Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) in Brandenburg. (Quelle: dpa/Kevin Prönnecke)
Video: Brandenburg Aktuell | 11.04.2019 | Christoph Hölscher | Bild: dpa/Kevin Prönnecke

Nabu spricht von "halbgarer Luftnummer" - Bauernverband startet eigene Artenschutz-Volksinitiative

Die bald startende Volksinitiative zum Insektenschutz bekommt Konkurrenz: Das Forum Natur initiiert eine ähnlich klingende Initiative. Offensichtliches Ziel: dem "Original" Unterschriften abjagen. Dahinter steckt der Landesbauernverband.

In Brandenburg wollen in den nächsten Tagen gleich zwei Volksinitiativen zum Artenschutz mit Unterschriftensammlungen starten. Nabu und BUND hatten ihre Volksinitiative schon länger angekündigt, sie nahmen sich ein ähnliches Volksbegehren in Bayern zum Vorbild, bei dem sich 1,7 Millionen Bürger beteiligten.

Das zweite, konkurrierende Volksbegehren wird nun vom Forum Natur initiiert, zu dem unter anderem der Landesbauernverband gehört. Hauptunterschied zwischen beiden: Forum Natur will nicht von vornherein auf Pestizide verzichten. Der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu), Friedrich Schmitz-Jersch sagte dem rbb: "Der Bauernverband wehrt sich gegen verbindliche Festlegungen, den Pestizideinsatz in unserem Land zu begrenzen. Und da war keine Verständigung möglich."

Zuvor hatte der Bauernverband versucht, Nabu und BUND von einer gemeinsamen Volksinitiative zu überzeugen. Das hatten die Naturschutzverbände nach gemeinsamen Beratungen letztlich abgelehnt. "Wir alle wissen, wie sich der Pestizideinsatz, die Überdüngung der Landschaft, auswirkt." Auch die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft wirke sich negativ auf die Artenvielfalt aus, begründete der Nabu-Landeschef gegenüber dem rbb.

Mit Blick auf den Landesbauerverband fügte Schmitz-Jersch hinzu: "Das bedauere ich, dass diese Konfrontation heraufbeschworen wird. Aber wir sind das Original, die anderen versuchen nur, uns zuvorzukommen mit einer ganz halbgaren Luftnummer."

Für die Naturschutzverbände wird es nun mutmaßlich schwieriger, die erforderlichen Unterschriften für einen Erfolg der Kampagne zu erhalten.

CDU und SPD bedauern Zerwürfnis

Am Donnerstag debattierten auch die Abgeordneten des Brandenburger Landtags über Maßnahmen gegen das Aussterben von Insekten und insektenfressenden Vögeln. Der CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Dombrowski sagte, die Landesregierung aus SPD und Linken haben jahrelang nicht gehandelt, um die für die Bestäubung wichtigen Insekten zu schützen. Er sagte auch, es sei falsch, die Schuld am Insektensterben alleine den Landwirten zuzuweisen.

"Der Rückgang von Lebensräumen, auch durch Flächenversiegelung, die zunehmende Lichtverschmutzung durch künstliches Licht in den Dämmerungs- und Nachtstunden aber auch einfältige Vor- und Steingärten sind ebenfalls mit verantwortlich", so Dombrowski.

Dombrowski bedauerte, wie auch der SPD-Abgeordnete Wolfgang Roick, dass sowohl die Naturschutzverbände als auch Interessengruppen wie der Landesbauernverband separate Volksinitiativen gegen das Insektensterben starten wollen.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Forum Natur ist doch der Verein, der die Biber, Kormorane, Wölfe und was noch alles wegmachen lassen will

  2. 6.

    Das stimmt so nicht! siehe https://www.bund-brandenburg.de/schlagopfermonitoring/

  3. 5.

    Hallo Berliner,
    das Forum Natur gibt es schon mehrere Jahre und ist ein Zusammenschluss aller Landnutzerverbände im Land Brandenburg. Bitte erst vorher Informieren bevor man Unwahrheiten verbreitet.
    Danke

  4. 4.

    Das Erschlagen und Schreddern von seltenen Raubvögeln, hunderttausenden Fledermäusen und Milliarden von Insekten durch Windkraftindustrieanlagen nehmen BUND und Nabu wortlos hin - kein Wort der Kritik. Aber andererseits Forderungen nach vollständig pestizidfreier Landwirtschaft stellen. Absolut unglaubwürdig!

  5. 3.

    Das wars dann mit der Glaubwürdigkeit solcher Trittbrettfahrer. Wer sind eigentlich die Geldgeber, wer finanziert solch eine Farce? Bitte dranbleiben, auch wenn es schon echt weh tut wie dreist dort agiert wird.

  6. 2.

    Tja, und da soll nochmal jemand behaupten, die Skepsis gegenüber den Bauernverbänden sei nicht gerechtfertigt. Das ist schon krass, dass eine Initiative gegründet wird, nur, damit nichts geändert werden muss. Das Ganze auch noch "Forum Natur" zu nennen, ist mehr als nur irreführend. Nennt es doch"Tod der Artenvielfalt", dann wissen die Leute wenigstens, was sie da wählen und werden nicht einfach nur für dumm verkauft.

    Am Ende verlieren die Bauern(verbände) ein Stück mehr ihre Glaubwürdigkeit und schneiden sich in das eigene Fleisch !

  7. 1.

    Der Bauernverband ist ja auch sehr objektiv. Da versucht die Bauernlobby mal wieder, den Leuten Sand in die Augen zu streuen...

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