Quelle: imago/Jürgen Ritter
Audio: Inforadio | 22.05.2019 | Thorsten Gabriel | Bild: www.imago-images.de

Debatte um Begegnungszone und Parklets - Schmidt räumt Fehler beim Umbau der Bergmannstraße ein

Die Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg soll eine Begegnungszone werden. Über das "Wie" wird ordentlich gestritten, etwa über Holzbänke und Parkplätze. Der Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt übt in einer Bürgerdebatte Selbstkritik. Von Thorsten Gabriel

Der Baustadtrat des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg hat Fehler im Umbau der Bergmannstraße eingeräumt. Die Einrichtung der sogenannten Begegnungszone sei an vielen Stellen nicht gut gelaufen, sagte Florian Schmidt (Grüne) am Dienstagabend bei einer Veranstaltung mit knapp 300 Gästen.

Besonders die ersten Parklets, also die mit Sitzgelegenheiten bebauten Parkplätze, seien "Rohrkrepierer" gewesen, erklärte Schmidt. Nun werde geprüft, ob diese nun vorzeitig entfernt werden. Schmidt übte dabei demonstrativ Selbstkritik: "Ich sage ganz klar, und das sage ich hier heute auch in der Deutlichkeit zum ersten Mal: Es ist nicht gut gelaufen, wirklich."

Allerdings verteidigte Schmidt die verspotteten grünen Punkte auf der Fahrbahn als lange geplante und auch angekündigte Maßnahme zur Verkehrsberuhigung.

Anwohner diskutieren in Gruppen

Die meisten der Gäste im Columbia-Theater waren Anwohner. Sie diskutierten in Arbeitsgruppen über die verschiedenen Facetten des Bergmannstraßen-Umbaus.  "Unausgegoren", "die einzigen Begegnungen dort: Autofahrer und Lieferverkehr" und "kein Platz für Fußgänger" lauteten die Urteile. Die verkündete Idee hinter der Neugestaltung, Autoverkehr und Publikumsverkehr zusammenzubringen, funktioniere nicht. Allerdings gab von einigen Seiten auch Lob für die Gestaltung und für die Idee, die Bürger teilhaben zu lassen an der Umgestaltung.

Paris, Moskau, Bergmannstraße

Dies nahm dann auch der Bezirkstadtrat auf und versprach, die Bürgerbeteiligung noch einmal auszudehnen. Gleichzeitig wurde auch deutlich: Die Testphase wird wohl nicht vorzeitig beendet werden, wie es zuletzt die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gefordert hatte - sondern wie geplant bis November laufen.

Ob die Parklets vorzeitig abgebaut werden, werde aber nun auch "ergebnisoffen geprüft", sagte Schmidt. Und seine Kollegin im Senat, Verkehrs- und Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, von den Grünen aufgestellt), unterstütze Schmidt dann auch in seinem Vorhaben, den Test nicht vorzeitig zu beenden. Es ergebe keinen Sinn, in einer Testphase vorher auszusteigen, denn schließlich sei es ja die Idee, hier etwas auszuprobieren.

Die Städte der Welt veränderten sich, sagte Günther und stellte die Bergmannstraße in einen größeren Kontext: Paris, London, Wien, Moskau, wo es ähnliche Bemühungen gebe, dem Autoverkehr Platz abzuknöpfen und diesen Raum den Menschen, die dort wohnen, zurückgeben. Der weitere Verlauf der Umgestaltung in der Bergmannstraße solle von intensiver Bürgerbeteiligung begleitet werden, lautete Schmidts Fazit.

Beitrag von Thorsten Gabriel

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [fwi] vom 22.05.2019 um 10:26
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

14 Kommentare

  1. 14.

    Das ist "autogerechte Stadt" wie in den 60ern... nix dazugelernt... Mit mehr Schnellstraßen reduziert man nicht den Autoverkehr, man steigert ihn. Betonieren, Asphaltieren, mit Autos zuka..en: Die Stadt der Zukunft, freie Fahrt für freie Bürger? Nein! Mit mir nicht, und dem Himmel sei Dank gibt es immer mehr Menschen, die sich von diesen vorgestrigen Beton-und-Benzin-Alpträumen verabschieden!

  2. 13.

    Sehr schön,wie ein Mensch das Geld der Steuerzahler zum Fenster rauswirft und das ohne Folgen für ihn.
    Typisch Grün irgendwie nicht von dieser Welt.

  3. 12.

    Wieviel von den 300 Gästen haben einen Parkplatz in der Nähe dort?

  4. 11.

    Schmidt will weitermachen wie bisher. Seine Pläne sollen nur kein Stückwerk mehr sein.

    Wenn die Bürger anderer Meinung wie die Partei sind, wird auch er Wege finden, die Doktrin durchzusetzen. Der grüne Bürgermeister von Mitte zeigt gerade deutlich, was er vom Bürgerwillen hält. Er droht Gebührenbescheide an, wenn sich weiterhin gegen die Partei aufgelehnt wird.

  5. 10.

    Traurig sage ich nur. Ich glaube nicht, dass Herr Schmidt seine Fehler einsieht, was hätte man mit dem Geld machen können! Ich bleibe auch dabei, die Punkte sind Schwachsinn, die Zeichnungen in den wenig verbliebenen Parkbuchten auch. Die Parklets waren von Anfang an ein Witz. Danke, dass ich dafür Steuern zahlen muss und Herr Schmidt seinen Unfug weiter treiben darf. Wie ich gehört habe, hat er ja noch weitere tolle Ideen. Bin schon gespannt.

