Ansicht des Hangars des Flughafens Tempelhof (Bild: imago/Thomas Trutschel)
Bild: imago/Thomas Trutschel

Neues Digital-Labor der Hauptstadt - City Lab Berlin soll im Juni an den Start gehen

Aus 100 Tagen wurden 884. Am 12. Juni soll nun mit mehreren Jahren Verzögerung das City Lab Berlin eröffnen. Kreative und Wissenschaftler arbeiten dort an der digitalen Zukunft der Berliner Verwaltung. Von Nico Schmolke

Die neue Berliner Landesregierung war gerade im Amt, da verkündete der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Januar 2017 sein 100-Tage-Programm. Tatkräftig in die neue Amtsperiode, so war der Plan, 60 Maßnahmen in nur 100 Tagen. Prominent aufgelistet war auch die Schaffung eines City Labs, um Verwaltung, Tech-Branche und Bürger miteinander zu vernetzen und digitale Lösungen für die wachsende Stadt zu erarbeiten. Das ist dringend notwendig, denn während Berlin längst Start-Up-Metropole geworden ist und junge Entwickler aus der ganzen Welt anlockt, hängt die Berliner Verwaltung in Sachen Schnelligkeit und Digitalisierung noch weit zurück.

Aus den 100 Tagen für die Schaffung des in der Tech-Szene hoch erwarteten City Labs wurde dann nichts. Es werden jetzt wohl 884 Tage seit Verkündung der Senatspläne. Wie mehrere Projektbeteiligte dem rbb bestätigten, soll das City Lab Berlin am 12. Juni endlich eröffnet werden – und die Ironie des Schicksals will es so, dass ein Flughafen das Zuhause des verspäteten Digital-Labors wird.

Berliner sollen selbst Ideen einbringen

Noch ist der Eröffnungstermin offiziell nicht bestätigt, aber die Vorbereitungen im ehemaligen Flughafen Tempelhof laufen auf Hochtouren. Im Erdgeschoss eines Gebäudeteils, genauer in den Räumen des damaligen amerikanischen Offiziershotels, wird versucht, trotz blauem Plüsch-Teppich so etwas wie Start-Up-Atmosphäre aufkommen zu lassen. Denn hier sollen bald 16 bis 18 Kreative in einem Co-Working-Bereich an der Digitalisierung der Berliner Verwaltung arbeiten. Daneben gibt es Räume für Meetings sowie Ausstellungsflächen, wo Berliner in Kontakt mit der digitalen Zukunft kommen und selbst Ideen für eine bessere Verwaltung einbringen können.

Organisiert wird das Lab von der Technologiestiftung Berlin. Deren Leiter Nicolas Zimmer will die Arbeit im Lab schnell sichtbar machen: "Da soll nicht nur ein Schild vorne dran stehen und dann passiert nichts, sondern wir wollen dieses Jahr richtig loslegen und die Berliner zu uns einladen." In die Co-Working-Räume wird unter anderem "Fix My Berlin" einziehen. Die Gruppe von dann etwa acht Entwicklern versucht, die Radverkehrsplanung der Bezirke transparent zu machen. Daten der Bezirksämter werden anschaulich übersetzt: Nutzer sehen auf einer digitalen Karte, wo Radwege gebaut werden und wo es bereits sichere Straßen für Radfahrer gibt.

Das erste Projekt läuft bereits

Als Teil des City Labs will Fix My Berlin dann einen Schritt weitergehen und der Verwaltung helfen, die Verkehrsplanung insgesamt zu digitalisieren und zu beschleunigen. "Bisher dauert die Planung für einen Radweg oder einen Zebrastreifen gerne mal fünf bis zehn Jahre", erklärt Boris Hekele, der das Projekt von Fix My Berlin koordiniert. "Wir arbeiten daran, dass diese Verfahren deutlich schneller gehen." Gleichzeitig sollen Instrumente entwickelt werden, um die Bedürfnisse der Berliner zu erfassen und in die Planung einzubringen. "Wir wollen keine Pseudo-Beteiligung, sondern die Verwaltung und die Bürger sollen sich gegenseitig ernst nehmen", sagt Hekele. Geplant sind schon für den Juli Workshops mit Verwaltungsmitarbeitern und Zivilgesellschaft. Wer neben Fix My Berlin und dem festen Team des City Labs in die Räume einziehen wird, wird gerade noch ausverhandelt.

