Radweg in Rotterdam, ähnlich ist er für die Friedrichstraße geplant (Quelle: Daan Roosegaarde/www.studioroosegaarde.net)
Audio: rbb | 21.05.2019 | Jan Menzel | Bild: Daan Roosegaarde/www.studioroosegaarde.net

Vorschlag für Verkehrsberuhigung - Über die Friedrichstraße in die Zukunft

Hightech-Radwege, leuchtende Bänke und sich selbst gießende Rabatten: Ein Berliner Verein hat ein Konzept entworfen, wie die Friedrichstraße verkehrsberuhigt werden könnte - und noch mehr bietet als das bisherige Modell Fußgängerzone.

Straße der Zukunft heißt die Vision, die die Friedrichstraße mit Hilfe neuartiger Technik wieder attraktiver machen soll. Der Verein "Changing Cities e.V." hat ein Konzept zur Neugestaltung vorgestellt.

Ziel sei es, die Aufenthaltsqualität und das Stadtklima in der Friedrichstraße zu verbessern, ohne dass die Gegend schlechter erreichbar und nutzbar werde.

Für alle eine Spur und eine für alle

Weil gleichzeitig auch geplant sei, Unter den Linden verkehrsberuhigt zu gestalten, beschränkte sich der Verein mit seinem Entwurf auf den Abschnitt Französische Straße bis Rudi-Dutschke-Straße. Anders als bei herkömmlichen Fußgängerzonen oder Begegnungszonen solle hier aber nicht nur der Autoverkehr ausgesperrt werden, sondern auch das Nebeneinander von Fußgängern, Radfahrern, Lieferverkehr oder Rettungsfahrzeugen besser geregelt werden.

Dem Konzept zufolge soll die Friedrichstraße mehrere Spuren für alle Verkehrsteilnehmer bekommen: einen zweispurigen Radweg in der Mitte, Fußwege an den Seiten, dazu Logistik- und Taxi-Zonen sowie eine "Safety lane" für Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst.

Lichter regeln Verkehrsströme

Poller verhindern zunächst, das Autos in den Straßenabschnitt einbiegen können. Im Notfall allerdings, so die Vorstellung, können die Poller elektronisch runtergefahren werden und der mittige Radweg dient als Notfallspur für Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst. Rote Blinklichter entlang dieser "Saftey lane" zeigen Radfahrern an, dass sie die Spur räumen müssen. Ist der Einsatz vorbei, zeigen die Lichter wieder grün.

Für den Taxi- und Lieferverkehr soll es laut Konzept "Hubs" geben, also Stellplätze rechts und links in den querenden Straßen. Später, so der Entwurf, könne der U-Bahnhof Französische Straße vielleicht auch "Logistik-Hub" werden: Waren könnten dann "via U-Bahn in der verkehrsfreien Zeit von 1:00 bis 04:00 Uhr" angeliefert werden.

Auch für die Infrastruktur setzen die Aktivisten auf moderne Technik: So sollen Solarmodule beispielsweise den Strom für Beleuchtung oder WLAN-Hotspots liefern. In ihrem Entwurf zeigt "Changing Cities" beispielsweise eine Bank, die über Solarelemente als Lampe dienen könnte. Regenwasser soll zudem in Rinnen aufgefangen und zu Bewässerung genutzt werden.

