30.04.2019, Berlin: Für die Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen", werden Unterschriften auf einer Demonstration im Stadtteil Wedding gesammelt (Quelle: dpa/ Jörg Carstensen)
Video: Abendschau | 10.05.2019 | Tobias Schmutzler | Bild: dpa/ Jörg Carstensen

BerlinTrend Mai 2019 - Mehrheit gegen Enteignung von Wohnungsgesellschaften

Die Idee, Wohnungsgesellschaften zu enteignen, hat in Berlin momentan keine Mehrheit. Das zeigt der neue BerlinTrend von rbb-Abendschau und "Berliner Morgenpost". Große Zustimmung gibt es hingegen für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes.

Eine deutliche Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner lehnt die Enteignung privater Wohnungsgesellschaften ab. Das geht aus dem BerlinTrend von infratest dimap hervor, den die rbb-Abendschau und die "Berliner Morgenpost" in Auftrag gegeben haben. Demnach halten es nur 36 Prozent der Befragten für richtig, große private Wohnungsgesellschaften gegen Entschädigung zu enteignen. 59 Prozent sind dagegen. In Berlin läuft zur Zeit ein Volksbegehren, mit dem eine Initiative die Enteignung großer Wohnungsunternehmen durchsetzen will.

Die Idee, Wohnungsgesellschaften gegen Entschädigung zu enteignen, findet nur bei den Linken-Anhängern eine Mehrheit. 62 Prozent von ihnen sind dafür. Die Anhänger aller anderen Parteien sind mehrheitlich dagegen. Am stärksten ist die Ablehnung bei den Anhängern der CDU (81 Prozent) und der FDP (95 Prozent).

Zustimmung zum Aufkauf von Wohnungen

Im BerlinTrend spricht sich allerdings eine deutliche Mehrheit von 93 Prozent dafür aus, verstärkt Sozialwohnungen zu bauen. Dieser Vorschlag stößt parteiübergreifend auf breite Zustimmung. Von den CDU-Anhängern halten das sogar 100 Prozent für richtig.

Um die Wohnungsnot zu bekämpfen, ist auch eine Mehrheit von 69 Prozent dafür, Wohnungen mit Landesmitteln zu kaufen. Dieser Vorschlag bekommt eine Mehrheit bei den Anhängern von der Linken (85 Prozent), den Grünen (80 Prozent), der SPD (72 Prozent) und der AfD (63 Prozent). Mehrheitlich für falsch halten diese Idee die Anhänger von CDU (52 Prozent) und FDP (54 Prozent).

59 Prozent der Befragten halten es zudem für richtig, staatliche Grundstücke günstig an Wohnungsbaugesellschaften abzugeben. Diese Idee wird am stärksten von den FDP-Anhängern (82 Prozent) unterstützt.

Ergebnisse des BerlinTrends Mai 2019 in Bildern

Mehrheit für Randbebauung am Tempelhofer Feld

Eine große Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner unterstützt außerdem die Idee, am Rand des Tempelhofer Feldes Wohnungen zu bauen. Laut der Umfrage sind 59 Prozent der Befragten für eine Randbebauung. 38 Prozent sprechen sich gegen jegliche Bebauung aus. Vor fünf Jahren hatte ein Volksentscheid die Bebauung des Tempelhofer Feldes abgelehnt.

Der Vorschlag findet bei Anhängern aller Parteien eine Mehrheit. Am stärksten ist die Unterstützung bei den CDU-Anhängern mit 76 Prozent. Aber auch Anhänger der rot-rot-grünen Koalition halten eine Randbebauung mehrheitlich für richtig. Bei den Linken-Anhängern sprechen sich 59 Prozent dafür aus. Bei Grünen und SPD sind es 58 Prozent.

Informationen zur Studie laut infratest dimap

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Berlin

Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren: Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl: 1.000 Befragte

Erhebungszeitraum: 30. April bis 4. Mai 2019

Schwankungsbreite: liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut: infratest dimap

Sendung: Abendschau, 10.05.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    "Das passiert, wenn man krampfhaft und unüberlegt auf Beiträge antwortet..."

    Wie ich schon erwähnte, sie sollen nicht immer von sich auf andere schließen!

    Die Problematik von "repräsentativen Umfragen" ist bekannt. Antworten die Leute ehrlich? Wie war die Frage gestellt und dabei meine ich noch nicht einmal suggestive Fragen und zu guter Letzt, wie aussagekräftig sind 1000 zufällig ausgesuchte Befragte?

