Das Konzenttrationslager Ravensbrueck (KZ Ravensbrueck ) war ein reichsdeutsches Konzentrationslager im damaligen brandenburgischen Templin - Uckermark. Es gilt als das groesste Frauenkonzentrationslager des Deutschen Reiches. Zwischen 1939 und 1945 wurden ueber 132.000 Frauen und Kinder, 20.000 Maenner und 1.000 weibliche Jugendliche aus 40 Nationen und Volksgruppen registriert. Neuste Zahlen gehen von ueber 28.000 Opfern aus. Am 30. April 1945 erreichten sowjetische Truppen Fuerstenberg und befreiten die noch verbliebenen Haeftlinge. (dpa/Walter Bieri)
Video: Abendschau | 14.04.2019 | Antje Tiemeyer | Bild: dpa/Walter Bieri

Ravensbrück und Sachsenhausen - Gedenkstätten erinnern an Befreiung von KZ-Häftlingen

Vor 74 Jahren wurden das Frauen-KZ Ravensbrück und das Konzentrationslager Sachsenhausen befreit. An beiden Orten wurde am Sonntag an diesen Tag erinnert, Brandenburgs Ministerpräsident Woidke rief dazu auf, gegen Diskriminierung einzutreten.

Mit Ansprachen, Gebeten und Kranzniederlegungen wurde am Sonntag in den Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen der Befreiung von KZ-Häftlingen vor 74 Jahren gedacht.

Bei der Gedenkveranstaltung im ehemaligen NS-Konzentrationslager Ravensbrück hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) dazu aufgerufen gegen Diskriminierung einzutreten. Hass, Rassismus und Menschenverachtung hätten dazu geführt, dass im Nationalsozialismus Zigtausende Menschen misshandelt, erniedrigt und getötet wurden, erklärte Woidke. "Die Wurzeln dieses Übels haben überlebt und kommen heute wieder an vielen Orten der Welt zum Vorschein."

Woidke würdigt Überlebende für ihr Kommen

"Wir sind den Opfern der nationalsozialistischen Gräueltaten auf immer verpflichtet", teilte Woidke bereits im Vorfeld der Veranstaltung mit. Es komme deshalb darauf an, "einzuschreiten bei jeder Diskriminierung, bei jedem Übergriff auf unseren Nächsten", ergänzte er am Sonntag.

Der Regierungschef würdigte, dass Überlebende des Nazi-Terrors nach Ravensbrück gekommen waren. "Sie schonen sich nicht, obwohl es verständlich wäre", sagte er an die Überlebenden gerichtet: "Ihre bewundernswerte Größe macht eine lebendige Erinnerungskultur erst möglich."

In der Gedenkstätte Ravensbrück sollte am Sonntag auch eine Ausstellung über den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma eröffnet werden. Dort wird unter dem Titel "Rassendiagnose Zigeuner" auch der lange Kampf der Überlebenden um Anerkennung thematisiert.

Kulturministerin Münch in Sachsenhausen

Im Frauen-KZ Ravensbrück waren zwischen 1939 und 1945 mehr als 130.000 Frauen, 20.000 Männer und 1.000 weibliche Jugendliche des "Jugendschutzlagers Uckermark" als Häftlinge registriert. Zehntausende wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente. Am 30. April 1945 wurden die verbliebenen Häftlinge durch die Rote Armee befreit.

In Sachsenhausen bei Oranienburg rief Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) dazu auf, gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen. Sie würdigte das Engagement der Zeitzeugen, die sich trotz des erlebten Grauens engagiert dafür einsetzten, Geschichte zu vermitteln.

Im KZ Sachsenhausen wurden zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen aus vielen europäischen Ländern inhaftiert. Am 22. und 23. April 1945 erreichten sowjetische und polnische Soldaten das unmittelbar zuvor von der SS geräumte KZ.

Sendung: Inforadio, 14.04.2019, 12 Uhr

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Antwort auf [Sigrid] vom 14.04.2019 um 23:23
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18 Kommentare

  1. 18.

    Sie gendern das Wort "Diktator", welche Diktatorinnen deuten Sie an? Mir sind keine bekannt. Helfen Sie mir. Das Wort Häftling müsste dagegen gegendert werden, gab ja weibliche und männliche. Nur so als Anmerkung.

