Straßenschild am Nachtigalplatz (Bild: dpa/Schoening)
Bild: Bildagentur-online

Afrikanisches Viertel - Straßenumbenennungen in Mitte können sich hinziehen

Lüderitzstraße, Nachtigalplatz und Petersallee sollen künftig anders heißen - so will es zumindest der Bezirk Berlin-Mitte. Gegen eine Umbenennung haben allerdings zahlreiche Anwohner Widerspruch eingelegt. Der Bezirk erwartet einen jahrelangen Prozess.

Die Umbenennung dreier Straßen mit den Namen deutscher Kolonialherren in Berlin-Wedding könnte sich noch Jahre hinziehen. "Bis wir hier Rechtsklarheit haben, können gut zwei Jahre vergehen", sagte der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), am Freitag. Er verwies darauf, dass gegen die Umbenennung je betroffene Straße gut 520 Widersprüche vorliegen. Er gehe davon aus, dass diese abgelehnt werden und die Sache dann vor dem Verwaltungsgericht lande.

Dort wiederum dürfte die Prüfung der "sehr komplexen Materie" nach seiner Einschätzung auch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Anna-Mungunda-Allee und Maji-Maji-Allee

Vor einem Jahr hatte die Bezirksverordnetenversammlung Mitte beschlossen, Lüderitzstraße, Nachtigalplatz und Petersallee im Afrikanischen Viertel umzubenennen. Sie sollen stattdessen Namen von Menschen erhalten, die sich gegen die Kolonialherrschaft etwa im heutigen Namibia auflehnten oder sich für die Unabhängigkeit einsetzten. Geplant sind Umbenennungen in  Cornelius-Frederiks-Straße, Bell-Platz, Anna-Mungunda-Allee und Maji-Maji-Allee. Das Bezirksamt schloss sich dem Beschluss an.

Für Wirbel sorgte kürzlich ein Schreiben des Bezirksamtes an Anwohner, die sich auf Unterschriftenlisten gegen die Umbenennung eingetragen hatten. Sie wurden darauf hingewiesen, dass ein Widerspruchsverfahren gebührenpflichtig sei. Von Dassel betonte, dass es dabei nicht darum gegangen sei, die Betreffenden von ihrem Widerspruch abzuhalten, sondern darum, sie vor überraschenden Kosten zu bewahren. Die Gebühren könnten leicht einen dreistelligen Betrag erreichen. Nunmehr sollen die Betreffenden bis 6. Mai nochmals ausdrücklich erklären, dass sie Widerspruch gegen die Straßenumbenennung einlegen.

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21 Kommentare

  1. 21.

    Nichts. Man kann Geschichte nicht einfach aus unserer heutigen Zeit neu beurteilen, Geschichte war und ist so passiert. Die Kolonialzeit war so wie sie war. In der heutigen Zeit ist eben eine andere moralische Meinung. Das nennt sich Entwicklung. Die Namen der Straßen zu ändern bringt keine Änderung der Geschichte. Wir sollten das einfach mal lassen, alles im Nachhinein passend zu machen, damit es keiner merkt, was wir für Leute mal geehrt haben.

  2. 20.

    Was haben Sie alle gegen die Kolonialzeit? Ohne diese hätten wir heute keine Vielfalt.

  3. 19.

    Nein, bin ich eben nicht. Man muß Geschichte als Ganzes begreifen und nicht versuchen Versatzstücke herauszugreifen.

    Im weitesten Sinne hat nämlich die deutsche Kolonialzeit zum Hitler-Regime, zum Faschismus geführt.

    q.e.d.

  4. 18.

    Petersallee ist nicht mehr vom Beschluss betroffen. Siehe auch Kommentar Nr. 12 und Bericht des rbb. Sie sind nun völlig vom Thema abgekommen, es geht nicht um Nazis sondern um die Koloniezeit.

  5. 17.

    "Da Sie schon durcheinander kommen, wäre Aufklärung durch Hinweise besser als eine Umbenennung."

    Mal ganz langsam mit solchen Unterstellungen. Die Nazis haben sich durch aus solche Leute als Vorbilder ausgesucht, wie das Beispiel des "Hänge-Peters" zeigt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Peters#Nachwirkungen

  6. 16.

    Aber das geht ja garnicht, Timbuktu war mal ein Hauptumschlagplatz für den Sklavenhandel ;-) Mit dem Vorschlag können Sie sich gleich an den Pranger stellen.

  7. 15.

    Hätte eine Vorschlag: Timbuktu-Str.

    Timbuktu ist eine malische Oasenstadt mit 54.453 Einwohnern.

  8. 14.

    Da würde ich differenzieren zwischen historischen Gebäuden und Straßennamen. Würden wir heute geltende Maßstäbe an historische Gebäude anlegen, so stünde fast kein Stein auf dem anderen und wir würden einer Geschichtslosigkeit das Wort reden. Straßen wurden dagegen immer umbenannt. Mal, weil sich deren Verlauf teilweise änderte und zur Klarheit Namensänderungen her mussten, mal, weil ein oberflächlicher Zeitgeschmack korrigiert werden musste. Vor vierzig Jahren war es (im Westen) üblich, dass beinahe jedes Dorf seine "Dorfstraße" in "Hauptstraße" umbenannte. Seit zwei Jahrzehnen erfolgen wieder Rückumbenennungen, weil das Dorf glücklicherweise wieder als Dorf und nicht als Kleinausgabe einer Großstadt gesehen wird.

