Essensausgabe zur Mittagszeit in einer Schule in Berlin (Quelle: imago/Christian Thiel)
Audio: Inforadio | 04.04.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: imago/Christian Thiel

Beschluss im Abgeordnetenhaus - Berliner Grundschüler essen ab August kostenlos

Der Berliner Senat will ab August allen Erst- bis Sechstklässlern ein kostenloses Mittagessen in der Schule anbieten. Am Donnerstag hat das Abgeordnetenhaus das entsprechende Gesetz verabschiedet. Der Opposition geht das alles zu schnell.

Viele Berliner Schüler sollen vom kommenden Schuljahr an ein kostenloses Mittagessen bekommen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das Abgeordnetenhaus am Donnerstag beschlossen. Die Gratis-Mahlzeit gilt für rund 170.000 Grundschüler der Klassen eins bis sechs. Familien würden dadurch um 1200 Euro im Jahr entlastet, sagte der SPD-Abgeordnete Torsten Hofer. Bis 2021 soll ein Konzept für vergünstigtes Essen in der Oberstufe vorliegen.

Außerdem soll es für alle besseres Essen geben. Mit dem "Qualitätspaket" haben die Parlamentarier dazu verschiedene Maßnahmen beschlossen. So werden die Ausschreibungen für Caterer verändert. Diese müssen künftig mit mindestens 50 Prozent Bio-Nahrungsmitteln kochen. Für die Umsetzung des Pakets sollen die Bezirke rund fünf Millionen Euro bekommen.

Opposition spricht von überstürztem Schritt

Von einem "Meilenstein" sprach die Koalition. Sie will, dass mehr Kinder, am besten sogar alle, am Mittagessen teilnehmen. Denn kein Schüler solle mit knurrendem Magen im Unterricht sitzen oder anderen beim Essen zugucken müssen. Die Schulen würden auch nicht damit allein gelassen, das Schulessen für mehr Kinder vorzubereiten.

Die Opposition dagegen warf der Regierung vor, das Gratis-Essen zu überstürzt einzuführen. Viele Schulen könnten in der kurzen Zeit bis August nicht dafür sorgen, dass etwa mehr Platz in den Mensen entsteht. Außerdem solle das Geld statt für ein kostenloses Schulessen besser zum Beispiel für Lehrer eingesetzt werden. Der FDP-Bildungspolitiker Paul Fresdorf prophezeit in einer Mitteilung, am Ende werde der Mangel an Räumen und Equipment in Schulen dazu führen, dass eine Menge Essen in der Tonne landen werde. "Kostenlosigkeit darf nicht zur Verschwendung führen", so Fresdorf.

Auch die Gewerkschaft GEW hatte vor kurzem gefordert, die Raum- und Personalressourcen rasch auszubauen, weil die Nachfrage erwartbar steigen werde.

Bezirke rechnen mit deutlich mehr Nutzern

Dass sich diese Investitionen lohnen könnten, belegen Recherchen des rbb. Nach einer Umfrage unter den Berliner Bezirken würden rund 50 Prozent mehr Erst- bis Sechstklässler in der Schule Mittagessen, wenn es ab August kostenlos wird. Bisher isst mittags nur ein Teil der Kinder in der Schule, rund 60 Prozent sind es im Durchschnitt in Berlin, wie die rbb-Abfrage unter den Bezirken weiter ergab. Die Bezirke beklagen aber, dass in den Schulen teilweise Essensräume, Platz in der Küche und Personal fehlten.

Bisher liegt die Kostenbeteiligung pro Kind bei 37 Euro im Monat - das sind etwa 70 Prozent der tatsächlichen Kosten. Die anderen 30 Prozent werden auch heute schon vom Land Berlin getragen. Für Kinder aus einkommensschwachen Familien liegt der Eigenanteil bisher bei einem Euro pro Mahlzeit.

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Antwort auf [Dietmar Bohlen] vom 05.04.2019 um 16:28
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62 Kommentare

  1. 62.

    Grundsätzlich begrüße ich die Entscheidung des Abgeordnetenhauses. So wird sichergestellt, dass die Kinder regelmäßige Mahlzeiten erhalten, wenn Eltern berufstätig sind. Oft wird aber auch nicht mehr selbst gekocht, obwohl Eltern nicht arbeiten. Ich sehe das jedoch im Interesse der Kinder, nicht um faule Eltern zu "belohnen", wie einige Kommentare schreiben. Allerdings müssen die Herren und Damen des Abgeordnetenhauses nicht so tun, als hätten sie nun das Rad neu erfunden. Das Schulessen war während der Schulzeit unserer Kinder in den 80er Jahren genauso selbstverständlich wie die tägliche Milch; für ein kleines Entgelt von 0,55 Pfennig/Tag. Einkommensschwache mussten nichts zahlen. Das machte Sinn, weil JEDER einer Berufstätigkeit nachging. In der aktuellen Situation hat man jedoch den 2. vor dem 1. Schritt gemacht: erst werden viele Schulen aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge geschlossen, nun fehlen Räume und Lehrer. Das hätte vorher geregelt werden müssen.

  2. 61.

