Unterricht in der 4. Klasse (Quelle: dpa/Ulrich Baumgarten)
Bild: dpa/Ulrich Baumgarten

Hoher Bedarf an neuen Pädagogen - Nur Thüringen hat höheren Anteil alter Lehrer als Brandenburg

Der Altersdurchschnitt vieler Lehrerkollegien ist hoch. Ein beträchtlicher Teil des Kollegiums geht deshalb fast zeitgleich in den Ruhestand. Der Nachwuchs fehlt - auch in Berlin und Brandenburg. 

Der Lehrermangel in Brandenburg und Berlin droht sich in den kommenden Jahren deutlich zu verschärfen. Weil viele Pädagoginnen und Pädagogen kurz vor ihrer Pensionierung stehen und die Schülerzahlen vielerorts steigen, zeichnet sich in beiden Bundesländern bis zum Jahr 2027 ein Bedarf von jährlich mehr als 3.000 neuen Lehrkräften ab.

Der Altersdurchschnitt ist vor allem in den ostdeutschen Bundesländern hoch, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Darüber berichtete am Sonntag die dpa. Im Schuljahr 2017/18 waren demnach in Thüringen 20,1 Prozent der Pädagogen 60 Jahre oder älter. Brandenburg liegt in der bundesweiten Statistik mit einem Anteil von 17,6 Prozent auf Platz zwei, Berlin liegt mit 14,6 Prozent knapp über dem bundesweiten Durchschnitt von 13,1 Prozent. Insgesamt gehen in Berlin und in Brandenburg bis zum Jahr 2027 rund 8.000 Lehrkräfte in Pension.

Generationswechsel in Ostdeutschland

Zahlen des Statistischen Landesamtes in Brandenburg zufolge werden Pensionierungen in der Mark in den kommenden Jahren vor allem Förderschulen und Oberschulen betreffen, wo der Anteil von Lehrern jenseits der 60 Jahre bei 20 bzw. 18,5 Prozent liegt. Doch auch von den 7.850 Grundschullehrern gehen nach heutigem Stand 16 Prozent bis 2027 in Pension.

Grund für das Problem, dass ein beträchtlicher Teil der Lehrerschaft mehr oder weniger gleichzeitig die Altersgrenze erreicht, sind aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW Einstellungszyklen. Im Osten seien in den 1980er Jahren sehr viele Lehrer eingestellt worden, nach der Wiedervereinigung bis etwa 2015 praktisch gar keine mehr - weil die Schülerzahlen wegen eines Geburtenknicks massiv zurückgingen.

In Westdeutschland erfolgte die Einstellungswelle laut GEW schon in den 1970er Jahren - die Überalterung der Lehrkräfte sei deshalb im Westen weitgehend überwunden. In Rheinland-Pfalz etwa haben die Lehrerinnen und Lehrer einen Altersdurchschnitt von rund 44 Jahren und gehören die Lehrer dort zu den jüngsten bundesweit. Hamburg hatte im Schuljahr 2017/2018 nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit 9,2 Prozent den geringsten Anteil an Lehrern, die 60 Jahre oder älter waren.

Schulen setzen vermehrt auf Quereinsteiger

Um den Lehrermangel abzumildern, setzen viele Schulen vermehrt auf Seiteneinsteiger: In Brandenburg arbeiteten laut Bildungsministerium an den staatlichen Schulen bereits zwölf Prozent der knapp 20.000 Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium. Mitte 2017 lag diese Quote noch bei 8,5 Prozent. Um den Bedarf zu decken, könnte laut Bildungsministerium in den nächsten Jahren jede zweite neue Lehrkraft ein Seiteneinsteiger sein.

In Berlin betrug der Anteil der Quereinsteiger unter den neu eingestellten Lehrern zu Beginn des Schuljahrs 2017/18 bereits 40 Prozent. Laut Bildungsverwaltung kamen 1.247 Personen aus anderen Berufen an die Schulen. Um die offenen Stellen zu besetzen, wirbt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) dafür, Lehramtsstudenten an den Schulen einzusetzen - und auf pensionierte Lehrer zurückzugreifen, die freiwillig weiterarbeiten wollen.

Doch um den Bedarf an Lehrern zu decken, müssen sich Bundesländer und Schulen noch mehr einfallen lassen. Aus Sicht der Kultusministerkonferenz der Bundesländer (KMK) sind dafür zum Beispiel mehr Studienplätze nötig. Bei der Entscheidung für den Lehrerberuf spielten aber etwa auch Berufsimage, Arbeitsbelastung und Karrierewege eine Rolle, sagt KMK-Sprecher Torsten Heil. "Die Attraktivität des Berufs hängt maßgeblich auch von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab."

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4 Kommentare

  1. 3.

    Es gibt vor allen Dingen einen Qualitätswechsel im Bildungssystem.

  2. 2.

    Ja, leider. Förderales System im öffentlichen Dienst hat nur Probleme mit sich gebracht. Beim Tarifrecht ebenso wie beim Beamtenrecht. Berlin hat das damals unter Wowereit über den Bundesrat initiiert. Um Geld zu sparen... Tja.

  3. 1.

    Verbeamtung und Gehalt bundesweit gleich - keine Probleme mehr mit Einstellungen auch in bisher (deswegen) unattraktiven Bundesländern. Aber nee, Föderalismus... *augenroll*

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