Die BAB 103 Richtung Steglitz auf höhe der Abfahrt Filandastrasse. (Quelle: imago/Marius Schwarz)
Audio: rbb | 16.05.2019 | Silke Mehring | Bild: imago/Marius Schwarz

Westtangente nach Steglitz soll verschwinden - Tempelhof-Schöneberg stimmt für Rückbau der A103

Die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Tempelhof-Schöneberg hat am Mittwochabend mehrheitlich für einen Rückbau der A103 gestimmt. Das bestätigte der Bezirk rbb|24 am Donnerstag.

Die Mehrheit der Bezirksverordneten in Tempelhof-Schöneberg möchte, dass die sogenannte Westtangente zwischen Steglitzer Kreisel und Sachsendamm verschwindet. Bei der BVV-Sitzung am Mittwochabend wurde ein entsprechender Antrag angenommen, wie der Bezirk rbb|24 am Donnerstag bestätigte. Die sechsspurige Autobahn A103 könnte demnach nach zu einer vierspurigen Straße werden. Unterstützt wird der Vorstoß von SPD, Grünen und Linken.

Nach einem Rückbau A103 könnte auf der Fläche beispielsweise neuer Wohn- und Gewerberaum entstehen, heißt es in dem Antrag [BVV-Webseite]. "Ziel ist die Schaffung eines urbanen gemischten Stadtquartiers mit vorwiegend kommunalem und genossenschaftlichem Wohnraum in der Größenordnung von 1.500 Wohnungen, Infrastruktur sowie gewerblichen Flächen."

SPD: Geringe Auslastung der A103

Die SPD begründet diesen Vorstoß in einer Mitteilung unter anderem mit der geringen Auslastung der sechsspurigen A103. Im Schnitt würden hier weniger als 30.000 Fahrzeuge pro Tag (Wochenschnitt) gezählt. Das entspreche eher dem Verkehrsaufkommen einer vierspurigen Stadtstraße, heißt es.

Die Senatsverkehrsverwaltung hat ausschließlich die Werktage im Blick und berichtet, auf der A103 seien dort im Durchschnitt rund 64.000 Fahrzeuge unterwegs. Das sei nicht wenig, sagte der Sprecher Jan Thomsen dem rbb. Allerdings gebe es auch Stadtstraßen, auf denen ähnliche Werte erreicht würden.

Umbau zu vierspuriger Stadtstraße

Die Fraktionen von SPD und Grünen hatten den Antrag in die BVV eingebracht. Nach Vorstellung von Rot-Grün soll die oberirdisch verlaufende Trasse der Autobahn 103 zwischen Steglitzer Kreisel und Sachsendamm zurückgestuft und zu einer vierspurigen Stadtstraße umgebaut werden. Faktisch würde das einen Abriss der 4,2 Kilometer langen Autobahnkonstruktion samt ihrer Verbindungsschleifen bedeuten.

Stattdessen soll ebenerdig eine einfache vierspurige Stadtstraße mit Fahrradstreifen entstehen. Außerdem fordern die Fraktionen, Teile der Stadtautobahn A100 im Bezirk zu überdeckeln. Auch dadurch soll neuer Platz für Wohnungen und Gewerbe frei werden.

Stadtfahrbahnen wären schmaler als Autobahn-Fahrbahnen

"Fahrspuren auf der Autobahn sind wesentlich breiter als auf einer Stadtstraße", so der stadtpolitische Sprecher inTempelhof-Schöneberg, Christoph Götz-Geene, im rbb am Donnerstag. "Knapp die Hälfte dieser Autobahn reicht, um so eine normale Straße darin unterzubringen." Die Bahnseite der Westtangente würde sich für die gewerblichen Bauten anbieten. "Man könnte dort große Ressourcen zutage bringen", so Götz-Geene.

Mit der Überdeckelung am Schöneberger Kreuz könne zudem eine deutliche Verbesserung des Lärmschutzes erreicht werden.

Bezirk muss sich beim Senat einsetzen, dann ist Bund gefragt

Laut dem stadtpolitischen Sprecher sind das Projekte, "die sich vielleicht über einen Zeitraum von 15 Jahren hinziehen würden."

Der Beschluss der Bezirksverordneten ist nur ein erster Schritt: Jetzt muss sich das Bezirksamt beim Senat für das Projekt einsetzen. Anschließend ist der Bund gefragt - er ist zuständig für den Autobahn-Abschnitt.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

33 Kommentare

  1. 33.

    Ich benutze oft der A103 und bin froh über ein Stuck straße wo man nicht im Stau steht !!!

  2. 32.

    Die A103-Abfahrt wurde erst nagelneu saniert, was soll der Stuss?

  3. 31.

    Super Idee, mir fallen da auch noch ein paar Flächen ein, die von weniger als 30.000 Menschen pro Tag verwendet werden. Und das lächerlicher weiße nur in der Freizeit... Da möchte jemand um jeden Preis, nicht mehr gewählt werden.
    1) Botanischer Garten
    2) Gartenkolonie Haydn Str
    3) Bäkepark
    Zitat: Forrest Gump "Seid ihr Dumm oder sowas?"

  4. 30.

    Sehr gut! Das sollte kein Einzelfall bleiben. Gleise wurden und werden zu Hauf stillgelegt und abgerissen. Eine Umkehr muss her: weniger Straßen, mehr Wohnraum. Vor allem in der Stadt, wo es an Fläche mangelt!

  5. 29.

