Die Karaoke Show, aufgenommen am 05.04.2015 im Mauerpark in Berlin Prenzlauer Berg. (Quelle: dpa)
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Audio: rbb|24 | 12.03.2019 | O-Ton Joe Hatchiban | Bild: dpa

Interview | Veranstalter zu Stopp der Mauerpark-Karaoke - "Aus dem Park vertrieben zu werden, fände ich schade"

Die legendäre Mauerpark-Karaoke am Sonntagnachmittag soll es in diesem Sommer vorerst nicht geben. Wegen einer Baustelle sei das zu gefährlich, sagt das Bezirksamt. Doch wenn er nicht dort aufspiele, täten das einfach andere, sagt der Veranstalter Joe Hatchiban.

rbb|24: Herr Hatchiban, Ihre Mauerpark-Karaoke soll "bis auf weiteres" nicht stattfinden wegen Bauarbeiten der Berliner Wasserbetriebe. Frühestens im Juli, wenn die Bauarbeiten im Bereich des Amphitheaters beendet seien, könne es wieder losgehen, so das Bezirksamt Pankow. Angefangen hätte die Karaoke-Veranstaltung aber ohnehin erst ab Ostern. Warum jetzt die Aufregung?

Joe Hatchiban: Angeblich will das Grünflächenamt in den nächsten Monaten schauen, wie das mit der Baustelle im Mauerpark so aussieht. Sie behaupten, dass sie sich erst Ende Juli ein Bild machen können. Also ob die Karaoke machbar ist oder nicht. Wenn da dann noch andere Abteilungen beteiligt sind, würde es auf jeden Fall frühestens Mitte bis Ende August losgehen können. Da kann vom Sommer nicht mehr wirklich die Rede sein.

Ist die Begründung mit den Sicherheitsbedenken wegen der Baustelle für Sie nachvollziehbar?

Wenn die Baustelle ein Sicherheitsrisiko für die Öffentlichkeit darstellt, dann müsste man einfach den Park zumachen für den Sommer. Oder das Amphitheater umzäunen, wenn in der unmittelbaren Nähe großartig gebuddelt wird. Aber den Park offen zu lassen und für die Show, die ich seit fast zehn Jahre mache, keine Genehmigung zu erteilen, ist nicht nachvollziehbar. Wenn der Park offen bleibt, wird auch das Amphitheater hundertprozentig benutzt werden. Von Akrobaten, Jongleuren, Musikern, Tänzern – also von ganz vielen Leuten, die beim Amt gar keinen Antrag gestellt haben. Womit ich kein Problem habe. Aber das muss einfach erwähnt werden.

Nur nicht von Ihrer Karaoke-Veranstaltung, weil die explizit nicht genehmigt wurde…

Ich bin seit 2009 auf dem Radar der verschiedenen Ämter dieser Stadt. Wir arbeiten in enger Kooperation seither. Wenn ich dort ohne die nötigen Genehmigungen auftauche und Karaoke veranstalte, könnte ich mit einem Strafgeld von 5.000 Euro bedroht werden. Das wäre ein Grund, warum ich es ungern ohne den ganzen Papierkram machen würde.

Aber ich mache das jetzt seit fast zehn Jahren und ich kann mich nur an ein oder zwei Jahre erinnern, wo mit der Stadt alles reibungslos gelaufen ist. In allen anderen Jahren gab es neue Lösungen für zusätzliche kleine Komplikationen zu finden. Aber wir haben immer irgendwie eine Lösung gefunden. Für mich heißt das, dass die Stadt immer abwägt, ob die Veranstaltung sich lohnt, den Ärger derer, die es nicht schön finden, in Kauf zu nehmen. Bisher war es der Stadt das Wert. Dass sich da an einem Sonntag mehrere hundert fremde Menschen zusammensetzen und für ein paar Stunden zu Freunden werden.

Die Anwohner am Mauerpark beschweren sich ja offenbar immer wieder. Es sei zu laut und zu voll und vermüllt dort.  Haben Sie dafür ein gewisses Verständnis?

Absolut. Ich habe mich mehrmals mit Anwohnern um den Mauerpark herum getroffen und mit ihnen geredet. Von der Mehrheit der Menschen hatte ich den Eindruck, dass sie sich direkt von der Karaoke-Veranstaltung nicht wirklich gestört fühlen. Denn sie ist einplanbar. Sie wissen, dass ich von 15 Uhr bis kurz vor Sonnenuntergang dort bin. Das ist für die meisten Leute, sagen wir mal, akzeptabel. Wenn da irgendeiner mit einem Lautsprechersystem auftaucht, um gegen zwei Uhr morgens an einer Wohnstraße alles einzurichten, ist das absolut indiskutabel. Sowas geht gar nicht. Verständnis habe ich auf jeden Fall.

Was bedeutet diese Karaoke-Veranstaltung für die Stadt? Gehört sie zum Berlin-Gefühl?

Ich habe wahrscheinlich nicht genügend objektive Distanz, um so etwas zu behaupten. Ich kann nur sagen, dass es für mich immer noch eine schöne Angelegenheit ist.

Könnten Sie sich auch einen anderen Ort für die Karaoke vorstellen?

In den letzten paar Jahren hat es sie samstags in einem Park in London gegeben. Darüber, ob es in Berlin andere mögliche Standorte geben könnte, habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht. Es melden sich natürlich Leute aus verschiedenen Ecken. Aber aus dem Mauerpark vertrieben zu werden, wo der Park auf hat und das Amphitheater benutzbar ist, fände ich schade.

