Das Polizeipräsidium Brandenburg stellt am 11.04.2019 die Ergebnisse ihrer Durchsuchungen vor. (Quelle: rbb/Olaf Sundermeyer)
Audio: rbb24 | 11.04.2019 | L.Smolka/M.Albrecht | Bild: rbb/Olaf Sundermeyer

Razzia im Raum Cottbus - Kriminelle Vereinigung: 16 Personen unter Verdacht

Nach einer Razzia in Brandenburg, Berlin und anderen Bundesländern am Mittwoch hat die Polizei nun ihre Ermittlungsergebnisse präsentiert. Demnach besteht dringender Tatverdacht gegen 16 Personen - wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Nach der Großrazzia unter anderem im Raum Cottbus haben die Behörden am Donnerstag Details zu ihren Ermittlungen bekanntgegeben. Demnach besteht dringender Tatverdacht gegen 16 Menschen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Das sagte Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke.

Ermittelt wurde den Angaben zufolge seit vergangenem Jahr gegen 20 Personen, die der Hooligan-, Kampfsport- und rechtsextremistischen Szene im Raum Cottbus zugerechnet wurden. Ihnen werden rund 50 Straftaten zur Last gelegt, darunter Körperverletzungen, Verstöße gegen das Waffengesetz und Sachbeschädigungen. Die Personen seien zwischen 22 und 45 Jahre alt, einige von ihnen hätten einst der inzwischen aufgelösten Gruppierung "Inferno Cottbus 99" angehört, so Mörke.

Mörke spricht von "schlagkräftiger Truppe"

Bei Durchsuchungen von 29 Wohnungen, Ladengeschäften und Büros allein in Brandenburg waren die Ermittler am Mittwoch auf zahlreiche Gegenstände mit rechtsextremistischen Inhalten gestoßen. Außerdem beschlagnahmten sie Waffen, Pyrotechnik und Bargeld. Außer in Brandenburg wurden auch zwei Objekte in Berlin, eines in Sachsen und eines in Mecklenburg-Vorpommern durchsucht.

Insgesamt seien in Cottbus rund zwei Dutzend Neonazis als "schlagkräftige Truppe" jederzeit bereit gewesen, "um - so sagten sie es wörtlich - gegen Kanaken oder Zecken vorzugehen", erklärte Mörke. Die Razzia habe zudem ans Licht gebracht, dass die rechtsextreme Kampagne "Defend Cottbus" Verbindungen zur "Identitären Bewegung Deutschland" habe.

Das Polizeipräsidium Brandenburg stellt am 11.04.2019 die Ergebnisse ihrer Durchsuchungen vor. (Quelle: rbb/Olaf Sundermeyer)Razzien-Funde: Waffen, Äxte, Propagandamaterial

Schröter kritisiert Cottbuser Oberbürgermeister

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) betonte bei der Vorstellung der Erkenntnisse, der Rechtsstaat habe mit der Razzia am Mittwoch ein deutliches Zeichen gesetzt. In der Lausitz habe sich auf "bedenkliche Weise" ein Netzwerk herausgebildet. Gleichwohl hätten die Sicherheitsbehörden dieses Netzwerk in den vergangenen Jahren "nie aus dem Blick gelassen". Der Rechtsstaat wisse "sehr wohl" mit solchen "Herausforderungen" umzugehen. Nun gelte es, die Ermittlungen auszuwerten, um Aufschluss über die Strukturen des Netzwerkes zu erlangen.

In dem Zusammenhang kritisierte Schröter auch die politisch Verantwortlichen in Cottbus. In keiner anderen Stadt im Land gebe es ein derart verfestigtes und vernetztes Milieu aus Neonazi-, Kampfsport-, Türsteher- und Hooligan-Szene. Der SPD-Politiker forderte Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) auf, zu handeln. Das politische Klima müsse sich ändern, damit die rechtsextreme Subkultur in Cottbus keinen Nachwuchs findet.

"Wir waren nicht untätig"

"Wir waren nicht untätig", entgegnete Kelch selbst am Tag nach der Razzia in einer Mitteilung. "Bei mutmaßlichen Straftaten sind in erster Linie zunächst Ermittlungsbehörden gefordert." Allerdings sei es Aufgabe der gesamten Stadtgesellschaft, den rassistischen Tendenzen in Cottbus "Grenzen aufzuzeigen". Man dürfe es nicht hinnehmen, dass eine Gruppe aus zwei Dutzend Menschen die Stadt in Verruf bringte.