    Ein Hoch auf Rot-Rot-Grün,die unfähige u.faule Eltern unterstützen.Wir sind auch ohne dieses so angeblich wichtige Mittagessen gut klar gekommen,einfach ein paar Brote tun es ja wohl auch.Leider kommen gerade die Kinder ohne Essen in die Schule,wo die Eltern eigentlich jede Menge Zeit hätte,da als Hartz4 -Empfänger zu Hause - es gibt ja wohl auch Geld für die Verpflegung seiner Kinder.Die Schulen sollen nun umsetzen,was nicht umzusetzen ist. Es gibt ja nicht einmal ausreichend Platz für guten Unterricht u.wie alles umgesetzt werden soll bleibt jeder Schule selbst überlassen. Nun haben wir also klammheimlich Ganztagsschulen geschaffen denn die langen Pausen werden ja wohl zusätzlich zu den Unterrichtszeiten kommen.Hoffentlich können die Lehrer auch umsonst mitessen,oder dürfen sie nur zugucken? Es wäre besser,endlich mal für einen ordentlichen Zustand der Schulen u.für ausreichend qualifiziertes Personal zu sorgen anstatt mit so einem unnötigen Prestigeobj. Zeit u.Geld zu verschwenden.

  3. 60.

    Ich hoffe mal das die Schüler auch mal einen Schweinsbraten bekommen.
    Man hätte aber auch das Geld erstmal für neue Lehrer ausgeben sollen.

  4. 59.

    bezahlt vom Länderfinanzausgleich, also von den Steuerzahlern in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg...

  5. 58.

    Klar geht der durch. Ist eine Meinung. Egal was dahinter steckt. Sonst müssten zu manchen Themen die Hälfte der Kommentare auf der Strecke bleiben.

  6. 57.

    Ja natürlich. Wenn man keine Argumente hat, der muß (be-)schimpfen. Armselig.

    Ja habe ich, können sie oben nachlsen.

  7. 55.

    Ich hoffe nicht. Schweinfleisch ist das ungesündeste Fleisch von allen. Für niemanden gut. Durch muslimische Schüler hoffentlich vom Speiseplan gestrichen.

  8. 53.

    Hoffentlich Gips auch Schweinefleisch!

  9. 52.

    Falsch gedacht, Vorurteile. Es werden immer öfter Kinder von Gutverdienern, Akademikern in Neuköllner und Kreuzberger Schulen angemeldet. Die Kieze sanieren immer mehr Wohnungen, die dann sehr begehrt sind. Und auch in Neukölln wohnen sehr viele hart arbeitende Menschen. Was sollen solche Äußerungen?

  10. 51.

    Billige Polemik. Ihre Äußerungen sind auch zu diesem Thema unsozial und ignorant. Da ist wenig misszuverstehen. Dann stehen Sie doch wenigstens dazu.

  11. 50.

    Wahre Helden wart Ihr. Und die heutigen Eltern sind Loser. Oder was soll der Kommentar aussagen?

  12. 49.

    Da mein Mann und ich zusammen schon sehr lange sehr viele Steuern zahlen, hätte ich es mehr als gerecht empfunden, wenn unsere Kinder ebenfalls hätten kostenlos essen dürfen. Sie sind aber inzwischen erwachsen und zahlen ebenfalls sehr viele Steuern. Die Schulspeisung wird aus Steuern finanziert. Somit wünsche ich mir, dass unsere Enkel auch kostenlos daran teilnehmen dürfen. Die Steuerzahler tragen genug auf ihren Schultern.
    Man darf nicht immer nur nehmen. Und man muss nicht immer nur geben.

  13. 48.

    Genau so ist es. Da wird jetzt mit der Gießkanne etwas ausgeschüttet, was die Hälfte der Schüler nicht nötig hätte, da deren Eltern durchaus in der Lage wären, einen Beitrag zu entrichten.
    Aber der rot-rot-grüne Senat will ja unbedingt den dahin geschiedenen realen Sozialismus noch übertrumpfen.

    Wie andere hier schon schrieben, gab es in der DDR eine Schulspeisung, für die ein angemessener Betrag zu entrichten war. Kinderreiche bzw. bedürftige Familien waren meiner Erinnerung nach davon befreit. Es gab eine umfangreiche Infrastruktur, für die Einnahme des Essens- entweder an den Schulen selbst oder in Großgaststätten in der Nähe.

    Wie sieht das eigentlich heute aus?

    Wo sollen die Kinder ihre hochwertige kostenlose Biokost aus der Region denn einnehmen?

    Was passiert mit den Abfällen?

  14. 47.

    Auch für Sie nochmal,das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Und schon gar nicht, hat es was mit Neid zu tun. Es geht um soziale Leistungen und Bedürftigkeit.
    Ich persönlich würde mich schämen, wenn ich dies für meine Kinder in Anspruch nähme......weil ich NICHT bedürftig bin.

  15. 46.

    So weit denken hier die Neider aber nicht. Dass genau die Leute in den Markenklamotten mit dem SUV gemäß ihrem Einkommen auch Steuern zahlen und somit die Schulspeisung für viele andere mit finanzieren.

  16. 45.

    Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.
    Seit wann bekommt jemand Sozialzuschüsse, nur weil er viel Steuern zahlt.
    Es sollte NUR eine Frage der Bedürftigkeit sein.

  17. 44.

    Verrückt? Nein, nur mal wieder nicht bis zum Ende gedacht. Was zahlt denn der Vater von "Benedikt" an Steuern? Als RA doch ein wenig mehr als sie oder?

    Wenn jetzt noch konsequenter die Steuern derjenigen erhöht werden, die sich bislang darum drücken können, passt das doch.

  18. 43.

    aber nicht in Berlin allein für das Essen! Da sind wahrscheinlich die Module für Früh/Spätbetreuung + Essen gemeint. Eine ehrliche Rechnung sollten sie schon aufmachen. So, wie von Ihnen dargestellt ist es falsch!

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