Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (Quelle: rbb)
Video: rbb24 | 08.03.2019 | Bild: rbb

Schröter stellt Kriminalitätsstatistik 2018 vor - Zahl registrierter Straftaten in Brandenburg sinkt auf Rekordtief

So niedrig wie 2018 war die Zahl der registrierten Kriminalitätsfälle in Brandenburg seit der Wende noch nie. Innenminister Schröter verkündete einen Rückgang bei Diebstählen - aber auch einen Anstieg bei den Körperverletzungen.

Die Kriminalität in Brandenburg ist - was die Gesamtzahl der registrierten Fälle angeht - auf ein Rekordtief seit der deutschen Einheit gesunken. Die Zahl ging im vergangenen Jahr auf knapp 173.000 zurück, das sind 1,2 Prozent weniger als 2017, sagte der Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Freitag.

Gleichzeitig stieg die Quote der aufgeklärten Fälle, sie lag den Angaben zufolge bei 56 Prozent. Das sei die höchste Aufklärungsquote der vergangenen zehn Jahre, sagte der stellvertretende Polizeipräsident Roger Höppner. 

Die Zahl der erfassten Straftaten ging vor allem deshalb zurück, weil es weniger Diebstähle gab - aus Gärten, Gebäuden oder Autos. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank um 18 Prozent. Schröter sprach von "ganz erheblichen Rückgängen". Allerdings wird nicht einmal jeder fünfte Einbruch auch aufgeklärt.

Zahl der Körperverletzungen nimmt zu

Auch bei der Gewaltkriminalität - darunter Mord, Totschlag, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, gefährliche und schwere Körperverletzung - sanken die Zahlen: Laut Innenministerium wurden 2018 insgesamt rund 4.900 Gewaltstraftaten festgestellt. Das seien circa 230 Taten weniger als im Jahr 2017 und entspreche einem Rückgang von 4,5 Prozent. Die Aufklärungsquote bei Gewaltdelikten liegt demnach bei knapp 83 Prozent.

Schröter sprach von einer "klar positiven Entwicklung", nachdem in den Vorjahren mehr Fälle von Gewaltkriminalität erfasst worden waren, es gebe aber noch Luft nach oben. "Denn 4.900 Gewaltstraftaten sind zwar ein Rückgang gegenüber dem Jahr 2017, aber immer noch mehr als in den Jahren davor seit 2011."

Die Zahl an Körperverletzungen allein stieg in Brandenburg im Jahr 2018 jedoch an: auf knapp 15.800 Fälle, ein Zuwachs von 4,5 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt hier bei über 90 Prozent, wie das Innenministerium mitteilte. 

Mehr Rauschgiftdelikte

Der stellvertretende Polizeipräsident zeigte sich mit den Zahlen grundsätzlich zufrieden. "Sorgen bereiten mir allerdings die Anstiege bei der grenzüberschreitenden Kriminalität sowie der Rauschgiftdelikte. Gerade letztere waren seit 1999 noch nie so hoch wie letztes Jahr. Ebenso sind die begangenen Körperverletzungen sehr bedenklich", sagte Höppner.

Im Jahr 2018 wurden 8.645 Fälle der Rauschgiftkriminalität erfasst. Das waren 1.010 Fälle oder 13,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Rauschgiftkriminalität an der Gesamtkriminalität betrug den Angaben zufolge 5,0 Prozent. 2017 waren es noch 4,4 Prozent.

Straftaten durch Zuwanderer leicht gestiegen

Auch die Zahl der Straftaten, an den Zuwanderer beteiligt waren, ist weiter gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden in Brandenburg 7.050 Straftaten erfasst, das waren 1,8 Prozent mehr als noch 2017. Den größten Anteil hatten Körperverletzung (1.706 Fälle) und Diebstahlskriminalität (1.442 Fälle). Der Anteil von Straftaten durch Zuwanderer lag 2018 fast unverändert bei 4,2 Prozent - im Jahr zuvor waren es 4,1 Prozent. Nicht erfasst sind dabei Verstöße gegen das Aufenthalts- oder Asylrecht.

Etwas mehr Kriminalität in der Grenzregion

Ebenfalls etwas höher ist die Zahl der Straftaten in den Gemeinden entlang der Grenze zu Polen. Hier registrierte die Polizei rund 18.600 Fälle, 4,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Während Wohnungseinbrüche und Autodiebstähle in den Grenzgemeinden zurück gingen, ist die Gesamtkriminalität seit 2013 erstmals wieder gestiegen und zwar um fast fünf Prozent.

Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt, allerdings ist auch die Aufklärungsquote in der Grenzregion höher als im Rest des Landes. Schwerpunkte sind vor allem Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt. Allerdings fließen auch Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylrecht in die Statistik mit ein. Ansonsten sind laut der Sicherheitsbehörden vor allem mehr Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Warenbetrug Probleme in den Grenzgemeinden.

Die oppositionelle CDU fordert im Hinblick auf die neuen Zahlen ein stärkeres Eingreifen gegen organisierte Kriminalität. "Im Bereich der Wohnungseinbrüche, KfZ-Diebstähle haben wir eine erschreckend geringe Aufklärungsquote. Die ist teilweise halb so hoch, wie sie noch zu Schönbohms Zeiten war. Wir haben zudem einen starken Anstieg im Bereich der Drogenkriminalität, auch das ein Phänomen der organisierten Kriminalität", sagte Jan Redmann, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU dem rbb am Freitag. Auch hier brauche man andere Mittel, um Banden zu bekämpfen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.03.2019, 11:00 Uhr

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Solange das Brechen von Normen, werten u. Gesetzen Hochkonjunktur haben, glaube ich KEINER Statistik.
    Auch nicht Die von Schröter, wo Rekordtief auf Rekordtief folgt. Da kann er noch so unschuldig gucken.

