In einer Grundschulklasse melden sich Schüler. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: inforadio | 14.04.2019 | Joachim Held | Bild: dpa/Patrick Pleul

Zahlen des Bildungsministeriums - Jede achte Lehrkraft in Brandenburg ist Seiteneinsteiger

Noch immer gibt es in Brandenburg zu wenige ausgebildete Lehrer. Um den Bedarf zu decken, werden immer mehr Seiteneinsteiger in Schnellkursen auf den Schuldienst vorbereitet. Eltern fürchten Qualitätsverlust, die Lehrergewerkschaft sieht keine Alternative.

An Brandenburgs Schulen unterrichten immer mehr Seiteneinsteiger, die in Kompaktkursen auf den Schulunterricht ausgebildet werden. Ende 2018 arbeiteten an den staatlichen Schulen der Mark bereits zwölf Prozent der knapp 20.000 Lehrkräfte ohne Pädagogik-Studium, wie das Bildungsministerium mitteilte. Mitte 2017 lag diese Quote noch bei 8,5 Prozent.

Damit ist etwas mehr als jede achte Lehrkraft in Brandenburg ein Seiteneinsteiger. An einigen Schulen der Sonderpädagogik unterrichtet bereits jede zweite Lehrkraft ohne Lehramtsstudium.

Um den Bedarf zu decken, könnte laut Bildungsministerium in den nächsten Jahren jede zweite neue Lehrkraft ein Seiteneinsteiger sein. "Die werden in die Schulen gedrückt, nur um alle Stellen zu besetzen", sagt René Mertens, Elternsprecher am Fläming-Gymnasium in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) und im Vorstand des Landeselternrats.

GEW-Chef: "Lehrerarbeitsmarkt ist leer gefegt"

Während manche Eltern befürchten, dass das Unterrichtsniveau durch Lehrer ohne mehrjähriges didaktisches Studium sinken könnte, warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vor zu viel Skepsis. "Das eigentliche Problem ist, dass die Politik versagt hat, weil zu wenig Pädagogen in den letzten Jahren ausgebildet wurden", betont Brandenburgs GEW-Chef Günther Fuchs. Nun müsse alles getan werden, um Seiteneinsteiger zu qualifizieren und die Kernkompetenz der Schule zu stärken. "Dazu gibt es keine Alternative, der Lehrerarbeitsmarkt ist leer gefegt.".

Für die Betreuungslehrer bedeuten die Seiteneinsteiger eine zusätzliche Aufgabe - und oftmals eine Belastung. Die Lehrerverbände warnen vor einer Überforderung der Pädagogen, denen bislang nur eine Stunde pro Woche als Betreuungszeit angerechnet wird. Um Lehrer zu entlasten, fordern sie die Vorqualifizierung der Seiteneinsteiger von drei auf mindestens sechs Monate auszuweiten. Kürzlich beschloss der Landtag eine Zulage von 100 Euro pro Monat für Lehrer, die Seiteneinsteiger betreuen.

100 Seiteneinsteiger-Stellen seit 2017 vorzeitig beendet

Die Sorgen vor Abstrichen am Unterrichtsniveau sind derweil nicht unbegründet. Nicht immer sind die Seiteneinsteiger dem Schulalltag gewachsen. Laut Bildungsministerium wurden seit dem Vorjahr rund 100 Beschäftigungsverhältnisse mit Seiteneinsteigern vorzeitig beendet.

Eine Entlastung der Lehrer und geringere Unterrichtsausfälle wären laut Lehrerverbänden durch weniger Verwaltungstätigkeiten, aber auch durch eine höhere Vertretungsreserve möglich. "Damit könnte der durch Krankmeldungen verursachte Unterrichtsausfall gesenkt werden", sagt Hartmut Stäker, Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands.

Das Bildungsministerium entgegnet dieser Forderung mit dem Hinweis, der Unterrichtsausfall sei im vergangenen Schuljahr um 0,1 Punkte auf 2,0 Prozent des Stundensolls gesunken.  

Sendung: Brandenburg aktuell, 14.04.2019, 19:30 Uhr

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31 Kommentare

  1. 31.

    Erzählen Sie Ihren eigenen Kindern das auch? Urteilen Sie deren Bildungsstand auch so undifferenziert und negativ ab? Oder meinen Sie das nur in Bezug auf anderer Leute Kinder in Berlin und Brandenburg? Die Quereinsteiger scheinen ja in Ihren Augen auch nicht die hellsten Kerzen am Leuchter und relativ inkompetent zu sein, oder verstehe ich Ihren Kommentar diesbezüglich falsch?

  2. 30.

    Da ich Dipl. Sozialpädagogin und seit über 20 Jahren im.Schuldienst tätig bin, kann ich das ziemlich gut beurteilen. Ihre Kommentare dadurch auch^^. Alles gut!

  3. 29.

    Da der Bildungsstand der 10. der damaligen 7. Klasse entspricht, genügen Quereinsteiger! Ist sowieso jeden Freitag frei!

