Menschen am Bahnhof Friedrichstraße warten auf die S7 Richtung Potsdam (Quelle: imago/Rüdiger Wölk)
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Gemeinsames Nahverkehrsticket mit Berlin - Brandenburg lässt beim Sozialticket nicht locker

Brandenburg will immer noch das länderübergreifende Sozialticket. Einkommensschwache sollen eine Monatskarte für Busse und Bahnen zum halben Preis erwerben und damit auch nach Berlin fahren können. Es ist der dritte Anlauf, den das Verkehrsministerium startet.

Die Idee, Brandenburgern mit geringem Einkommen verbilligte Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Berlin zu ermöglichen, bekommt eine dritte Chance. Nach zwei gescheiterten Versuchen will Brandenburg eine neue Initiative für ein länderübergreifendes Sozialticket im Nahverkehr mit der Hauptstadt starten.

Nächster Anlauf erst nach Landtagswahl im Septemberg

Das Thema werde erneut aufgegriffen und in die Gremien beziehungsweise Arbeitsgruppen des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg eingebracht, teilte das Verkehrsministerium auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Potsdamer Landtag mit. Allerdings werde es keinen neuerlichen Anlauf vor der Brandenburger Landtagswahl am 1. September dieses Jahres geben, sagte Ministeriumssprecher Steffen Streu am Montag.

Als bundesweit erstes Flächenland hatte Brandenburg 2008 ein Sozialticket eingeführt – allerdings nur innerhalb des Bundeslands. Einkommensschwache, Empfänger von Sozialleistungen, Arbeitslose und Asylbewerber können eine Monatskarte für Busse, Bahn und Straßenbahn zum halben Preis erwerben. Wer nach Berlin fahren will, muss einen Ergänzungsfahrschein oder eine zusätzliche Monatskarte kaufen.

Erster Versuch scheiterte 2015

In der Koalitionsvereinbarung von 2014 hatten sich SPD und Linke in Brandenburg darauf verständigt, mit Berlin über eine Zusammenführung des dortigen Berlin-Tickets S mit dem damals sogenannten Brandenburger Mobilitätsticket zu verhandeln.

Ein erster Versuch für ein länderübergreifendes Sozialticket scheiterte 2015, da sich der damalige Berliner Senat aus SPD und CDU nicht in der Lage sah, die mit zwei bis fünf Millionen Euro jährlich angegebenen zusätzlichen Ausgleichsbeträge an die regionalen Verkehrsunternehmen aufzubringen. Um das Berliner Sozialticket unverändert weiter anzubieten, könne man dem Wunsch Brandenburgs "derzeit" nicht nachkommen, hieß es.

Berlin weitete Kreis der Berechtigten für vergünstigtes Ticket aus

In Berlin wurde kurze Zeit später der Kreis der Berechtigten für ein vergünstigtes Ticket ausgeweitet: Die ein Jahr später neugebildete rot-rot-grüne Koalition in Berlin vereinbarte unter anderem, dass künftig auch Wohngeldempfänger Anspruch haben. Außerdem sollte es für junge Menschen bis 18 Jahre ohne Anspruch auf ein Schüler-/Azubi-Ticket, Ticket S oder Semesterticket, sowie für Auszubildende einen vergünstigten Tarif geben.

Zweiter Anlauf ebenfalls gescheitert

Im März dieses Jahres unternahm Brandenburg einen zweiten Anlauf für eine länderübergreifende Regelung für Harz-IV-Empfänger und Einkommensschwache - wieder ohne Erfolg. Bei dem mit mehr als 30.000 Mitgliedern größten Brandenburger Sozialverband, der Volkssolidarität, stieß die Entscheidung Berlins auf Unverständnis.

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    "Es schütze uns des Kaisers Hand vor Großberlin und Zweckverband" hat schon 1920 nicht geklappt. :-D

    http://jubilaeum-gross-berlin.de/2018/07/05/es-schuetze-uns-des-kaisers-hand-vor-grossberlin-und-zweckverband/

  2. 12.

    Die Idee mit der Länderfusion würde ich mir an Ihrer Stelle aber nochmals gründlich überlegen. Oder möchten Sie Berlin zur schlechtesten Hauptstadt der Welt machen? https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/av7/video-flughafen-schoenefeld-sxf-lahmgelegt-defekt-bundeswehr.html

  3. 11.

    Nicht "Einkommensschwache" sondern "Unterversorgte".

  4. 10.

    Alle Tickets abschaffen und auf Steuerfinanzierung umstellen: 30 Euro/Monat, 20 Euro ermäßigt, Touristen 1 Euro/Nacht.

  5. 9.

    Verquaste Diskussion: 50 € können die Leute kaum zahlen, maan bräuchte aber billige Einzeltickets. Bisher für nur 2 Nichtkinder Ausflug am WE gleich 13,60 € plus alles andere. Bahn gibt auch keine Ermäßigung, obwohl Rentner oft mehr haben, die aber eine bekommen. Dt. Hartz-IV-er verreisen so gut wie gar nicht. Man muss sich mal vorstellen, was das für die Kinder bedeutet.

  6. 8.

    Wie Steffi (Beitrag 2).
    Auch Berliner Arme möchten gerne mal ins Umland.

  7. 6.

    Man kann sich aber nicht nur die Rosinen rauspicken und in anderer Hinsicht ein finanzielles und ökonomisches Übergewicht von Berlin fürchten. Es wird Zeit, die Länderfusion voranzutreiben, dann ergeben sich derartige Probleme nicht mehr und einer länderübergreifenden Zusammenarbeit stehen (fast) keine Hürden mehr im Weg. Zudem werden zusätzliche Mittel durch die Zusammenlegung der Parlamente und Landesinstitutionen fällig.

  8. 5.

    Wieso "ohne Extrakosten"? Das Brandemburger Sozialticket kostet laut Artikel halb so viel wie eine normale Monatskarte. Das heisst im Umkehrschluss, dass ein berechtigter Berliner rd. 50€ für ein S-Ticket ABC zahlen müsste.

  9. 4.

    Warum erfahren wir aus diesem Beitrag nicht woran der zweite Anlauf im März gescheitert ist?

  10. 3.

    Also, da sagen Sie gerade etwas Wahres. Die Politik des Senats konzentriert sich vollständig auf den Bereich der Stadt, der im Hundekopf liegt. Das nervt mich zunehmend.

  11. 2.

    Dürfen dann die Berliner mit ihrem Sozialticket ohne Extrakosten auch durch Brandenburg reisen?

  12. 1.

    Warum sollte sich eine Regierung, deren Horizont eh durch den S-Bahn-Ring beschränkt ist, sich für Menschen interessieren, die kein Wählerpotential bieten?

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