Ein Verkehrsschild weist Autofahrer auf die Mautpflicht hin (Quelle: dpa/Büttner).
Audio: Inforadio | 25.04.2019 | Claudia Plaß | Bild: dpa/Jens Büttner

Debatte über Gebühr für Autofahrer in Berlin - Deutscher Städtetag befürwortet City-Maut auf Probe

Die Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos / für die Grünen) hat in der Debatte über eine mögliche City-Maut Unterstützung vom Deutschen Städtetag bekommen: Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sprach sich laut Mitteilung der dpa vom Donnerstag dafür aus, eine solche - also eine Gebühr für Fahren in der Innenstadt - in interessierten Kommunen zumindest zu erproben.

Die Städte müssten selbst diskutieren und entscheiden, welche Instrumente zur Verkehrslenkung sinnvoll eingesetzt werden könnten, sagte Dedy der dpa. "Denkbar wäre beispielsweise, eine City-Maut oder Nahverkehrsabgaben in einzelnen Städten zu erproben, die dies wünschen." Auch Bürgertickets für Busse und Bahnen im öffentlichen Personennahverkehr kämen für diese Versuche in Betracht. Entscheidend werde die Akzeptanz in der Bevölkerung sein.

City-Maut "über kurz oder lang"

Anlass ist eine Debatte in Berlin über eine City-Maut nach Londoner Vorbild angesichts von Lärm, Luftverschmutzung und Staus. Verkehrssenatorin Günther hatte gesagt, "über kurz oder lang" werde man in der Hauptstadt über eine solche Abgabe diskutieren müssen. "Es wird bei der knappen Ressource Fläche in der Stadt deutlich teurer werden müssen, mit Autos den öffentlichen Raum zu nutzen."

Der Städtetag wolle keine "flächendeckenden neuen" Abgaben für Verkehrsteilnehmer in den Städten einführen, sagte Dedy. "Aber wir plädieren ausdrücklich dafür, einzelnen Städten die Möglichkeit zu geben, finanzielle Maßnahmen zu erproben, um den Verkehrsfluss in bestimmten Zonen zu lenken."

In vielen deutschen Großstädten ist eine City-Maut derzeit aber kein Thema, wie eine Umfrage der dpa ergab, so zum Beispiel in Frankfurt/Mai, Hamburg, Dortmund, Köln oder Stuttgart.

Der Deutsche Städtetag ist ein freiwilliger Zusammenschluss kreisfreier und kreisangehöriger Städte in Deutschland. 

ADAC fordert Alternativen zum Auto statt Maut

Der ADAC Berlin-Brandenburg lehnt eine City-Maut für Berlin klar ab. Grundsätzlich sei man dagegen, sagte Sandra Hass. Es stimme, dass es ein Platzproblem in der Hauptstadt gebe - "das weiß jeder, der mit dem Auto in Berlin unterwegs ist", sagte sie. Statt auf eine City-Maut müsse man aber auf Alternativen zum Auto setzen, die bisher noch nicht ausreichend vorhanden oder nicht attraktiv genug seien. Dazu gehörten mehr Züge mit schnellerer Taktung.

Autofahrer würden über die Steuer, Parkgebühren und Spritpreise bereits stark belastet. Eine Maut treffe diejenigen besonders, die finanziell ohnehin benachteiligt seien.

Sendung: Inforadio, 25.04.2019, 7:20 Uhr

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19 Kommentare

  1. 19.

    Funktionert sehr gut in London - schon laengst akzeptiert. Viele dort sind von Auto zum Fahrrad umgestiegen.

  2. 18.

    Ich jammere? Nö. Ich wünsche mir nur wieder mehr Lebensqualität in dieser stinkenden und ohrenbetäubend lauten Stadt. Beides macht übrigens krank. Und Sie beweisen ja förmlich selber, wie egoistisch und bequem alle geworden sind. Zur Arbeit kommen funktioniert also nur mit dem Auto? Das ist schon eine befremdliche Aussage. Sorry, wenn ich dann Begriffe wie verwöhnt und verweichlicht benutze. Ich hoffe daher, dass Ihr Dienstherr maximal ein Büroleiter ist. Damit der Arbeitsplatz auch möglichst bequem und mit wenig körperlichem Aufwand verbunden ist. Nix für Ungut^^

  3. 17.

