Symbolbild - Autos mit Bewegungsunschärfe bei Nacht fotografiert am Potsdamer Platz (Bild: imago/Rolf Kremming).
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Video: Abendschau | 15.05.2019 | Studiogespräch mit Justizsenator Dirk Behrendt | Bild: imago/rolf kremming

Bilanz zu Autorennen - 90 Prozent der Raser in Berlin sind in Mietautos unterwegs

Seit 2017 können die Behörden härter gegen illegale Autorennen vorgehen. Laut Berlins Justizsenator Behrendt wurden seitdem rund 600 Verfahren eingeleitet. 60 Fahrer wurden inzwischen verurteilt.

Viele Autoraser in Berlin nutzen Mietautos. Das sagte am Mittwoch der Erste Oberamtsanwalt Andreas Winkelmann. So seien die Fahrer, die in Berlin seit der Gesetzesverschärfung im Jahr 2017 angeklagt worden seien, zu rund 90 Prozent in Mietfahrzeugen unterwegs gewesen.

Winkelmann stellte am Mittwoch gemeinsam mit Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) die bisherige Entwicklung wegen illegaler Autorennen vor. Auch Maßnahmen für die Zukunft sollten präsentiert werden.

Winkelmann zufolge wurden seit der Gesetzesverschärfung insgesamt 199 Fälle angeklagt, inzwischen gebe es rund 60 Verurteilungen. Der Erste Oberamtsanwalt Andreas Winkelmann ist involviert, weil die Berliner Amtsanwaltschaft diese Delikte bearbeitet. Sie ist neben der Staatsanwaltschaft eine eigenständige Strafverfolgungsbehörde, die es außer in Berlin nur noch in Frankfurt/Main gibt. In Berlin bearbeitet sie außer Vergehen im Straßenverkehr Kleinkriminalität in eigener Zuständigkeit.

In Berlin wird im Schnitt jeden Tag ein neues Strafverfahren wegen Raserei oder illegaler Autorennen eingeleitet. Seit Einführung des Paragrafen 315d im Oktober 2017 seien 601 derartige Verfahren registriert worden, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Mittwoch. Die Raser seien zumeist männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Deutlich mehr Verfahren

Die Polizei hatte laut Statistik im Vorjahr 279 entsprechende Strafermittlungsverfahren eingeleitet. 164 Autos und 130 Führerscheine wurden eingezogen. Laut Justizverwaltung gingen von Januar bis Mitte März dieses Jahres bereits 104 Verfahren gegen mutmaßliche Raser ein.

Nach der Verurteilung von zwei Autorasern zu lebenslanger Haft wegen gemeinsamen Mordes hatte Innensenator Andreas Geisel (SPD) Ende März ein hartes Durchgreifen angekündigt. "Wenn das Auto zur Waffe wird, muss der Staat einschreiten und die Bedrohung von der Straße holen", sagte er. Bei dem illegalen Rennen im Februar 2016 starb ein unbeteiligter Rentner.

Sendung: Inforadio, 15.05.2019, 12:00 Uhr

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Leider bekommt man das Gefühl, als würde die Politik nicht wollen. Die Probleme sind bekannt und es passiert nichts. Aber wenn dann was passiert: "wenn ich nicht mehr weiter weiß, organisier ich einen Arbeitskreis"
    Die Labermaschine funktioniert perfekt - es folgen nur keine echten Konsequenzen.

  2. 15.

    Bitte den Führerschein nicht nur konfiszieren, sondern gleich auf Lebenszeit entziehen. Solche Menschen sind aus psychologscher Sicht nicht geeignet ein Fahrzeug zu führen.

  3. 14.

    Die Mehrzahll hat Migrationshintergrund, ein kleiner feiner Aspekt welcher Durchaus eine große Rolle spielt. Wenn man noch dazu beobachtet, wer gerne mal 2.Reihe parkt, Kreuzungen zuparkt, etc, dann ist dies zusätzlich zur Raserei eine besorgniserregende Entwicklung!

  4. 13.

    Das wäre fein :-) Ich glaube da aber nicht dran. Im Autofahrparadies Deutschland muss erst noch viel mehr passieren. Ein paar Tote und Verletzte und ständige Einsätze wegen der Spinner, die wir Anderen finanzieren müssen, das ist nicht genug, damit sich etwas gravierend ändert. Eigentlich bin ich Optimist, bezüglich des Themas Autowahn in Deutschland aber nicht mehr.

  5. 12.

    Ich würde Italienische Verhältnisse einführen: Fahrzeug beschlagnahmen und versteigern. Führerschein konfiszieren, fertig.
    Der Verursacher bleibt auf seinen Kosten sitzen und blecht nicht nur Strafe, sondern auch die Kosten für Verfahren und das nicht mehr existente Fahrzeug.

  6. 10.

    Wenn ich von der Bank einen Kredit haben möchte, muss ich Ihnen einen Antrag auf Schufa-Auskunft unterschreiben. Diese haben sie dann schnell auf dem Bildschirm.
    Ähnliches sollte für Autovermietugen gelten: Personen, die ein Auto mieten wollen, müssen zunächst eine Auskunft aus der "Verkehrssünderkartei" ziehen lassen und wenn dies entsprechend sauber ist, darf ein Fahrzeug vermietet werden.

