Ein Kugelschreiber liegt auf einem Impfpass (Quelle: DPA/Marius Becker)
Audio: Inforadio | 12.04.2019 | Dominik Lenz | Bild: dpa

Landtag beschließt Impfpflicht - Kita-Kinder in Brandenburg müssen gegen Masern geimpft sein

Masern sind hoch ansteckend. In Schleswig-Holstein und Niedersachsen wurden kürzlich bei Ausbrüchen nur Schüler und Lehrer in Schulen gelassen, die gegen Masern geimpft waren. Brandenburg führt nun eine Impfpflicht zumindest für Kitas ein.

Eltern, die ihre Kinder in einer Brandenburger Kita unterbringen möchten, müssen diese in Zukunft gegen Masern impfen lassen. Der Landtag beschloss am Donnerstag in Potsdam mit breiter Mehrheit einen entsprechenden Antrag von SPD, Linken und CDU. "Die Masern zählen nach wie vor zu einer der gefährlichsten Kinderkrankheiten", heißt es in dem Antrag. "Leider sind die Zahlen der Infektionen zuletzt gestiegen." 

Das Brandenburger Gesundheitsministerium kann noch nicht abschätzen, ab wann Kita-Kinder im Land gegen Masern geimpft sein müssen. Nach Angaben von Gesundheitsstaatssekretär Büttner ist noch offen, wie schnell die gestrigen Landtagsbeschlüsse umgesetzt werden können. Er hoffe, dass das in den kommenden Monaten geschehe.

Die Regelung sieht bis zur Einführung einer bundesrechtlichen Lösung eine Impfung für den Besuch einer Kindertagesstätte oder einer Tagespflege vor. Die Landesregierung soll prüfen, ob verpflichtende Impfungen gegen weitere Infektionskrankheiten notwendig sind.

"Die Impflücken sind größer geworden"

Das Robert Koch Institut (RKI) zählte nach Angaben der Grünen-Fraktion zwölf gemeldete Masernfälle im vergangenen Jahr in Brandenburg, für dieses Jahr bisher keinen Fall. Masern sind hoch ansteckend und können noch Jahre später zu potenziell tödlichen Hirnentzündungen führen.

Gesundheitsstaatssekretär Andreas Büttner (Linke) sagte, der Schutz von Babys, Schwangeren und Menschen, die nicht geimpft werden könnten, stehe vor den Rechten von Menschen, die eine Impfung ablehnten. "Deshalb begrüßen wir jede Initiative, die den aktiven Impfschutz befördert." Der CDU-Gesundheitspolitiker Raik Nowka sagte: "Die Impflücken sind größer geworden." Der AfD-Abgeordnete Reiner von Raemdonck verwies darauf, dass es in der DDR eine Impfpflicht gegeben habe.

Mehr Aufklärung oder Verpflichtung zur Impfung?

Die Grünen enthielten sich. Fraktionschefin Ursula Nonnemacher hat Zweifel. Sie verwies darauf, dass nach Zahlen des RKI in Brandenburg nur 73,5 Prozent der Kleinkinder bis zwei Jahren gegen Masern geimpft sind, während das Landesgesundheitsamt eine Impfquote von 90,6 Prozent nenne.

In Schleswig-Holstein und Niedersachsen wurden vor kurzem nach dem Auftreten von Masernfällen an einigen Schulen nur diejenigen zum Unterricht gelassen, die eine Masernimpfung nachweisen konnten. Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) will mit besserer Aufklärung für höhere Impfquoten sorgen und hält eine Impfpflicht nicht für verhältnismäßig. Dagegen hatte sich Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) für eine Masern-Impfpflicht ausgesprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (ebenfalls CDU) hat sich auch für eine Impfpflicht gegen Masern in Kindergärten und Schulen ausgesprochen.

Sendung: Inforadio, 11.04.2019, 20 Uhr

In einer vorherigen Version dieses Beitrags wurde suggeriert, dass Kita-Kinder bereits ab sofort geimpft sein müssen. Das ist nicht der Fall. Das Ministerium prüft viel mehr, wie schnell die Landtagsbeschlüsse umgesetzt werden.

