Archivbild: Teil der Berliner Stadtautobahn - A 103 bei Steglitz. (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: rbb 88,8 | 14.05.2019 | Helena Daehler | Bild: dpa/Schoening

Wohnraum statt Autobahn - SPD und Grüne fordern Abriss der A103 in Steglitz

In einem gemeinsamen Antrag fordern SPD und Grünen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Wohnraum zu schaffen, wo derzeit Autobahnen verlaufen: Ein Teil der A100 soll überdeckelt, und die oberirdisch ausgebaute A103 abgerissen werden.

Um mehr Platz für Wohnungen und Gewerbe zu schaffen, fordern die Fraktionen von SPD und Grünen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg den Abriss der A103 in Steglitz. Dafür wollen die Fraktionen am Mittwoch einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung einbringen, wie der Kreisvorstand der SPD in einer Mitteilung ankündigte.  

Nach Vorstellung von Rot-Grün soll die oberirdisch verlaufende Trasse der Autobahn 103 zwischen Steglitzer Kreisel und Sachsendamm zurückgestuft und zu einer vierspurigen Stadtstraße umgebaut werden. Faktisch würde das einen Abriss der 4,2 Kilometer langen Autobahnkonstruktion samt ihrer Verbindungsschleifen bedeuten.

Stattdessen soll ebenerdig eine einfache vierspurige Stadtstraße mit Fahrradstreifen entstehen. Außerdem fordern die Fraktionen, Teile der Stadtautobahn A100 im Bezirk zu überdeckeln. Auch dadurch soll neuer Platz für Wohnungen und Gewerbe frei werden.

Überdeckelung für Lärmschutz und Baufläche

Die SPD begründet diesen Vorstoß in einer Mitteilung unter anderem mit der geringen Auslastung der sechsspurigen A103. Im Schnitt würden hier weniger als 30.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt. Das entspreche eher dem Verkehrsaufkommen einer vierspurigen Stadtstraße, heißt es.  

"Mit der von uns vorgestellten Überdeckelung kann am Schöneberger Kreuz nicht nur eine deutliche Verbesserung des Lärmschutzes der Umgebung erreicht werden, sondern in erheblichem Umfang Fläche für ein ganzes neues Stadtquartier gewonnen werden", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bezirk, Christoph Götz-Geene.  

Votieren die Bezirksverordneten am Mittwoch mehrheitlich für den Vorschlag von Rot-Grün, werde das Konzept an das nächste zuständige Gremium herangetragen, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Martina Zander-Rade, rbb|24 am Dienstag. Zuständig für Autobahnen ist letztlich das Bundesverkehrsministerium. "Allerdings können wir dieser Idee den nötigen politischen Druck geben", erklärte Zander-Rade.

Mammutprojekt in Berlin wurde nicht umgesetzt

Der Abschnitt der A103 in Steglitz wurde in den 1960er Jahren ursprünglich als Teil eines viel größeren Autobahnkonzeptes angelegt. 1968 sollte eine Autobahnverbindung zwischen den Bezirken Schöneberg und Tiergarten bis nach Wedding errichtet, und an die A111 nach Hamburg angeschlossen werden. Aufgrund heftigen Widerstands wurde das Mammutprojekt aber nie realisiert.

"Die Planung ist seit langem verworfen, die dafür vorgehaltenen Flächen werden mittlerweile anders genutzt, zum Beispiel durch den Gleisdreieck-Park oder den EUREF-Campus", teilt die SPD mit.

CDU-Politiker Friederici nennt Rückbau "absurd"

Oliver Friederici, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Berlin, zeigte sich am Dienstag entrüstet. Es sei "absurd", in einer wachsenden Stadt einen Rückbau von Straßen zu fordern. Es sei zudem unklar, "wer den Umbau der ehemaligen Bundesstraße bezahlt", erklärte Friederici.
 
Einer Deckelung der Stadtautobahn hingegen sei grundsätzlich zuzustimmen. Erst am Donnerstag hatte das Berliner Abgeordnetenhaus die Verkehrsverwaltung damit beauftragt, in einer Machbarkeitsstudie die streckenweise Deckelung von Gleistrassen und Autobahnstrecken zu prüfen. "Wir wollen die von uns gerade erst initiierte Machbarkeitsstudie für den Teilabschnitt der A100 am Dreieck Funkturm abwarten", so Friederici. "Daraus könnten sich neue spannende städtebauliche Perspektiven entwickeln."