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/umfragen-von-wegen-repraesentativ-a-1057924.html

  2. 26.

    Was haben Sie an "repräsentativ" nicht verstanden? Immer, wenn Sie das Wort "lächerlich" benutzen, geht es in die Hose. Das passiert, wenn man krampfhaft und unüberlegt auf Beiträge antwortet...

  3. 25.

    Und ja - womit ich bei dieser Ihrer Betrachtungsweise bin: Richtig, in den meisten europäischen Metropolen ist bereits passiert, was in Berlin (aus historischen Gründen) noch nicht so massiv passiert ist: Die Innenstädte gehören Investoren, in denen keine demokratische Institution mehr bestimmt. Es bestimmen die informellen "Gesetze des Marktes" die mit den Bedürfnissen, den Rechten, dem Leben der Einwohner nichts zu schaffen haben. Mandatsträger -egal welcher Partei- haben trotz gesetzlichem Auftrag, angemessenen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu sichern gar keinen Zugriff mehr. Frage ist nur, ob der Parteigänger es zugibt. Während die Verteidiger dieser Zustände nicht müde werden zu behaupten, es gäbe doch hier und da noch ein freies Grundstück, auf dem die Stadtgesellschaft eine Spielwiese für demokratische Mitbestimmung hat. In diesen Kreisen lautet der Satz: "Die Einen machen Politik. Wir machen Wirtschaft."
    Deutlicher kann man eine undemokratische Agenda kaum machen.

  4. 24.

    Ich vermute mal Sie sind wahlberechtigt und fühlen sich als Teil der 72% von "alle Berliner und Berlinerinnen" in der Umfrage repräsentiert. Ich wiederhole gern meine Frage: "Was meinen die anderen 28%?!" Die Säuglinge in Berlin machen etwa 1% der Gesamtbevölkerung aus ;)

  5. 23.

    Wen wollen Sie mit diesem Argument aus dem Verkaufsprospekt von Aktienhändlern auf den Arm nehmen? Den Rentner dessen Rente seit Jahrzehnten aktienbasiert, Hedgefond-organisiert kaufkraftbereinigt sinkt? Und der Deutsche ist blöd weil er "Angst hat" - während der US-Amerikaner mannhaft mutig den Zusammenbruch seiner Pensionskassen in allerlei Hedgefonds und Bankencrash hinnimmt...weil das nun Mal der Lauf der Dinge ist? Wie passt Ihre Theorie in die Tatsache, das in der Schweiz noch weniger eigenes Wohneigentum bewohnen als in Deutschland? Wie gehen Sie mit dem Fakt um, das in den Ex-DDR-Ländern vor allem der Westdeutsche Immobilien erwerben konnte und erworben hat? Was sagt es aus das Rumänien die höchste Wohn-Eigentumsquote hat und wie sieht dieses Eigentum auf dem Land in der Realität aus?
    Vielleicht folgen Sie einfach weniger Leuten wie Friedrich Merz. Stellen sich der Tatsache das "Enteignung" ständig stattfindet und stattgefunden hat. Über die Treuhand reden wir noch. Steht aus.

  6. 22.

    Für sie sind also Bürgeriniativen "Radikale"? Für viele in dieser Stadt sind eher neoliberale Scharfmacher von der AfD über FDP bis hin zur cDU Radikale.

    "Wenn der Staat als Unternehmer Auftritt explodieren die Kosten."

    Falsch! Wenn der Staat sich von privaten Unternehmen über den Tisch ziehen lässt (ÖPP), dann wird es für den Steuerzahler teuer. Schmiergelder und andere kriminelle Machenschaften inklusive.

    https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlich-private_Partnerschaft#Zielkonflikt

    https://lobbypedia.de/wiki/Public_Private_Partnership

  7. 21.

    Sie machen sich lächerlich. "Mehrheit der Berliner" Und "Postkommunismus".

    Fallzahl: 1.000 Befragte

    Erhebungszeitraum: 30. April bis 4. Mai 2019

    Mal sehen wie die Mehrheit wirklich über die Ideen einiger unverbesserlicher Wirtschaftsliberalen mit Ideen aus dem voletzten Jahrhundert denken.

  8. 20.

