Ein begrünter Balkon eines Berliner Wohnhauses. (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)
Bild: imago/Jürgen Heinrich

Mietspiegel wird Montag vorgestellt - Mietpreise in Berlin steigen offenbar langsamer an

Der neue Mietspiegel für Berlin wird am Montag vorgestellt, er soll Aufschluss über die Preisentwicklung seit 2017 geben. Für Mieter gibt es erfreuliche Nachrichten: Die Durchschnittsmiete ist zuletzt offenbar weniger stark gestiegen.

Eines der drängendsten Probleme in Berlin sind die steigenden Mieten. Am Montagvormittag wird der neue Mietspiegel vorgestellt - und da scheint es gute Nachrichten für Mieter zu geben: Offenbar konnte im vergangenen Jahr der Preisanstieg spürbar abgebremst werden. 

Nach rbb-Informationen stiegen die Durchschnittsmiete im vergangenen Jahr in Berlin deutlich langsamer als zuvor. Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt nun bei 6,72 Euro. Das entspricht einem jährlichen Anstieg von 2,5 Prozent. Die letzte Auflage des Mietspiegels 2017 hatte noch ein jährliches Plus von 4,6 Prozent registriert. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" darüber berichtet. Gegen 13 Uhr am Montag sollen die aktuellen Zahlen auf der Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen abrufbar sein.

Politische Maßnahmen scheinen zu greifen

Laut "Tagesspiegel" erklären Experten den kräftig gebremsten Mietenanstieg mit einer Reihe politischer Eingriffe durch den rot-rot-grünen Senat: So wurde die Zahl der Milieuschutzgebiete mit gedämpften Mieten fast verdoppelt auf 57.

Senatorin Lompscher hatte zudem mit den landeseigenen Unternehmen vereinbart, die Mieten für deren 300.000 Wohnungen um maximal zwei Prozent im Jahr zu erhöhen. Für die privaten Vermieter wurde die Kappungsgrenze verlängert, die maximal 15 Prozent mehr Miete in drei Jahren erlaubt.

Orientierungshilfe für Vermieter und Mieter

Der Mietspiegel für Berlin wird alle zwei Jahre veröffentlicht. Seine Zahlen sind für Vermieter und Mieter gleichermaßen interessant, denn sie sind die Richtschnur für künftige Mieterhöhungen. Er gibt Aufschluss über die "ortsübliche Vergleichsmiete".  

Unterschieden wird zwischen Wohnungen in einfacher, mittlerer und guter Wohnlage. Verglichen werden dabei die rund 1,3 Millionen Berliner Mietwohnungen, die auf dem freien Markt angeboten werden könnten. Er gilt also nicht für Sozialwohnungen.

Für Vermieter ist damit der Rahmen gesetzt, wie hoch sie die Mieten ihrer Wohnungen anheben dürfen. Mieter können anhand des Mietspiegels wiederum einfach überprüfen, ob sich Vermieter daran halten.

Vermieterverbände wittern politische Absichten

Erstellt wird der Mietspiegel von einem Arbeitskreis, in dem Mieter- und Vermieterverbände gleichermaßen vertreten sind. Beide Seiten bilanzieren: Im Großen und Ganzen habe sich der Mietspiegel in Berlin bewährt.

Streit gibt es aber trotzdem immer wieder. Denn für den Senat ist der Mietspiegel, wie gesetzlich vorgeschrieben, nach "anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen" erstellt. Vermieterverbände kritisieren dagegen regelmäßig, dass beispielsweise die Frage, welche extrem hohen oder extrem niedrigen Mieten mit hineingerechnet werden oder nicht, eben nicht wissenschaftlich, sondern politisch entschieden werde. So hatte etwa die Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen gegen den Mietspiegel geklagt, um höhere Mieten verlangen zu können. Sie hatte Zweifel an der Wissenschaftlichkeit des Berliner Mietspiegels angemeldet. Das Landgericht hatte die Klage abgewiesen. Die Richter sprachen dem Mietspiegel eine große Genauigkeit bei der Ermittlung einer ortsüblichen Miete zu.

Vor Gericht wurden die bisherigen Mietspiegel meistens als Vergleichsinstrument anerkannt, vereinzelt jedoch auch nicht. Die Bundesregierung hat angekündigt, im Laufe des Jahres verbindlichere Regeln für Mietspiegel festzulegen.

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15 Kommentare

  1. 15.

    Es ist ja bekannt dass sich von Gerichten beauftrage Gutachter niemals irren, nicht wahr?

    Wieviele Unschuldige sitzen noch oder saßen in Gefängnissen aufgrund von Gutachten? Mit Gutachtern ist es wie mit Rechtsanwälten, frage 3 Rechtsanwälte und du bekommest 5 Antworten. Von Gefälligkeitsgutachten mal ganz abgesehen.

  2. 14.

    Lustig, dass der vom Gericht bestellte (!) Gutachter zu dem nahezu gleichen Ergebnis kam wie der verworfene Mietspiegel von 2015. Wenn dann noch munter Nettokalt-, Bruttokalt- und Bruttowarmmiete von der Kreuzberger Boulevardpresse durcheinander geworfen wird, kommt zusammen mit dem Weglassen von Fakten eine skandalträchtige Geschichte heraus.

    An der Rudi-Dutschke-Strasse wird man sich ärgern, dass andere bei denen zu erfolgreich in die Lehre gegangen sind und auch mal so die Hoheit über die Stammtische erlangen.

  3. 13.

    Nicht die Miete steigt zu dolle, sondern die Einkünfte zu wenig!

  4. 11.