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23 Kommentare

  1. 23.

    Danke für die Information. Allerdings sagt das dann trotzdem nur aus, dass nachweisbar ist, dass man Masern hatte (oder dagegen geimpft wurde?).
    Es sagt nichts über die Spätfolgen aus.
    Die Frage bleibt also: Wie kann mit Sicherheit nachgewiesen werden, dass Erkrankungen Folgen einer Jahre zurückliegenden Masernerkrankung ist?

  2. 22.

    Ich sehe die Impflicht als nicht verhältnismäßig an.
    Zitat aus dem RKI-Bericht zu Masern 2017 bundesweit:
    Der Anteil der an Masern Erkrankten mit
    Komplikationen hat sich im Vergleich zum Vorjahr
    nicht wesentlich verändert.
    Eine Enzephalitis/Meningitis wurde für 3 Patienten
    im Rahmen der akuten Masern-Erkrankung
    angegeben. Bei 25 der 759 Erkrankungen (3 %,
    2016: 4 %) wurde eine Lungenentzündung und
    bei 7 Patienten (1 %, 2016: 1 %) eine Mittelohrentzündung
    im Verlauf der Masern-Erkrankung dokumentiert.
    Zudem wurden 3 Erkrankungen mit
    einer Darmkomplikation angegeben. 18 Patienten
    wiesen andere Komplikationen nicht näher beschriebener
    Art auf. Die Subakute Sklerosierende
    Panenzephalitis (SSPE) ist nicht meldepflichtig.
    Aus diesem Grund liegen dem RKI für dieses
    Krankheitsbild keine Daten vor. Im Jahr 2017 wurde
    ein durch eine Masern-Erkrankung verursachter
    Todesfall übermittelt. Hierbei handelte es sich
    um eine 37-jährige Frau.

  3. 21.

    Es gibt mehrere labordiagnostische Verfahren, die den Nachweis spezifischer Antikörper und den Virusnachweis ermöglichen. Liquorimmunglobuline sind fast immer erhöht und machen bis zu 20–60% des Liquorproteins aus. Im Serum und Liquor sind erhöhte Masernvirusantikörpertiter nachweisbar.

  4. 20.

    Es würde mich sehr interessieren (weil ich es wirklich nicht weiß und keine Idee dazu habe) wie man die Spätfolgen zu 100% den Masern zuordnen kann.
    Vorallem in Relation dazu, dass Krankheiten, Störungen und Behinderung die nach Impfungen auftreten, den Impfungen abgesprochen werden, ohne eine andere Erklärung zu bieten.

    Die Diagnose Masern wird nicht durch einen Bluttest gestellt, sondern durch einen Arzt, der Ausschlag und Allgemeinzustand des Patienten beurteilt. Es wird wohl auch nicht Jahre später einen sicheren Test geben, der sagen kann: Spätfolgen von Masern.
    Haben diese Menschen dann Krankheiten und Symptome, die bei Menschen, die keine Masern hatten noch nie aufgetreten sind? Es wäre sehr schön, wenn Sie dazu einen umfassenden und aufschlussreichen Artikel raussuchen könnten.

  5. 19.

    Für "Informationen" über derlei Hokuspokus gibt es doch bereits hinreichend Seiten im www. Mir ist es da ganz recht, dass sich ein Nachrichtenportal eben mit Nachrichten und nicht mit Brettern vor dem Kopf beschäftigt. Und es vor allem nicht als bare Münze verkauft, das Brett.

  6. 18.

    Bitte berichten Sie doch einmal über die Tatsache, dass die Existenz des Masern Virus nie wissenschaftlich belegt wurde und dies ein Urteil des BGH stützt:

    https://quantisana.ch/gesundheit-neu-denken/expertenberichte/nichtexistenz-des-masern-virus/

  7. 17.

    Da gibt es aber auch andere, wesentlich bedenklichere Zahlen: "Allein die Spätfolgen der Masern kosteten seit 2007 bis zu 280 Menschen das Leben." (bezieht sich auf ganz Deutschland)
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article172006400/Fehlende-Impfungen-Bis-zu-300-Tote-durch-Masern-Spaetfolgen-in-Deutschland.html

  8. 16.