    Ihr Umkehrschluss ist falsch. Er basiert offenbar auf subjektiver Meinung. Diese Art der Umfrage ist repräsentativ. Daher sind 1000 Menschen befragt worden. Ein normales und anerkanntes Vorgehen, um einen Trend zu ermitteln. Sie versuchen hier abzubilden, dass alle nichtwahlberechtigten, inkl. von z.B. Säuglingen, für Enteignung wären. Diese These ist durch nichts haltbar.

  9. 19.

    Noch mehr als genug Zeit, das Blatt wird sich wenden... die Hysterie verfliegen und eine vernünftige Entscheidung für Mieter/innen und gegen die private Ausbeutung grundlegener Bedürfnisse getroffen werden.

  10. 18.

    Wäre die Bebauung des Tempelhofer Feldes wirklich ein nennenswerter Beitrag zur Bekämpfung der Wohnungsnot? Wenn dort ausschließlich Sozialwohnungen gebaut würden: vielleicht. Aber am Ende werden es eben doch wieder Apartments im oberen Preissegment sein mit einem Feigenblatt von vielleicht 10 Prozent etwas günstigeren Mieten um die 9 bis 10 Euro. - Soll man dafür die größte Berliner Parkfläche opfern? -
    Für Bauunternehmer und Investoren/Spekulanten ist es immer attraktiv, große zusammenhängende Flächen zu bebauen, denn das ist wesentlich einfacher und billiger, als kleinere Baulücken zu schließen und die Stadt behutsam zu verdichten. Hier liegt der wahre Grund für die Gier nach dem Tempelhofer Feld.

  11. 17.

    Womit ich bei Ihnen bin. Der Zuzug nach Berlin ist enorm. Ich weiß nicht, weshalb, aber u.a. auch deshalb, weil man hier preiswert leben kann (so jedenfalls haben es mir Neuberliner erzählt, die vorher in Barcelona, Paris und in den UK gewohnt haben) erzählt. Diese können sich auch die Wohnungen hier leisten. Der Zuzug von Menschen mit normalem Einkommen wird aber im sozial schwachen Berlin von einigen als Bedrohung wahrgenommen. Er kann aber auch im wahrsten Sinne des Wortes bereichern, denn die Steuereinnahmen braucht Berlin auch.

  12. 16.

    Sie fallen auch immer wieder auf diesen Kommentator herein und springen über die Stöckchen. Herrlich. Diese Art von Enteignung gibt es nicht, wie Sie richtig feststellen. Das Beispiel Aktie ist typisch deutsch. Aktien sind für Normalanlegef langfristige Investments. Die Deutschen haben im Allgemeinen Angst. In anderen Ländern legen die Menschen mehr Geld in Aktien, der Anteil an Wohnungseigentum ist höher und auch die private Vorsorge wird nicht so vernachlässigt wie bei uns. Dafür sind die Sozialausgaben in Deutschland immens.

  13. 15.

    "Eine deutliche Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner" @rbb Vorsicht, bei 59% der "wahlberechtigten Berliner*innen" ist das keine deutliche Mehrheit der "Berliner und Berlinerinnen". "Melderechtlich registrierte Einwohner (Ende 2018)": 3.748.148 Einwohner in Berlin. Davon Deutsche über 18 Jahre: 2.490.523; das sind nur knapp 72% aller Berliner*innen. Das heisst gut 28% der Berliner*innen wurden aus der Zufallsstichprobe ausgeschlossen! Die Grundgesamtheit der für die Zufallsstichprobe ausgewählten wahberechtigten Berliner sind also nur gut zwei Drittel der Berliner Einwohner*innen!
    Bezogen auf ALLE "Berlinerinnen und Berliner" ist das ein Zustimmungsergebnis von nur 42,5 %, also einer Minderheit?! Wie hätten die 28% geantwortet, die nicht gefragt wurden? Wie wäre es mal mit einer inklusiven Umfrage mit einer Zufallsstichprobe aus allen Berliner*innen ;)
    Quelle für die Zahlen: https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/stat_berichte/2018/SB_B07-05-01_2019j05_BE.pdf

  14. 14.

    Das ist immer so. Radikale sind laut und verschaffen sich Gehör.Auch von den Medien werden Laute eher wiedergegeben. Die breite Masse kümmert sich nicht, wenn sie aber befragt wird, so ist sie meistens bodenständig und vernünftig und verfolgt pragmatische Ansätze. Leider werden Radikale derzeit immer lauter. Und letztendlich ist Wohnungsverwaltung keine originäre staatliche Aufgabe. Regeln ja, selber machen nein. Wenn der Staat als Unternehmer Auftritt explodieren die Kosten.