    Eine Umbenennung ist von daher nichts Abträgliches. Bloß eben, sollte das Gemeinwesen alle anfallenden Kosten übernehmen.

  9. 13.

    Bremen hat es besser gelöst. Und Sie wollen jetzt nicht behaupten, Bremen ist rechts. Umbenennung ist etwas, was nichts mit Geschichte sondern mit Geschichtspolitik zu tun hat. Die Nazis haben entartete Kunst bekämpft, Bücher verbrannt und so einige andere Sachen, die nicht in ihr krudes Weltbild passte, aus dem Bewusstsein der Bevölkerung eliminiert. So etwas sollte nie wieder passieren, auch nicht wenn es „gut gemeint ist“. Den Bezug zu den Nazis habe ich nur aufgrund Ihres Vergleiches gemacht. Ansonsten sollten wir einfach mal in der Kolonialzeit und ihrer Wirkung bleiben. Da Sie schon durcheinander kommen, wäre Aufklärung durch Hinweise besser als eine Umbenennung. Wie gesagt, was Bremen kann, sollte Berlin auch können.

  10. 12.

    Ja und deshalb genau hat man schon 1986 unter SPD-Buergermeisterin Erika Hess, die Petersallee nach " Hans Peters" umgewidmet, und es sind entsprechende Zusatzschilder bereits angebracht worden.! Somit kann sie rechtlich nicht nochmal umbenannt oder umgewidmet oder geteilt oder was auch immer werden !

  11. 11.

    Bei manchen Straßennamen wäre das tatsächlich angebracht gewesen aber nicht bei solchen Rassisten und quasi Vorgänger der Nazis.

    Während man Nachtigal bestenfalls noch als Kolonialherr damaliger Prägung und Lüderitz als gerissenen Kaufmann umschreiben kann ist die Sache bei "Hänge-Peters" eindeutig. Sowas darf und muß man umbenennen.

  12. 10.

    Die ganze Umbenennung ist Murks. Geschichte radiert man nicht aus, in dem man Namen aus dem Stadtbild tilgt. Dann lieber entsprechende Gedenktafeln, damit sich jeder damit auseinander setzen kann. Lasst die Straßennamen wie sie sind.

  13. 9.

    Dass der Verursacher einer Änderung die Kosten übernimmt, sollte eigentlich selbstredend sein. Ansonsten teile ich die Umbenennung, denn ein gedankenloses Hinweggehen über brachiale Teile der deutschen Geschichte zeugt nur von einem selektiven Weltbild. Dass Berlin nicht die Kosten einer Umbenennung übernehmen wollte, hat ja leider dazu geführt, dass Yitzhak Rabin, israelischer Ministerpräsident und Menschenversöhner, in Berlin mit einer adressenlosen Straße durch das Grün des Tiergartens abgefunden wurde.

  14. 8.

    "Wer zahlt denn bitte die entstehenden Kosten für die Anwohner?
    Änderung von: Ausweis, Reisepass, Geschäftspapiere usw. Sollten diese Kosten nicht einfach an die Initiatoren weitergereicht werden. Wenn die Umbenennung nun sooooo wichtig für eine kleine unbedeutende Gruppe ist, dann bitte..... übernehmt die Kosten hierfür auch!"

    Ich halte es für keine Geldverschwendung wenn die Namen von Rassisten aus dem Straßenbild getilgt werden, da wurden nach '89 rein ideologisch begründet ganz andere Namen von mißliebig gewordenen Menschen aus dem Straßenbild getilgt.

    Oder kann mir jemand verraten warum die Artur Becker Straße nun unbedingt wieder nach einem Hochmeister des Deutschen Ordens zurück benannt wurde?

    Wer nicht versteht warum man diese Rassisten nicht ehren darf, wird auch nicht verstehen warum es keinen Reichskanzlerplatz, Adolf Hitler Straßen oder eine Horst-Wessel-Stadt geben darf.

  15. 7.

    Wer zahlt denn bitte die entstehenden Kosten für die Anwohner?
    Änderung von: Ausweis, Reisepass, Geschäftspapiere usw. Sollten diese Kosten nicht einfach an die Initiatoren weitergereicht werden. Wenn die Umbenennung nun sooooo wichtig für eine kleine unbedeutende Gruppe ist, dann bitte..... übernehmt die Kosten hierfür auch!
    Warum muss ich als nicht dort wohnender Bürger meine gezahlten Steuern für so einen Schwachsinn rauswerfen lassen? Steckt das Geld in Kitas. Bitte!!!!

  16. 6.

    Dieser Senat ist einmalig ,in Sachen die vollkommen überflüssig sind.
    Das Geld des Steuerzahlers wird zum Fenster rausgeschmissen .
    Straßen Umbenennung , sinnlose Punkte in der Bergmann Straße.
    Man muss sich an den Kopf fassen.

  17. 4.

    Ich bin gerade in Namibia und mit unserer unrühmlichen Vergangenheit und den Untaten der Herren konfrontiert, nach denen in Berlin Straßen benannt sind. Eine Umbenennung erscheint mir unbedingt angebracht. Die Menschen hier wissen, wer Nachtigal war und verfolgen dieses Thema mit Interesse. Den Vogel schreibt man übrigens Nachtigall.

  18. 3.

    Nachtigal, ist das nicht ein Vogel, an dessen man sich in lauen Sommernächten erfreut?

  19. 2.

    Hier ist gar keine Umbenennung nötig. Das ist einfach nurg Geldverschwendung. Also besser die Politiker einfach rausschmeissen, die sind ebenfalls Steuerverschwendung

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