Plakate mit den Porträts von Enissa Amani, Dunja Hayali, Jilet Ayse und Sawsan Chebli kleben an einer Backsteinmauer in Berlin (Quelle: rbb/John Hennig)
Bild: rbb

Berliner Poster stiften Verwirrung - Weiblich, ausländische Wurzeln, am Pranger?

Enissa Amani, Idil Baydar, Sawsan Chebli und Dunja Hayali - vier bekannte Frauen, die immer wieder anonym angefeindet werden. Nun sind in Berlin widersprüchliche Poster mit ihren Konterfeis aufgetaucht. Was das soll, ist unklar. Von Baran Datli und Oliver Noffke

Sie sehen aus wie Fahndungsbilder, der Text scheint jedoch Zuspruch vorzuführen: Rund um den Berliner Bahnhof Südkreuz und an weiteren Orten in der Stadt sind Plakate mit den Bildern bekannter Frauen aufgetaucht. Wer hinter der Guerilla-Aktion steckt und welche Botschaft vermittelt werden soll, ist unklar.

Auf den Plakatten sind vier Frauen abwechselnd abgebildet: Staatssekretärin Sawsan Chebli, Journalistin Dunja Hayali sowie die Komikerinnen Enissa Amani und Idil Baydar. "Ihr seid der Hammer - von Ausländern fordern, sich anzupassen und dann trotzdem zuhauen", steht über ihren schwarz-weißen Porträts.

Auf Anfrage von rbb|24 waren Baydar, Hayali und Chebli über die Plakate verwundert. "Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, weil ich es schlicht nicht verstehe", teilte Hayali auf Anfrage mit. Wer die Urheber sind und welche Ziele sie verfolgen, kann sich keine von ihnen erklären. Cheblis Sprecher teilte mit: "Wir haben den Vorfall dem Landeskriminalamt mit der Bitte um Prüfung gemeldet."

Expliziter Hinweis auf Herkunft

Inhaltlich ließen die Poster erst einmal keine Strafbarkeit erkennen, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Dennoch prüfe der Staatsschutz den Fall. Zu den Verfassern lägen derzeit keine Hinweise vor, auch nicht darüber, ob es sich um eine EinzeltäterIn handelt.

Ob die Plakate als - verunglücktes - Lob gemeint sind, als Provokation oder als gezielte Beleidigung, ist schwer zu erkennen. Deutlich wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Abgebildeten aus dem Ausland stammen. Cheblis Eltern kamen als palästinensische Flüchtling nach West-Berlin, Baydars Eltern waren türkische Gastarbeiter, Hayalis Familie stammt aus dem Irak. Alle drei kamen in Deutschland zur Welt. Amani verließ als Kind den Iran, weil ihre Familie politisch verfolgt wurde.

Jede einzelne der vier Frauen wurde in der Vergangenheit bereits mit hasserfüllten Nachrichten im Internet überschüttet oder erhielt anonyme Drohmails. Oft wurde rechtsradikales Gedankengut an sie adressiert. Alle vier engagieren sich zudem in verschieden Projekten gegen Fremdenfeindlichkeit, Hasssprache oder für offene Dialoge. Etwa Hayali, die als Gesicht der Kampagne "Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland" des gleichnamigen Vereins fungiert.

Fake-Aufkleber im Berliner Straßenbild

Es ist derzeit nicht die einzige Guerilla-Aktion an Berliner Häuserwänden: Seit Anfang Mai sorgen Aufkleber mit erfundenen Forderungen für Frust bei den Grünen. Zwar ist das Design der Sticker eindeutig der Partei entlehnt, die dazugehörigen Sprüche entstammen jedoch nicht dem Parteiprogramm. Auch CDU und SPD ärgern sich über ähnliche Aktionen.

Beitrag von Baran Datli und Oliver Noffke

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19 Kommentare

  1. 19.

    In der Tat verwirrend. Wie man es macht, macht man es halt falsch!

  2. 17.

    Die Verfassungswidrigkeit wird vom Bundesverfassungsgericht festgestellt.

    Wenn eine weisungsgebundene Behörde des Bundesinnenministeriums da irgendetwas meint, worauf Sie wohl anspielen, ist das diesbezüglich unerheblich.

    Auch finde ich persönlich die Aktionen der Identitären, von denen ich so lediglich als interessierter Zeitgenosse gelesen habe, in der Tat interessant und innovativ, da können auch Empfehlungen aus dem Framing-Manual mich nicht umstimmen.

  3. 16.

