Innenhof eines Baublocks in Berlin-Mitte (Quelle: dpa/Thomas Robbin)
Video: Abendschau | 13.05.2019 | F. Eckardt / Gespräch mit C. Brückner | Bild: dpa/Thomas Robbin

Mietspiegel 2019 - Die Mieten steigen langsamer

Die Berliner Wohnungsmieten sind zuletzt langsamer gestiegen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete stieg laut neuestem Mietspiegel um 33 Cent auf 6,72 Euro. Ein Grund zur Entwarnung ist das für die Stadtentwicklungssenatorin aber nicht. Von Thorsten Gabriel

Für rund 1,4 Millionen Berliner Miethaushalte ist es zumindest ein Signal: Um jährlich rund 2,5 Prozent sind die Wohnungsmieten zwischen 2017 und 2019 angestiegen - damit hat sich der Zuwachs deutlich abgeschwächt. Zwischen 2015 und 2017 stiegen die Berliner Mieten noch um 4,6 Prozent pro Jahr. Erste Zahlen waren bereits am Wochenende vorab bekanntgeworden.

Lompscher: Mietenpolitik zeigt Wirkung

"Der Mietanstieg hat sich in den vergangenen zwei Jahren abgeflacht", teilte Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) dazu mit. "Das ist kein Grund zur Entwarnung, aber ein deutliches Zeichen dafür, dass die mietenstabilisierenden Maßnahmen des Landes Berlin Wirkung zeigen." Beispielsweise wirke sich die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Senat und seinen landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften positiv aus. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Mieten in den städtischen Wohnungen nur noch um maximal zwei Prozent pro Jahr steigen dürfen.

Außerdem macht sich aus Sicht der Linken-Politikerin nun bezahlt, dass sich die Zahl der Milieuschutzgebiete in Berlin deutlich erhöht hat. Derzeit gibt es berlinweit 57 solcher Quartiere mit rund 460.000 Wohnungen, in denen laut Senat etwa 873.000 Menschen leben. In den Milieuschutzgebieten gelten bestimmte Regeln, um Mieterinnen und Mieter vor teuren Modernisierungen zu schützen. Außerdem ist dort die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen genehmigungspflichtig.

Vermieterverbände erkennen Mietspiegel an

Der Mietspiegel wird alle zwei Jahre von einer Arbeitsgruppe erstellt, in der jeweils drei Mieter- und drei Vermieterverbände vertreten sind. In den vergangenen Jahren hatte es dort immer wieder Streit über die Frage gegeben, inwieweit der Mietspiegel wissenschaftliche Kriterien erfüllt. Vermieterverbände hatten kritisiert, dass etwa die Frage, welche extrem hohen oder niedrigen Mietwerte in der Berechnung herausfallen sollen, letztlich politisch entschieden werde.

Umso bemerkenswerter ist es deshalb, dass die Senatorin diesmal wieder alle Verbände nicht nur an einen Tisch bekam, sondern am Ende auch alle ihre Unterschriften unter den Mietspiegel setzen. Damit erkennen erstmals seit 2013 auch die Vermieterverbände den Mietspiegel wieder an.

Wohnlagenkarte Berliner Mietspiegel 2019 (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)

Zum Vergrößern der Karte bitte hier klicken (PDF)

Als Grund nennen Vermietervertreter, dass der neue Mietspiegel aus ihrer Sicht den Markt halbswegs realistisch abbilde. Die Einordnung der Wohnungen in die drei Wohnlagen "einfach", "mittel" und "gut" sei auf einer vernünftigen Grundlage erfolgt. Denn in diese drei Kategorien wird der Wohnungsmarkt im Mietspiegel aufgesplittet.

Allerdings erfolgte die letzte berlinweite Zuordnung der Wohnungen kurz nach der Wende und wurde seitdem jeweils nur punktuell aktualisiert - immer dann, wenn Vermieter oder Mieter beantragten, ihre Wohnungen in eine andere Kategorie einzustufen. So habe es beim Mietspiegel 2017 etwa 1.000 Einzelfälle gegeben. Der neue Mietspiegel 2019 ist damit nun der erste, bei dem der komplette Berliner Wohnungsbestand neu bewertet wurde.