  2. 16.

    Angst haben ist ein subjektives Gefühl, welches oft nicht mit der tatsächlichen Gefahr übereinstimmt. "Gefühlt ist es schlimmer bei Rot über die Ampel zu gehen und dabei Grillfleisch zu essen, als wenn eingebrochen oder verprügelt wird".

    Gefühlt wohnen in Südbrandenburg nur Nazis, beides ist in der Realität nicht belegbar.

    Dann mischen sie noch ein paar beliebte Floskeln als "in Brb. haben Straftäter leichtes Spiel" dazu. Belegbare Zahlen haben sie natürlich keine.

    "...die Ideologie steht fest." DAS merkt man allerdings.

  3. 15.

    Die Statistik und das positive Berichten darüber zeigt das Dilemma rot/grüner Ideen in der Sicherheitspolitik mit katastrophalen Ergebnissen: Die Leute haben Angst vor Übergriffen und die geringe Aufklärungsquote ermutigt erst recht (in Brb. haben Straftäter leichtes Spiel). Nur da, wo es besonders leicht fällt, feiert man "Erfolge": Bei Bagatellen schlägt dann die volle Härte der Brb. Politik zu. Gefühlt ist es schlimmer bei Rot über die Ampel zu gehen und dabei Grillfleisch zu essen, als wenn eingebrochen oder verprügelt wird. Das kann man nur durch Wahlen ändern, die Ideologie steht fest.

  4. 14.

    In dem Beitrag steht, wie Sie gelesen haben, dass die Gesamtzahl auf dem niedrigsten Stand seit 1990 liegt. Dafür dass bestimmte Taten gestiegen sind haben wir ebenso mehrere Beispiele genannt.

  5. 13.

    Sexuelle Delikte ggü. Erwachsenen von 149 auf 403 gestiegen, also mehr als verdoppelt, Faktor 2,5.
    Also statt "Rekordtief" das Gegenteil.

  6. 12.

    Hallo G.M.,

    doch, die Anteile der einzelnen Delikte an der Gewaltkriminalität sind öffentlich einsehbar. Hier:

    https://mik.brandenburg.de/sixcms/detail.php/899004

    (S.19 ff.)

    Beste Grüße

  7. 10.

    Unglaublich "nette" Antwort. Wenn Sie mal nachgerechnet hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass es in 2018 insgesamt 450 Gewaltdelikte mehr waren als in 2017. Klassisches Eigentor, würde ich mal sagen. Es ist schön, dass schwere Gewaltdelikte rückläufig waren, aber es bleibt besorgniserregend, dass Körperverletzungen noch deutlich stärker gestiegen sind.

  8. 9.

    2. Versuch: Der 1. Satz zum angeblichen "Rekordtief seit der deutschen Einheit" ist offensichtlich FALSCH, da man schon allein am Kurvenverlauf in der Grafik sieht, dass Kriminalität in Brg. jahrelang bis 2017 auf ein höheres Niveau gestiegen ist. Der Satz müsste alos korrigiert werden. Wo liegt denn seit 1990 das reale "Rekordtief"? Jedenfalls nicht 2018.
    Ein paar Prozent Abnahme kann man bei vorherigem deutlichen Anstieg nicht als sonderlichen Erfolg hinstellen, wenn der nicht aufgeholt bzw. ausgeglichen werden wurde, sondern Fakt ist, dass das niedrigere Niveau von 2011-15 bisher einfach nicht mehr erreicht wird. Das sieht man mit einem einzigen Blick in die Grafik.

  9. 7.

    Benennen Sie mal die einzelnen Anteile bei den Gewaltdelikten, dann reden wir weiter.
    Die sind nämlich auf der Ministeriumsseite im Gegensatz zu den Jahren 2017 und 2016 nicht veröffentlicht.

  10. 6.

    Schauen Sie mal in die Grafik. Mna hat statistisch nur den Ansteig der letzten Jahre zu einem geringen Teil verringert und es gibt noch mehr Körperverletzungen als vorher. Es wird also keinesfalls "sicherer" für den Bürger, weil es jahrelang unsicherer geworden ist und der Anstieg von vorher nicht bewältigt ist.
    Das ist ganz ähnlich zur Entwicklung in Berlin. Man stellt eine Reduktion bei Anzeigen von Taschendiebstählen vor, der dort vorher stark bis auf das 4-5fache angewachsen war, und erklärt, man habe den erfolgreich bekämpft. Der wird aber immer weniger angezeigt, sagt die Polizei selsbt (sehr hohe Dunkelziffer), da die Polizei den gar nicht mehr bearbeitet.
    Der Anstieg von vorher wurde trotzdem nicht annähernd ausgeglichen.

  11. 5.

    Da fragt man sich ernsthaft wozu die dann das neue Polizeigesetz brauchen?!

  12. 4.

    Welchen Teil von "Auch bei der Gewaltkriminalität - darunter Mord, Totschlag, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, gefährliche und schwere Körperverletzung - sanken die Zahlen" haben Sie nicht verstanden? Lediglich bei den Körperverletzungen gab es einen Anstieg zu verzeichnen.

  13. 1.

    1,2 Prozent weniger ist kein "Rückgang", sonder minimale statistische Schwankung und Euphemismus.
    Die treten immer auf, wären auf einer Linie im Diagramm kaum zu sehen. Gewalt nimmt weiter zu, das ist der Punkt.

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