Um der weiteren Verbreitung rechtsextremistischer Weltanschauunghen vorzubeugen sei es wichtig, sich mit guter Bildung und Sozialarbeit um Kinder, Jugendliche und Eltern zu kümmern. Die wirtschaftliche Basis des Rechtsextremismus aus Geschäften könne zudem beeinträchtigt werden, "wenn keiner mehr in solchen Geschäften einkauft".

Zudem sei es wichtig, dass ausreichend Ressourcen für den Strukturwandel in der Lausitz und zur Integration von Geflüchteten sowie "Ausgegrenzten und Alleingelassenen" zur Verfügung gestellt würden. 

Aufgelöste Hooligan-Gruppe "Inferno" wirkt nach

In den vergangenen Jahren hatte die Redaktion rbb24 Recherche wiederholt über ein Netzwerk berichtet, das sich in Cottbus gebildet hat. Es soll sich mit organisierten Kriminellen verbunden haben. Auch die Ausschreitungen in Chemnitz sind demnach auf Aktivitäten dieses Netzwerks zurückzuführen. Die Verbindungen der Gruppe sollen auch ins Ausland reichen, vor allem nach Polen.

Kern des Netzwerks könnte die Hooligan-Gruppe "Inferno Cottbus" sein. Zwar hat sich "Inferno" formal aufgelöst, um einem Verbot zuvor zu kommen. Nach Erkenntnissen von rbb24 Recherche dominieren frühere "Inferno"-Mitglieder aber immer noch die Fanszene des Fußball-Vereins Energie Cottbus. Zudem sind sie nach wie vor tief verankert in der rechtsextremistischen Szene der Stadt und der Region. Dazu gehören auch Teile des Sicherheitsgewerbes, Musiklabels und Bekleidungsläden. Aus all dem hat sich in Cottbus ein florierender Wirtschaftszweig gebildet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.04.2019, 12 Uhr

Kommentar

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33 Kommentare

  1. 33.

    Du lieber Himmel, was schreiben Sie denn da? Ihre Aggressionen gegen Links (oder zumindest was Sie dafür halten) ufern geradezu aus. Ein bißchen mehr Informationen zum Thema Demokratie und Diskussionskultur und etwas mehr Zurückhaltung würden helfen. Sie machen mir Angst.

  2. 31.

    Weder noch, aber eben Realist & laufe hier nicht mit der Nazi Keule rum wenn irgendwas/oder jemand nicht meiner Meinung ist, das haben leider viele Links Faschisten noch nicht kapiert, diese haben längst den demokratischen Führerschein verloren !!

  3. 30.

    Ich habe da mal eine ehrlich gemeinte Frage: Sind sie Rechtsextremist oder Sympathisant solcher Leute?

    Das fände ich beängstigend. Was ich eher belustigend finde ist die Tatsachen dass ausgerechnit die, die von sich behaupten ihr Heimat besonders zu lieben die größten Probleme mit der deutschen Sprache haben.

  4. 28.

    Vielleicht auch schon mal darüber nachgedacht, dass wirklich wichtiges Beweismaterial eher nicht der Öffentlichkeit präsentiert wird? Die Dinge sind halt "Zufallsfunde", die ein Bild abrunden, nicht mehr und nicht weniger.

  5. 27.

    es ist doch vollkommen egal, ob der papierkram auf dem tisch justizialbel ist oder nicht, diesem personenkreis wurden doch in der vergangneheit doch bereits über 50 straftaten nachgewiesen. was gibt es dernn da noch schön zu reden.

    die betrügen, brechen ein, schlagen zusammen und bedrohen.

    es ist es doch egal, ob man mit eine zange auch rohre montieren kann. diese personen haben sie benutzt um in gebäude einzubrechen. und das darf man halt nicht. noch nicht mal wenn man arier ist.

  6. 26.

    Nein ist es nicht.

    Nur scheint nichts wirklich relevantes gefunden worden zu sein, was man auf der eilig einberufenen PK präsentieren konnte. Mal kurz google befragt habe ich alle dort sichtbar liegenden Bücher bei den einschlägigen antiquarischen Portalen für jedermann erwerbbar im Angebot gefunden. Die IB-Werbematerialen und Fanartikel der "Fußballfans" sind auch nicht justiziabel. Wenn die zwei Schlagringe wirklich alles sind, was die Razzia gebracht hat, dann ist das bestimmt kein Erfolg- wie vermeldet.

    Was bitte sollte dann die Show? Wen will man damit veräppeln?

  7. 23.

