Markus Dröge (Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) auf der Berliner Karfreitagsprozession am 19.04.2019 (Quelle: imago / Christian Spicker)
Video: Brandenburg Aktuell | 21.04.2019 | Michael Lietz/Arndt Breitfeld | Bild: imago / Christian Spicker

Osterpredigt in Berlin - Dröge: Kirchen haben "Bedeutung für die Seele Europas"

Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), hat in seiner Osterpredigt die Bedeutung der Kirchen für Europa unterstrichen. Die große Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau der bei einem verheerenden Brand zum Teil zerstörten Pariser Kathedrale Notre-Dame zeige, "es braucht diesen Ort im Herzen der Stadt, in dem die Kultur und der Glaube einer Nation beheimatet ist", sagte Dröge laut Manuskript am Ostersonntag im Berliner Dom.

Nicht nur Franzosen würden spenden. Europa sei vereint in dem Bestreben, die Wunde im Herzen von Paris zu heilen. Deshalb sei es gut, wenn auch aus Deutschland und aus der Partnerstadt Berlin Anteilnahme und symbolische Unterstützung komme. "Es ist etwas Neues, wenn gerade jetzt europaweit der Geist der Solidarität für eine Kathedrale erwacht, wenn neu erkannt wird, welche Bedeutung Kirchen für die Seele Europas haben", sagte Dröge. Auch die Berliner Kirchen wie der Dom, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und viele andere mehr erzählten Geschichten von Zerstörung und Auferstehung und damit vom Geist der Hoffnung, der den christlichen Glauben präge. 

Erzbischof Koch: Osterglaube steht für Hoffnung der Christen

Der katholische Erzbischof Heiner Koch hob die Osterbotschaft als wichtigen Impuls zum Engagement für die Welt hervor. "Wer im Glauben überzeugt ist, dass die Fülle des Lebens ihn nach dem Tod erwartet, der wird jetzt schon mutig, sich engagiert und kraftvoll für das Leben einzusetzen gegen alle Lebensbedrohungen hier auf Erden, gegen alle politischen, persönlichen und gesellschaftlichen Mächte, die die Lebensweite für die Menschen einschränken wollen", betonte Koch.

"Wer jetzt schon an die österliche Botschaft Christi glaubt, der wird jetzt schon erfahren, dass Gott ihn auf diesem Weg nicht alleine lässt, der spürt jetzt schon die Nähe des Auferstandenen, die Zukunft eröffnet und Hoffnung gibt", so der Erzbischof des Erzbistums Berlin. "Für diese Hoffnung stehen wir Christen, und wir stehen für sie mit der Einladung an unsere Zeitgenossen, sich auf diese Botschaft einzulassen." In einer Gesellschaft, "in der so viele nicht über den Tellerrand der Gegenwart hinaus schauen und spätestens den Tod für eine unüberwindbare Grenze halten", stünden die Christen in Verantwortung für die Verkündigung dieser Botschaft und ihrer Hoffnung.

Karfreitagsprozession und Ostermarsch

Am Karfreitag hatten beide Berliner Bischöfe eine ökumenische Prozession durch Berlin-Mitte angeführt. Mehrere Hundert Menschen nahmen teil. Bei der Prozession wurde ein rund 50 Kilogramm schweres und knapp drei Meter hohes Kreuz über sieben Stationen von der Marienkirche am Alexanderplatz zum Gendarmenmarkt getragen.

Am Samstag nahmen rund 1.000 Menschen am Berliner Ostermarsch teil. Unter dem Motto "Abrüsten statt Aufrüsten - die Welt braucht Frieden statt Kriegsbündnisse" führte der Demonstrationszug durch Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg. Wichtiges Thema in diesem Jahr war die Forderung nach einem Stopp der Rüstungsexporte in Krisengebiete. Neben Rüstungskritikern haben auch Klimaaktivisten zur Teilnahme aufgerufen. 

Sendung:  Brandenburg aktuell, 21.04.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Das ist in der Tat eine Frage des Gottesbildes. Gäbe es "da irgendwo" einen Allmächtigen, der über alles, jedes und wirklich alles wachte und sofort eingeschreitet, sofort unter Mrd. Menschen Destruktivität waltet? Oder ist das Gott nicht viel mehr dieses Allumfassende, was in allem wohnt, dem WIR als verantwortliche Menschen gegenwärtig sein können? Oder eben nicht?