    Sie finden Aktionen von der sog. "IB" interessant? Würde zu ihren sonstigen Äußerungen hier passen.

    Na gut, Interesse bedeutet ja nicht zwangsläufig dass man ein Sympathisant oder gar Unterstützer dieser Rassisten, Rechtsextremisten und Verfassungsfeinde ist oder?

  4. 15.

    Erwarten? Wo erwarte ich etwas? Ich warte... Erkennen Sie den Unterschied? Die Anspielung auf den Nick müssen Sie mir schon erklären, sonst kann ich die Frage nicht beantworten. Outing?

  5. 13.

    Eine interesssante Aktion.

    Könnte von den Identitären stammen.

  6. 12.

    Wer ist wir? Ich warte eher darauf, dass sich irgendeine Künstler/Aktivisten/wasweissich-Gruppe nun outet, nachdem die Öffentlichkeit erreicht wurde. So sagen die Plakate erstmal nichts. Daher tippe ich eher auf eine Künstlergruppe. :-D Kunst muss keiner verstehen, hehe.

  7. 10.

    Schön, dass hier wieder Alle versammelt sind, die um die Herkunft die der Plakate wissen.
    - "Aus welcher Richtung diese Schmähposter stammen, ist sofort ersichtlich, wenn man die gewollt altdeutsche Schreibweise der Überschrift betrachtet."
    - "Von primitiven Rassisten kann man nichts anderes erwarten."
    Vielleicht sollten Sie sich den Diensten anbieten, ein solchen profundes Wissen ist da gern gesehen.
    Wir sollten einfach mal abwarten, was die Ermittlungen ergeben.

  8. 9.

    Aus welcher Richtung diese Schmähposter stammen, ist sofort ersichtlich, wenn man die gewollt altdeutsche Schreibweise der Überschrift betrachtet.

  9. 7.

    Wieso ermittelt hier gleich der Staatsschutz , vierleicht ist das ganze ja eine Kunstaktion.

  10. 6.

    ... in Kreuzberg sah ich kürzlich ein neongelbes Plakat mit der gleichen Schriftart wie hier, mit dem Schriftzug: "Deutsche Muslime grüßt Gott!", abgebildet war nur das Porträt von Mutter Theresa ...

  11. 5.

    Also von Pranger ist hier nicht zu sehen, nur dass es öffentliche Personen sein wollten. Man sollte mit der Kohle damit umgehen können.

  12. 4.

    Zitat: Wer die Urheber sind und welche Ziele sie verfolgen, kann sich keine von ihnen erklären.

    Passt direkt zum 'Zentrum für politische Schönheit'.

  13. 3.

    Ich würde das als missglücktes Lob einstufen. "Von Ausländern fordern, sich anzupassen und dann trotzdem zuhauen" - Die 4 Frauen haben MIgrationshintergrund, gelten als absolut "angepasst"/integriert, was immer wieder gefordert wird. Trotzdem werden sie zur Zielscheibe von Hass ("zuhauen"). "Wie mans macht, macht mans falsch" - also egal ob integriert oder isoliert, angegriffen werden sie immer. Außerdem sind sie nicht unvorteilhaft abgebildet. Für rechten Hass ist das alles zu "intelligent" meiner Meinung nach. Also wohl eher ne Sympathie-Aktion...

    Die im letzten Absatz erwähnte Plakataktion dagegen ist ja wohl eindeutig Fake, wie es die Grünen schon oft getroffen hat. Für mich kommt da nur eine politische Ecke in Frage. Offenbar ist der Erfolg der Grünen denen ein Dorn im Auge. Gut so.

  14. 2.

    "Deutlich wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Abgebildeten aus dem Ausland stammen. (...) Alle drei kamen in Deutschland zur Welt."

    Was denn nun? Wird womöglich nur BEHAUPTET, sie würden aus dem Ausland stammen? Wäre eine sehr genaue, sensible Formulierung in einem solchen Falle nicht besonders angebracht?

    Und: "Sie sehen aus wie Fahndungsbilder" - zumindest für das Bild der Dame ganz links auf Ihrem Foto scheint mir dies doch nicht zuzutreffen.

    Bitte nicht Dinge zusätzlich dramatisieren, die womöglich schlimm genug sind.

    Und: Schnelle Berichterstattung ist sehr schön, aber sollte das ganze eine Reklameaktion sein, hat sich der RBB dann nicht leider vor deren Karren spannen lassen?

  15. 1.

    Die Botschaft lautet vermutlich: egal wie sehr man Deutschen durch Anpassung gefallen will, man stösst nur auf Ablehnung und Hass.

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