  2. 17.

    Die Resonanz des Naziterrors (1933-1945), was Sie als Quittung bezeichnen, ist mit Worten nicht zu erfassen. Von der Tatsache, dass die aktiven Beteiligten des Hitler-Regimes auch nach Ende des II. WK weiterhin im deutschen Staat tätig waren und die Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhinderten, spricht hierzulande niemand gern, weil dadurch eine solidarische Feigheit gegenüber der Wahrheit offenbar würde. Mir ist es in gewisser Weise sogar peinlich Deutscher zu sein, weil dieses Volk keine besseren Regierungsparteien zum Wohle aller Menschen in Deutschland hervorbringen kann, wie sich in vielen Jahrzehnten herausgestellt hat.

  3. 16.

    Die Menschenverachtung gegenüber den KZ-Häftlingen bleibt ein Verbrechen der Hitler-Deutschen und gehört somit für ewig zur Geschichte des deutschen Volkes. - Nichts ist schlimmer für Diktator*innen als ein Volk das denken und fühlen kann, weil dadurch Unfähigkeit und begangenes Unrecht offenbar werden könnten.

  4. 15.

    Lesen Sie bitte noch einmal in Ruhe und selbstkritisch Ihre Kommentare durch. Finden Sie diese angemessen und respektvoll? Ich nicht. Nicht alles was (gesagt werden) kann, muss. In dem Sinne...

  5. 14.

    "...wenn ständig ein ausreichender menschlicher Bezug zu jedem besteht." Na ja - das sehe ich ein bißchen anders. Man muß nicht persönlich involviert sein, um die Tragweite der Geschichte des eigenen Volkes zu verstehen.

    Aber wer als Biodeutscher in der eigenen Familiengeschichte forscht, hat durchaus gute Chancen, unangenehme Fakten zu entdecken. Bei mir war's der Opa, der als Hauptmann an der Belagerung Leningrads teilnahm (1 Mio. Verhungerte) und der Großonkel, der als Major in einem Stalag diente. Von den 5,6 Mio. gefangenen Rotarmisten ließ man 3,3 Mio. in den Dulags und Stalags der Wehrmacht verhungern. Auch die Wehrmacht war integrativer Bestandteil des Naziterrors.

    Quittung war dann, daß meine Familie aus Ostpreußen vertrieben wurde, ihr 215-Hektar-Gut verlor und plötzlich bettelarm war. Von den Todesfällen ganz zu schweigen. Solch eine Zäsur hat durchaus auch Nachwirkungen auf die folgenden Generationen.

  6. 13.

    Ihr Kommentar gibt mir Anlass zu hinterfragen, was mit Ihrem "Nie-Vergessen" an persönlichen Nachteilen im Verhältnis zu Menschen verbunden ist, die derartiges Leid nicht tragen. Mit anderen Worten, ist Ihnen eine Bürde durch die Folgen nationalsozialistischer Menschenrechtsverbrechen u. a. Straftaten auferlegt, die sich in Ihrer Lebensgestaltung bzw. -führung nachhaltig negativ auswirkt. Ich kann keine konkrete Verpflichtung seitens des Bundeslandes Brandenburg erkennen, Sie in Richtung z. B. psychischer/ seelischer Entlastung zu unterstützen. Mir ist keine Entschuldigung für die Leugnung des Holocausts oder die unzureichende Sensibilität gegenüber den Zerstörungen speziell menschlichen Lebens durch die Leitenden und Beteiligten des Nazi-Terrors in Deutschland und im Ausland bekannt. Nach meiner Meinung, können die Gedenkstätten und Denkmäler erst dann ihre nachhaltige mahnende Wirkung entfalten und erhalten, wenn ständig ein ausreichender menschlicher Bezug zu jedem besteht.

  7. 12.

    Was verstehen Sie an meinem Kommentar (Sonntag, 14.04.2019 | 18:35 Uhr) nicht?

  8. 10.

