Eine Gruppe Anastasiaanhänger (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Öko-Bewegung mit braunen Wurzeln - Warum Anastasias Kontakte in die rechte Szene kein Zufall sind

Hinter der harmlosen Fassade von ökobewegten Selbstversorgern stecken bei der Anastasia-Bewegung, die sich in Brandenburg ausbreitet, knallharte Kontakte in die rechte Szene. Und die sind keinesfalls Zufall. Von Silvio Duwe

Allein in Brandenburg existieren derzeit mindestens vier Siedlungsprojekte der Anastasia-Bewegung, bei der es vorgeblich um ein Selbstversorgerdasein auf dem Lande geht. Am weitesten fortgeschritten ist derzeit das Siedlungsprojekt "Goldenes Grabow" in Grabow bei Blumenthal (Landkreis Ostprignitz-Ruppin). Auf der Webseite heißt es stolz: "Das Goldene Grabow entwickelt sich prächtig. Fünf Familien bauen ihren Familienlandsitz auf und es gibt Land in Vorbereitung auf mehr Familien." Zudem werde der Bau einer eigenen Schule vorbereitet.

Ein aufwändiger Aufnahmeprozess sichert Gesinnung

Wer in Grabow mitsiedeln will, muss sich in einem langen Aufnahmeprozess bewähren. Erfolgreiche Bewerber erhalten ein kleines Stück Land, auf dem sie ein Jahr lang beweisen müssen, dass sie es ernst meinen mit dem Leben als Selbstversorger. Wollen sie danach auf ein größeres Grundstück umziehen, um dauerhaft zu bleiben, müssen sie sich erneut bewerben. Die strikten Regeln sorgen zwar dafür, dass das 2015 gegründete "Goldene Grabow" nur langsam wächst. Doch auf schnelles Wachstum kommt es den Siedlern nicht an.

Sie denken über Generationen hinweg: Was sie heute aufbauen, sehen sie als Grundstein für etwas, das in 500 Jahren ausgereift sein wird. Unter sich zu sein und den Nachwuchs im eigenen Geiste zu erziehen ist dazu der erste Schritt. Zugleich ermöglicht die Langsamkeit den Gründern, genau auszuwählen, wer ins Dorf ziehen darf. So ist sichergestellt, dass tatsächlich nur Gleichgesinnte einziehen.

Die Vernetzung mit Rechts hat System

Mindestens so wichtig wie die Auswahl der Familien, die im "Goldenen Grabow" siedeln, ist die Vernetzung mit Akteuren der rechten Szene. So fand 2015 auf dem Grundstück der "Anführer"-Familie Krause ein Lager des konspirativ arbeitenden Jugendbundes "Sturmvogel". Er gilt als Nachfolgeorganisation der 1994 verbotenen rechtsextremen "Wiking-Jugend". Die Politologin und Journalistin Andrea Röpke, die das Lager beobachtet und dokumentiert hat, sagte im rbb,  dass bekannte Holocaustleugner, Neonazis und Mitglieder des NPD-Ordnungsdienstes ihre Kinder zu dem Lager nach Grabow brachten. Dort habe Drill geherrscht, die Kinder mussten stramm stehen. Ein Junge sei schließlich sogar zusammengebrochen.

Kontakte in die rechte Szene lassen sich auch durch - inzwischen von der Website genommene - Fotos des Anastasia-Festivals 2015 belegen, das auf dem Gelände des "Goldenen Grabow" stattfand. So spielte Sonnhild Sawallisch in der Band, die anlässlich einer auf dem Festival begangenen Hochzeit musizierte. Sawallisch trat bereits auf rechten Demos zur Asylpolitik auf und gehört zum sogenannten "Bund für Gotterkenntnis". Die Ideologie des Vereins basiert auf den völkischen Ansichten Mathilde Ludendorffs. Verfassungsschutzbehörden stufen ihn als rassistisch, antisemitisch und antidemokratisch ein.

