Plakat Friday for Future wird gemalt (Bild: rbb/Anton Stanislawski)
Bild: rbb/Anton Stanislawski

Wie sich Fridays For Future in Berlin organisiert - Gut vernetzt gegen den Klimawandel

Seit Monaten organisieren Schülerinnen und Schüler jede Woche eine Demo: "Fridays for Future" setzt sich für das Klima und gegen untätige Politiker ein. Diese Woche ist es besonders spannend - Greta Thunberg wird in Berlin mit demonstrieren. Von Anton Stanislawski

Ein hellgrünes Leintuch, zwei mal fünf Meter groß, liegt auf dem Boden in einem Pankower Jugendzentrum. Drumherum, zwischen Stiften und Farbtuben, hocken Feli, Vera, Quang und Justus. Langsam entsteht ein Transparent für die nächste Demo. "Profit oder Zukunft" wird am Ende drauf stehen. Und natürlich das Motto "March for our Future". Vera malt einen Mann mit Zylinder dazu. Er steckt eine Weltkugel in Brand. "Wir können den Mann ja einfach schwarz-weiß lassen, weil er so lieblos ist", schlägt Quang vor.

Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 15 und 18 Jahre alt. Und sie diskutieren nicht nur über die Farbwahl. "Ich hab‘ keine Angst", sagt Feli. "Ich bin wütend. Über diesen Profitwahn. Also wer entscheidet denn das? Wer gibt dem Staat das Recht, unsere Zukunft auf’s Spiel zu setzen?" Um eben diese Zukunft zu verteidigen, schwänzen alle vier regelmäßig freitags die Schule. Streiken sagen sie dazu, der Unterschied ist ihnen wichtig.

Friday for Future-Treffen in Berlin (Quelle:rbb/Anton Stanislawski)
Bild: rbb/Anton Stanislawski

Mobilisierung in hunderten Chatgruppen

Die vier haben sich fast alle am selben Tag erst kennen gelernt und sie alle sind Teil eines Fridays for Future-Whatsapp-Chats, Ortsgruppe Pankow. In Berlin hat fast jeder Bezirk seinen eigenen Whatsapp- oder Telegram-Gruppenchat. Über diese Messenger-Apps werden neue Demonstrierende mobilisiert, Infos geteilt und Treffen organisiert, wie auch das Treffen in Pankow. Hunderte, wenn nicht tausende solcher Gruppenchats dürfte es in ganz Deutschland geben.

Neben den Ortsgruppen gibt es allgemeinere Chats: "F4F-Diskussion" heißt eine, "F4F-Mobilität" eine andere. Die Gruppendiskussionen haben hunderte Teilnehmer. Ist ein Chat voll, wird ein neuer eröffnet. Zum Teil wird konstruktiv diskutiert, wie man möglichst klimaneutral in den Urlaub kommt zum Beispiel. Es kommt aber auch viel Schrott. Die Gruppen sind offen für alle, jeder kann rein, jeder kann schreiben was er oder sie will. Ein gefundenes Fressen für Trolls, die provozieren und die Diskussionen sabotieren

Wer kümmert sich um die Trolls?

"Die Chats sind super für die Mobilisierung, gerade für unsere Generation", sagt Moritz Kalis. "Aber klar geht vieles einfacher von Angesicht zu Angesicht." Der 21-Jährige ist einer der Ältesten im Kernorganisationsteam der Demos in Berlin. Er studiert Internationale Beziehungen, hat aber gerade ein Urlaubssemester eingelegt, auch um mehr Zeit für das Klima zu haben. Aus 10 bis 15 Leuten besteht das Kernteam, schätzt er. Darunter sind Schülerinnen und Schüler, aber auch Studentinnen und Studenten. Das jüngste Mitglied ist 14. Aufgaben gibt es genug: Flyer drucken und verteilen, die Technik organisieren, Redner für die Demos einladen. Jemand muss die Veranstaltungen überhaupt erst bei der Polizei anmelden, jemand muss die Presseanfragen bündeln. Und wer kümmert sich eigentlich endlich um die Trolls bei Whatsapp?