  4. 27.

    Sie können pädagigische Arbeit an den Schulen einfach nicht einschätzen, sind ja auch Studieninhalte, viele Quereinsteiger und Eltern auch nicht. Ich berate z. T. Quereinsteiger und finde diese päd. Lücken gravierend. Man kann nicht einmal die Aufmerksamkeitsleistung bei Kindern einschätzen. Diese Lücken können Sie unwissend schönreden wollen, geht dann weiter nur in die Breite.

  5. 26.

    Seit 30 Jahren wird der nicht wertschätzende Lehrerberuf kontinuierlich von roter Politik und Verwaltung in Bln. und Brb. unattraktiv gemacht. Eine Aufzählung sprengt hier den Rahmen. Rote und Grüne Ideen verschlechtern die Ergebnisse in allen Rankings. Da hilft nur abwählen. Ein "eisiger Wind" durch die Excel schubsende Verwaltung "tut mehr als Not": 0,1% einer geschönten Statistik als Verbesserung zu verkaufen ist schon sehr abenteuerlich.

  6. 25.

    Was viele, mangels Erfahrung, nicht wissen, ist, dass an vielen Schulen schon seit vielen Jahren von Eltern und Ehrenamtlichen regelrechte „Netzwerke“ gebildet wurden, die unterstützend im Hintergrund agieren. Was diese z.t. auf die Beine stellen ist sehr wertvoll, so manche Schule würde sonst noch ganz anders dastehen. Lesepaten, Förderverein-Eltern, Fundraiser, Angehörige, die Ausflüge begleiten (die z.t. sonst nicht stattfinden könnten). Bei allem Respekt Lehrern gegenüber, aber trotz pädagogischer Ausbildung fehlt es manchen an pädag. Fingerspitzengefühl und so manch ein Lehrer fährt ohnehin nur seine eigene Schiene. Quereinsteiger müssen also nicht unbedingt die schlechteren „Pädagogen“ sein, so unsere Erfahrungen. Wichtig ist, dass der Lehrplan eingehalten wird und ein Mindestmaß an produktiver Unterrichtsatmosphäre geschaffen wird. Zumal Quereinsteiger von Lehrern angeleitet und unterstützt werden. Einfach zu behaupten, dass das ungut und schlecht sei, ist Unsinn. Daher sehen wir das mit den QE relativ gelassen, solange die Schüler ihr Pensum schaffen und gerne zur Schule gehen.

  7. 24.

    Ihnen geht es nicht darum, dass für die derzeitig prekäre Situation eine Lösung gefunden wird, Ihnen geht es ausschließlich um das Politik-Bashing. Meine Frage, woher Sie Ihre Erkenntnisse haben (die immer noch Gültigkeit hat^^) bezieht sich auf meine positiven Erfahrungen mit Schulen, in denen es gut läuft mit den Quereinsteigern. Ohne diese ginge oft gar nichts mehr. Ja, die Bildungssituation wurde seit Jahrzehnten veschlafen. Der Rotstift hat uns in diese Lage gebracht. Das wissen wir ja nun aber alle und ein Blick nach vorne tut Not. Eltern müssen sich zu Hause mehr einbringen, Quereinsteiger füllen die Lücken und die Landesregierungen müssen eine Strategie fahren. Sie sind dabei. Positiv denken heißt die Devise und anpacken, statt zu meckern und Gerüchte zu streuen.

  8. 23.

    Interessanterweise erfolgt die Beleuchtung der Probleme seltenst aus der Sicht frisch ausgebildeter Lehrkräfte, die nach 7 Jahren Ausbildung in das Schulsystem finden wollen und müssen. Grundsätzlich ist der Markt auch nicht so leer gefegt, wie er dargestellt wird. Vielmehr ist es ein strukturelles, systematisches Problem für einige Schulformen und Unterrichtsfächer. Der Mangel betrifft insbesondere Grund- und Oberschulen im Land Brandenburg, was sich auch an den ständig ausgeschriebenen Stellen nachvollziehen lässt. Andererseits ist nur wenig Interesse an der Einstellung von Lehrkräften vorhanden, die das Lehramt an Berufsschulen ohne den nachgefragten technisch-gewerblichen Fächern erworben haben. Vielmehr dürfen diese Lehrkräfte mit den Seiten- und Quereinsteigern um eine laufbahnfremde Anstellung an Grund- und Oberschulen konkurrieren. Fakt ist, dass dadurch auch Stellen blockiert werden.

  9. 22.