Entwicklung der durchschnittlichen ortsüblichen Vergleichsmitten in München, Hamburg und Berlin.(Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)

Daten von mehr als 10.000 Wohnungen ausgewertet

Zur Erstellung des Mietspiegels wurden rund 120.000 Mieter und knapp 9.000 Vermieter mit etwa 36.000 Wohnungen angeschrieben und um Auskunft gebeten. Rückmeldungen gab es von rund 15.000 Mietern und Vermietern. In die endgültigen Berechnungen flossen am Ende 10.948 Wohnungsdatensätze mit ein. Der neue Mietspiegel 2019 löst mit dem heutigen Tag den Mietspiegel von 2017 ab, ist also bei Mietstreitigkeiten sofort anwendbar.

Mieterinnen und Mieter, die ihre Wohnungsmiete überprüfen wollen, können wie bisher den Online-Abfrageservice der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen unter www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/mietspiegel nutzen. In Kürze soll dort der neue Mietspiegel verfügbar sein.

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14 Kommentare

  1. 14.

    650eur für 30 qm als fair bezeichnen und im gleichen absatz ist der mietendeckel menschenverachtend. Und das auch noch im Falle von Berlin, klasse. Wohnen ist ein Menschenrecht und jeder ist auf Wohnraum angewiesen, da muss es grenzen geben. Ebenso beim Wasser, Preisen für Brot oder was man als Armutsgrenze beschreibt. Das legt man auch fest und lässt das nicht einen markt regeln, dem menschen von vornherein egal sind.

  2. 13.

    Da sieht man mal wieder wie wenig die Leute die für diese Enteignungskampgne plädieren von der ganzen Sache verstehen. Nicht jeder Vermieter ist reich. Tatsächlich sind es die wenigsten. Üblicherweise hängt an einer Immobilie auch ein Darlehen, dass in etwas so viel wie eine Monatsmiete kostet und eben erst nach 20-30 Jahren kann ein "Eigentümer" seine Wohnung dann wirklich sein eigen nennen... Deshalb ist das so abscheulich und menschenverachtend. Stell dir doch mal vor du entscheidest dich eine Immobilie zu kaufen, weil du weisst du gehst in ein paar Jahren in Rente und die Rente reicht nicht aus. Du lässt dich auf ein Darlehen von 500 EUR im Monat ein für eine kleine 30qm Wohnung in schöner Lage, weil Du weisst du kannst sie für 650 EUR vermieten. Wenn dann der Mietendeckel kommt und du musst 250 EUR mehr Darlehen zahlen als du von deiner Miete bekommst, ist das dann fair?

  3. 12.

    @Ben
    Mir kommen die Tränen. Als Eigentümer von mehreren (augenscheinlich) Objekten augrund des Mietspiegels Hartz 4 beantragen zu müssen ist schon verdammt hart.
    Mein Gott, wie müssen sich Altenpfleger mit einem Gehalt von teilweise weniger als 11 Euro Brutto pro Stunde wohl fühlen müssen, wenn Sie für sich und ihr Kind ergänzendes Hartz 4 beantragen müssen.
    Ich glaube ich muß mich zum Weinen erst einmal zurück ziehen.

    VG Sven

  4. 11.

    Mein Vermieter hebt auch die Miete an...

    Mit der Begründung das Wohnumfeld hat sich verbessert, wie kann sich ein Wohnumfeld verbessern wenn hier Supermärkte ausgeraubt werden, wenn man ständig irgentwelche Baustellen im Umfeld hat, der Gehweg immer wieder absackt, Menschen in den vor meinem Fenster in den Park ihre Notdurft entrichten und Drogenverkäufer im Görlitzerpark einen Platz zugewiesen bekommen damit sie gemeinsam mit den anderen Menschen mit einander auskommen

  5. 10.

    Der Mietspiegel 2019 ist für mich als Vermieter und Unternehmer nicht akzeptabel. ich habe mich in Zeugs gelegt bei der Modernisierung von schönen Altbauwohnungen, habe Risiken und Kredite bis an den Rand meiner Existenz auf mich genommen und jetzt werden die Standards immer höher geschraubt, sodass meine Mieten fallen ? Wenn das so weiter geht, werde ich irgendwann Hartz4 beantragen müssen. Ich verlange einen Mietausfallentschädigung vom Staat. Versäumte Sozialpolitik kann nicht zur Lasten von privaten Unternehmern gehen.
    Hier läuft etwas schief im Staate.
    Die Unternehmen zahlen Steuern und verlangen deshalb auch Respekt, sonst verlassen Sie das Land und mal sehen
    wie lange die Sozialkassen noch voll sind um die ständig anwachsende Zahl von eigenen und besonders fremden Sozialhilfeempfängern genüge tun können.