Das Orgateam trommelt deswegen immer dienstags zum Plenum. Dafür dürfen sie die Räume von Greenpeace in Berlin-Wedding nutzen. Und die sind regelmäßig voll. 50 manchmal 60 Helferinnen und Helfer kommen und drängen sich in kleinen Räumen. Die Gruppe sucht momentan nach größeren. Es gibt eine Begrüßungsrunde, Aufgaben verteilt werden, danach gehen alle in verschiedene AGs. Die Streikgestaltungsgruppe macht sich Gedanken wie die Streiks cooler und interaktiver gestaltet werden könnten. Es soll ja auch Spaß machen. Die Faktenvermittlungsgruppe erstellt Vorträge für Schulen und arbeitet Flyer aus. In einer Ecke diskutiert eine kleine Gruppe wie der Social Media Auftritt von Fridays For Future verbessert werden könnte.

Friday for Future Plakat wird gemalt (Quelle:rbb/Anton Stanislawski)

Greta den Rücken freihalten

Genug zu tun also und die Demo an diesem Freitag ist besonders. Greta Thunberg hat sich angekündigt. Die schwedische Schülerin hat die Bewegung losgetreten und ist inzwischen weltweit berühmt. Gerade wurde sie für den Nobelpreis nominiert. Ihr Besuch bedeutet Extraarbeit. "In Hamburg, als sie zum ersten Mal bei einer deutschen Demo war, wurde sie geradezu belagert von der Presse und Privatpersonen", sagt Moritz Kalis.

Wer sie nicht interviewen wollte, wollte zumindest ein Selfie. Die Demoroute war zwischenzeitlich blockiert, weil so viele Leute vor zu Greta wollten. Nicht die beste Situation für eine 16-jährige Asperger-Patientin. Greta Thunberg leidet an dieser Form des Autismus, die insbesondere soziale Interaktionen für Betroffene erschweren. Kalis und die anderen wollen den Besuch deshalb für sie so normal wie möglich gestalten, den Fokus von Thunberg auf die ganze Gruppe lenken. "Wir müssen viele Leute nur dafür abstellen, um Greta den Rücken frei zu halten", sagt Kalis. Dafür hätten sie sich an die Eltern von "Parents For Future" gewandt. "Ein 14-Jähriger kann schließlich schlecht Kameramännern den Weg versperren".

Keine Chefs, keine Hierarchien

Eine Ausnahme, betont Kalis. Normalerweise würden sie alles selbst organisieren, dezentral, ohne Chefs und Hierarchien. "Wir haben keine großen Organisationen die hinter uns stehen, wir machen alles selbst", sagt Kalis und spielt auf die Kritik an, die Demonstrierenden seien instrumentalisiert. Weil sie organisch gewachsen sind gibt es keine  genaue Aufgabenverteilung. Wenn ein neues Problem, eine neue Aufgabe hinzukommt, muss das Team immer von neuem entscheiden wer sich damit beschäftigen kann.

Ausgerechnet in dieser Woche, vor dem Besuch von Greta, ist die Aufgabenverteilung aber besonders schwierig. Manche aus dem Team sind nicht erreichbar und können nichts organisieren – sie sind gerade auf Klassenfahrt.

Beitrag von Anton Stanislawski

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Was reden Sie denn da? Ihre Vorurteile sind ja schlimm. Und selbst wenn das."Teenie-Herz" diese Dinge begehrt, dann durch die Sozialisation, die es erfahren hat. Und das, was Sie da aufzählen, wird in normalen, bildungsnahen Haushalten schon lange so gehandhabt. Also was soll der Unsinn? WIR Alten haben das Schlamassel zugelassen. Warum schießen Sie so gegen die Schüler?

  2. 8.