Obwohl noch nicht eröffnet, läuft das erste Projekt des City Labs schon. Zehn Studierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) arbeiten an Prototypen für den Ausstellungsbereich des Labs. Die Wirtschaftsinformatiker entwickeln eine digitale Karte über die Geschichte des Tempelhofer Flughafens und bauen ein Logik-Spiel, das Besucher des Labs in Kontakt mit künstlicher Intelligenz bringen soll. Betreut wird das Projekt von der HTW-Professorin Olga Willner: "Die Studierenden können im Lab lernen, wie sie reale Probleme der Stadt lösen." Denn während die Verwaltung meistens ihre Probleme kennt, aber keine schnelle Lösung hat, und Entwickler zwar Lösungen produzieren, aber an realen Bedürfnissen vorbei, soll das City Lab beide Welten zusammen bringen.

Die Idee ist, in beispielsweise 14-tägigen Sessions mit Verwaltungsmitarbeitern und Entwicklern erste Prototypen für ein Problem zu bauen und solch eine Software wenn möglich gleich auszuprobieren. Die Verwaltung kann dann zielgerichtete Ausschreibungen erstellen, die den komplexen Normen im Verwaltungsrecht genügen, um gute Ideen zügig flächendeckend in der Berliner Verwaltung zur Anwendung zu bringen.

Vieles läuft noch viel zu langsam

Das City Lab ist indessen nur ein Baustein der Berliner Verwaltungsmodernisierung. Staatssekretär Frank Nägele (SPD) aus der Senatskanzlei ist die treibende Kraft hinter gleich mehreren Projekten. Am 14. Mai soll der Zukunftspakt Verwaltung mit etlichen Maßnahmen vorgestellt werden, die zwischen Senat und Bezirksämtern vereinbart wurden, darunter eine Vereinheitlichung der Bezirksämter und ein zusätzlicher Stadtrat pro Bezirk. Für Dienstleistungen wie einen Termin im Standesamt soll es Zielvereinbarungen geben, damit die Bezirke Anreize bekommen, Verfahren zu beschleunigen. Noch in diesem Jahr sollen zudem weitere digitale Dienstleistungen für die Berliner zu Verfügung stehen, zum Beispiel die Beantragung von Wohngeld. Ein Chatbot, das Online-Ordnungsamt und etliche Online-Dienstleistungen sind bereits verfügbar.

Dennoch läuft vieles noch viel zu langsam. Der ehemalige Leiter der Berliner Flüchtlingsbehörde und erfahrene Unternehmensberater Sebastian Muschter beschreibt die Berliner Verwaltung mit den Worten: "Personalnot, 20 Jahre Investitionsstau und viel Herzblut, das von außen nicht sichtbar ist." Nun müsse daran gearbeitet werden, dass die Verwaltungsmitarbeiter endlich das bekommen, was sie zur Verwaltung einer bald vier-Millionen-Metropole benötigen. 

Die Eröffnung am 12. Juni im Gebäude des Tempelhofer Flughafens wird sich vermutlich auch Bürgermeister Michael Müller nicht entgehen lassen, der die Verwaltungsmodernisierung längst zur Chefsache erklärt hat. Die Erfahrung mit Flughäfen zeigt aber auch: Bis zum Eröffnungstermin kann in Berlin immer viel passieren.

Zur Sendung

Besser geht immer - Astrid Frohloff mit Robin Heilig, Leiter Digitale Innovation, im Co-Working-Space der Stadtverwaltung Wien, Foto: Fabian Meyer
rbb/Fabian Meyer

Über die Modernisierung der Berliner Verwaltung berichtet ein Film von Astrid Frohloff, der im rbb Fernsehen am Montag, den 13. Mai, um 21 Uhr zu sehen ist.

Astrid Frohloff reist in dem Film nach Wien und Barcelona, um nach Beispielen für eine digitale und moderne Verwaltung zu suchen.Der Film ist Auftakt der Reportageserie "Besser geht immer", in der Astrid Frohloff konstruktive Ansätze für bekannte Probleme vorstellt.

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