Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum), Männchen und Weibchen. (Quelle: dpa/Kevin Prönnecke)
Video: Brandenburg aktuell | 25.03.2019 | Jana Wochnik-Sachtleben | Bild: dpa/Kevin Prönnecke

Krisentreffen zum Insektensterben - Insektenschutz: Minister Vogelsänger will die Wogen glätten

Beim Krisentreffen zum Insektensterben in Brandenburg haben alle Beteiligten ihren guten Willen betont. Keine Schuldzuweisung - jeder kann einen Beitrag leisten, hieß es am Montag beim Insektengipfel. Naturschützer nannten das Treffen eine Show-Veranstaltung.

Über einen besseren Schutz von Insekten in Brandenburg haben am Montag in Potsdam rund 100 Vertreter aus Landwirtschafts- und Umweltverbänden beraten. Eingeladen zu dem ersten sogenannten Insektengipfel hatte Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Er rief zu Beginn der Veranstaltung zu gemeinsamem Handeln auf. 

Man habe möglicherweise das Sterben von Bienen, Schmetterlingen und Käfern zu lange ignoriert, räumt Jörg Vogelsänger zu Beginn der Veranstaltung ein. Jetzt sei ein Vorschlag erarbeitet worden, der sich an dem Insektenschutzprogramm der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) [externer Link] orientiere, sagte Vogelsänger. Vogelsänger kündigte an, dass konventionelle Landwirte finanzielle Unterstützung für Blühstreifen und Ackerrandstreifen erhalten sollen, 700 Euro je Hektar. Dafür sollen mindestens sechs Millionen Euro Bundes- und Landesgeld jährlich zur Verfügung stehen.

Bauernbund weist Schuld am Insektensterben zurück

In den vergangenen 30 Jahren ist in Brandenburg die Zahl der Wildbienen, Hummeln und Falter deutlich zurückgegangen. Naturschützer fordern deshalb unter anderem, dass die Bauern weniger Dünger und Chemikalien einsetzen und auf Monokulturen verzichtet. Unterstützung erhalten sie aus der Wissenschaft. So fordert Thomas Schmitt vom Deutschen Entomologischen Institut einen weitgehenden Verzicht auf Pestizide und Dünger. 

Der Chef des Landesbauernverbands, Hendrik Wendorff, wehrte sich auf dem Insektengipfel gegen den Vorwurf, die konventionelle Landwirtschaft allein sei schuld am Insektensterben. Zudem forderte er finanzielle Unterstützung für die Landwirte, um Maßnahmen wie Blühstreifen anzulegen oder eine Reduktion von Pflanzenschutzmitteln herbeizuführen.

Wendorff mahnte auch: "Naturschutz zum Nulltarif wird es nicht geben." Die Landwirte müssten wirtschaftlich produzieren. Die finanziellen Verluste, die mit den Maßnahmen für mehr Insektenschutz verbunden seien, müssten ausgeglichen werden, forderte Wendorff: "Dazu bedarf es auch mehr Einsatzes und besserer Programme als bisher."

Vogelsänger: Jeder kann einen Beitrag leisten

Schuldzuweisungen sind laut Agarminister Vogelsänger der verkehrte Ansatz. Er betonte, jeder könne seinen Beitrag zum Schutz der Insekten leisten. "Da sind wir bei der Landwirtschaft, da sind wir bei den Kommunen, aber es kann auch jeder in seinem Garten dafür sorgen, dass Insekten eine Chance haben."

Auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Ingo Senftleben, sagte, Insektenschutz erfordere breiten Konsens und keine einseitigen Schuldzuweisungen.

Im Hinblick auf Pestizide bewegt sich in Brandenburg etwas: Nach Prenzlau und Eberswalde hat sich nun auch Cottbus zur pestizidfreien Kommune erklärt. Diese drei Kommunen wollen auf ihren Grünstreifen künftig keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr einsetzen.

80 Teilnehmer geladen

Zum Schluss des Treffens konnten sich alle Teilnehmer in Arbeitsgruppen wie "Lebensräume wieder herstellen" oder "Lichtverschmutzung reduzieren" eintragen, um in den kommenden Monaten einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten

Mit dem so genannten Insektengipfel reagierte Umweltminister Vogelsänger auf die Ankündigung des Nabu und BUND, ein Volksbegehren zur Erhalt der Artenvielfalt auf den Weg zu bringen. In Bayern stimmten einem ähnlichen Volksbegehren nach Angaben des Nabu 1,7 Millionen Bürger zu. Es sei das erfolgreichste Volksbegehren seit 50 Jahren.

Umweltverbände wollen weiter Druck machen

Vor dem Treffen kritisierten Umweltverbände, es handele sich um eine reine Show-Veranstaltung. Das Treffen sei den anstehenden Landtagswahlen im Herbst geschuldet, sagte Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer des BUND Brandenburg. Das Thema Insektensterben habe eine große Relevanz in der Öffentlichkeit bekommen. Mit dem Insektengipfel wolle die Landesregierung "den Druck aus dem Kessel" nehmen, so Kruschat. "Aber das wird nicht passieren, wir werden da weiter Druck machen", kündigte er an.

