Eine Bank steht am Ufer der Rummelsburger Bucht auf der Lichtenberger Seite (Bild: imao/Stefan Zeitz)
Video: Abendschau | 29.04.2019 | Dörte Störmann | Schalte Proteste BVV | Bild: www.imago-images.de

Umstrittener Bebauungsplan - Pläne für Rummelsburger Bucht sollen verabschiedet werden

Investoren freuen sich, Anwohner sind gefrustet: Am Montag wollen die Bezirksverordneten in Lichtenberg den umstrittenen Bebauungsplan für die Rummelsburger Bucht verabschieden. Doch der Widerstand wächst - auch bei Politikern auf Landesebene.

Offiziell nennt er sich "Bebauungsplan-Entwurf XVII-4", doch der Arbeitstitel lautet einfach nur "Ostkreuz". Schon seit 1992 wird darüber diskutiert, wie das Areal, zu dem auch die Rummelsburger Bucht gehört, gestaltet werden soll. Nun soll das Bezirksamt Lichtenberg endlich einen Beschluss herbeiführen.

Exotische Fische und Korallen in Rummelsburg

Die von Gegnern des Bebauungsplans geforderte Ablehnung sei "nicht geeignet, die Entwicklung des Quartiers einschließlich des Mietwohnungsbaus in einem vertretbaren Zeitraum zu gewährleisten" - so steht es in der Beschlussvorlage für die Sondersitzung der Bezirksverordneten-Sitzung am Montag.

Der Bebauungsplan des Bezirks sieht unter anderem die "Coral World" vor, eine Art Aquarium mit exotischen Fischen und Korallen, das Touristen an die Rummelsburger Bucht ziehen soll. Außerdem sind Büroflächen, frei finanzierte Wohnungen und 110 mietpreisgebundene Wohnungen geplant, vor allem von der landeseigenen Howoge.

Beim Betreiber des geplanten Aquariums hofft man auf schnelle Umsetzung des Konzeptes. Das Wasserhaus sehe sich auch als Dialog-Plattform, sagt Gabriele Thöne von der Coral World Berlin GmbH. "Um im Gespräch zu sein über die Fragen unserer Zukunft, über unseren Planeten, über die Ökologie hier am Standort, die aber auf das Engste verbunden ist mit den Ozeanen und den marinen Lebensformen", ergänzt Thöne.

Kita, Schule und bezahlbare Wohnungen - statt Aquarium

Viele Anwohner fürchten jedoch, dass die Rummelsburger Bucht zu einem weiteren Spekulationsobjekt werden könnte und die Lebensqualität letztlich auf der Strecke bleibt - ganz abgesehen von stark steigenden Mieten.

Zu den Gegnern des Bebauungsplans gehört auch Lutz Haase von der Bürgerinitiative "Rummelsburger Bucht retten". Vor allem das Aquarium stört die Initiative. "Das sehen wir nicht an dem Standort", sagte Haase. "Stattdessen wollen wir mehr bezahlbaren Wohnraum, eine Kita, eine Schule und dass 90 Prozent der Bäume erhalten bleiben", sagte Haase am Freitag dem rbb. Derzeit sammelt die Bürgerinitiative Unterschriften und hofft auf 20.000 Unterstützer. Dann könnte das Alternativkonzept im Abgeordnetenhaus vorgestellt werden.

Grünen-Expertin hält Bebauungsplan für "absolut überaltert"

Auch viele Anwohner halten marine Lebensformen in Glaskästen an der Rummelsburger Bucht für entbehrlich. "Das braucht auch niemand", sagte beispielsweise eine Frau dem rbb. "Und man braucht ja eher Grün- und Freiflächen."

Dieser Ansicht ist auch Daniela Billig, Sprecherin der Grünen für Stadtentwicklung im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Bebauungsplan des Bezirks sei "absolut überaltert", sagte sie der rbb-Abendschau wenige Tage vor der Sondersitzung der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung. "Ich finde, wir müssen den unbedingt nochmal aufhalten, der darf nicht verabschiedet werden."

Bezirksbürgermeister wünscht sich "urbanes Quartier"

Dagegen erklärt Michael Grunst, Bürgermeister von Lichtenberg, dass der Plan nun endlich beschlossen werden müsse. Der Linken-Politiker hat selbst an der Rummelsburger Bucht gewohnt und sich über zwei Punkte geärgert: "Dass es kein urbanes Quartier war, wo man auch mal einen Kaffee getrunkten hat und wo man auch mal eine Freizeitmöglichkeit hatte. Und dass die Frage der Grünflächen nicht geklärt war."

Sendung: Abendschau, 26.04.2019, 19.30 Uhr  

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23 Kommentare

  1. 23.