In der FDP sorgt man sich eher um die Auswirkungen auf den Stadtverkehr und um die Kosten, die ein Abriss bedeuten könne. "Zunächst muss ein Gesamtkonzept für die Anbindung von Steglitz entwickelt werden, bevor man so weitreichende Maßnahmen übers Knie bricht", kommentierte Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Sendung: rbb 88,8, 15.05.2019, 5 Uhr

Kommentar

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74 Kommentare

  1. 74.

    Das Abgeordnetenhaus hat sich am vorigen Donnerstag ausschließlich mit einer Überbauung der A100 zwischen Kantstraße und Knobelsdorffstraße beschäftigt.

  2. 73.

    "Ich glaube, Autos sind das neue Rauchen. Als ich jung war, in den 90ern, würden wir hier sitzen und rauchen. [...] Aber irgendwann kam der gesetzliche Nichtraucherschutz – und er wirkte. Heute rauchen viel weniger Menschen als damals. Genauso braucht es Restriktionen für den Autoverkehr, Verbote, hier zu fahren oder dort zu parken. Denn wir brauchen den Platz für die Menschen in unseren Städten. Durch mutige Politik wird sich auch die Einstellung der Menschen ändern – so wie beim Rauchen. Selbst Raucher genießen heute, dass in Restaurants nicht geraucht wird. Ebenso werden Menschen realisieren, wie viel lebenswerter ihre Stadt ohne die vielen Autos ist. Das klappt aber nur, wenn Politiker für attraktive Alternativen zum Auto sorgen und nicht einfach nur Privilegien ersatzlos streichen."

    https://radzeit.de/warum-fragt-ihr-nicht-einfach-eine-frau/

  3. 72.

    Wohnraum ??? Wo soll den dort platz für neue Häuser sein ? Wer jetzt mit offenen Augen über die 103 fährt, wird feststellen, daß dort kein platz sein wird, wenn man 6 spuren abreißt, dann aber 4 spuren plus radweg, plus Bürgersteig baut... Das passt doch wieder vorne und hinten nicht. Und der Theorie weiter folgende... Der Wohnraum. Die haben auch alle Autos, elektrische oder Benzin ist da völlig unwichtig, man könnte den Kreisel dann allerdings zum Parkhaus machen um die Autos dort unterzubringen. Und sie ich unseren sehr unfähigen Senat kenne, werden wieder irgendwelche Eigentums-luxus-bauten genehmigt, die die wohnungsnot bestimmt nicht lindern.

  4. 71.

    Verstand und Vernunft hat nichts mit Doktrin zu tun. Von Doktrin sprechen Leute in diesem Zusammenhang immer dann wenn sie meinen sie müßten lieb gewonnene Gewohnheiten aufgeben, Warum soll sich eine Mehrheit der Berlinder, die lein Auto besitzt von einer Minderheit terrorisieren lassen und das auch noch bezahlen müssen?

    Zum Thema Vernunft und Zwang sei exemplarisch die Einführung der Gurtpflicht erinnert. Was wurde da mit den absurdesten Scheinargumenten gearbeitet, genau wie beim Thema menschen- statt autogerechter Stadt. Es war die gleiche Hysterie derjenigen die das ablehnten, 1975 und heute.

    "Selten reagierten die Westdeutschen so hysterisch wie bei der Einführung der Gurtpflicht. 1975 verweigerten sich Millionen Menschen dem Lebensretter Sicherheitsgurt."

    https://www.spiegel.de/einestages/einfuehrung-der-gurtpflicht-a-946925.html

    Und genau wie damals wird sich die Vernunft durchsetzen, so oder so.

  5. 70.

    "Sarkasmus zu erkennen, wenn man dies vermag, ist eine Gabe, die ich bei Ihnen nicht so recht erkennen vermag."

    Aha. Das war kein Sarkasmus, das war einfach nur sinnbefreiter Blödsinn.

    "Und durch den Nicknamen auf eine Gesinnung, oder politische Richtung eines Verfassers zu schließen, zeugt von wenig dessen, was ich Eingangs erwähnte." Wo habe ich das getan? Das haben sie frei erfunden, darin sind sie offensichtlich gut.

    "Ziemlich polemisch und simpel." Stimmt, so kann man ihre "Beiträge" zusammenfassen.

