Archivbild: Zahlreiche Menschen sitzen im Mauerpark Berlin, Prenzlauer Berg. (Quelle: dpa/Zinken)
Audio: rbb 88.8 | 31.05.2019 | Miriam Keuter | Bild: dpa/Zinken

Tourismuskonzept Pankow - Mauerpark soll kostenlos zugänglich bleiben

Der Bezirk Pankow plant vorerst kein Eintrittsgeld für den Mauerpark. Entsprechende Meldungen dementierte Bezirksbürgermeister Benn. Zwar schlage das Tourismuskonzept diese Maßnahme vor, sie sei aber keineswegs beschlossen und "auf absehbare Zeit" abwegig.

Der Mauerpark im Berliner Bezirk Pankow soll "auf absehbare Zeit" kostenlos bleiben. Das teilte Bezirksbürgermeister Sören Benn dem rbb auf Anfrage mit. Eine entsprechende Meldung, wonach der Bezirk "mittelfristig" von Touristen Eintrittsgeld für den Mauerpark verlangen wolle, bezeichnete er als abwegig. Zwar sehe das vom Bezirksamt veröffentlichte "Tourismuskonzept Pankow 2018+" [pankow-wirtschaft.de] diese Maßnahme vor, Benn zufolge sei das Konzept allerdings lediglich eine Handlungsempfehlung an den Bezirk.

"Nutzung darf nicht vom Geldbeutel abhängen"

Keine der darin vorgeschlagenen Maßnahmen habe einen Beschlusscharakter, so Benn weiter. Ein Eintrittsgeld ist seinen Worten zufolge "Unsinn" und das "Abwegigste" in dem 239-Seiten-langen Papier. "Das Thema Eintritt in Parks ist aus meiner Sicht auf absehbare Zeit keines, mit dem wir uns ernsthaft auseinandersetzen werden", heißt es in der Stellungnahme wörtlich. Vielmehr seien öffentliche Parks Gemeingut. "Ihre Nutzung darf nicht vom Geldbeutel abhängen." Sauberkeit und Pflege müssten anderweitig gewährleistet werden.

Auch Matthias Zarbock von der Linksfraktion Pankow dementierte via Twitter das Vorhaben, Eintritt für den Mauerpark zu verlangen. Der Vorschlag entspreche nicht dem aktuellen Debattenstand, heißt es. "Zäune für den Mauerpark? Das ist mit uns nicht zu machen!"

"Überlastungserscheinungen" sollen minimiert werden

Über den Plan, Eintrittsgelder zu verlangen und Einlassbeschränkungen vorzunehmen hatte zunächst der Tagesspiegel berichtet. Die Zeitung berief sich auf das Tourismuskonzept, das diese Maßnahmen vorschlägt. Darin heißt es, dass es für die Eintrittsgelder ein Teilerstattungssystem geben könnte, "bei dem ein Teil des Geldes für die Grünflächen und Infrastrukturpflege des Parks aufgewendet wird". "Der andere Teil des Geldes kann in Form eines Gutscheins bei teilnehmenden Leistungsträgern und im Einzelhandel als Rabatt eingelöst werden", heißt es im Konzept weiter, das mit dem Prädikat "hohe Priorität" versehen ist. Die Besucher des Mauerparks müssten aber in jedem Fall "über den Grund und die Verwendung der Eintrittsgeldgenerierung" aufgeklärt werden.

Der Plan für den Mauerpark diene der "Sicherung der Aufenthaltsqualität in der Stadt", heißt es. Denn an beliebten Touristenorten entstünden "Konflikte, durch die sich viele Anwohner mehr und mehr zurückgedrängt und in ihrem Alltag beeinträchtigt fühlen". Daher sei es unerlässlich, "die tourismusinduzierten Überlastungserscheinungen" zu minimieren und zu steuern. Dazu gehöre auch Müllbeseitigung und Grünflächenpflege.

Musik nur noch in Richtung Osten erlaubt

In den vergangenen Monaten hatte sich die Atmosphäre zwischen den Veranstaltern von Mauerpark-Events wie dem Karaoke-Singen oder dem Walpurgisnachtfest und manchen Anwohnern stark eingetrübt. Letztlich wurde das Walpurgisnachtfest erstmals seit 15 Jahren abgesagt, nachdem sich viele Bewohner im Umfeld des stark frequentierten Parks über zunehmende Lärmbelästigung beschwert hatten. 

Anfang Mai hatte der Bezirk Pankow zudem Regeln für das Karaoke-Singen und für Musiker im Mauerpark festgelegt. Demnach darf künftig nur noch Richtung Osten musiziert werden, um ein "friedvolles, respektvolles Miteinander" zwischen Besuchern und Anrainern zu garantieren. Der Schall darf "ausschließlich in östliche Richtung hin zum Stadion" gelenkt werden - und das in der Woche nur noch bis 19.30 Uhr, an Wochenenden bis 20.30 Uhr.