    So sieht‘s aus. Wenn der Aspekt der Selbstbestimmung für Nicht-Impfer Priorität hat, dann sollte auch akzeptiert werden, dass sie unter sich bleiben sollen. Denn solange das eine Gefährdung für Andere darstellt, müssen auch Konsequenzen akzeptiert werden. Soll ja jeder machen dürfen, was er meint. Auch die Impfer. Und ich möchte nicht, dass mein frischgeborenes Enkelkind, das noch nicht geimpft werden kann, angesteckt wird. Möchten tun wir alle viel, aber jeder muss seinen Teil dazu beitragen. Oder für sich bleiben. Den Herdenschutz bekommen die Impfgegner frei Haus von uns anderen geboten. Steht ja auch jedem frei, impffreie Schulen und Kitas zu gründen. Dort können dann die Infekto-Partys gefeiert werden. Stärkt ja wohl das Immunsystem^^

  9. 15.

    Mein jüngerer Bruder war damals 4. Er war schwer an Masern erkrankt. Er behielt auf einem Ohr eine Schwerhörigkeit zurück. Folgeerkrankung der Masern. Ich war tagelang wie unter Schock und hatte Angst um ihn, weil er so extrem fieberte. Wir waren 4 Kinder und steckten uns alle an. Dass die Impfgegner vom Herdenschutz profitieren, das lassen die gar nicht an sich heran. Der Herdenschutz besteht übrigens durch die Doofen, die ihre Kinder impfen lassen...

  10. 14.

    Niemand hat die Langzeitfolgen von Impfungen überprüft. Es wird von einer besseren Impfaufklärung gesprochen, wobei dabei vermutlich nicht die Aufklärung über die bedenklichen Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel dem (vorallem für Kinder) viel zu hohen Aluminiumanteil gemeint sind.
    Es wird auch gerne verschwiegen, dass eine Masern-Impfung keinen hundertprozentigen Schutz bietet (wird aber auf Anfrage vom RKI bestätigt).
    12 Fälle in einem Jahr, die ohne weitere Schäden verlaufen sind, rechtfertigen nicht eine auf lange Sicht unerforschte Impfung, die nicht einmal ein nicht-Ausbrechen der Krankheit garantieren kann!

    Und was sollen Eltern machen, die mitten in Brandenburg leben und ihr Kind nicht dem Risiko eines möglichen Impfschadens aussetzen wollen?

  11. 13.

    Gut so! -als ich ein Kind war, gab es noch keine Masernimpfung. Also bekam ich diese "Kinderkrankheit" -im Alter von ca. 2,5 Jahren. Meine Mutter erzählte noch Jahrzehnte später WIE SCHLECHT es mir gegangen sei (und meine Mutter war Kriegsgeneration, einiges gewohnt; hatte selbst Masern und sogar Diphterie gehabt!) und daß ich hinterher noch eine saftige Mittelohrentzündung durchleiden durfte. Was damals noch nicht klar war: mir hat diese Infektion auch noch einen "Herzknacks" beschert. Dabei hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Und das wünschen sich Eltern für ihre Kinder, lassen sie nicht impfen?

  12. 12.

    Niemand zwingt impfgegnernde Eltern, ihr Kind in eine brandenburgische Kita zu geben.

  13. 11.

    Mal anders gefragt: Würden Sie weiterhin auf Ihre Selbstbestimmung und Unversehrtheit pochen, wenn Ihnen ein Mensch bekannt wäre, der sich durch Sie angesteckt hätte und Ihnen dadurch klar aufzeigen würde, dass er durch Ihren Egoismus überhaupt nicht unversehrt blieb? Man kann als Teil einer Gesellschaft nicht immer darauf beharren, sein Ding durchzuziehen. Es gibt Bereiche, da muss man sich einfügen. Anders ginge es gar nicht. Der „Herdenschutz“ für die Gemeinschaft steht definitiv über Ihren persönlichen Befindlichkeiten. Das Gefühl zu haben, seinen Teil dazu zu tun, finde ich gut. Auch mir gefallen viele Dinge nicht, die ich individuell gerne anders hätte. Muss ich auch mit leben.