  6. 69.

    Beispiel Gurtpflicht, am Anfang sehr umstritten. Die mit Verstand haben ihn angelegt, die anderen mußten dazu gezwungen werden. So einfach ist das.

  7. 68.

    Leute mit Verstand zwingen anderen Menschen nichts auf, wie sind Sie denn drauf?
    Ihre Worte klingen aber nicht nach verstand, eher nach Doktrin.

  8. 67.

    Sie wollen also Menschen zu etwas zwingen? Das schließe ich aus den Worten Ihres Kommentares. Sind Sie ein wenig radikal geprägt?
    Und bevor Sie, wie in Ihren vorherigen Antworten lospoltern, lesen Sie vllt auch mehrmals, denken darüber nach, was gemeint ist und antworten bitte dann auf eine Art und Weise, die Sie nicht über andere stellt. Denn das wäre, bzw ist Arroganz.

  9. 66.

    Sarkasmus zu erkennen, wenn man dies vermag, ist eine Gabe, die ich bei Ihnen nicht so recht erkennen vermag.
    Und durch den Nicknamen auf eine Gesinnung, oder politische Richtung eines Verfassers zu schließen, zeugt von wenig dessen, was ich Eingangs erwähnte.
    Ziemlich polemisch und simpel.

  10. 65.

    Wie kann ich allen Punkten zustimmen, wenn nur einer benannt wurde?
    Also jeder darf das für sich ernst nehmen, wie er gerne denkt, das macht eine Demokratie aus; muss aber damit umgehen können, dass es andere anders sehen.

  11. 64.

    Leider nicht richtig was sie uns erzählen wollen. Der Widerstand gegen die Westtagente kam nicht nur aus Schöneberg, ganz im Gegenteil.

    Es wird einfach Zeit die folgenschweren Fehler der 60/70er Jahre rückgängig zu machen. Entweder der Verstand setzt sich durch und man steigt auf ein intelligentes Verkehrsmittel um oder man wird dazu von Leuten mit Verstand gezwungen.

  12. 63.

    Und was soll uns ihr sinnbefreiter Kommentar sagen?

    Wer will denn hier "den Menschen ihre individuelle Mobilität ab(zu)erkennen"? Im Gegenteil, mit solchen Maßnahmen gibt man den Bewohnern der Stadt ihre Mobilität zutüch statt sich weiterhin von einer autofahrenden Minderheit (!) terrorisieren zu lassen.

    Und als Reinickendorfer sollte man besser nicht von Provinzialität sprechen, in Sachen Radwege steckt Reinickendorf noch in der Steinzeit.

    https://radzeit.de/tag/reinickendorf/

    Vom Muff, der von der geguttenbergten Steffel cDU und der AfD ausgeht mal ganz zu schweigen.

  13. 62.

    "Der letzte Satz Ihres Kommentares ist Unsinn, das wissen Sie aber?"

    Heißt das im Umkehrschluß. sie stimmen mir in allen anderen Punkten zu?

    Ach, kommen sie, das wollen sie doch nicht wirklich. :-D

    Im Ernst: Ja, ich meine die Aussage ernst.

  14. 61.

    Historisch betrachtet ist die Bundesstraße 1 schon seit einigen hundert Jahren die am stärksten befahrene Straße in Berlin - Brandenburg, weil sie die großen Städte Berlin und Potsdam miteinander verbindet. Anfang der 70er haben unsere Stadtväter den Bedarf an mehr Automobilität erkannt und sich für den Bau der A103 entschieden. Sie planten eine leistungsstarke Verkehrsader von Süden nach Norden, die nach der Wiedervereinigung an Bedeutung gewonnen hat. Nur die Schöneberger haben sich quer gestellt. Dort endet die Autobahn. Hinzu kommt, dass die Haupt- und Potsdamer Str. in den in den verkehrsreichsten Zeiten für den Individualverkehr nur auf einer Spur eingeengt ist. Plötzlich wundern sich die Schöneberger, dass Die Luft schlecht ist. Da hilft auch Tempo 30 nichts.

  15. 60.