    Den "Gott-Protz", dem Sie zu Munde reden, haben die Amtskirchen jh.lang hochgehalten, doch wird von dieser Gott-protzigen, von dieser allMÄCHTigen Gottesvorstellung allmählich gelassen. Ich empfinde das als wunderbar. Der Widerspruch lässt sich auflösen. Soweit die Menschen die innere Freiheit walten lassen, Umfassenheit in einem indirekten Sinne anstelle direkter Macht zu setzen. Vielen ist das freilich zu wenig. Womöglich Ihnen. Mir nicht.

  2. 9.

    Wenn es Gott geben würde,hätte er es zugelassen das Kinder in seinen Kirchen ungestraft vergewaltigt und missbraucht werden ?

  3. 8.

    Der Ostermontag wurde auch 1967 abgeschafft, damit die Feiertage nicht zu lange waren. Die soz. Produktion wartete für die DDR, den RGW und auch für die BRD ;-) Der Pfingstmontag blieb.

  4. 7.

    ...aber ehrlicherweise freuen wir Atheisten uns auch jedes Jahr über die christlichen Feiertage, die uns die christlichen Kirchen beschert haben. Selbst in der heute von vielen verteufelten DDR wurden sie (bis auf Christi Himmelfahrt ab 1967) nicht abgeschafft. Man sollte also die von den Menschen erschaffenen Heilgen nicht in der Versenkung verschwinden lassen. Es bleibt der Glaube an das Gute im Menschen auch in dieser Gesellschaftsordnung .

  5. 6.

    Die Seele ist nicht bemessbar, sie ist nicht wägbar, sie ist nicht sehen und demzufolge auch nicht handhabbar. Das macht vielen Menschen Angst oder sie werden trotzig oder belächeln diesen Begriff. andere nehmen Seele als bloßes Beutegut, ohne zu spüren, was dieser Begriff in ihnen auslöst. Ja, weshalb sich die einen Menschen näher fühlen, gegenüber anderen nicht, dass die einen dies als Herausforderung nehmen, die anderen als zusätzilche Begründung ihrer sowieso schon getätigten Abschottung, dies ist physikalisch nicht erklärbar. Papier ist geduldig und doch zerfällt es allmählich. Nicht das Konservieren des Geschriebenen und Beschlossenen hält die Welt lebendig, sondern das Schöpfen aus dem Leben. Da können Papiere allenfalls eine Hilfe sein. So verstanden könnte es mit nichts und niemanden eine Schwierigkeit geben.- Die Religionen, so MEINE persönliche Empfindung, sind da näher dran als die bloßen "Materialisten", die von all dem nichts wissen wollen.

  6. 5.

    Mir wird übel! Ob Bischof Markus Dröge, Erzbischof Heiner Koch, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm oder Erzbischof Reinhard Marx, sie alle haben die Bedeutung für die Seele Europas, für ihre Kirchen/Kreuze verkauft/aufgegeben, mit dem Ergebnis, selbst gutgläubige Schäfchen laufen ihnen auf und davon. Ich bin Atheist.

  7. 4.

    Unendiich sind die Versuche, Gott (oder dieses Gott) für sich einzuspannen und dienstbar zu machen. Nicht nur die zu recht verschrieenen Fundamentalisten islamischer Coleur, vielmehr unabhängig jeglicher Religion. Erst wenn die Gotteslästerung, d. h. Gott zur Last eines anderen zu machen, aufhört, kann Frieden gedeihen. Dieses Instrumentalisierung, dieses "Alleinseligmachende" gilt in anderer und vergleichbarer Weise auch für materialistische Systeme, die den Religionen fern sind. Schön, wunderbar geradezu, dass hierzulande mindestens die christlichen Religionen zehnmal offener sind als der niedergegangene Staatsssozialismus von seiner Programmatik und seiner Praxis her war.

  8. 3.

    Der Alleinvertretungsanspruch der Kirchen in Sachen Kultur und Ethik ist anmaßend und unerträglich und in einer massiv atheistisch geprägten Region wie Ostdeutschland sowie völlig fehl am Platz.

  9. 2.

    "Und der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.!"

  10. 1.

    ....die Kirche hat Geist und Seele erfunden, damit sie über die Menschen herrschen kann..

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