Daumen hoch oder runter: Gehen Sie denn davon aus, das die Mauerpark-Karaoke in diesem Sommer stattfinden wird?

Wie gesagt, bisher ist es nur selten absolut reibungslos gelaufen, aber bisher hat es am Ende doch immer geklappt. Aber ich bin kein Hellseher.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Sabine Prieß, rbb|24.

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15 Kommentare

  1. 15.

    Ja Eberswalde ist wirklich immer eine Reise wert und damit meine ich nicht nur den Zoo, sondern ganz besonders den Forstbotanischen Garten .

  2. 13.

    Leider wird das Mauerpark-Thema von den Profiteuren total verkitscht (Kultur, Weltstadt, Frieden etc.). Primär geht's meines Erachtens doch um kommerzielle Verwertungsinteressen einzelner Männer (sog. "Freunde" des Mauerparks, Bezirks-Politiker, Biergartenbetreiber, Flohmarktbetreiber, Musiker) auf Kosten der Allgemeinheit. Der Park ist zu einem narzisstischen Spielfeld verkommen nach dem Motto, wer hat den größten (Verstärker, Gewinn etc.).

  3. 12.

    Inwiefern soll denn eine Baustelle und die Vertreibung einer Attraktion für Touris und Berliner für mehr Ruhe, weniger Dealer und Konsumenten, Taschendiebe, etc. im Mauerpark sorgen? Die Lücke die Hr. Hatchiban hinterlässt, wird sofort durch jemand anderen gefüllt.
    Die Karaoke fand zumindest mit behördlicher Genehmigung statt. Alle anderen treten einfach so auf. Glauben Sie denn nur weil die Karaoke nicht mehr da ist, gehen auch alle anderen und es wird still im Park?

    Es bleibt auch mit Baustelle weiterhin genügend Platz im Mauerpark für Touristen, Berliner, Gaukler, Lebenskünstler und auch alle anderen die gemeinhin zu einer Großstadt gehören.

  4. 11.

    Wenn man sich als ein Bürger sieht, der sich gegen den Lärm, Kriminalität, Dreck stellt, wird einem Sarkasmus vorgeworfen?
    Vielleicht sollten Sie den Begriff "Sarkasmus" in diesem Zusammenhang mal googeln.

  5. 10.

    Auch für Sie, sparen Sie sich Ihren Sarkasmus. Im übrigen sehe ich es als Frechheit Ihrerseits an, persönlich zu werden und mir zu unterstellen, ich wüsste nicht einmal wo der Mauerpark ist. Lächerlich und dumm. Habe schon mehrfach zugehört bei diesen Karaokeveranstaltungen. Als Rentner habe ich genügend Zeit und Muße hierfür.

  6. 9.

    Tja, wer an so einem Park wohnt, muss wohl auch damit rechnen, das dieser von verschiedenen Menschen unterschiedlich genutzt wird und nicht nur zum ´ schön drauf gucken´existiert!
    Suchst du grüne stille Fläche zum drauf gucken, musst du wohl nach Eberswalde ziehen! ;()

  7. 7.

    Scheint, ihr Beide wohnt wohl nicht da. Und der Maler/Lackierer aus Charlottenburger, da Wette ich, weiß noch nicht einmal, wo der Mauerpark ist.

  8. 6.

    Ersparen Sie sich Ihren Sarkasmus für weitere belanglose Kommentare auf. Ich bin hier nicht entscheidungsbefugt. Doch würde es danach gehen, gerne ab damit aufs Tempelhofer Feld. Warum nicht. Ich bin sogar sicher Herr Hatchiban ließe auch da gerne mit sich reden. Nur ist nun mal der Mauerpark mit seinem Amphitheater ein schöner Ort für eine solche Veranstaltung und eben nicht bloß bei Berlinern recht beliebt. Ich kenne soetwas noch aus San Francisco, wo Theatergruppen besonders für die Kleinkinder mitten im Touristengewühl Vorstellungen gaben an der Beachstreet und alle waren begeistert. Wie ich Ihnen schon mitgeteilt hatte, sind Sie ein Spaßverderber. Und denken Sie daran: morgen wird der Wald gefegt. Besen nicht vergessen;-)

  9. 5.

    warum nicht das tempelhoferfeld da ist genug platz auf dieser innerstädtischen grünfläche ist ja sonst zu nichts zu gebrauchen.
    alle veranstaltungen da hin , dann ist in der stadt mal ruhe mit sperrungen und so
    riesen feld aber bloß nicht bebauen ist doch völlig krank was hier abgeht in der stadt.

  10. 4.

    Vorschlag : Für die nächsten Monate verlegt man dieses wöchentliche Highlight nach Berlin Charlottenburg. Da gibt es bestimmt schöne Freiflächen. Und Lothar hat es nicht so weit.

  11. 2.

    Ach herrje und morgen wird der Wald gefegt. Jawoll! Schon wieder diese Aufregung um kiffende Leute die einfach auch mal mit netten Menschen ihren Spaß haben möchten. Ewiges Herumgemecker geht mir echt auf den Senkel. Lesen Sie doch einfach noch mal diesen gut geschriebenen Artikel. Stimme Joe Hatchiban da voll zu.

  12. 1.

    Ich höre geradezu ein Aufatmen der Anreiner des Mauerparks, wenn dieser Kriminalitäts-Hotspot entschärft wird. Weniger Drogenkonsumente, weniger Dealer, weniger Taschendiebe und Hehler.
    Mehr Sauberkeit und Sicherheit im Mauerpark und den angrenzenden Wohngebieten. Warum der Bezirk nicht schon früher auf die Idee gekommen ist.

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