Außerdem legte Pankow fest, dass kommerzielle Veranstaltungen nur mit Genehmigung des Bezirksamts stattfinden dürfen. Gegrillt werden darf nur auf ausgewiesenen Flächen zwischen 8 und 20 beziehungsweise 21 Uhr (Juni bis August). Gas- oder Einweggrills sind verboten, genauso der Handel mit jeglichen Waren. Hunde dürfen nur auf der ausgewiesenen Fläche frei laufen.

Im März stand die Karaoke-Veranstaltung auf der Kippe

Noch im März war fraglich, ob das Karaoke-Singen in dieser Saison überhaupt möglich ist. Die Genehmigung stand wegen vermeintlicher Sicherheitsbedenken auf der Kippe. Wegen Bauarbeiten der Berliner Wasserbetriebe war die Karaoke-Veranstaltung zunächst untersagt worden. 

Sendung: Inforadio, 31.05.2019, 09:40 Uhr

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17 Kommentare

  1. 17.

    Furchtbare Gegend, ich müsste letztens durch die Bernauer, die Anwohner müssen echt durch diesen Zirkus der Feeling-Hascher genervt sein. Ich würde das abreißen und mehr Neubauten bauen und Teile des Parks als Anlage herrichten.
    Kann nicht verstehen wieso diese Menschen den Abfall überall hinwerfen. Die verdienen gar nichts, weil sie es nicht pfleglich behandeln. In den selbsternannten Szene-Kiezen sieht es nicht besser aus, alles beklebt, beschmiert und schmutzig.

  2. 16.

    Laut ist relativ ;) Eine Lärmschutzverordung gibt es hier auch, inklusive der Möglichkeit Ausnahmegenehmigungen zu beantragen. Bei Ruhestörungen insbesondere in Kombination mit Vandalismus kann hier auch die (zuständige) Polizei gerufen werden.

  3. 15.

    "911" empfiehlt die Stadt New York nicht nur bei lautem Musizieren sondern sogar bei laut Ball spielenden Kunden in Parks.

  4. 14.

    @Pankow Ach Schade, wäre gern zum Mauerbau und der Kostümschau der Wachmannschaften angereist ;) @rbb Berichtet doch mal über schöne Grünanlagen international. Paris weitet gerade das Rauchverbot in den innerstädtischen Parks aus, sauberhalten geht also auch so. Pflege, Kontrollen und Bußgelder ;) Ja, Gärtner ausbilden findet leider auch kaum noch statt in den "Grünflächenämtern" und Beschäftigte zu Tariflöhnen einstellen?! Nein, dann lieber neue ABM äh "soli-Grundeinkommen" Helfer oder ähnlich qualifizierte, die alles runtersägen. Auf Kreuzberger "Grünflächen" und "Spielplätzen" jederzeit zu bewundern.
    In NY wird der Central Park gerade von einer mit hunderten Millionen ausgestatteten Stiftung wieder hergerichtet, nachdem er über Jahrzehnte total verwahrlost war. Jede Zone im Park hat einen hauptverantwortlichen Gärtner, die für das Management der Pflege ihres Bereichs zuständig sind. Dadurch entsteht eine hohe Verantwortung. Mitte macht das rund ums Engelbecken ähnlich erfolgreich.

  5. 13.

    Eine Berlin tax für Touristen gibt es übrigens schon, nur wird das Geld nicht da eingesetzt wo es soll, und übrigens sind 90% der Dreckspatzen in den Parks Berliner

  6. 12.

    Kultteil? Wo ich ende der 90er da abgezogen bin, weil mir zu viele Fremde lärm gemacht haben, war es ein Kultteil. Heute ist es Kunst- und Möchtegern-Grütze.

  7. 11.

    Park mit Eintritt, das ist ja kein neues Konzept in Berlin. Britzer Garten, Gärten der Welt, Südgelände... Alles Parks mit Eintritt, die gepflegt werden und auch sauber sind.
    Im Prinzip also eine feine Sache. Aber auf der anderen Seite kann es nicht die Lösung sein, einen öffentlichen Park wegen „politischer Überforderung“ in ein Park mit Eintritt umzuwandeln in dem nur Anwohner weiter kostenlos (?) reinkommen. Das ist das Prinzip der Parkraumbewirtschaftung und dies währe für öffentliche Parks eine Frechheit. So lang du Anwohner bist, darfst du billiger oder kostenlos den Park nutzen, kommst du woanders her aus Berlin oder bist Tourist, dann zahle. Wird man dann bald alle Parks einzäunen und am Eingang Automaten hinstellen?
    Wie schon andere hier sagten, sollte man mal eher darüber nachdenken eine art Berlinabgabe für Touristen ein zu führen. Eine Art Berlin Tax. Wenn man pro Berlin Tourist der in eine Ferienwohnung oder Hotel einbucht zwischen 10 & 20€ einsammelt, könnte man dieses Geld sicher gut für die Instandhaltung der Stadt benutzen, darunter eben jene Parkpflege und auch sicher Überwachung in Form eines Parkwächters etc.

