Fahrradfahrer in Berlin-Prenzlauer Berg (Quelle: imago/Ritter)
Audio: Fritz | 09.04.2019 | Moses Fendel | Bild: imago stock&people/Ritter

ADFC-"Fahrradklima"-Test - Radfahrer geben Berlin und Brandenburg schlechte Noten

Da ist noch Luft nach oben - bei der bundesweiten Umfrage des ADFC zum Fahrradklima bekamen Berlin und Brandenburg nur ausreichende Schulnoten. Immerhin: Berlin führt die Liste der Städte über 500.000 Einwohner an, die am stärksten aufgeholt haben.

Berlin und Brandenburg haben beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nur mäßig abgeschnitten. Berlin erhielt nur die Schulnote 4,27. Dennoch zählt die Hauptstadt zu den Aufholern, weil die Ergebnisse sich im Vergleich zur vorangegangenen Befragung leicht verbesserten. Brandenburg wurde mit der Note 3,72 bewertet - allerdings hat sich das Ergebnis im Vergleich zur letzten Umfrage verschlechtert.

Berlin auf Rang zwölf bei den größten Städten

Für den Fahrradklima-Test befragte der ADFC bundesweit insgesamt 170.000 Radfahrer, davon rund 4.500 in Berlin und 5.600 in Brandenburg. Sie sollten 30 Fragen beantworten, beispielsweise ob sie sich als Verkehrsteilnehmer ernst genommen fühlen. Die Befragten konnten Schulnoten auf einer Skala von 1 bis 6 geben. Repräsentativ ist die Umfrage nicht.

Die Fahrradfreundlichkeit in den Kommunen wurde in sechs Größenklassen bewertet. Bei den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern siegte Bremen mit der Gesamtnote 3,55. Berlin landete mit der Note 4,27 auf dem 12. und damit drittletzten Platz. Allerdings führt die Hauptstadt die Liste "Aufholer" an, weil sie nach Einschätzung der Befragten bei den Städten über 500.000 Einwohnern die beste Entwicklung genommen hat.

Potsdam auf Platz 5

Bei der Befragung von insgesamt 36 Brandenburger Kommunen verschlechterte sich das Land in der Bewertung von 3,56 im Jahr 2016 auf 3,72. "Niemand darf sich wundern, dass der Radverkehrsanteil nicht steigt, wenn die Bedingungen so sind, dass im Durchschnitt nur die Note ausreichend vergeben wird", sagte Stefan Overkamp, ADFC-Landesvorsitzender. Das sei ein Warnsignal. Die Förderung des Radverkehrs komme nicht von der Stelle. "Angebot und Nachfrage passen noch längst nicht zusammen."

In Brandenburg wurden in der Kategorie Städte über 100.000 Einwohner Potsdam und Cottbus bewertet. Während Potsdam mit der Note 3,62 Platz fünf von 30 Städten belegte, landete Cottbus mit der Note 4,03 auf Platz 19. Fahrradfreundlichste Stadt in dieser Kategorie ist Göttingen (3,35). Frankfurt (Oder) wurde in der Ortsgrößenklasse 50.000 bis 100.000 Einwohner bewertet und kam mit der Note 4,14 nur auf Platz 75 von 106 Städten - noch drei Plätze vor Brandenburg an der Havel (4,18).

Aber auch positive Beispiele sind zu finden: Das uckermärkische Schwedt/Oder und Bad Wilsnack (Prignitz). Beide Städte erreichten in ihrer bundesweiten Vergleichsgruppe Rang 6.

Sicherheitsgefühl sinkt

Viele bundesweite Trends wertet der ADFC als ernüchternd. So gehe die Zufriedenheit beim Radfahren zurück: Mit der Schulnote 3,9 war der Wert schlechter als in den Jahren 2014 (3,7) und 2016 (3,8). Das Sicherheitsgefühl fiel auf die Note 4,2 zurück. Zwei Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 3,9.  

Ein Wunsch eint dabei 80 Prozent aller Befragten: Sie möchten vom Autoverkehr getrennte, glatt asphaltierte Radwege, die breit genug sind fürs Überholen.

Es gibt aber auch Kommunen, in denen Radfahrer gute Noten vergeben - vor allem in kleineren Städten. Bocholt (2,39) und Reken (1,97), beide im Münsterland, sowie Baunatal (2,67) in Hessen belegten die Spitzenplätze.

