Drei Polizisten und eine Polizistin am Zoologischen Garten in Berlin (Quelle: imago/Florian Gaertner)
Bild: imago/Florian Gaertner

Bundesweite Serie - Neue rechtsextreme Droh-Mail trotz Festnahme aufgetaucht

Die Serie rechtsextremer Droh-Mails schien am Samstag zu Ende zu sein – ein Tatverdächtiger sitzt seither in U-Haft. Doch nun ist erneut eine Mail aufgetaucht – mit einer Drohung gegen Berlins Generalstaatsanwältin Margarete Koppers. Von Georg Heil und Karolin Schwarz

Nach der Verhaftung eines Mannes wegen einer bundesweiten Serie von E-Mails mit rechten Gewaltandrohungen  ist eine weitere E-Mail aufgetaucht.

"Sie möchten sicher nicht, dass eines Tages Frau Generalstaatsanwältin Margarete Koppers etwas zustößt, oder?", wird in der neuen E-Mail unter Bezug auf die Berliner Generalstaatsanwältin gefragt. In der E-Mail, die dem ARD-Politikmagazin Kontraste vorliegt, fordert eine angebliche Gruppe unter dem Namen "Staatsstreichorchester" 100 Millionen Euro in der Kryptowährung  "Monero", andernfalls werde eine neue Terrorgruppe entstehen.

"Wir werden alles daran setzen, dass es bald wieder Pogrome in diesem Land gibt und dass sich kein Jude, Moslem (…) oder auch linke Journalisten und Politiker sicher fühlen", heißt es in dem Schreiben. Auf Anfrage erklärte ein Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft, dass ihm diese Mail bislang nicht bekannt sei.

Offenbar kein Trittbrettfahrer

Das Schreiben wurde am frühen Sonntagabend verschickt, einen Tag nachdem ein Tatverdächtiger aus Schleswig-Holstein in Untersuchungshaft genommen worden war. Ermittler schreiben dem Verdächtigen André M. mehr als 200 rechtsextreme Droh-Mails, unter anderem mit den Absender "Nationalsozialistische Offensive" bzw. "NSO" zu. An die neue Mail angehängt waren andere Droh-E-Mails aus dem März. Dadurch scheint es ausgeschlossen, dass die neue Mail von einem Trittbrettfahrer stammt, der erst nach der Verhaftung des Verdächtigen aktiv geworden ist.

Angesprochen werden in dem Text eine Berliner Oberstaatsanwältin, die für Antisemitismus zuständig ist sowie der Kölner Rechtsanwalt Mustafa Kaplan, der bereits in der Vergangenheit durch Mails mit dem Absender "NSU 2.0" bedroht worden war. Auf Anfrage von Kontraste erklärte Kaplan, er habe noch nie an einen einzelnen Täter hinter den Mails geglaubt, vielmehr vermute er ein Netzwerk. "Ich gehe davon aus, dass die Festnahme vom Wochenende nur der Beginn der Aufklärung der rassistischen Droh-Mails gegen mich und andere ist", so Kaplan.

Anspielung auf die Attentäter von München und Christchurch

Adressiert ist die E-Mail unter anderem auch an die Generalstaatsanwaltschaft Berlin und diverse Organisationen, die sich mit Rechtsextremismus befassen.  Sie endet mit "Sieg Heil und Heil Hitler!" Rechtsextreme Bezüge ergeben sich in der Mail auch dadurch, dass angekündigt wird, im sogenannten Darkweb eine Plattform für rassistische Gewalttäter zu gründen. "Wir zielen auf Klientel à la David S., Brenton T. [Nachnamen redaktionell abgekürzt] und möchten solchen und Helden, die es werden möchten, eine Plattform anbieten", heißt es unter Anspielung auf die Attentäter von München und Christchurch.

In der E-Mail wird auch Bezug auf André M., den Tatverdächtigen aus Schleswig-Holstein genommen. M. wird darin mit vollem Namen genannt und als "Mitarbeiter" bezeichnet. Zudem wird gefordert, M. Immunität zuzusichern. Der oder die Verfasser der neuen E-Mail nutzen  als Absender eine E-Mail der Adresse "@nuke.africa", die von einem Anbieter zur Verfügung gestellt wird, der sich auf ein Klientel Rechtsextremer und Trolle spezialisiert hat. Der Anbieter, der auch die Endung "@hitler.rocks" im Angebot hat, ist besonders in Online-Communities beliebt, die durch rassistische, sexistische und gewaltverherrlichende Inhalte auffallen. Mit "nuke.africa"-Accounts wurden in der Vergangenheit auch Droh-Mails unter den Absendern "NSU 2.0" und "Wehrmacht" verschickt.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

7 Kommentare

  1. 6.

    Entsetzlich. Meine Mutter ist vor kurzem verstorben. Mit Ende 80. Sie hat bis zuletzt den Naziterror nicht verkraftet. Verlor alle Freunde (jüdisch). War selbst in Gefahr, durch ihr "dunkles" Aussehen (schwarze Haare, schwarze Augen, dunkler Teint). Sie hat bis zu ihrem Tod diese widerlichen Verbrecher innerlich verflucht. Und es nie verkraftet, dass soviele Peiniger und Mörder ungeschoren davon kamen. Das prägte meine Kindheit. Wir wurden zu toleranten und weltoffenen Menschen erzogen. Ich bin froh, dass sie das nicht mehr miterleben muss. Und entsetzt, dass ich das muss.

  2. 4.

    Mal sehen wie lange sich interessierte Kreise noch mit der These des Einzeltäters und Spinner herausreden wollen.

    Wir haben es hier mit Netzwerken, quer durch alle Bevölkerungsschichten, gewaltigen Ausmaßes zu tun.

  3. 3.

    Klar, den Rechtsextremismus als Perversion der Leistungsgesellschaft (Führerprinzip) mit den Mitteln der Leistungsgesellschaft bekämpfen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChrerprinzip

  4. 2.

    Zweifellos. Und hinzu kommt sicher ein beträchtliches Maß an Geltungssucht.
    Mitunter frage ich mich, ob das Internet nicht schon genug Möglichkeiten bietet, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.
    Wie kommt es nur, dass extremistische Gruppen immer wieder Mitläufer finden.
    Vielleicht würde ein stärkeres Leistungsdenken Abhilfe schaffen:
    Eigenleistung fördern, fordern und öffentlich belohnen.
    Wer für das Richtige Bestätigung und Zustimmung erhält, muss nicht das Falsche anstreben.

  5. 1.

    "NSU 2.0" und "Wehrmacht" - deren Leben muss echt extrem langweilig und bedeutungslos sein. Genau wie das Leben ihrer geistigen Vorgänger.

Das könnte Sie auch interessieren