  8. 10.

    Mir fällt da noch mehr ein: Eintrittsgebühr für den Kudamm, für den Alex, für die Gettos Prenzlauer Berg , Friedrichshain oder Xberg, für die Schlosstrasse in Steglitz, Volkspark Friedrichshain usw. , Bahnsteigkarten für den Hauptbahnhof usw.
    Warum nur Mauerpark? Ist doch einfallslos, oder?
    Berlin braucht Kohle, egal woher.

    ... Ironie aus...

  9. 9.

    Und so wird ein Kultteil Berlins stückchenweise zerstört. In Hamburg hat man das mit dem Schanzenviertel auch gemacht. Die Anwohner, die sich beschweren und die Investoren, die all die Schickilackizuzügler fördern sollten sich was schämen. Warum baut ihr euch nicht irgendwo ne eigene Stadt, zieht ne Mauer drumrum mit Eintritt an der Kasse und lasst die übrige Welt in Frieden ?

  10. 8.

    Oh, wurde dort in den letzten paar Jahren die Bevölkerung komplett ausgetauscht? Dann dürfte es ja im angrenzenden Brunnenviertel keine Bewohner mehr geben, die sich den Parkeintritt nicht leisten können.

    Dazu auch Vergleichzahlen: Die Jahreskarte bei Grün Berlin kostet zwischen 15€ (Schüler/Berlin Pass/Behinderte) und 70€ für eine fünf-köpfige Familie.

  11. 7.

    So gerne blicken Politik und Foristen in andere Länder/Städte. Wie regeln denn das z.B. London, Paris, New York? Die Parks dort sind weitestgehend sauber und kostenfrei. Der Weg zu Lösungen führt für R2G nur über die Umsetzung ihrer Ideologie durch Griff in die Taschen der Bürger. In dem Fall der Touristen. Auf die Schaffung von Argumenten durch tatsächliche Problemlösung wird verzichtet.
    Am Ende des Tages wird dieses Bürokratiemonster mehr Geld kosten als einbringen.
    Das Problem sind ja auch nicht die Touristen alleine. Dissoziales Verhalten wird in Berlin seit Jahren als Selbstverwirklichung gefeiert. Insofern benehmen sich auch Ansässige wie eine offene Hose.

    Und letztlich läuft doch alles auf den bereits bekannten Personalmangel im ÖD hinaus. Aber den anzugehen fehlt scheinbar der politische Wille. Aber keine Sorge. Aus der einst hippen Bundeshauptstadt wird bald das St. Florians-Dorf, das so viele "Berliner" wollen. Angesagt und spektakulär, aber bitte nicht in meiner Nähe.

  12. 6.

    Wir blicken mal tatsächlich in die Niederlande und stellen überrascht fest, dass es für Touristen zunehmend schwieriger wird, sich mit weichen Drogen zu versorgen, harte wie sie ebenfalls zu Hauf in Berlin gehandelt werden, sind dort auch komplett illegal.

    Wer schon mal den Britzer Garten besucht hat, weiß auch, dass es durchaus Parks geben kann, die zu einem Besuch einladen und gepflegt sind, ohne dass der einzelne Besuch übermässig teuer ist. Diese Pflege kostet viel Geld. Warum also nicht analog die Hauptprofiteure an den Kosten beteiligen? Muss der Steuerzahler für jegliche Form der Selbstbespassung komplett aufkommen?

  13. 5.

    Warum nicht an der Stadtgrenze damit anfangen. Oder besser noch an der Landesgrenze zu Deutschland, mh.

  14. 4.

    Da die Bezirke Grünflächen für ihre Bürger bieten müssen, ist Eintrittsgeld rin „No go“ und grenzt viele Geringverdiener, auch aus dem Angrenzenden Brunnenviertel aus. Und mal ehrlich, wer freiwillig an den Mauerpark gezogen ist, der wusste im Vorfeld von der Lautstärkr der Verantwortung.

  15. 3.

    Sicher eine gute Idee mit der all leben können. Vor allem wird der Wildwuchs beschnitten und die Anwohner werden mehr Ruhe bekommen. Wenn man Eintritt kassiert, muss aber auch durch Securities sicher gestellt werden,dass die Ordnung und Sauberkeit überwacht wird und kein Drogenhandel- und Konsum stattfindet.

  16. 2.

    Passend zum Namensgeber des Parks wird die Mauer wieder aufgebaut. Bravo! Bitte für die Touristen auch das Wachpersonal passend kostümieren. Wer regiert in dem Bezirk? Andere Städte regeln das über Abgaben und Steuern statt die Mehrwertsteuer für Hotels zu reduzieren, und den Tourismus zu subventionieren. Ein Blick nach Amsterdam kann helfen bzgl. Touristenabgaben, aber auch bzgl. Steuereinnahmen aus dem Drogenhandel. Allemal besser als die Milliarden Gewinne der Organisierten Kriminalität zu überlassen.

  17. 1.

    Ich plädiere für eine Jahreskarte.

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