Sendung: Brandenburg aktuell, 09.04.2019, 19.30 Uhr

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18 Kommentare

  1. 17.

    Wie schauts mit einem Fußgänger-Klimatest aus?

  2. 16.

    Die berufstätigen Radfahrer bezahlen schon den Straßenbau und sie nutzen die Straßen aber nicht ab. Genausogut könnten Sie von Fußgängern noch mehr Geld für Straßenbau bezahlen, obwohl die da nicht fahren. Super ""clevere" Idee, die immer wieder missgünstig ausschließich gegen Radler hochgekocht wird. eigentlich müssten Radler dafür entschädigt werden, dass sie aber der Straßen ständig gefährdet und abgedrängt werden, z. T. sogar noch von Taxis auf Radwegen.
    Das Gejammere über Fußwegradler ist auch überzogen. Mir ist den ganzen Winter über keiner vor die Füße geradelt, nicht einer, obwohl bei uns ganzjährig viel geradelt wird. Klar gibt es welche und auch rücksichtlose, aber dass die irgendwie die Masse wären oder so schlimm wie Autofahrer im Straßenverkehr wären, kann niemand behaupten.
    Die Todeszahlen sind da auch eindeutig. Radfahrer haben einfach in Berlin kaum eigenen Platz und das schnallen missgünstige Leute lediglich nicht, weil sie das gar nicht sehen wollen.

  3. 15.

    Kennzeichnungspflicht? Das übernimmt dann welche Behörde? Ach nee, wird ne Neue dafür eingerichtet, ist klar. Haftpflicht? Hat jeder Mensch. Die Privathaftpflicht greift bei Unfällen. Warum sollte Rad fahren etwas kosten? Zur Strafe, weil wir atmen? Nicht wirklich. Eigentlich müssten wir noch was bekommen, dafür, dass wir nicht auch noch egoistisch und faul in Autos hocken und die Stadt vollpesten. Humbug!

  4. 14.

    Was soll das? Alle Radfahrer halten sich nicht an Regeln und Gesetze? Oder was meinen Sie damit? Solch ein Kommentar dient höchstens dazu, den Konflikt zu schüren. Sinnfrei und ärgerlich.

  5. 13.

    Ich habe noch einen Vorschlag zur Finanzierung der geforderten super Radwegen, eine Steuer für Radfahrer, müssen Autofahrer auch bezahlen! Außerdem eine Kennzeichnungspflicht, Helm Pflicht und eine Haftpflichtversicherung. Gleiches recht für alle! Wäre für alle Verkehrsteilnehmer besser und sicherer, bei den Verstößen die Radfahrer täglich begehen. Den Öpnv muss ich ja auch bezahlen, warum nicht auch Radfahrer zur Kasse bitten.

  6. 12.

    Warum werden Fußgänger/Autofahrer nicht über die Radfahrer befragt?

  7. 11.

    So ein Unsinn.

    Bin 1991 bis 2000 Radfahrer in Berlin gewesen. Ohne nervige Regeln und mit Rücksicht und ohne staatliche Regelung.

    Es war wunderbar. Natürlich sind wir vor Grün auf großen Kreuzungen los gefahren um nicht von den Abbiegern erfasst zu werden, etc. Im Endeffekt müssen alle nur Rücksicht nehmen und den gesunden Menschenverstand einschalten.

    Heute beobachte ich immer mehr Radfahrer, die ohne zu schauen, mit vollem Tempo, über eine Kreuzung fahren.
    Aber das kann nie funktionieren, denn es kann immer ein anderer Verkehrsteilnehmer aus Versehen unaufmerksam sein und jemand übersehen. Es kann auch ein anderer Radfahrer sein!

    Und wieviel "Idioten" gab es damals schon, die wenn Kinder auf dem Radweg waren mit Vollgas und Klingel auf sie zu rasten, statt zu lachen und den Kleinen Guten Tag zu sagen.

  8. 10.

    Und Fahrradfahrer.

    Ach wie schön wäre es wenn Fahrräder enteigneg würden wen ihr Herrchen/Frauchen mal wieder auf dem Bürgersteig oder falsch in der Einbahnstraße fährt. Und der Ober Verkehrsmaker will auch noch falsch Fahrradfahren in Einbahnstraßen legalisieren .