    Ansonsten sehe ich es genauso wie |Volker|18:50 Uhr|
    Fahrzeuge bis zum Verfahrensende einziehen und die Mietkosten haben die Fahrzeugführenden zu leisten, unabhängig vom Verfahrensausgang.
    Noch besser wäre es, wenn die Fahrzeuge in Staatsbesitz übergehen würden und die Fahrzeugführenden den aktuellen Verkehrswert an die Autovermietung zahlen müssen.

  7. 9.

    Die Fahrzeuge beschlagnahmen und bis zum Abschluß der Untersuchungen einbehalten. Der Fahrer muß weiterhin die Miete an den Verleiher zahlen. Da wird der Verleiher schon vorsichtig werden weil er vermutlich das Geld vom Mieter nicht bekommt. Da die Berliner Bürokratie da mit reinspielt wird es wohl lange dauern bis das Fahrzeug freigegeben wird. ;-)

  8. 8.

    Ich kann Ihren Eindruck leider bestätigen und bin auch immer wieder fassungslos wie rücksichtslos am Kudamm insbesondere auf der Busspur von verschiedener Klientel gerast wird. Es sind sowohl Sportwagen, aber auch Smarts und andere Kleinwagen von Carsharing Anbietern, die da für das Machogehabe oder einfach ignorantes Verhalten anderer Leute missbraucht wird. Vielmehr ärgert mich aber, dass die Polizei dort nicht regelmäßiger kontrolliert. Machen wir uns nichts vor, es ist gut wenn die Polizei dort mehrfach im Monat einzelne Kontrollen durchführt, aber die Gefahr erwischt zu werden ist dennoch sehr gering.
    Aber leider wird Ordnung und Unfallprävention viel zu häufig als "Einschränkungen der Grundrechte" und als Ruf nach einem "Polizeistaat" abgetan. Hier müsste aus meiner Sicht ein Mentalitätswandel stattfinden.

  9. 7.

    "offenbar immer noch zu mild..." ??? Die Strafen sind ein Witz. Gedrosselte Motoren, wie schön das wäre, aber illusorisch. Es geht nur über die Strafen. Verfünffachen und im Wiederholungsfall Gefängnis, die Pappe in den Schredder. Nicht nur am Ku'damm, auch bei uns draußen am Südrand wird gebleifußt, egal was kommt. Nachts finden hier oft "Rennen" statt. Man wartet manchmal förmlich auf den Knall. Irgendwann hat man's satt. Wer mit der Freiheit nicht umgehen kann und nicht kapiert, dass Demokratie impliziert, dass man sich an die Regeln hält, damit es funktioniert, der muss halt bestraft werden. Der Verkehr ist ohne diese Knalltüten schon anstrengend genug, besonders für Kinder und Senioren.

  10. 6.

    Ich leihe mir einen Wagen und darf dann bis nach München nur 80 km/h fahren? Wie soll das in der Praxis gehen?
    @ Tobias / Berlin, Ulrich Petzinna
    Die Ausleiher solcher Wagen kommen nicht im Formel1-Anzug zur Autovermietung.
    Wer einen Wagen ausleiht um vorsätzlich, oder sogar mit anderen verabredet, an illegalen Straßenrennen teilnimmt, wird sich unauffällig benehmen. Da wird doch sicher eine Geschichte im Hinterkopf vorbereitet sein, dass man einen Ausflug ins Mittelgebirge oder die Ostsee macht.
    Wer ein Fahrzeug als Rennfahrzeug bzw. als Waffe im öffentlichen Straßenverkehr missbraucht darf sich nicht mehr sicher sein bei dieser menschenverachtenden Straftat unerkannt zu bleiben. Und das geht nur wenn die Wahrscheinlichkeit ertappt zu werden viel höher wird. Und das geht nur mit erheblich mehr Kontrollen bzw. mehr Zivilstreifen. Berliner Zivilwagen haben schon lange nicht nur Berliner Nummern und sind nicht nur deutsche Fabrikate. Deren Einsätze müssen erheblich verstärkt werden.

  11. 5.

    Ich arbeite am Kudamm. Sobald die Straße nur ein paar Meter frei ist sind es immer wieder die gleichen "Luxusautos" die sofort Gas geben und den Motor aufheulen lassen. Fussgänger, Radfahrer oder andere PKW - egal! Die Strafen sind offenbar noch immer zu mild.

  12. 4.

    Die Mietwagen Firmen kann man nicht belangen, da immer der Fahrer haftet. Grundsätzlich soll jeder selber entscheiden, ob er sich einen E-Smart oder einen Ferrari leiht. Allerdings kann der Gesetzgeber verlangen, beim Verleih auf das Klientel genauer zu achten und gegebenenfalls ein "klärendes Gespräch" vorab führen.

  13. 3.

    Diesen Eindruck habe ich leider auch.

  14. 2.

    Wahrscheinlich hilft es nur, wenn man die Vermieter von solchen Autos auch bestraft. Kleines Bußgeld würde helfen, weil dann achtet man mehr darauf, an wen man die Autos verleiht.

  15. 1.

    Nur noch gedrosselte Mietwagen in Berlin zulassen, die maximal 80km/h fahren. " "Wenn das Auto zur Waffe wird, muss der Staat einschreiten und die Bedrohung von der Straße holen", sagte er."

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