    Eben. Und dieses Nadelöhr, das Sie Tangente nennen, also die B1 von Kreisel bis AB-Zehlendorf (also noch über Z-Dorf Mitte hinaus), aber insbesondere im oberen, steglitzer Teil am Botanischen Garten IST überlastet.
    Besser wäre es - auch im Zukunftsgedanken an die Wucherung Berlins Richtung Umland und Speckgürtel, darüber nachzudenken, wie man diese Anbindung besser macht.
    Z.B. diesen Abschnitt der B1 erweitern und überbauen, also eine Art Tunnelführung. Das schon btw. auch die Nerven der Anwohner. Und ich weiß, wovon ich spreche.
    Klar, wenn die die A103 rückbauen, macht's vielleicht einigen Spinnern mit ihren 2-Rad-Lärmmaschinen weniger Spaß, alle Anwohnenden der WOHNGEBIETE zu nerven. Als denn, macht mal.
    An das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg: nach so schlapp 50 Jahren wäre es wohl erstmal angesagt, die Hildburghauser Straße grund zu sanieren!

  16. 59.

    Berlinc City Autofrei. Sie träumen einen unrealistischen Traum. Die City mit viel weniger Kfz-Verkehr ist vorstellbar, alles andere eine nette Fiktion.

  17. 58.

    Noch nie an einer Autobahn gewohnt und MAL in einem Büro an der Detmolder gearbeitet.
    Wie niedlich, ansonsten Waldbewohner oder im Berliner Luftkurort lustwandelnd, aber Vorschläge wie aus der finsternsten Provinzialität bringen?
    Ich lach mich schepp, auch als Berliner.
    Also der Rückbau der A103 ist okay, aber den Menschen ihre individuelle Mobilität abzuerkennen ist schon ein wenig zu rückwärts immer, vorwärts nimmer gedacht.

  18. 57.

    "Besonders freue ich mich über den erhaltenen Oranienplatz mit Grünanlagen; sonst stünde dort nur noch ein Autobahnkreuz."

    Ich glaube, nahezu allen hier Diskutierenden ist überhaupt nicht bewusst, aus was für einem Hintergrund derartige Autoverkehrsprojekte stammen. Hamburg plante, den Stadtteil Ottensen in vier Scheiben zu zerschneiden mittels autobahnähnlichen Straßen und zur Bürostadt umzuformen (so bez. City-West), Bremen das Ostertor-Viertel zugunsten einer Stadtautobahntrasse (B 6 in Richtung Süden vom Rembertikreisel aus) zu zerschneiden und selbst Amsterdam hatte vor, einen Großteil der Grachten mit Stadtautobahnen zu überbauen.

    Alle diese Vorhaben sind gescheitert. Nicht nur, weil Menschen dagegen waren und sind, sondern weil es auch aus "immamenten Gründen" nicht funktioniert. Letztlich standen die Autoverkehrsplaner buchstäblich mit dem Rücken an der Wand.

  19. 56.

    Ich bin weder geborener Berliner noch wohnhafter Nordost-Berliner, sondern wohne - wie angegeben - in Potsdam. Und ich halte mich oft genug gerade in den genannten Stadtteilen auf, sodass ich darüber eine lebendige Anschauung habe. Mit allen und nicht nur mit einem Verkehrsmittel wohlgemerkt.

    Wenn Sie meinen, nicht durchzukommen, können Sie sich ja gern an den Botanischen Garten wenden, weshalb der es nicht zugelassen hat, dass so ein unwichtiges Stückchen Grün für höherrangige Belange - sprich: dem Autoverkehrsfluss - zur Verfügung gestellt wurde.

    Mittlerweile haben sich die Ansichten glücklicherweise verändert. Wurde in den 1970ern die Stadt dem Autoverkehr angepasst, ist es heute umgekehrt. Das Auto ist EIN Verkehrsmittel unter vielen. Kein keineswegs herausgehobenes, sondern eines, mit dem die betreffenden Menschen sich in die Umgebung einfügen müssen.

  20. 55.

    Endlich mal ein vernünftiger Vorschlag. Da werden doch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Der Autoverkehr wird eingedämmt und Wohnraum wird geschaffen. Besser gehts nicht. Also noch besser wäre natürlich, perspektivisch Berlin komplett Autofrei zu machen, so dass nur noch Service-Fahrzeuge im Stadtgebiet unterwegs sind und ansonsten Fahrräder und ÖPNV. Ich denke solch konstruktiven Vorschläge von SPD und Grünen geben auch positive Signale für mögliche zukünftige Rot-Rot-Grüne Koalitionen im Bund.

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