    Wie war das? "Dass es kein urbanes Quartier war, wo man auch mal einen Kaffee getrunkten hat und wo man auch mal eine Freizeitmöglichkeit hatte. Und dass die Frage der Grünflächen nicht geklärt war." Stimmt. Brache ist ja keine Grünfläche... Und Freizeitmöglichkeiten? Ne stimmt, die Cafe- und Kneipendichte ist überschaubar und die nächste Spielhalle fern. "Urban" ist begriffshistorisch nicht unbedingt etwas wünschenswertes, sondern hat viel mit Beton und "Rasen betreten verboten" zu tun. Etwas nachdenken und zur Not auch mal bei Wikipedia nachsehen hilft.

    Und warum haben Politiker aller Parteien eigentlich solche Angst vor Brachflächen in der Stadt? Wo immer man sich in der Stadt umsieht, verliert Berlin seine charakteristischen wildwuchernden Freiflächen. Stattdessen gibt's allerorten langweilige 08/15-Investoren-Würfel. Wenn Stadt und Bezirke sich doch wenigstens dem architektonischen Diskurs stellen würden...

  2. 22.

    Da gebe ich dir recht, was für recht die Politiker heute zu Tage schon haben, Straßen gesperrt, htw muss geräumt werden, nur weill paar Leute entscheiden wollen über umstrittenes Projekt. Mach das wo anders aber nicht bei unsere htw.

  3. 21.

    Sozialneid haben ja anscheinend diese ganzen zugezogenen Besserverdiener, die nie in der sozialen Wirklichkeit dieser Stadt angekommen sind. Trotz aller Gentrifizierung bleibt diese Stadt bunt und unruhig. Letztendlich werden die wohlbegüterten und gebildeten Leute in dieser Stadt ja kaum putzen, pflegen und sich gegenseitig bedienen. In diesem Sinne ihr werdet noch sehr viel Spaß mit uns Unterdrückten & Marginalisierten haben ;).

  4. 20.

    Die Spezialdemokraten und ihr Konzept der austreckten Faust, immer und überall im Interesse von Spekulanten und "Investoren" die sich dumm und überheblich verdienen. Das verstehen aufgrund der sich zuspitzenden Lage immer mehr Bewohner Stadt.

  5. 19.

    Ja, manche wollen die zunehmend menschenrechtsverachtende Realität des Wohnungsmarktes offenbar nicht sehen oder nicht wahrhaben. Passender zdf Beitrag: https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-trotz-arbeit-keine-wohnung-100.html "Demnach ist die Zahl der Wohnungslosen (ohne Flüchtlinge) von 221 000 im Jahr 2008 auf 422.000 im Jahr 2016 angestiegen. Wohnen ist ein Menschenrecht. Inzwischen ist Wohnen aber so teuer geworden, dass es sich nicht einmal mehr Menschen, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, leisten können. Ein normales Leben, zu dem auch Privatsphäre in den eigenen vier Wänden gehört, gibt es für sie nicht mehr."

  6. 18.

    Hast du dich vorher nicht informiert, in was für eine Gegen du da ziehst? Wie wäre es mit Zehlendorf anstelle von Ostberlin.

  7. 17.

    Hätten ja einige hundert Demonstranten GEGEN Coral Garden darunter sein können. Dann müssen die Demos eben vor dem Gelände statt finden. Es sollte verhindert werden, das wir hier in Berlin einen dritten Standort mit bunten Fischen hinter Glas und in viel zu engen Kästen bekommen...

  8. 16.

    Ich wohne selbst an der Bucht und ALLE die ich kenne wollen das der Spuk mit Vermüllung, Lärm und Dreck endlich ein Ende hat! Es soll endlich gebaut werden damit. Der leere Platz am Ostkreuz kippt seit Jahren mehr und mehr und das endlich vorbei sein.
    Die Scheindebatte mit den Kitas etc. spiegelt nicht die Mehrheit der Bucht Bewohner!!!

  9. 15.

    Sachebene geht anders. Mit "superscheuslich" und "Stadtbild verschandelnd" meinen Sie aber vermutlich die aktuellen Zustände.

  10. 14.

    Nur weil Politiker und Investoren ein höchst umstrittenes Projekt durchsetzen wollen, gibt es Ihnen nicht das Recht, den Betrieb an der HTW-Berlin zu behindern. Da die BVV an der HTW statt findet, wurden ab 16 Uhr alle Vorlesungen abgesagt und die Studierenden wurden aufgefordert das Gelände zu verlassen!

  11. 13.