    Sie jammern ja auch. Und wollen Menschen zwingen. Gehts noch? Radikal sein hilft nicht. Jeder kann ja wohl selbst beurteilen, was für ihn praktikabel ist. Die öffentlichen sind es für mich nicht. Sie dürfen mir gerne ein Grundeinkommen von 6000 überweisen und ich bleibe zuhause. Ach Mist, mein Dienstherr braucht ja Personal. Hm. Blöd.

  4. 15.

    Solange es immer noch Leute gibt, die den ÖPNV als unattraktiv bezeichnen und behaupten, dass man dafür ja auf keinen Fall sein Auto stehen lassen könne oder wolle, solange geht es den Menschen immer noch viel zu gut und sie zeigen deutlich auf, dass sie nicht bereit sind auch nur einen Schritt aus ihrer egoistischen Komfortzone herauszukommen. Denn Tausende haben diesen Luxus des Jammerns auf hohem Niveau nicht und sind trotzdem den täglichen Blechlawinen, den Lärm und Gestank und den Unfallgefahren ausgesetzt. Macht die Straßen durch die Maut leerer, damit wir besser und schneller mit Bussen und Rad voran kommen. Senkt dafür die Fahrpreise und das Leben in Berlin wird wieder erträglicher. Manchmal muss man die Menschen zur Vernunft zwingen.

  5. 14.

    Ich seh da jetzt nicht so den Nachteil, wenn auch mal die Läden in den Außenbezirken Kundschaft abbekommen. Vielleicht haben wir ganz großes Glück und die Leute besinnen sich darauf, dass man nicht nur in der Mall einkaufen kann, sondern dass kleine Läden an der Straßenecke auch mal gut liefen. Man muss nicht immer in die Karre steigen und 10km fahren um was zu kaufen.

  6. 13.

    Willkommen in der Realität und der Welt der Berliner, die ihr Leben schon immer ohne Auto bewältigt haben. Wenn man das Heulen und Zähneklappern hier liest, fragt man sich langsam wirklich, wie es so weit kommen konnte, dass Menschen so unflexibel, bequem und egoistisch werden konnten. Hunderttausende bewältigen Tag für Tag ihr Leben mit Job Kinder und: den öffentlichen Verkehrsmitteln. Man mag es kaum glauben. Trotz mancher Bereiche, die noch ausgebaut und verbessert werden müssen, das geht. Also nix wie her mit 30-Zonen, Maut und autofreien Innenstädten, damit der Autofahrer per se wieder ein alltagstauglicher Mensch wird. In unserem Kollegenkreis hat kaum einer ein Auto. Wir können es nicht glauben, was hier z.t. rumgeheult wird. Und ja, es muss Ausnahmen geben, die kriegen dann eine Berechtigung für die Zonen. Aber nur die. P.S.: Danke an alle tapferen BVG-Nutzer, die wie ich seit Jahrzehnten auf‘s Auto verzichten, den Berliner Verkehr damit entlasten, ohne ein großes Ding draus zu machen. Wir sind die Besten ;-)

  7. 11.

    Die Japaner sind jetzt auch nicht grade als eine besonders kinderreiche Gesellschaft bekannt und bei denen funktioniert’s auch.

  8. 10.

    Dann können überall statt der parkenden Autos auf der FAHRbahn Busspuren eingerichtet werden. @rbb Wo bleiben die versprochenen hunderte Kilometer Busspur eigentlich??? Sollten die nicht längst aufgemalt werden???
    Schön auch die FARBCODES in Mexico City, wo jedes Auto an einem Wochentag nicht bewegt werden darf. Das reduziert die erlaubten fahrenden Autos an jedem Wochentag immerhin um 20% :)

  9. 9.