    Eigentlich ein leichtes um darauf zu kommen. Verirrt haben sich diese Beweismittel bestimmt nicht. Schnell läßt sich auch aus einem Tapetenmesser eine scharfe Waffe schleifen. Und wozu benötigt der Mensch wohl ein Bolzenschneider? Bestimmt nicht nur, um Fahrradschlösser an Straßenränder zu knacken.

  8. 22.

    Es war auch nicht meine Absicht zu pauschalisieren. Wollte nur darauf hinweisen dass solche Vorgänge halt im öffentlichen Bild auf den ganzen Osten abfärben.

  9. 21.

    Wie haben sich eigentlich das Beil, der Bolzenschneider und das Tapetenmesser auf den Asservatentisch verirrt?

  10. 20.

    Die 16 sind wohl nur die Spitze des Eisberges. Wenn man da weiter nachbohrt, tun sich bestimmt noch mehr rechtsradikale Abgründe auf. Die Ermittler sagen ja bereits im Video, dass sie erst am Anfang stehen. Eine kriminelle Extremisten-Szene, die über Jahre ungestört wachsen konnte, wird man mit einer einzigen Razzia nicht außer Gefecht setzen. Da ist noch mehr Arbeit nötig. Das wissen die Beamten.

  11. 19.

    Es ist nicht richtig "den Osten" pauschal abzustrafen. Es gibt eine Menge Menschen dort, die auch verzweifelt über die Vorgänge in ihren Städten und Gemeinden sind. Und sich Demokratie, Toleranz und Frieden wünschen. Ich bin auch immer ziemlich sauer, wenn irgendwelche Leute einen Kübel Dreck über Berlin ausschütten wollen und tönen, dass Berlin nur noch kriminell, arm und schmutzig sei. Ich erkenne täglich auch die schönen Seiten dieser Stadt. Sicherlich liegt aber z.zt. oft der Fokus auf Cottbus rechter Szene. Ich hoffe, dass alles daran gesetzt wird, dass diese nachhaltig zerschlagen werden kann und die Cottbuser sich zukünftig eindeutiger gegen Rechts positionieren, um ihr angeschlagenes Image zu verbessern.

  12. 18.

    Nur 16? Das ist doch eher eine kleinere Vereinigung, wenn ich von organisierter Kriminalität ausgehe. Jeder Rockerverein hat mehr.

  13. 17.

    Wenn ich sehe was da in Cottbus abgeht fällt mir das Max Liebermann-Zitat ein: „Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte“. Und da wundert sich der Osten über sein schlechtes Image?

  14. 16.

    Es hat ja auch lange gedauert bis die Durchsuchungen stattfand. Und wer hat verbotenes Material zu Hause?
    Die vom NSU hatten es ja auch versteckt- da muß man kein Genie zu sein

  15. 15.

    Bitte tun Sie nicht so, als wenn es bei Ihnen im Saarland keine solche Hohlbirnen gäbe, dem ist nämlich nicht so. Mit dem Finger auf andere zeigen, ist immer sehr einfach, der Blick auf die eigenen Füße geht dabei schnell verloren. Hier hält jedenfalls keiner der Kommentatoren diese Spinner für ungefährlich, es bezweifelt auch keiner, dass es Netzwerke gibt. Nur haben diverse andere Aktionen bisher, die die Bildung krimineller oder terroristischer Organisationen haben belegen sollen, sich hinterher als Luftnummern erwiesen. Solche voreiligen Meldungen streicheln mal kurz die Seele einiger Polizeioberen, nutzen aber hinterher nur den Falschen. Der Kampf gegen Rechtsextreme ist nicht nur richtig sondern auch wichtig, so wie der Kampf gegen alle anderen Extreme auch, aber er muss sachlich fundiert ohne Effekthascherei geführt werden, wenn er erfolgreich sein soll. Allerdings haben wir alle zu wenig Hintergrundinfos, um die tatsächliche akute Gefahr beurteilen zu können.

  16. 14.

    Liebe Kommentatoren, für die Neonazis mit dicken Schlagringen harmlose Geschichtsfans und Kampfsportler sind: Natürlich könnt ihr gerne NICHT begreifen, dass Menschen sich von einer kriminellen Vereinigung bedroht fühlen könnten.

    Aber vielleicht begreift ihr wenigstens, dass Nazis eurer Wirtschaft schaden? Nicht-Einheimische Kunden und Geschäftspartner machen nämlich zu ihrer eigenen Sicherheit lieber einen Bogen um Städte, in denen man Geschichtsliebhaber der braunen Sorte fördert.

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