    Dass Leute in Rente gehen ist ein ein sehr gut kalkulierbares Phänomen, dem man normalerweise ausreichend mit den Studierendenzahlen im Lehramtsbereich vorbeugt. Es sind aber auch viele jüngere Lehrer in andere Berufe abgewandert, u. a. Schulbuchverlage und Erwachsenenbildung, weil denen über längere Zeit einfach keine guten Arbeitsbedingungen angeboten wurden und sie wegen der erfahrenen Geringschätzung usw. heute nie aus ihrem anderen Job zurück in den Schulbetrieb wechseln würden.
    Dt. läuft seit Jahren im Maximalbesteuerungsbereich bei der berufstätigen Bevölkerung plus zusätzlich der Konjunktur der letzten Jahre, die zusätzliches Geld in die Staatskassen gespült hat, und bietet dafür zu wenig staatliche Gegenleistung. Wir müssten eigentlich einen fantastischen Bildungsbereich haben.
    Stattdessen haben wir in diesem BL z. B. mehr als 10% nicht päd. Qualifizierte als Lehrer.
    Aus dem Ausland wollten übrigens trotz Werbemaßnahmen keine Lehrer herwechseln.

  10. 21.

    Die Leute werden in Dt. als Lehrer eingestellt. Hören Sie doch mal auf, hier nur querzureden. Es sind Quereinsteiger, die die Tätigkeit Lehrer ohne pädagogische Qualitfikation ausüben dürfen, weil das hier wg. Versagen des Bildungssystems gefördert wird

  11. 20.

    Seiteneinsteiger haben die Möglichkeit des berufsbegleitenden Vorbereitungsdienstes. Der berufsbegleitende Vorbereitungsdienst führt zum Erwerb der Lehramtsbefähigung und schließt mit einer Staatsprüfung ab. Das entspricht dann der 2. Staatsprüfung, die auch normale Lehramtskandidaten durchlaufen. Der VD dauert für Seiteneinsteiger 24 Monate. In Potsdam studierte Lehramtskandidaten können die 2. Staatsprüfung neuerdings bereits nach 12 Monaten Referendariat ablegen und sind dann vollwertige Lehrer.

    Das wurde 2019 übrigens auf 12 Monate verkürzt. Die Verkürzung des Referendariats erlaubt es natürlich im gleichen Zeitraum mehr ausgebildete Lehrer zu generieren. Ob das die Lösung ist, wird die Zukunft zeigen.

  12. 19.

    Der Prozentsatz wird nicht deshalb immer höher, weil er gefördert wird, sondern weil immer mehr Lehrer (Lehramtstudierte) in Rente gehen. Selbst, wenn jedes Jahr nur eine feste Quote von Seiteneinsteigern eingestellt werden würde, würde sich der Prozentsatz erhöhen.
    Und wenn es nun einmal keine studierten Lehrkräfte auf dem Arbeitsmarkt gibt, dann bin ich froh, dass es Seiteneinsteiger gibt, die sich dieser Herausforderung stellen!

  13. 18.

    Ich stimme Herrn Fuchs zu: Die Qualifikation der Seiteneinsteiger muss besser werden. Wenn dort zu wenig getan wird, fällt uns das später auf die Füße! Je früher und intensiver die Seiteneinsteiger qualifiziert werden, desto einfacher haben die es im Klassenraum und desto einfacher haben es auch die Schüler.

    Auch die Seiteneinsteiger sollten entsprechend geprüft werden, um eine Grundeignung zu gewährleisten. Ich weiß ja nicht, wie das mit Fort- und Weiterbildungen aussieht, aber vielleicht sollte da ein höherer Maßstab angelegt werden als bei regulären Lehrkräften.

    Ansonsten: Leben in der Lage! Vielen Dank allen Seiteneinsteigern, die einen Missstand auszubügeln versuchen, der ein deutschlandweites Problem ist!

  14. 17.

    Sie schrieben Lehrer. Dann sollten Sie darauf achten, was Sie von sich geben. Die Frage bleibt ungeachtet dessen, um welche "Problemschulen" es sich dreht und woher Sie Ihre Erfahrungswerte immer nehmen.

  15. 16.

    Ganz so ist es nicht. Die Quereinsteiger sollen schon noch eine Pädagogische Zusatzausbildung erhalten. Was auch immer das bedeutet.

  16. 14.

    Die SPD wird ja nun wohl den Ministerpräsidentenposten von Brandenburg abgeben müssen, da sich der Vorsprung der SPD vor der CDU parallel zu den Wählerverlusten verringert.

  17. 13.

    Quatschpost. Man sollte das, wenn man lesen kann, schon halbwegs verstehen können: Quereinsteiger sind KEINE Leute, die "Lehramt" studiert haben. Das sind z. B. Naturwissenschaftler, Mathematiker usw. ohne päd. Ausbildung und die wird bei diesen auch nicht irgendwie nachgeholt. Dieser Prozentsatz wird, da auch noch gefördert, jetzt immer höher.

  18. 12.

    Dieser Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist eine Schande was manche Poliker von sich geben. Dies trifft hauptsächlich zu wenn Rot oder Rot/Links bzw. Grün regieren. Dieses Dummvolk von Politikern fährt jedes Bundesland wo regiert wird in den Ruin. Für alle dort lebenden Menschen gibt es außer Schulden keine Perspektiven. BRANDEN BURG SOLLTE SICH ENDLICH VON DIESEN ROTEN STROLCHEN TRENNEN.

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