    Wozu braucht man die Politik? Jede Art von Konsum löst etwas aus... wie wäre es, wenn jeder auf Mangos aus Brasilien verzichtet, auf birnen aus Argentinien und auf Kokoswasser... nicht ständig neue "Klamotten" aus Chemiefaser kaufen und Smartphones mal 5 Jahre nutzen.... nur mal so..... Das größte Containerschiff der Welt stößt so viel Dreck in die Luft wie alle Autos dieser Welt (aufs Jahr gerechnet) und die bringen die Leckereien und billig Klamotten.... Alles was das Teenie Herz begehrt.

  3. 7.

    Wie organisiert man die Demo? Zu diesem Thema hätte ich mir vom rbb einen Fahrplan bzw. Zeitplan der Demo gewünscht. Den Zeitplan habe ich immerhin hier gefunden: berlin.de (Kurzlink mit dem Zeitplan der Demo: tinyurl.com/y5ooqmvd).

  4. 6.

    Was die Demo bewirken soll? Die Politik dazu bringen, überfällige (!) Lösungen umzusetzen (!), die beim derzeitigen Stand der Technik absolut (!) machbar sind. Politiker dazu bringen, mit den verantwortlichen Wissenschaftlern zu reden. Denn Ihrer Behauptung ("geht nicht") widerspricht die Wissenschaft und Technik (Klimaforschung, Ingenieure, usw.) glasklar

    Vielleicht informieren Sie sich das nächste mal bevor Sie ein Urteil abgeben. An den Antworten auf Ihre Fragen (was soll das alles) scheinen Sie nämlich überhaupt kein Interesse zu haben. "Ignorant" finde ich deshalb Ihre Einstellung zu dem Thema.

  5. 5.

    Nix kapiert. Sie sondern lediglich Ihren persönlichen Frust ab. Macht nichts, die Schüler sind schlauer und machen's richtig. Alles gut :-)

  6. 4.

    Und was soll die ganze Kampagne außer zusätzlichen Umweltbelastungen durch Protest-Flyer, Protest-Banner und den Betrieb der Technik auf den Demonstrationen bringen?
    Auf ein Problem aufmerksam machen, das mittlerweilen sowieso jeder kennt?
    Die Politik aufzufordern, Lösungen herbeizureden, die beim derzeitigen Stand der Technik nicht machbar sind?
    Zurück ins vorindustrielle Zeitalter will von den Greta-Jüngern aber auch keiner - und wenn, dann nur mit Smartphon, Twitter und Amazon.
    Hat sich schon mal jemand überlegt, wie schwachsinnig die ganze Kampagne ist?
    Oder sind wir inzwischen ignorant genug, daß das keiner sehen und wahr haben will?

  7. 2.

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich freue mich sooo sehr, dass diesen Schülern ihre und noch nicht geborenen Kindern ,die Zukunft auf Planeten Erde nicht egal ist. In Gegenteil! Aber, als Jahrgang 1958 muss ich doch offen schreiben: ICH SCHAEME MICH, dass meine und bestimmt anderen Generationen , bis heute ,mehr als weniger, in der Richtung :Klimaschutz, Weltverschmutzung etc versagt hatten. Warum? Weil wir diesen allen großen "politischen Weltdirigenten" , ob aus reiner Ignoranz, Unwisseheit oder aus anderen Gründen erlaubt haben, das zu machen statt vorzeitig LAUT zu sammen zu stoppen!!!! Bitte entschuldige mich für meine Deutschfehler.Meine Muttersprache ist Polnisch. Diesmal schaffen wir es, mit Eure Hilfe, liebe DemoSchüler bestimmt! Jetzt zweifele ich nicht mehr.DANKE!!! Für "Fridays for Future" kämpfe ich auch.Morgen bin ich dabei und so lange bleibe ich zwischen euch, wie ihr dort werdet bleiben! Krystyna Jesse , eine Mutter von Berlin-Prenzlauer Berg

  8. 1.

    Gut vernetzt ist immer gut. ;-)

    Gegen den Klimawandel, den es schon immer gab und auch immer geben wird, kann allerdings auch gute Vernetzung nicht helfen. Aber Hauptsache wir fühlen uns gut, nicht wahr?

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