  14. 10.

    Vormundschaftlich? Nö. Fürsorglich. Längst überfällig. Es wird immer nach dem Staat gerufen, der sich um alles kümmern soll, dann tut er's und es ist auch nicht richtig. Was spricht denn dagegen? Selbstbestimmung? Wo bleibt die bei denen, die sich bei den bewußt ungeimpften anstecken? @Marla Singer: Ich stimme Ihnen komplett zu!

  15. 9.

    Danke für Ihren Kommentar, der mir aus dem Herzen spricht! Der vormundschaftliche Staat, nein danke, möchte ich nicht (nochmal ).

  16. 8.

    Es kann keine "Toleranz" geben, wenn fast ausgemerzte Krankheiten wieder vermehrt auftreten und ungeimpfte dadurch gefährdet, oder sogar getötet werden. Dann muss halt der Gesetzgeber entscheiden. Alle Dinge, die für andere nicht bedrohlich sind, fallen dann gerne unter die Selbstbestimmung. Allen kann man nicht gerecht werden. Wir werden immer mehr Menschen, die auf immer enger werdendem Raum zusammenleben. Daher begrüße ich diese Entscheidung sehr, zumal deutlich mehr Faktoren für das Impfen, als dagegen sprechen. Bitte bald auch für Berlin!

  17. 7.

    Es ist erschreckend, mit welchen Mitteln und Gesetzen, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung im Namen angeblicher Fürsorge für andere verletzt wird. Hier wird nicht geschützt, sondern diskreminiert und mit Angst die Bevölkerung in bestimmte Denkmuster gezwungen.
    Ich wünsche mir eine ehrliche ImpfAUFKLÄRUNG seitens der Ärzte, des RKI, der verantwortlichen Gesundheitsbehörden und der Pharmaindustrie, einschließlich sämtlicher Folgebelastungen und Folgeerkrankungen.
    Und ich wünsche mir Mitmenschen, die sich informieren, kritisch denken und ihre Selbstverantwortung wahrnehmen.
    Es ist mir einerlei, wie sich jeder entscheidet (dafür oder dagegen), nur entscheidet euch selbst und versteckt euch nicht hinter dem Wirtschaftsfaktor 'Impfungen' und den weißen Ärtzekitteln und bitte bleibt tolerant!

  18. 6.

    Das stimmt mich so hoffnungsvoll.
    Bald werden durch eine zunehmende Herdenimmunität auch diejenigen wieder besser geschützt, welche aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.
    Sehr gut!

  19. 5.

    "Nach § 20 Absatz 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) ist bis zur Einführung einer bundesrechtlichen Lösung, zur Vermeidung der Ausbreitung dieser übertragbaren Krankheit mit schweren Verlaufsformen, eine Impfung für den Besuch einer Betreuungseinrichtung für Kinder (Kindertagesstätten und Tagespflegepersonen) als verpflichtende Voraussetzung zu erfüllen." Die Quelle hatten Sie ja schon selbst gepostet.

  20. 4.

    Aufgrund der Falschmeldungen in den Zeitungen, helft doch bitte alle mit und schreibt die Redaktionen an. Ich habe es bereits getan:
    Beispieltext:

    Sehr geehrte Redaktion,
    aufgrund Ihres Artikels bzgl. der angeblich beschlossenen Masernimpflicht in Brandenburg, habe ich mir den Antrag beim Landtag in Potsdam heruntergeladen und durchgelesen.
    Wo steht da bitte das der Landtag einer Impfpflicht zugestimmt hat?
    Vielmehr steht im Beschluss drin, das dem Antrag stattgegeben wurde und nun geprüft werden soll, wie man das in Zukunft handhaben kann.
    Bitte teilen sie mir mit, woher sie die Info haben, das es einen direkten Beschluss zur verpflichtenden Masernimpfung gibt. Sollte es keinen geben, fordere ich sie auf die Falschmeldung zu korrigieren.
    Hier der Antrag vom Landtag:
    https://drive.google.com/file/d/15elS1vhJ80FX-maFbJhbQDX4nnF_X-hk/view?usp=sharing
    Mit freundlichen Grüßen

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