    Oder die neuen Bewohner fahren halt wie normale Bürger auch mit der S1. Es ist mir auch nicht klar wie sie mit dem Auto für 4.2km dann auf einmal 20-30 Minuten länger brauchen wollen. In der Zeit kommt man mit Fahrrad locker 7-10km weit. Die S1 ist in der Zeit schon am Brandenburger Tor. Vielleicht sollten Sie mal über einen Umstieg nachdenken, wenn sie mit dem Auto nicht vorankommen.

  6. 28.

    Das erinnert mich an die ach-so-lustigen achtziger Jahre, als Stadträte, Stadtteilbeiräte oder auch sowas wie Bezirksverordnetenversammlungen gern mal ihren Weiler zur atomwaffenfreien Zone erklärten.

    Kam aber bei einer gewissen Klientel gut an, wie man ja auch an den begeisterten Kommentaren hier sieht.

    Herr Götz-Genee möchte "auf der Bahnseite der Westtangente große Ressourcen zutage bringen". Wo sollen die liegen? Mal abgesehen von den umfangreichen Erdbewegungen, die notwendig wären, weil die Autobahn meist auf einem Damm oder in einem Graben verläuft - sie verläuft auch fast die gesamte Strecke direkt neben der Bahn, "Rücken an Rücken". Man könnte natürlich die bestehenden Straßen vierspurig ausbauen und einen schmalen Streifen an der (demnächst wieder viergleisigen) Bahnstrecke gewinnen. Da haben die neuen Bewohner dann vorn eine stark befahrene Straße und hinten eine stark befahrene Bahnstrecke. Klar: Das sollte ein paar Hundert Milliönchen wert sein.

  7. 27.

    Da ich wie viele Berliner kein Auto hab, sondern zu Fuß, auf dem Rad und in der BVG unterwegs bin, ist es für mich wenig hilfreich wenn die Blechlawine kilometerlang ampelfrei rollen darf, ich aber nicht.

  8. 26.

    Meine tägliche Fahrtstrecke wird sich um 20 - 30 Minuten deshalb verlängern. Ich sehe hohes Verkehrsaufkommen auch auf dieser Straße, regelmäßig zu allen Tageszeiten bis in den Abend Stau auf den beiden Zubringerspuren zur A100. Eine vierspurige Stadtstraße, die auch von den 3000 PKW des neu entstehenden Wohnraums bereichert wird, wird voll werden. Sehr voll.

  9. 25.

    Gerne schleunigst den Straßenbahnausbau nach Steglitz voran bringen und nicht nur vom Berliner Stadtzentrum her, denn die Brückenbauten werden ewig dauern. Sofort von Potsdam aus mit dem Straßenbahnausbau nach Berlin beginnen und die Städte weiter zusammenwachsen lassen.

  10. 24.

    Jetzt wächst in Steglitz und Friedenau endlich wieder zusammen, was zusammengehört.

    Vier Gleise der Bahn (zwei der S-Bahn und zwei zukünftige der RB) sind noch gut erträglich, acht weitere Spuren plus Mittelstreifen der Stadtautobahn nicht mehr.

  11. 22.

    Über eine sinnvolle Begrenzung des mit Verbrennungsmotoren motorisierten Individualverkehrs im Innenstadtbereich kann man gerne diskutieren. Aber es gibt zahlreiche ungenutzte betonierte Flächen, Bauruinen und andere hässliche Brachflächen dass ich es nicht sinnvoll finde vorhandene Infrastruktur kostenintensiv umzubauen. Es fände doch auch eine Verdichtung statt. Sinnvoller fände ich in der Schlossstraße mit seinen viel zu schmalen Bürgersteigen die Parkstreifen in breite Fußwege mit mehr Grün zu verwandeln und den Durchgangsverkehr mehr über den Stadtautobahnabschnitt zu leiten.

  12. 21.

    Die Bezirksverordnetenversammlung hat dem Antrag erstmal nur zugestimmt. Dann geht es weiter zum Senat - und letztendlich der Bund.

  13. 20.

    Das hat die BVV so entschieden. Der Senat ist nun als nächstes dran - und dann hat auch noch der Bund ein Wörtchen mitzureden.

  14. 19.

    In welchem Jahrhundert wird das fertig sein?
    Wir sind ja schon einiges gewöhnt.

  15. 18.

    Klassisches Derailing, welchen sehr plump davon ablenken soll dass sie mal wieder kein Argumente haben. Die Umfragewerte für rot-grün spechen eine deutliche Sprache. Da hilft auch kein Jammern und Tähneklappern von ihnen und ihresgleichen.

  16. 17.

    Blödsinn, aber wird schon im Senat sterben bzw. Steglitz-Zehlendorf muss auch noch was sagen. Vor allem im Hinblick auf den BER ist das auch ein Teil des Zubringerverkehrs. Aber Bezirkspolitik ist eben eng begrenzt mit dem Tellerrand.

  17. 15.

    Sie werden noch viel länger an Ampeln warten müssen, wenn die Autobahn zu einer "Stadtstraße" wird. Weil es nicht mehr voran geht. Die Autobahn leitet den Verkehr auf rund 5 Kilometern kreuzungsfrei und ohne Ampeln ab. Wer das kaputt machen will, der sollte sich nicht über Ampel-Wartezeiten beschweren,

  18. 14.

    Wie kann man nur für solchen Blödsinn stimmen?
    Haben die in der BVV was genommen? So dumm kann man gar nicht sein!

    Ich bin außer mir uns mega wütend über solche geistige Fehlentgleisung. Andererseits war von R2G nichts anderes zu erwarten.

Das könnte Sie auch interessieren