Bezüge zu rechten Vordenkern

Dass diese Kontakte in die rechte Szene bestehen, ist bei den Anastasia-Siedlern keineswegs Zufall. Immer wieder beziehen sich Vertreter der Bewegung auf rechte Vordenker aus der Zeit der Weimarer Republik. So zum Beispiel in Wienrode (Sachsen-Anhalt) beim Siedlungsprojekt "Weda Elysia", das von den Krauses aus Grabow unterstützt und beraten wird. Leitspruch bei den letzten "Akademietagen" der Gruppe war das Zitat: "Konservativ sein, heißt nicht hängen an dem, was war, sondern leben aus dem, was immer gilt." Dabei schreibt "Weda Elysia" das Zitat fälschlicherweise Arthur Moeller van den Bruck zu, einem bekannten Vertreter der "Konservativen Revolution". Der Historiker Hans-Ulrich Wehler bezeichnet dessen 1923 erschienenes Buch "Das dritte Reich" als "Bibel" zahlreicher Rechtsradikaler jener Zeit. Tatsächlich stammt das Zitat jedoch von Albrecht E. Günther, der sich in der Weimarer Republik gemeinsam mit Moeller van den Bruck im deutschvölkischen und antiparlamentarischen "Juniklub" organisierte. Beide Männer waren stramme völkische Antidemokraten.

Die antidemokratischen Ideen der Anastasia-Bewegung – in den Büchern, auf denen die Bewegung basiert, ist von "Dämon Kratie" die Rede – haben also zum Großteil historische Vorläufer, auf die sich die Ideologen der Siedlerbewegung gern beziehen.

Immer wieder geht es um Rassenideologien

So ist es auch bei Frank Ludwig, der einen Landsitz im brandenburgischen Liepe (Landkreis Barnim) bewohnt und unter dem Namen "Urahnenerbe Germania" in ganz Deutschland Vorträge hält, um Anastasia-Anhänger bei der Siedlungsgründung, aber auch zu sonstigen Themen zu beraten. Immer wieder geht es bei Ludwig auch um die Reinhaltung der Rasse. Er spricht, unter anderem in Unterlagen, die dem rbb vorliegen, von Telegonie – einer längst verworfenen Vererbungslehre. In den Anastasia-Büchern heißt es dazu: "Der erste Mann im Leben einer Jungfrau prägt ihr einen Stempel seines Geistes und seines Blutes auf. Er bestimmt ein psychisches und physisches der Kinder vor, die sie gebären wird. Alle anderen Männer, die mit ihr intime Verhältnisse haben werden, um eventuell ein Kind zu zeugen, sind letztlich nur Samenspender und Überträger von Geschlechtskrankheiten." (Band 8.2, S. 37) Deshalb könne es vorkommen, dass "weiße Ehepaare Kinder mit schwarzer Hautfarbe" zur Welt bringen, weil die "Oma oder […] die Mutter sexuellen Kontakt zu einem schwarzen Mann hatte."

Mit solchen Äußerungen machte schon das antisemitische NSDAP-Hetzblatt "Der Stürmer" Stimmung gegen Juden. In der Wochenschrift wurde wiederholt behauptet, eine "arische" Frau könne durch einmaligen Geschlechtsverkehr mit einem Juden derart "infiziert" werden, dass sie nur noch "jüdische" Kinder gebären könne. Dieses Weltbild führte schließlich zum NS-"Blutschutzgesetz", das Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Menschen "deutschen oder artverwandten Blutes" unter Strafe stellte.

Auch scheinbar unpolitische Anhänger üben keine Kritik

In seinen Vorträgen empfiehlt Frank Ludwig  auch die Bücher des Ariosophen und Antisemiten Rudolf John Gorsleben (1883-1930), der ebenfalls, so ist es in seinen Büchern nachzulesen, ein Anhänger der Telegonie war. Von Juden behauptete Gorsleben, sie seien "bereits durch die Geburt" vom "Willen zum Bösen" bestimmt. Sein Werk "Hoch-Zeit der Menschheit" ist in Deutschland verboten.

Das von Anastasia verbreitete rechte Gedankengut wird auch von den scheinbar unpolitischen Anhängern der Anastasia-Siedlungsbewegung nicht kritisiert. Im Gegenteil: die Vorträge von Frank Ludwig beim Anastasia-Festival 2017 in Beichlingen (Thüringen) gehörten zu den am besten besuchten Veranstaltungen während des gesamten Festivals. Die braunen Wurzeln hinter der grünen Oberfläche reichen tief.

Sendung:  

Beitrag von Silvio Duwe, rbb Kontraste

Kommentar

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Antwort auf [T. Marquard] vom 20.05.2019 um 22:31
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38 Kommentare

  1. 38.

