Wir Erwachsenen sollten verstehen und unterstützen. Das schulden wir unserem besorgten Nachwuchs. Das ist das Mindeste, was wir tun müssen. Wer die Welt so wie sie jetzt ist toll findet-bitte sehr. Aber junge Menschen anzugehen, die versuchen etwas zu ändern, aufzuwachen, wachzurütteln, das Recht haben wir Erwachsenen verwirkt. Die Smartphone und Plastikwelt haben wir erschaffen, nicht unsere Kinder. Jeder kleine Schritt umzukehren ist richtig und wichtig. Und dieser ist vorerst, nicht mehr alles schweigend hinzunehmen. Schlimm genug, dass der von Kindern kommt und nicht von uns superschlauen Erwachsenen, die sich auch noch über diese aktiven jungen Menschen aufregen oder lustig machen. Das ist verkehrte Welt und beschämend.

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