  6. 9.

    Der veröffentlichte Mietspiegel kann nur geschönt sein und ist völlig realitätsfremd. Ich arbeite seit 01.04.2019 in Berlin und bin auf der Suche nach einer Wohnung. Die Mietpreise beginnen hier mit 10,00 €/m² aufwärts kalt. Habe noch nicht eine Wohnung gesehen, welche nur annähend an den Mietpreisspiegel von 6,75 €/m² heran reichte. Der angegebene Mietpreis gilt wohl nur mit WB-Schein. Soll wohl nur Pluspunkte für die Politiker vor der Wahl bringen. Erreicht haben die Politiker jedenfalls nichts. Aber das ist nichts neues, wenn man auf die letzten Jahre zurück blickt. Alles schön reden, aber nichts tun.

  7. 8.

    Ja, das stimmt. Die 2,5 % sind die jährliche Steigerung. Wir haben die Formulierung präzisiert. Vielen Dank für Ihren Hinweis.

  8. 7.

    Ich vermute, die 2,5 % Steigerung aus dem rbb-Bericht sind dort als jährliche Steigerung gemeint. Das hätte man deutlicher formulieren können.

  9. 6.

    Sie argumentieren mit einem Bauchgefühl. Können Sie das auch Hand der Kriterien für die Bewertung der Wohnlage belegen?

  10. 5.

    Frau Lompscher untwrschlägt, dass es Dank einer Höherstufung vieler Wohngebiete von einfacher zu mittlerer Wohnlage eine kräftigere Steigerung gibt als die, für die sie sich feiern lässt

  11. 4.

    woher hat man diese niedrigen Werte errechnet ?. Wir wohnen in Weißensee und zahlen für eine 25 Jahre alte Wohnung in der nichts erneuert oder modernisiert wurde inzwischen 8,26 Euro Kaltmiete . Die Ausstattung ist entsprechend alt und nur von einfachster Ausstattung . Kein Fahrstuhl , kein Laminat in den Wohnjungen , billigste Fliesen im Bad usw. Außerdem die Flugschneise von Tegel und ständig LKW-Diesel , die sogar aus Barnim hier dauerparken bzw. hier anscheinend ihren Stammparkplatz vor unseren Häusern haben .
    Jeder neue Mietspiegel ist sofort ein Freibrief für die Vermieter zur Mieterhöhung !! So werden die Mieten nicht geringer und diese Zahlen machen nur wütend weil sie nicht stimmen

  12. 3.

    Ich rechne mal die angeblich halbierte prozentuale Steigerung nach.
    Die Formel lautet: Steigerung in Euro/bisheriger Preis pro Quadratmeter mal 100 %.
    Also: 0,33/6,39*100 % = 5,16 %
    Sorry, das ist mehr als das Doppelte der 2,5 % aus dem rbb-Bericht. Hat sich der rbb verrechnet? Wäre echt nett, vom rbb mal erläutert zu bekommen, wie sie auf 2,5 % Steigerung kommen.

  13. 2.

    Ich wohne in Friedrichshain in einem Kiez, welches vor 8 Jahren noch einfache Wohnlage war. 2015 war es schon mittlere Wohnlage und jetzt 2019 ist es gehobene Wohnlage. Grund sind die hier in den letzten Jahren massenhaft gebauten Luxuseigentumswohnungen, die von meist ausländischen Anlegern gekauft und teuer vermietet werden. Das treibt die Bestandsmietpreise und verändert die Wohnlage. Das nenne ich absurd. Der Mietspiegel entwickelt sich zu einem Instrument der Vermieter für die Vertreibung von Bestandsmieter. 2020 kann mein Vermieter wieder um 15 Prozent erhöhen, macht fast 100 Euro mehr im Monat. Die Auswirkungen auf den nächsten Mietspiegel sind absehbar. Und Frau Lompscher und ihre Mitstreiter freuen sich, dass die Mieten "langsamer" steigen. Immer noch deutlich über der Inflationsrate.
    Ich fühle mich durch die Politik verraten und verkauft. Der Mietspiegel als solches gehört reformiert.

  14. 1.

    Das die Mieten weniger steigen hat eher was mit einfacher Mathematik als mit der desaströsen Wohnungsbaupolitik zu tun.

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