Schüler einer 7. Klasse lernen mit iPads im Matheunterricht. Quelle: dpa/Julian Stratenschulte
Audio: Inforadio | 15.05.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Julian Stratenschulte

Digitalpakt-Wunschliste - Berliner Schulen wollen WLAN, Tablets und Notebooks

257 Millionen Euro sollen zur Digitalisierung des Bildungssystems vom Bund nach Berlin fließen. Das weckt Begehrlichkeiten. Einige Schulen in der Hauptstadt wissen längst, wofür sie das dringend benötigte Geld ausgeben wollen. Von Kirsten Buchmann

Dritter Stock der Paula-Fürst-Schule in Charlottenburg-Wilmersdorf: Im Computerraum setzen sich 20 Zehntklässler an die Geräte. Nicht jeder kommt gleich ins Netz. "Bei mir geht’s", meldet sich einer der Schüler zu Wort. Zwei Schülerinnen haben dagegen Schwierigkeiten. Ihr Lehrer Josef Vogl hilft ihnen. Sobald alle Schüler bereit sind, ruft er im Internet mit ihnen den Wahl-O-Mat auf.

Dort haben die Parteien zu rund 38 politischen Thesen Stellung genommen. Die Zehntklässler können diesen per Mausklick zustimmen oder sie ablehnen und anschließend ihre Positionen mit denen der Parteien vergleichen. Zwei Schülerinnen beugen sich zusammen darüber, sie teilen sich einen Computerarbeitsplatz: "Deutschland soll aus der Europäischen Union austreten?", liest die eine in rotem Oberteil und Jeansjacke vor. "Nein", findet ihre Mitschülerin im grauen Pulli. ‚Stimme nicht zu‘, klicken die beiden auf der Internetseite an.

Ausstattung bislang noch lückenhaft

Der Lehrer Josef Vogl nutzt den Computerraum mit seinen Schülern oft. Er hofft für seine Schule auf Mittel aus dem Digitalpakt und ist froh, wenn es mit der Ausstattung vorangeht: "Man kann mit den Geräten schon was machen, man kann sie ausbauen, so dass man mehr Räume zur Verfügung hat. Aber vor allem sollte der Zugang zum Internet erleichtert werden." 

Laut ihrem Medienkonzept will die Paula-Fürst-Schule ihre digitale Ausstattung künftig verbessern. So soll unter anderem der Computerraum im Hauptgebäude erneuert werden. Ein Satz Notebooks sowie Tabletkoffer sollen an den beiden Standorten der Gemeinschaftsschule zum Einsatz kommen. Der Leiter der Grundstufe der Schule, Nuri Kiefer, sieht momentan noch Lücken: "Woran es mangelt, ist ein gleichwertiger Standard an Endgeräten, auch an ausreichend Geräten, zum Beispiel an digitalen Tafeln. In der Oberstufe besteht das Problem, dass da die Ausstattung nicht so ist, wie es sich die Schüler und Lehrkräfte wünschen."

Schulen sollen erst ein Medienkonzept erarbeiten

Laptops, Whiteboards, Server, WLAN – die Wunschlisten der Berliner Schulen sind lang. Die 257 Millionen Euro, die das Land Berlin über fünf Jahre verteilt vom Bund für die Digitalisierung seines Bildungssystems erhalten soll, wecken Begehrlichkeiten. Wie die Paula-Fürst-Schule müssen auch andere Schulen zunächst ein Medienkonzept erarbeiten, bevor es Geld aus dem Digitalpakt gibt. Anja Tempelhoff ist in der Bildungsverwaltung zuständig für den Digitalpakt.

Sie erklärt: "Wenn jetzt ein Kollege sagt, er möchte gerne einen Schwerpunkt im 3D-Druck und Lasercutter einsetzen, dann ist es natürlich möglich, das über den Digitalpakt zu machen." Rat können sich die Schulen dazu unter anderem bei ihr und ihren Mitarbeiten in der Bildungsverwaltung holen.

Nur ein Leuchtturm-Projekt?

Aus Sicht der Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus reichen die bisherigen Vorbereitungen allerdings nicht aus. So kritisiert der Sprecher der FDP-Fraktion für Digitalisierung, Bernd Schlömer, Berlin sei noch nicht gut aufgestellt, um die Digitalpakt zielgerichtet und sinnvoll auszugeben: "Wir wollen keine Insellösungen, weder auf der bezirklichen Ebene, noch in 700 Schulen in Berlin. Sondern wir wollen eine zentrale Vorgabe, wie vor allem auch technische Infrastruktur zentral administriert wird."

Auch außerhalb der Politik gibt es Bedenken. Sebastian Schädler, Professor mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik an der Evangelischen Hochschule Berlin, fürchtet, dass Digitalpaktgeld in Berlin bei weitem nicht allen Schulen zu Gute kommen wird: "Die Einschätzung ist leider so, dass nur die Schulen, die sowieso schon sehr weit vorne sind, man kann sie Leuchtturmschulen nennen, in der Lage sein werden, die nötigen Anträge zu stellen. Das sind vielleicht ein paar Dutzend Schulen in Berlin. Eventuell 150 bis 200 Schulen werden ein Medienentwicklungskonzept formulieren können, wo sie in fünf Jahren sein wollen. Die anderen 300, 400, 500 Schulen werden leider überhaupt nicht in der Lage sein, an diesem Programm zu partizipieren."

Liste für den Computerraum

Für die Zehntklässler der Paula-Fürst-Schule geht die Unterrichtsstunde zur Europawahl erst mal noch in ihrem alten Computerraum zu Ende. Ihr Lehrer fordert sie auf: "Bitte die Stühle ranstellen. Rechner abmelden, nicht runterfahren."

Diese Mahnung am Schluss ist nötig, weil sich schließlich auch andere Lehrer im Sekretariat auf eine Liste eingetragen haben. Nach Vogl und seiner Klasse wollen sie den Computerraum ebenfalls nutzen.

Sendung: Inforadio, 15.05.2019, 09:25 Uhr

Beitrag von Kirsten Buchmann

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1 Kommentar

  1. 1.

    Berliner Schulen und hauptsächlich die Schüler und Lehrer wollen aber auch Hygienisch einwandfreie TOILETTEN haben.
    Das kann ja wohl nicht war sein, das dies dem Senat absolut kalt lässt.
    Ich werde mir jetzt überlegen ob es angebracht ist das Gesundheitsamt ein zu schalten.

    Der Senat sollte mal darüber nachdenken das die Kinder die Zukunft für uns sind !

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