    Irgendwo stand ein ganz kleiner Wert, um den das zurückgegangen sein soll. Sowas sind nur statistische Schwankungen, keine echten Effekte, und die Schwankungen werden natürlich vor den Wahlen gern verkündet.

  5. 10.

    Das sind ja mal Neuigkeiten! Jetzt addieren wir einfach einmal die 4,6 Prozent des Vorjahres mit den prognostizierten 2,5 Prozent und dann nähern wir uns der Realität allmählich an. Bei Neuvermietung liegen die Mieten in Köpenick weit über dem genannten Durchschnitt. Im letzten Fall am Mandrellaplatz wurde eine Kaltmiete von 12,-€ aufgerufen. Bei einem Durchschnitt von 6,72€ sollten entsprechend preiswertere Wohnungen zu finden sein. NUR WO ???

  6. 9.

    Na das ist ja eine vermeintlich gute Nachricht, dann müssen wir Mieter ja nur noch mit der zweiten Miete, wie Heizung und Strom, abrackern, wo der Staat der größte Preistreiber ist.

  7. 8.

    Na ja, der Mietspiegel ist ja selbst politisch. Er stellt schließlich einen Eingriff in den Markt dar, um Auswüchse bei den Mieten für bereits bestehende Wohnungen zu verhindern. Diese Wohnungen sind oft abgezahlt, es laufen keine Kredite mehr und die Kosten für die Errichtung waren deutlich geringer als bei heutigem Neubau. Insofern ist das Jammern der Vermieter aus meiner Sicht belanglos. Letztlich ist der Mietspiegel ja eine Statistik. Bei jeder Statistik, die einen qualifizierten Mittelwert darstellen soll, werden Ausreißer nach oben und nach unten aus der Betrachtung heraus genommen, da diese das Ergebnis verfälschen würden. Insofern sehe ich kein Problem im aktuellen Vorgehen bei der Ermittlung des Mietspiegels. Es muss politisch einfach klarer festgelegt werden, was als "Ausreißer" unberücksichtigt bleibt.

  8. 7.

    Die Mieten steigen nicht mehr so schnell...Toll dann brauch ich ja nicht mehr jammern das mein Lohn garnicht steigt immerhin werden die Mieten ja nur Langsam teurer. So hab ich mehr Zeit mir zu überlegen wo ich dann die Kohle her nehme bis die Miete nicht mehr bezahlbar ist. Danke für dieses äußerst positive entwicklung. -.-

  9. 6.

    Es ist so wie die Vermieterverbände sagen: Der Mietspiegel ist teilweise politisch festgelegt, die Landespolitik versucht also irgendwie den Mietspiegel runter zu halten, so gut es geht. Dass die Neuangebotsmieten weit über dem Miespiegel liegen, dass Vermieter wild erhöhen wie sie wollen (im Falle der DW auf Gefälligkeitsgutachter setzen) steht auf einem anderen Blatt Papier. Die Bundespolitik lässt die Mieter insofern im Stich.

  10. 5.

    Ein deutliches Zeichen für eine Kehrtwende. Der Markt regelt eben noch immer Angebot und Nachfrage. Bei der momentan sehr hohen Verschuldung Kredit finanzierten Wohnungsbau auch gut möglich, dass bald eine Blase platzt.

  11. 4.

    Zum Thema bezahlbares Wohnen, Mieten, Bauen, Bodenspekulationen gibt es ausführliche, detallierte Vorschläge von Hans-Jochen Vogel. Vogel war Oberbürgermeister von München, Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, danach Bundesminister der Justiz und 1981 Regierender Bürgermeister von Berlin. Er legt - wie ich finde - gut ausgearbeitete, gut durchdachte, praxisnahe Vorschläge für eine wirkliche soziale Marktwirtschaft im Bereich Wohnen vor.

  12. 3.

    Befriedungspropaganda würde ich es nicht nennen. RBB nennt nur die Aussagen, für die sie nix können. Was den Artikelinhalt angeht, vielleicht steigen die Mieten ja nicht mehr ganz so schnell - wie denn auch? Schon heute kann sich kaum einer eine Neuwohnung leisten, viel Luft nach oben ist nicht mehr. Und die wesentl. Aussage ist, trotz Höchstpreise steigen die Mietkosten - da ist es nebensächlich in welcher Geschwindigkeit.

  13. 2.

    Die wichtigste Maßnahme sollte sein, Bestandsmieter vor zu hohen Mieten zu schützen. Entweder steigen die Löhne, Gehälter und Renten, besonders im unteren und mittleren Bereich, so wie die Mieten, oder Mietpreiserhöhungen müssen gesetzlich begrenzt werden. Insbesondere die Umlagen von Modernisierungen auf die Miete.
    Die großen Spekulationsgewinne, die durch Kauf und Halten von Grund und Boden und angesichts der Unvermehrbarkeit und des wachsenden Wohnungs- und anderen Bedarfs, entstehen, müssen besteuert werden und zwar so besteuert werden, dass der Spaß an der Spekulation vergeht.
    Neue Mieter müssen mit Marktpreisen leben. Es sollte nur dort gebaut werden wo auch Infrastruktur und ein grünes Umfeld für immer mehr Menschen vorhanden ist. Ein Ameisenhaufen mit überfüllten Straßen, Wegen und Bahnen wie in New York oder Hongkong ist nicht lebens- und erstrebenswert.

  14. 1.

    Danke für die Befriedigungspropanda. Die Miete steigt trotzdem noch schneller als mein Einkommen. Aber das geht ja scheinbar nur mir so.

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