Mitarbeiter der DRK-Kältehilfe kümmern sich in Berlin um einen Obdachlosen (Quelle: dpa/ Gambarini)
Audio: Inforadio | 27.05.2019 | Nina Amin | Bild: dpa/ Gambarini

Wegen Datenschutzbedenken - Senat darf Obdachlose zählen - aber nicht per App

Wie viele Menschen in Berlin obdachlos sind, weiß keiner so genau. Der Senat wollte das ändern, mit Hilfe einer App. Dagegen wandte sich die Datenschutzbeauftragte. Nun müssen für die Zählung Zettel und Stift herhalten.

Die Berliner Sozialverwaltung hat von der Datenschutzbeauftragten die Erlaubnis für eine Obdachlosenzählung bekommen. Das sagte die Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Montag dem rbb. Alle Datenschutzbedenken seien in einem Gespräch ausgeräumt worden.

Ursprünglich sollte für die Obdachlosenzählung eine mehrsprachige App genutzt werden, über die mit obdachlosen Menschen auch in einer Fremsprache hätte kommuniziert werden können. Allerdings sei das auch Datenschutzgründen nicht möglich. Laut Breitenbach hätten ehrenamtlichen Helfer die gesammelten Daten theoretisch auf ihren privaten Mobilgeräten abspeichern können. Bei einer Zählung mit Klappbrett, Zettel und Stift habe die Datenschutzbeauftragte hingegen keine Bedenken.

Senat erhofft sich besseren Überblick

Die Zählung soll an einem Tag in der zweiten Jahreshälfte von Studenten durchgeführt werden. Man starte nun konkrete Gespräche mit den Universitäten, so Breitenbach. Abgefragt werden soll das Alter, der Familienstand, die Herkunft der Menschen und wie lange sie schon auf der Straße leben. Mit der Zählung erhofft sich der Senat einen besseren Überblick über die Situation wohnungsloser Menschen.

Schätzungen zufolge leben in der Hauptstadt zwischen 4.000 und 10.000 Menschen auf der Straße. Anhaltspunkte, wie viele Obdachlose sich in Berlin aufhalten, liefern teils auch Statistiken über medizinische Behandlungen: Nach Zahlen, die die Caritas veröffentlicht hat, wurden im vergangenen Jahr fast 8.700 Menschen außerhalb des sogenannten Regelsystems behandelt.

Sendung: Inforadio, 27.05.2019, 14:15 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Weil die Leute es teilweise nicht wollen oder nicht (mehr) können.
    Jedem Bundesbürger stehen SGB II (erwerbsfähig)- und SGB XII (nicht erwerbsfähig)- Leistungen zu. Das umfasst den Regelsatz zum Leben und die Kosten der Unterkunft. Sollte keine Wohnung verfügbar sein, übernehmen die Behörden auch die Wohnheimkosten, teils auch jahrelang.
    Da sich lt. Tagespresse die Flüchtlings- und Familiennachzugssituation ja entspannt hat, sollten Wohnheimplätze auch kein Problem mehr sein. Die SGB-Leistungen umfassen selbstverständlich auch eine vollumfängliche Krankenversicherung. Aber diese Menschen brauchen auch eine psycho-soziale Betreuung. Und jetzt wird's kompliziert. In dem Umfang will die nämlich niemand bezahlen.

    Und Obdachlose aus Osteuropa haben auch als EU-Bürger kein dauerhaftes Bleiberecht in D. Sie sollten im Rahmen der Erfassung wieder rückgeführt werden.

  2. 5.

    Wenn ich den artikel so lese fühle ich mich um Jahrzehne in die Vergangenheit zurückversetzt. Mit Klemmbrett und Stift.
    Liebe Frau Breitenbach wie schreiben das Jahr 2019 und nicht 1919.
    Alles ein einziger Albtraum von diesen Parteien, ich hab die nicht gewählt.
    Schöne Woche noch

  3. 4.

    Unnötige bürokratische und kostspielige Aktion. Warum hilft man den Leuten nicht auf die Beine zu kommen und holt sie von den Strassen? Diejenigen, aus europäischen Ländern, könnten nach Hause gebracht werden.

  4. 3.

    Und wenn diese nach Ansicht der Datenschutzbeauftragten wohl nicht vertrauenswürdigen ehrenamtlichen Helfer nun diese Listen mit ihrem Handy abfotografieren?

  5. 2.

    "Bei einer Zählung mit Klappbrett, Zettel und Stift ..."
    kann ich den Notizzettel hinterher mit dem Handy aufnehmen und habe die Daten dann doch digital "auf meinem privaten Mobilgerät abgespeichert"

    Was für ein "riesiger" Gewinn an Datenschutz um den Preis der effektiven Bearbeitung!

  6. 1.

    ...und dann haben die Mitarbeiter ca. 7000 bis 9000 Zettel zum bearbeiten? In Fachkreisen nennt man das Zettelwirtschaft und Papierverschwendung. Aber wenn der Datenschutz das so will, dann muss es wohl so zukunftsweisend sein.

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