    Was bezwecken Sie mit Ihrer penetranten Frage? Dass Sie mehr über diese Leute wissen, als diejenigen, die recherchiert haben? Wie soll das gehen, wo Sie selber noch nie Kontakt zu denen hatten? Zweifeln Sie die Informationen von Herrn Duwe an? Wenn ja, auf welcher Grundlage?

  2. 37.

    Ich frage gern noch einmal: Wer von den Diskutanten hatte schon einmal selbst Kontakt zu dieser Vereinigung, um sich so sein Urteil zu bilden?

  3. 36.

    Ihre Fragen wurden beantwortet. Durch den Bericht selber und durch mehrere User. Dass Ihnen womöglich die Informationen nicht schmecken, ist ein Ding. Aber der Zeitpunkt ist vorbei auf taub zu stellen. Vielen Dank rbb24, dass immer wieder von diesen Dingen berichtet wird. Die einzige Chance für unsere Demokratie.

  4. 35.

    Schade, dass niemand meine Fragen beantwortet. Ich habe keinen Kontakt zu dieser Sekte.

  5. 34.

    Was genau haben sie an "Mindestens so wichtig wie die Auswahl der Familien, die im "Goldenen Grabow" siedeln, ist die Vernetzung mit Akteuren der rechten Szene. So fand 2015 auf dem Grundstück der "Anführer"-Familie Krause ein Lager des konspirativ arbeitenden Jugendbundes "Sturmvogel".[...]...dass bekannte Holocaustleugner, Neonazis und Mitglieder des NPD-Ordnungsdienstes ihre Kinder zu dem Lager nach Grabow brachten.[...]In seinen Vorträgen empfiehlt Frank Ludwig auch die Bücher des Ariosophen und Antisemiten Rudolf John Gorsleben (1883-1930), der ebenfalls, so ist es in seinen Büchern nachzulesen, ein Anhänger der Telegonie war." nicht verstanden?

    Entweder tun sie hier extrem naiv oder sie sind Teil dieser Rassisten, Rechtsextremisten und Antisemiten. Haben sie Kontakt zu dieser Sekte?

  6. 33.

    Wer hatte eigentlich schon selbst einmal Kontakt mit Anastasias? Warum werden meine Fragen nicht beantwortet? Warum werde ich anstelle dessen mit Unterstellungen konfrontiert?

  7. 32.

    Fragender, Bernau, Sonntag, 19.05.2019 | 08:14 Uhr
    "Warum muss man Selbstversorger reflexhaft in welche Ecke auch immer stellen?"

    Sie werden nicht "reflexhaft in eine Ecke gestellt". Sie haben sich selber in eine rechtsradikale, menschen(rechts)feindliche Ecke gestellt. Niemnd hat ihnen diese rechtsradikale, menschen(rechts)verachtende Ideologie aufgezwungen. Sie haben sie selber für sich gewählt.

    Fragender:
    "Solange wie diese das Grundgesetz respektieren, ist doch alles gut."

    Ihre Ideologie ist mit dem Grundgesetz und den Menschenrechten UNVEREINBAR!

    Fragender:
    "Auch kann es doch nicht so schlecht sein, wenn durch Abwanderung bedingte Struktur schwache Regionen wieder belebt werden."

    Rechtsradikale sind ÜBERALL "schlecht", auch in dünnbesiedelten, von Abwanderung bedrohnten Gebieten!

  8. 31.

    Igor Stephanowitsch, Küstrin, Samstag, 18.05.2019 | 17:13 Uhr:
    "Mich erinnert die Haltung der Leute eher an die Armish-Bewegung in den USA, die auch alles Moderne ablehnt, im Geschlossenen lebt, sich von eigenproduzierten ernährt und lebt. Eine Lebensform, zu der keiner gezwungen wird und die eine Zukunft hat, in einer von Raubbau geprägten Welt. In einer Zeit, wo Wetter Klima heißt und jeder CO² Fußabdruck wichtig scheint. Sind darum Alle, die diesen Weg eingeschlagen haben, Rechtsradikal?"

    Offenbar haben Sie den Artikel nicht gelesen. Es geht hier nicht (nur) um Ökos, sondern darum, dass diese rechtsradikalen, menschen(rechts)feindlichen Ideologien anhängen und diese verbreiten.

    Die Kinder dieser Ideologen sind leider gezwungen, bei solchen Eltern aufzuwachsen, solange, bis das Jugendamt aufwacht und diese Kinder von diesen Eltern und deren Ideologien befreit.