    Und ja Verkehrsraudies gibt es auch unter Fußgängern ( Linksläufer, schräg Läufer , ohne nach links und rechts schauende wenn man aus Läden, Wohnhäuser , U Bahnen aussteigt. - neoliberaler Egoismus halt ).

  9. 9.

    Radfahrer können nur fordern und jammern. An Fußgänger denkt keiner die haben ja auch keine Lobby. Wenn Fussgänger auf einem Fussweg oder im Park nicht Platz machen, würden viel mehr Unfälle passieren. Erst kürzlich habe ich gesehen wie ein Radfahrer um eine Hausecke kam und eine Frau angefahren hat und weiter gefahren ist. Schön anonym.
    Übrigens ich bin Fußgänger und habe keinen Führerschein.
    Die Forderer sollten aber mal daran denken das Autofahrer Kfz Steuer und Haftpflichtversicherung bezahlen.

  10. 8.

    Von den seit Monaten angekündigten (für Fahrräder freigegebenen) "jetzt kommenden" Busspuren habe ich auch noch keine einzige gesehen. @rbb Wurden die alle weitab von Kreuzberg eingerichtet? Gibt es inzwischenzumindest einen Plan wann und wo die geschaffen werden sollen? Oder sind das auch alles nur leere Ankündigungsversprechen für spätere Jahrzehnte, wie beim Rad"schnell"wegenetz und den später kommenden neuen U- und S-Bahnzügen?!

  11. 7.

    Und ich gebe den Radfahrern und Radfahrerinnen in Berlin ganz schlechte Noten, ganz, ganz schlechte.
    Es wird Zeit, dass gegen dieses stete Missachten von Verkehrsregeln vorgegangen wird, so wie gestern am Alexanderplatz.
    P. s.: Ich bin ein Radfahrer.

  12. 6.

    Wenn Radwege gut befahrbar und breit genug zum Überholen sind, werden sie auch genutzt. Nicht jede handtuchbreite rot gepflasterten Buckelpiste, die man dem Bürgersteig abgerungen verdient die Bezeichnung Radweg.

  13. 5.

    Ich gebe den Radfahrern, oder auch Radfahrenden in Berlin, schlechte Noten. Glatte 6 würde ich sagen.

  14. 4.

    Es gibt lauter superenge und kaputte Radwege, auf denen man z. T. über hochgeschobene Baumwurzeln "klettern" soll. Man sieht nirgends, dass die kauputten mal repariert werden. Dafür kurze superteure Vorzeigestrecken da, wo es vorher schon relativ neue Radwege gab, vorm Alex z. B. Dieser Senat hält seine Wahlversprechen nicht.

  15. 3.

    Wer fragt eigentlich wie zufrieden die "Einwohnenden" der Städte mit den "Radfahrenden" sind? Und wofür denn noch mehr Millionen € in Radwegbau versenken wenn doch die Straße benutzt wird weil man sich sonst in seiner Freiheit beschränkt fühlt.,,,

  16. 2.

    Sicherheitsgefühl sinkt? Ach was. Mich stört es nicht, wenn Autofahrer die Verkehrsschilder nicht kennen. Viele glauben, das weiße "Fahrrad frei"-Schild würde einen Radweg markieren. Sie hupen und drängen und schimpfen, wenn man diesen "Radweg" nicht benutzt. Die Polizei stört es auch nicht. Habe so etwas noch nie geahndet gesehen. Anarchie auf der Straße funktioniert prima - wenn man Autofahrer ist.

  17. 1.

    Note (für B) passt.
    "Sie möchten vom Autoverkehr getrennte, glatt asphaltierte Radwege, die breit genug sind fürs Überholen." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
    Ok, vielleicht noch ergänzend: auf denen keine verträumten Fußgänger herumeiern, Hund mit Kabel zu Herrchen und Frauchen rübermachen usw. Wäre schön, wenn der "Aufenthalt auf Radweg" auch ganz genauso geahndet werden könnte wie andersherum. Klingeln stören ja irgendwie niemanden :-(.
    Und regelmäßige Wartung wäre schön, damit man nicht Huckelpistenfahrt wg. Rissen und durchbrechendem Wurzelwerk macht. Oder Äste vom Seitenbewuchs sich in Speichen verheddern oder gleich direkt ins Gesicht peitschen.
    Hach je, Fahrradschlaraffenland - wo bist Du?

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