    "... aus gesundheitlichen Gruenden auf ein Auto angewiesen sind." -Haben Sie eine Vorstellung wie hoch die Huerden heute schon sind, um eine derartige Beduerftigkeit anerkannt zu bekommen? Lesen Sie mal nach, welche Behinderungen erforderlich sind, um ueberhaupt Parkerleichterungen zu bekommen, welche Huerden vom Gesetzgeber aufgebaut wurden, um diese Behinderungen moeglichst nicht anerkennen zu muessen. Ich rede jetzt nicht mal ueber den "Rollstuhlfahrerparkplatz"! Und angeblich werden wir ja alle immer aelter und kranker und immer pflegebeduerftiger -da empfinde ich die massive Orientierung aufs Fahrradfahren doch als sehr widerspruechlich.

  10. 8.

    Cool, erst den ÖPNV so unattraktiv wie möglich machen und dann bei denen, die sich das Drama um überfüllte, unpünktliche oder ganz ausfallende Busse und Bahnen nicht zumuten wollen/können Kasse machen. So bekommt man die Anwohner auch aus der Stadt.

  11. 7.

    Da die Wenigsten von Außerhalb die Lust verspüren werden, sich in den jetzt schon überforderten ÖPNV 'reinzudrängeln, werden sich die Einkaufszentren außerhalb der Mautzone und die Internetversender freuen. Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen: sinnloser Aktionismus.

  12. 6.

    London hat zur Einführung der City-Maut den ÖONV massiv ausgebaut, New York will mit der Maut dessen Ausbau refinanziren. Paris baut 200 km U-Bahn und selbst Kopenhagen hat erkannt, dass es anderer Alternativen zum Auto bedarf.

    Nur kommt das jemandem, der seit Jahren zwar kein privates Auto mehr hat, dafür aber einen Dienstwagen, erst gar nicht in den Sinn.

    RRG ist gerade dabei, die Verkehrswende völlig zu vergeigen.

  13. 5.

    Wir sind aber nicht in Tokio. Berlin oder besser der Senat von Berlin hat sich noch nie an andere Länder orientiert sonst wäre schon vieles anderes. Eine klasse Idee um den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen.

  14. 4.

    Eine Maut muss kommen, aber wichtig ist auch das richtige Parkraummanagement. Man müsste es machen wie zum Beispiel in Tokyo, wo es im Innenstadtbereich überhaupt keine Parkplätze am Straßenrand gibt. Wer parken will muss in ein Parkhaus. Wer ein neues Auto anmelden möchte, muss erst nachweisen, dass er über einen Stellplatz verfügt. Autofahren innerhalb des S-Bahnrings muss denjenigen vorbehalten sein, die zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen auf ein Auto angewiesen sind.

  15. 3.

    Sinnloser Aktionismus, nur um von nicht vorliegenden vernünftigen Konzepten abzulenken.
    Dann doch gleich: ungerade Tage, ungerade Endziffern auf den Kennzeichen und Analog dazu mit den geraden Kalendertagen.
    Maut ist nur Geldscheffeln ohne echte Konzepte vorlegen zu müssen, die wirklich allen gerecht werden.

  16. 2.

    Wow, jetzt ist sogar der ADAC für Busspuren und Straßenbahnen?! Dann kommt der Ausbau jetzt vielleicht wirklich voran ;) Flächendeckend kostendeckende Parkplatzgebühren statt der lächerlichen Verwaltungsgebühr von 20 Euro für Anwohner würden die Zahl der nutzlos platzraubenden Autos in der Stadt auch reduzieren.

  17. 1.

    Ohne einen massiven Ausbau des ÖPNV und den Einkauf von Fahrzeugen und Takt Verdichtung bringt die citymaut nichts, sondern dient nur als zusätzliche Einnahmequelle für RRG. Zuerst muss man alternativen bieten und Kapazitäten bieten dann steigen die Leute auch um, dann Parkgebühren erhöhen, dann erst Citymaut,aber RRG ist in allen Bereichen unfähig.

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