  9. 30.

    Möter, im Urlaub, Samstag, 18.05.2019 | 14:47 Uhr:
    "... und die Meinungspolizei (95%) alle zweideutigen Kommentare wegbombt... und unmissverständlich mir die Welt erklären will."

    Ohje, in welcher Wahn-Welt sind Sie denn gefangen?
    Wo leben Sie denn?
    Wo gibt es eine "Meinungspolizei"?
    Wo werden Kommentare "weggebombt"?
    Diese zeiten sind in Deutschland zum glück vorbei!

  10. 28.

    "Warum muss man Selbstversorger reflexhaft in welche Ecke auch immer stellen? Solange wie diese das Grundgesetz respektieren, ist doch alles gut."

    Sind sie der deutschen Sprache mächtig? Sind sie in der Lage zu lesen und zu verstehen was im obigen Beitrag steht?

    Wenn sie beides mit Ja beantworten können muß man sie fragen ob sie schrecklich naiv sind oder ein Unterstützer, zumindest ein Sympathisant dieser rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Sekten sind.

  11. 25.

    "Warum muss man Selbstversorger reflexhaft in welche Ecke auch immer stellen? Solange wie diese das Grundgesetz respektieren, ist doch alles gut."

    Sind sie der deutschen Sprache mächtig? Sind sie in der Lage zu lesen und zu verstehen was im obigen Beitrag steht?

    Wenn sie beides mit Ja beantworten können muß man sie fragen ob sie schrecklich naiv sind oder ein Unterstützer, zumindest ein Sympathisant dieser rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Sekten sind.

  12. 24.

    Problem sind sie nicht, weil jeder hat das Rech rechts zu sein. Bei Extremismus greif der Verfassungsschutz, alles im grünen Bereich.

  13. 22.

    Bei ihnen muß man nicht nach ihrer Gesinnung fragen, wer mit whataboutism von "importierten permanenten islamischen Terrorbedrohung" faselt und solche Leute wie diese Rechtsextremen, Antisemiten und Rassisten dermaßen verharmlost, der ist kein Sympathisant mehr, der ist selbst so wie diese "rechtslastigen Selbtversorger".

  14. 21.

    Was für ein Gemengelage! Von Rechtsextremenrelativierer bis hin zu Klimawandelleugner!

    Mir ist nicht bekannt dass die Amish Rassisten und Rechtsextreme wären.

    Können sie nicht lesen oder warum verharmlosen sie diese Leute auch noch, die gezielt die Nähe zu Nazis, Rechtsextremen und Rechtextremisten suchen oder selbst sind? Sind sie Sympathisant oder selbst rechtsradikal?

  15. 20.

    Warum muss man Selbstversorger reflexhaft in welche Ecke auch immer stellen? Solange wie diese das Grundgesetz respektieren, ist doch alles gut. Auch kann es doch nicht so schlecht sein, wenn durch Abwanderung bedingte Struktur schwache Regionen wieder belebt werden. Das ist doch genau das, was die Landesregierung mehrfach in der Vergangenheit wollte. Oder etwa doch nicht? Liegt es vielleicht daran, dass man dem Städter viel einfacher mit Park- u.a. Gebühren, überteuerten Mieten sauer verdientes Geld aus der Tasche ziehen kann?

  16. 19.

    "Im Übrigen vergeht kein Tag das wir User von RBB-Online über rechte Bewegungen und Gesinnungen auf den neuesten Stand gebracht werden. " - Seien Sie dankbar dafür. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist gesetzlich verpflichtet, die Demokratie zu bewahren. Dazu gehört auch, demokratiefeindliche Tendenzen öffentlich zu machen. Das ist Teil der grundgesetzlich verankerten wehrhaften Demokratie, die unser Land von vielen anderen Ländern unterscheidet.

    Offenbar und leider ist es heutzutage nötig, dass die Demokratie sich wehrt. Auch mit Hilfe unabhängiger Journalisten. Wie wichtig das ist, sieht man nicht nur an unseren Nachbarländern Österreich und Polen.

    Auch wenn diese Berichterstattung einer laustarken Minderheit mal wieder nicht gefällt und sie z.B. bei youtube (wo die Doku ausgestrahlt wurde) fleißig negativ bewerten. Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrheit diesen unabhängigen Journalismus schätzt und befürwortet.

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