Hunderte Akten in einem Archivraum der Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde in Neubrandenburg, Mecklenburg-Vorpommern (Quelle: DPA/Bernd Wüstneck)
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Video: Brandenburg Aktuell | 13.03.2019 | Majerowitsch/ Pilarski | Bild: dpa

Archivzentrum zur SED-Diktatur in Berlin - Stasi-Unterlagen kommen ins Bundesarchiv

Tausende Filme, Millionen Fotos, 111 Kilometer Akten: Der gigantische Bestand der Stasi-Unterlagenbehörde soll künftig Teil des Bundesarchivs sein. So sei die Aufarbeitung dauerhaft gesichert, heißt es. Auf Kritik stößt die Reduzierung der Außenstellen.

Nach rund drei Jahrzehnten steht die Stasi-Unterlagenbehörde vor einem grundlegenden Umbau. Um die Hinterlassenschaften des DDR-Staatssicherheitsdienstes dauerhaft zu retten, wird die 1990 gegründete Behörde in das Bundesarchiv eingegliedert, wie der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, bei der Vorstellung seines Tätigkeitsberichtes am Mittwoch in Berlin ankündigte.

Unter dem Dach des Bundesarchivs wird künftig ein eigener Bereich unter einer herausgehobenen Leitung mit der Bezeichnung "Stasi-Unterlagen-Archiv" eingerichtet. Dort sollen die speziellen Aufgaben der heutigen Stasi-Unterlagenbehörde weitergeführt werden.

Nur noch ein Archivstandort pro Bundesland

Auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg wird ein Archivzentrum zur SED-Diktatur eingerichtet, in dem neben den Stasi-Unterlagen auch die Bestände der zentralen DDR-Behörden, das Archiv der SED sowie der Massenorganisationen der DDR und die Bibliothek der Stiftung Partei- und Massenorganisationen der DDR untergebracht werden. Zudem wird das Archivzentrum Restaurierungs- und Digitalisierungswerkstätten umfassen.

Die bislang zwölf Außenstellen der Stasi-Unterlagenbehörde in den ostdeutschen Ländern werden auf einen Archivstandort pro Bundesland reduziert. Dort sollen die Akten in neu errichteten oder umgebauten klimatisierten Gebäuden archivgerecht gelagert werden. An den anderen Standorten sollen aber weiterhin Information, Beratung, Antragstellung und Akteneinsicht angeboten werden. Über das Konzept wird in letzter Instanz der Bundestag entscheiden.

Viele Dokumente in schlechtem Zustand

Ehemalige DDR-Bürgerrechtler kritisierten am Mittwoch die Pläne. Die Ausdünnung der Außenstellen der Stasi-Unterlagenbehörde sei ein falsches Signal, erklärte das Berliner Bürgerkomitee 15. Januar e.V. Angesichts der in Ostdeutschland besonders verbreiteten Demokratieverdrossenheit brauche es nicht weniger regionale politische Bildung und Aufarbeitung, sondern deutlich mehr.

Das Stasi-Unterlagen-Archiv umfasst etwa 111 Kilometer Stasi-Akten, etwa 1,8 Millionen Fotos sowie rund 2.800 Filmdokumente. Viele der Archivalien befinden sich den Angaben zufolge wegen unzureichender Lagerung und Vorschädigungen in einem schlecht Zustand.

Sendung: Brandenburg aktuell, 13.03.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Gut so. Nach 30 Jahren sollten Parallelwelten ein Ende haben.

  2. 1.

    Berlin sollte die noch aktuell im Amt befindlichen Stasi-Staatsanwälte bei der Staatsanwaltschaft Potsdam mit ins Archiv stellen.

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