    "Zuguterletzt" ist in Anbetracht des Themas ein reichlich zynischer Begriff.
    Da ich nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde (und diese Zeit nur aus Erzählungen meiner Mutter und den üblichen Quellen kenne), verbindet mich mit dieser Zeit auch nichts.
    Die Holocaustgedenkstätten (wieviele davon gibt es eigentlich deutschlandweit?) sollten Erinnerung und Mahnung an/für ALLE Menschen sein.

  9. 9.

    Wofür konkret soll sich Björn Höcke schämen?
    Was genau hat er getan, das ihn dazu veranlassen sollte?
    Wirklich beschämend finde ich die Verharmlosung des Nationalsozialismus, indem man so ziemlich jeden und alles Nichtlinke/Nichtgrüne damit gleichsetzt.
    Damit werden die Gräueltaten des Naziregimes (die Höcke völlig zurecht als eine Schande bezeichnet hat) politisch instrumentalisiert und bagatellisiert.

  10. 8.

    Natürlich ist es wichtig, die Erinnerung wachzuhalten. Wer allerdings die blaurote Partei mit den Nazis gleichsetzt und das Thema für zweifelhafte aktuelle Politik instrumentalisiert, verharmlost auf perfide Weise die Verbrechen des Nationalsozialismus und verhöhnt deren Opfer.

  11. 7.

    Ich bin die Tochter einer Überlebenden Roma die in Ravenbrück war und noch zu guter letzt auf die sogenannten Todesmärsche geschickt wurde, aber sie hat auch das überlebt. Und ich vergesse nie!!!

  12. 6.

    Ja, ihre Nachkommen leiden auch!!! Aber uns gibt es ja nicht. Leider haben viele Deutsche aus der Vergangenheit nichts gelernt und der Holocoust wird geleugnet.

  13. 4.

    Ihre Worte: "Na wie denn sonst?" - Dazu fällt Ihnen nur ein Zitat von Brecht ein.
    Mir fallen dazu gleich mehrere umsetzbare Gedankenwege ein, die allerdings in politische Arbeit ausarten, was anscheinend vermieden werden soll. Denn dazu müsste man sich mit der vergangenen und gegenwärtigen Realität auseinandersetzen. Einige beispielhafte Grundsatzfragen: Wie leben die KZ-Opfer heute? Ist ihr Leid in irgendeiner konkreten Form zu lindern? Leiden die Nachkommen unter den erfahrenen Gräueltaten bis hin zum Tod ihrer Liebsten? Werden die Ursachen von neo-nationalsozialistischen Strömungen effektiv untersucht und nachweisbar beseitigt?

  14. 3.

    Na wie denn sonst?
    Vergessen durch Verschweigen?
    Was die große Politik Ihrer Ansicht nach versäumt,sollte nicht dazu führen,dass das Geschehene durch UNS in Vergessenheit gerät.
    So wie das manche gerne hätten,die sich „genervt“ fühlen und damit manchem Politikern und der blauroten Partei in die Karten spielen.
    Mir fällt dazu nur Brecht ein:“...der Schoß ist fruchtbar noch...“

  15. 2.

    Und auch wir gedenken. Eigentlich müsste in Eichsfeld heute erneut etwas stattfinden #neverforget. Schämen.9 Sie sich, Herr Höcke!

  16. 1.

    Wie schaut denn heutzutage die "Immer-Verpflichtung" gegenüber den Opfern der nationalsozialistischen Gräueltaten konkret aus bzw. in welcher Form wird diese sogenannte Verpflichtung umgesetzt? In Anbetracht meiner zahlreichen Erfahrungen mit dem weithin fehlenden Bewusstsein für die Würde und Rechte behinderter Menschen im Bundesland Brandenburg, zumal offensichtliche entgegen der völkerrechtlichen UN-Vereinbarung seit zehn Jahren, erlaube ich mir Zweifel an einer ernsthaften Verpflichtungserfüllung gegenüber KZ-Opfern in Brandenburg zu äußern. Wem es mMn nicht gelingt, die UN-BRK als Völker-, EU-, Bundes- und Landesrecht adäquat umzusetzen, ist auch nicht befähigt, die Würde der betroffenen Menschen zu achten und zu schützen. Mit Kränzen und schönen Worten ist keine echte Linderung des nachhaltigen Leids möglich.

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