Nach den Osterferien wollen Nabu und BUND den Gesetzesentwurf für das Volksbegehren der Öffentlichkeit vorstellen. Ziel ist es, mehr natürliche Lebensräume für Insekten festzulegen, den Einsatz von Pestiziden zu beschränken und den Gewässerschutz zu verbessern.

Sendung: Brandenburg aktuell, 25.03.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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61 Kommentare

  1. 61.

    Wir leben in Zeiten der Erderwärmung. Handeln ist angesagt, da gebe ich Ihnen recht. Wissenschaft und Politik haben die Aufgabe, die Menschen aufzuklären, vorzubereiten und zu begleiten. Dazu gehört u.a. Hochwasserschutz und das Zuverfügungstellen von ausreichenden und preiswerten Strom, um Klimaanlagen in Schulen, Krankenhäusern und ja, auch in Privatwohnungen, betreiben zu können. Doch stattdessen werden die Menschen zu Schuldigen gemacht und somit ist jede Drangsalierung und Abgabenerhöhung möglich. Schulbildung, Mathematik, Physik, Biologie stören da nur. Freitags Schuleschwänzen passt somit. Wir leben im Jahr 2019. Missionierung, Drangsalierung, Ablasshandel, Propheten, es ist Wahnsinn, dass all das, wie im Mittelalter, wieder Realität wird. Nun die große Frage: Warum passiert das Extreme immer uns hier in Deutschland ?

  2. 60.

    Noch jemand, der aus persönlichen Gründen hofft, dass andere sich von einer grossen Zahl beeindrucken lassen und nicht genauer hinschauen.

  3. 59.

    Wirklich schlimm ist das es Zeitgenossen gibt die nichts begreifen können. Klimawandel gab es schon immer, stimmt!
    Das vor Millionen Jahren von der Natur eingelagerter Kohlenstoff in 200 Jahren vom Menschen freigesetzt keine Auswirkungen haben, wie wenig Verstand muss man haben das zu glauben? Während der Treibhauseffekt bereits im Jahr 1824 vom Physiker John Tyndall entdeckt wurde, konnte die klimaerwärmende Wirkung der stetig ansteigenden Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre aufgrund verbesserter Messmethoden und einer breiteren Datenbasis erst gegen Ende der 1950er Jahre quantifiziert werden.
    Wie viel Zeit brauchen wir noch um endlich zu handeln?

  4. 58.

    Noch sinnentleerte kommt es einen vor, wenn man, so wie ich, den Klimawandel, den es st. Bestehen der Erde gibt, auch noch glaubt aufhalten zu können. Wir sind weder Gurus, Gott noch sonstwer. Der Einfluss des Menschen darauf ist jedoch marginal.
    Da erscheint einen die Opferung des sinnvollen Umweltschutzes noch absurder.
    Was ist denn mit den Solarpaneelwüsten, die mal Äcker waren ? Die Äcker, die mal vielfältig bewirtschaftet wurden und jetzt für Monokulturen zur Energiegewinnung genutzt werden. Landwirte, die nun Energiewirte sind. Die abgeholzten Bäume für die Stromtrassen ? und und und, und die Studie passt auch nicht mehr ins Weltbild !

  5. 57.

    Bekomme ich für meinen Insektengerechten Garten auch Fördergelder? Oder nur wieder die Wirtschaft? Nebenbei erwähnt eine Wirtschaft deren Umsatz sich größtenteils aus Fördergeldern aka Subventionen zusammensetzt.

  6. 56.

    Die DLR sagt selber zu ihrer Untersuchung, dass sie nicht genau sagen können, wie sehr sich die Verluste auf die Insektenpopulation auswirke.
    Irre These, Klimaschutz ist der größte Feind für den Umweltschutz. So etwas kommt auch nur von Menschen die sich weder für Klimaschutz noch Umweltschutz interessieren.

  7. 55.

    Nochmal: der schon religiös zelebrierte "Klimaschutz" ist der natürliche Feind des Umweltschutzes. Windkraftsysteme, Biogasanlagen, Energiemonokulturen, ... und die enormen Kosten schaden ganz direkt Umwelt und Landschaft. Vielleicht sollten die Umweltverbände mal den Wissenschaftlern des DLR zuhören, die einen weiteren Verdächtigen für das Artensterben ausgemacht haben: die Windkraftindustrie. Nach deren Modellanalyse könnten die 30.000 Windkraftanlagen in D. während der warmen Jahreszeit für den Tod von 5,3 Milliarden Insekten pro Tag verantwortlich sein. (Welt, heute). Hinzu kommen die riesigen Felder mit Monokulturen, auch zur Energiegewinnung. Für die Trassen werden Bäume gefällt, die doch eigentlich CO2 wiederaufbereiten und zu Sauerstoff verwandeln. Nochmal: der fanatische "Klimaschutz" ist der größte Feind für den Umweltschutz.