  6. 9.

    Und die Experimente auf der Bergmannstraße sind noch nicht vorbei. Geplant ist ein sog. „Begegnungs-Platz vor der Markthalle. Kosten: In den bisherigen Veröffentlichungen des Bezirks waren die Planungskosten noch nicht enthalten: Macht also für die bisher vorhandene Begegnungszone Bergmannstraße insgesamt 1.121.752,52 Euro. In dem von „Leiser Bergmannkiez“ einberufenen „Verkehrsgespräch“ am 14. Mai 2019 im „Wasserturm“ wurden von einem Vertreter der Initiative bunte Bildchen mit farbigen Bewegungslinien gezeigt. Die vonseiten eines Vertreters der Initiative gegebenen Anregungen, was auf diesem „Begegnungs-Platz“ stattfinden könnte, lauteten „man kann dort zum Beispiel Volleyball spielen“, „oder auch Handball“, man könne dort „andere lustige Aktionen, je nachdem, was Euch einfällt“ veranstalten, muten geradezu grotesk an?

  7. 8.

    Das ist der Anfang vom Ende des Grünen Baustadtrat Schmidt. Der Unfehlbare muss Fehler einsehen.

  8. 7.

    Gute Ansätze. Nur diese "Parklets finde ich extrem albern. Stinknormale Bänke tun es auch. Dafür etwas mehr Grün (also Pflanzen).

  9. 6.

    Der Weiterbau der A100 ist notwendig, um die Straßen in der Innenstadt zu entlasten. Es müsste in einem Zug weitergebaut werden bis Storkower Str. und nicht immer nur so bruchstückhaft. Wenn man sieht wie voll die Straßen in Neukölln Richtung Treptower Park sind, dann ist der Weiterbau der Autobahn eine richtige Entscheidung.

  10. 5.

    In anderen Städten schafft man vor allem Alternativen zum Autoverkehr, ganz voran Paris. Aber auch in London ging die Einführung der City-Maut mit einem Ausbau des ÖPNV einher.

    Dass das Fahrrad diese Rolle nicht übernehmen kann, zeigen hier die Ergebnisse der Zählstellen bei regnerischem oder gar kühlem Wetter.

    Schmidt übte im Interview vor allem Selbstkritik, weil der Umbau in kleinen Schritten erfolgte und zuerst die Parklets aufgestellt worden sind, später aber erst die Punkte folgten.

    Konsequent wäre zur Steigerung der Aufenthaltsqualität aus meiner Sicht ein wirklich verkehrsberuhigter Bereich ohne Durchgangsverkehr. Dazu bedarf es keiner Experimente.

    Warum es den Fußgängern an Platz mangelt, konnte man übrigens auch im Video sehen: Es gibt eine ausufernde Aussengastronomie. Die Kunden weichen dann auf die Parklets aus. Die ausufernden Partys müssen dabei von den schon im Görli überforderten Parkläufern koordiniert werden.

  11. 4.

    Die Bergmannstraße ist sehr belebt. Vielleicht sollte man daraus
    gleich eine Fußgängerzone machen. Geht ja in der Wilmersdorfer auch.

  12. 3.

    Der Grüne Gott der Unfehlbarkeit, seine Herrlichkeit Baustadtrat Schmidt, steigt in die Niederungen herab und gibt Fehler zu?
    Das lässt hoffen.
    Vielleicht kommen diese Einsichten auch zu seiner Verhinderungshaltung im Wohnungsbau. Im jahrelangen Streit um die Nutzung des Postgebäudes, zum Beispiel.

  13. 2.

    Neues ausprobieren, schauen was funktioniert und was nicht, und Fehler dann auch einsehen - das ist doch der beste Weg. Ich verstehe nicht wie jemand, der in dieser Stadt lebt, glauben kann, wir könnten einfach so weitermachen wie bisher, und einfach weiter alles voll stopfen mit mit immer mehr und immer grösseren Autos. Vor allem das Gejammer über angebliche "Geldverschwendung" finde ich unsachlich, denn zu den 500 Millionen Euro die beim Ausbau der A100 verbrannt werden, um einen monströsen Betontrog in die Landschaft zu knallen, an dessen Ende dann wieder alle im Stau stehen, dazu hatten diese Leute nichts zu sagen.

  14. 1.

    @rbb Wie kommt der Umbau im geplanten "autofreien" Pilot-Kiez östlich des Görlitzer Park voran? werden die Ergebnisse vergleichbar sein? Bitte noch mehr Straßen so umbauen, dass der Umweltverbund (ÖPNV, Fußgänger*innen, Radfahrende ...) tatsächlich Vorrang erhält. Gerne auch die Oranienstrasse zügiger umbauen :) Wie weit ist die Planung dort?

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Kinderarzt impft ein einjähriges Kind in den Oberschenkel mit dem Impfstoff Priorix (Lebendvirusimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln). (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
dpa/Julian Stratenschulte

Gesetzesänderung ab 2020 - Bundestag beschließt Masern-Impfpflicht

Ab März 2020 müssen Kinder, die neu in Kita oder Schule kommen, gegen Masern geimpft sein. Für alle anderen gilt eine Übergangsfrist bis 2021. Der Bundestag stimmte mit großer Mehrheit für das Gesetz von Gesundheitsminister Spahn. Es gibt aber auch Kritik.