    Unfassbar, entsetzlich sowie empörend ist, dass die SPD und selbst die sonst so auf politische Hygiene bedachte "Linke", sich so korrumpiert von den Investorenkarren einer superscheußlichen, das Stadtbild verschandelnden Flachdachklotzbebauung mit einer absolut überflüssigen und nutzlosen Volksbelustigung, eines Entertainment-Happening-Schwachsinns-Konzeptes mit garantierter Folgepleite spannen lassen.
    Ein ähnliches Beispiel verfehlter monströser kommunaler Baupolitik der jüngeren Vergangenheit, getrieben vom dümmlich-laienhaften, prestigeambitionierten Politikerdilettantismus stellt das monströse ehemalige "Spaßbad" in Würselen dar, welches in den frühen 90ern unter der Federführung des damaligen Bürgermeisters und späteren EU-Parlamentsvorsitzenden der SPD Martin Schulz errichtet wurde und an dem Würselen beinahe komplett in die kommunale Insolvenz abgerutscht wäre.

  12. 12.

    Und in dem ganzen Bericht kein Satz dazu, dass die Initiative "Rummelsburger Bucht retten" einen Bebauungsplan über Grundstücke vorgelegt hat, die ihr nicht gehören. Sie sind längst verkauft und die Investoren haben bereits geäußert, dass sie nicht verkaufen wollen. Langjährige Gerichtsverfahren wären die Folge, wenn der B-Plan in der jetzigen Form nicht beschlossen würde. Das heißt auch langjähriger Stillstand und weitere Verwahrlosung an der Rummelsburger Bucht. Das "verschweigt" die Initiative bei ihren Unterschriftensammlung allerdings und auch den RBB scheint es nicht zu interessieren.

  13. 10.

    Es wird Zeit für Veränderung an der Bucht. Die schweigende, überwiegende Mehrheit der Anwohner begrüßt die Pläne. Zeltstädte, Müll, Gestank, Pöbeleien und Bettelbanden am Ostkreuz sind seit Jahren ein Ärgernis. Hier geht es nicht um Verdrängung von schaffenden Künstlern und anständigen Bürgern. Die Politik muss endlich wieder geordnete Zustände herstellen. Darum geht's. Ob Aquarium oder Kita ist den meisten wohl schnuppe.

  14. 8.

    "Notwendig" im wahrsten Sinne des Wortes sind viele günstige Mietwohnungen, aber bestimmt keine Aquarien und noch mehr Luxus-Eigentumswohnungen. Aber "Linke" und SPD haben ja bereits einen Großteil der kommunalen Wohnungen für nen Appel und ein Ei an vertrauenswürdige Investoren verkauft. Jetzt wird scheinbar mit der gleichen investorenfreundlichen Haltung auf anderen Wiesen weitergespielt.

  15. 7.

    Im Artikel werden gefrustete Anwohner zitiert, die sich gegen die Bebauung stellen. Das Gegenteil ist der Fall - alle Anwohner leiden seit Monaten unter Drogen, wilden Parties, Zeltstädten, Vermüllung, Lärmbelästigung und dubiosen VmBettelbanden aus Osteuropa. Wird Zeit für einen Wandel. Kreativität ja, Anarchie und Dreck nein!

  16. 6.

    Markgrafendamm. @ Anwohnerin. Nix luxuskita am See. Schule auch super Markgrafendamm.
    Möchte nicht zu egoistisch wirken, bin ich nur teils. Die Eigentumsverhältnisse sind halt schon lange geklärt. Die Streletzkigruppe und der Israelische Bodenbesitzer da mit dem Aquapark sind sich einig, ein Plan liegt auch schon ein Jahrzehnt vor, also endlich los !
    Würden Sie gerne hier in Berlin nen israelischen Investor/Eigentümer wegen 20tsd. Unterschriften enteignen ? Können Sie sich das Echo vorstellen ?

    War gerade vor Ort mir das anguggen, aus dem Zeltdorf ist nun wirklich eine regelrechte Zeltstadt geworden, die Bucht zugeparkt mit irgendwelchen Kleinschiffen. Kann nur mit dem Kopf schütteln ! Am liebsten würde ich diesen Sommer da wieder mal rüberflanieren, aber so nicht.

    Das die Gegend teuer wird finde ich absolut logisch und auch richtig. Wenn Sie wirklich da wohnen wissen Sie um die Qualität des Wohnens und des Mehrwehrts an sich dort durchaus bescheid?!?

  17. 5.

    Die Gegend wird also zu teuer für Familien und das ist richtig so? Und wo bitte ist denn 2 Straßen weiter der Platz für die Schule und die Kitas? Und bitte kein Pauschalisierung, dass alle Eltern, die da wohnen Helikoptereltern sind. Die gibt es sicherlich auch, aber nur weil man in der Ecke wohnt ist man nicht automatisch ein Helikopter.

  18. 4.

    Warum wollen Sie entscheiden, ob so eine neue Aquarium Attraktion notwendig ist für die Menschen? Mit einseitig linken Sprüchen über Profitdenken bei Investoren, kann man vielleicht in der bekannten Szene Kreuzberg/Friedrichshain punkten, nicht aber bei verantwortungsvollen Stadtentwicklern und der Bevölkerung.

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