  8. 54.

    Was denn für ein Märchen? Das Märchen, dass das Schreddern nur ein "Märchen" sein soll?
    Von den massenhaft Vogelleichen unter Windkarfträdern in der See berichten Segler schon seit mehr als zehn Jahren. Wahrscheinlich denken manche, die kleinen Insekten könnten mit weniger Masse der Windgeschwindigkeit "besser ausweichen".

  9. 53.

    Nehmt Euch ein Beispiel an den demonstrierenden SchülerInnen.
    Beachtet die vom Thema abweichenden Kommentare von Personen (z.B. von Tremor) nicht, die anscheinend nicht begreifen wollen, dass wir unser Umweltverhalten drastisch ändern müssen, damit die nachfolgenden Generationen noch etwas von unserer Welt haben.

  10. 52.

    Was für ein Unsinn. Die Wissenschaft (neutral) widerspricht dem Lobbyverband (interessengeleitet).

  11. 51.

    Folgen Die einfach dem Beispiel von Knopf und Lukas dem Lokomotivführer. Die sind näher herangegangen. Übrigens dessen Vögel geschätzt über dreißigtausend Prozent mehr Insekten als an WKA zu Tode.

    Sie haben aber ja ehrlicherweise zugegeben, wodurch Ihre Gefährdungsbeurteilung bestimmt ist: Sie versuchen ganz banal aus persönlichen Gründen Stimmung gegen WKA zumachen, können hier aber mit Ihrem Popanz niemanden beeindrucken. Selbst der Nabu ist bekanntlich anderer Meinung als Sie, womit sich auch Ihre Umweltaktivisten als weitere Luftnummer herausstellen.

  12. 50.

    Gern, wenn Angriffe auf mich ausbleiben.
    Daher fassen Sie Sich, überspringen Sie einfach den einen oder anderen Beitrag (nachdem Sie festgestellt haben, worum es darin nicht geht) und üben Sie Sich in Toleranz.

  13. 48.

    Klar: Wer den Grünen nicht glaubt, ist ein Übelwicht.
    Welche Argumente würden Sie überzeugen?
    (Lassen Sie mich raten: Wenn sie von den Bösen kommen, keine.)

  14. 47.

    Sie haben mich ertappt:
    Da ich weder links, nicht rot noch grün bin, muss ich laut linksrotgrüner Lesart wohl ein Rechtsextremer sein.
    Oder etwas vergleichbar Schlimmes (z. B. ein Kapitalist).
    Tja, das Leben ist grausam, hart und ungerecht.
    Vor allem montags.

  15. 46.

    mmmh, kein Menschen gemachter Klimawandel, CO2 nicht verantwortlich für Erderwärmung......
    Rückständige Weltbilder sind kaum mit Argumenten zu widerlegen, aber für alle die es interessiert hier ein schöner Beitrag welches geistige Niveau AfD Propagandisten haben. Wirklich lesenswert.
    https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/das-klimaquiz-der-afd-die-aufloesung/

  16. 45.

    "Linksrotgrünen" ... "Und wenn ich eine Partei befürworte, liegt es irgendwie in der Natur der Sache, wenn meine Ansichten nicht allzusehr von denen dieser Partei abweichen, hm? "

    Na endlich mal einer der zugibt rechtsextrem zu sein weil er Anhänger einer rechtsextremen "Partei" ist.

  17. 44.

    Die Feststsellung, dass Windkrafträder Tiere umbringen ist eine Verschwörungstheorie?
    D. h. ... es sind sogar MEHRERE Theorien?
    Hoppala!
    Die Behauptung, das Wasser nass ist, wäre vermutlich auch eine?
    Falls ja: Wer dürfte eine solche denn aufstellen und dabei vor Ihnen als seriös gelten?
    Und wenn die Antwort nun "Die Bildzeitung" lautet, kann ich nicht anders als Sie für einen Politiker zu halten.

  18. 43.

    Ist emsiges Kommentieren ein Privileg von Linksrotgrünen?
    ALLES Entsprechende kommentiere ich sicher nicht.
    Und wenn ich eine Partei befürworte, liegt es irgendwie in der Natur der Sache, wenn meine Ansichten nicht allzusehr von denen dieser Partei abweichen, hm?
    Warum sollte ich sie sonst befürworten?
    Doch um mal wieder die Kurve in Richtung Thema zu bekommen:
    Ich neige schlichtweg dazu, denen mit den überzeugenderen Argumenten zu glauben.
    Und wenn etwas ineffizient ist und Tiere tötet, ist das auch mit noch so viel Wunschdenken nicht zu ändern.
    Oder erschreckt es Sie so sehr, dass auch Menschen mit völlig anderen Ansichten mal mit irgendwas Recht haben könnten?

  19. 42.

    http://www.science-skeptical.de/autoren/

    *lol* Was kommt als nächstes? Kopp Verlag? Chemtrails? Ihre Verschwörungstheorien langweilen.

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