  15. 13.

    Liebe Anne, ich bin verwundert, was einem so ins Poesiealbum geschrieben wird. Aber, müssen Sie das hier veröffentlichen? Ist doch peinlich, oder?

  16. 12.

    Offenbar ist die Mehrheit der Berliner doch vernünftiger und zu komplexerer Denkweise fähig, als es ein paar unverbesserliche Postkommunisten wahr haben wollen. Beruhigender Gedanke!

  17. 11.

    Etwas mehr Sachlichkeit täte Ihrem Kommentar gut, wenn Andere ihn ernst nehmen sollen.
    Für Sozialleistungen werden Sie keineswegs enteignet. Sie bekommen sie aber nur bewilligt, wenn Sie selbst nicht in der Lage sind, sich zu versorgen. Die zahlende Allgemeinheit hat ein Recht darauf, dass Sie erst mal Ihr eigenes Vermögen nutzen, bevor Sie sich alimentieren lassen.
    Enteignungen müssen dem Allgemeinwohl dienen. Der Schutz von Mietern einer einzelnen Stadt erfüllt diese Voraussetzung eben nicht. Enteignungen gibt es regelmäßig bei Verkehrsprojekten, die kann jeder jederzeit nutzen. Damit liegt dort die Allgemeinnützigkeit vor.
    Wenn Sie 40% Ihres Einkommens für Miete zahlen müssen, verdienen Sie entweder zu wenig (dann ist der Vermieter der falsche Adressat) oder Sie sind bedürftig, aber der soziale Wohnungsbau hat versagt. Dann ist der Senat der richtige Ansprechpartner.

  18. 10.

    Wo andere den Verstand haben haben sie eine Gesinnung. Wo andere ein Herz haben haben sie Hass.

    Ihre Hetze ist unerträglich! Ja, Hetze! Kritik ist etwas anderes, Kritik ist konstruktiv.

  19. 9.

    Enteignung ist ein alltäglicher Vorgang im Land. Von der Welt nicht zu sprechen. Womöglich handelt es sich also bei dem Umfrageergebnis um ein Votum das falsch verstanden ist. Wer ist schon für Enteignung?
    Beantrage ich Sozialleistungen, so stehen meine Vermögensverhältnisse völlig selbstverständlich zur Disposition. Im Zweifelsfall werde ich enteignet, um mir damit das Recht auf die Gemeinschaftsleistung zu verdienen.
    Enteignet bin ich auch, wenn die „Volksaktie“ Telekom aufgelegt wird, um das nötige Kapital für die Modernisierung der Kommunikations-Infrastruktur beim Durchschnitssbürger aufzutreiben. Die ist dann aber schnell nicht mehr den Ausgabepreis wert. Fatal wenn so was regierungsamtliches Rentenprogramm ist.
    Enteignet bin ich auch, wenn ich 30-40% meines Nettos für Wohnkosten ausgeben muss. Kann ich auch sonst nix anderes mehr kaufen. In wessen Interesse ist "Enteignung" gerade der Aufreger? Jener die 40 Jahre arbeiten und dann sind selbst 40qm Wohnung zu teuer?

  20. 8.

    Zunächst: Wie kommen Sie darauf die Grünen wollten die Stadt verkehrstechnisch lahmlegen? Die Linke wohl ebenso, da sie in der Verkehrspolitik mit den Grünen grundsätzlich einig sind. Die Stadt für den (individual)Autoverkehr ist Vergangenheit. Sie war bereits ein Irrtum als man sie durchsetzte. Ist Stand der Dinge. Sie können gerne in eine der (Welt)Metropolen ziehen, in denen die Autostadt zum stehen gekommen ist. Heisst: Wer legt den Verkehr in der Stadt "lahm" ? Es ist der Individual-Auto-Verkehr dessen Durchschnittsgeschwindigkeit ständig sinkt, obwohl seit den 50er Jahren ihm die Priorität eingeräumt und freigeräumt worden ist. Während Sie über Postkommunismus schwadronieren, machen sich andere Gedanken, wie man eine Stadt bauen, organisieren und bezahlbar machen kann. Die Stadt in der wir leben wollen und können. Wie wir darüber die demokratische Kontrolle gewinnen. Das erfordert mehr als die Vorstellungskraft eine Freifläche zu betonieren und mit Wohneinheiten zu bebauen.

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