Kunden bleiben fern

Schon seit einigen Monaten gibt es Debatten um eine Verkehrsberuhigung der Friedrichstraße. Die Straße leidet unter starker Nutzung durch Kfz. Händler beklagen, dass Bäume, Bänke, Straßencafés, Freiflächen fehlen und Kunden fernbleiben. Im Dezember verwandelte eine Initiative einen Teil der Friedrichstraße vorübergehend in eine Fußgängerzone, um Ideen für eine Neugestaltung zu sammeln und auch um für eine fußgängerfreundlichere Umgestaltung der Einkaufsmeile zu protestieren. Auch für den Sommer sind Tage angedacht, an denen die Straße verkehrsberuhigt werden soll.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Und, Elleonore, WARUM gibt es in FFM, in B und anderswo Konflikte zwischen Radlern und Fussgaengern? Weil nach wie vor Leute das Recht beanspruchen, nichts als ihren Koerper in 800kg Huelle durch die Innenstadt zu wuchten - inkl Abgas- und Laermproduktion und staendiger Bedrohung fuer andere Verkehrsteilnehmer. Und anschliessend die Strasse mit ihrem KFZ zustellen. - Wer an einem ganz normalen Tag zu Stoszzeiten in FFM, B, ... unterwegs ist kann im Sekundentakt beobachten, wie fahrende und stehende PKWs die Radfahrer und Fussgaenger unbewusst und auch ganz bewusst an die Seite und auf die Trottoirs draengen. Leute, die ohne Not PKW fahren, sind die eigentliche Ursache der Gefahren fuer Fussgaenger! Dagegen ist jeder E-Roller Kinderkram. Und das Konzept von Changing Cities ist eine gute Antwort, die sowohl schnelle Fortbewegung als auch Flanieren ermoeglicht. - Also hoert endlich auf, Euren 50er-Jahre-Traeumereien nachzuhaengen: Die sind ungesund, teuer und gefaehrlich.

  2. 13.

    Faktencheck: Falsch, die Zeil ist für Radfahrer nutzbar!

    Quelle: https://www.adfc-frankfurt.de/Frankfurt_aktuell/FFA_Archiv/Ausgabe_2010_6/2010_6_02.html

  3. 12.

    Woher haben Sie denn dieses, daß die Zeil in Frankfurt ist eine richtige Fußgängerzone und kein autofreier Radschnellweg
    sein soll? Die ganze Innenstadt in Frankfurt ist Fahrradzone und auf die Freßgass/Zeil gehen viele eben wegen der Radfahrer schon lange nicht mehr. Die Hälfte der Zeit arbeite ich in Frankfurt - und da ist es mit den Radfahrern noch schlimmer als in Berlin. Als Fußgänger kann man bald nirgendwo mehr in Deutschland unterwegs sein.

  4. 11.

    Das hätte man sich gleich nach der Wende überlegen sollen, bevor man mit den gleichförmigen neuen Blöcken die Straße verengte. Jetzt auch noch die Autos weiter zu behindern und Staus durch erzwungene langweilige Fußgängerzonen zu provozieren, kann nur von realitätsfremden Phantasten gefordert werden. Die Geschäftsleute haben heute schon ein Problem mit der wenigen Kundschaft. Siehe Friedrichstadt Passagen. Wie oft haben da die Läden gewechselt.

  5. 10.

    Die Zeil in Frankfurt ist eine richtige Fußgängerzone und kein autofreier Radschnellweg ohne Pkws à la Strößenreuther. Die ÖPNV-Anbindung kann man nur mit gigantisch gut bezeichnen, ebenso die Umsätze. Dort kann man "flanieren" und wird nur von wenigen Fahrzeugen belästigt. In Hannover gibt es teilweise eine Spur für Radfahrer, aber eben nicht für den schnellen Durchgangsverkehr wie hier vom Aktivisten geplant.

    Ob allerdings die Friedrichstrasse beginnend bei Springer von Anwohnern befreit werden kann, bezweifle ich ebenso wie deren Verständnis für den Plan. Es wohnt dort eine andere Klientel als in der Bergmannstrasse.

    Ich kann mich des Verdachts nicht erwähnen, dass es ihm einfach wieder mal nur rücksichtslos um seine Minderheit geht.

  6. 9.

    Interessantes Weltbild. Wenn das Fortbewegungsmittel ganz Neureich daherkommen muss, kann es ja vielleicht auch ein 12k€-Titan-Rennrad sein? Dass mit Reichtum automatisch Verantwortungslosigkeit einhergeht finde ich zu simpel dargestellt. Mal abgesehen davon, dass öffentliches Land (auch Straßenland) nicht zu allererst Luxusboutiquen ihre zahlungskräftige Klientel anliefern muss...

  7. 8.

    Den Teil, dass die Händler sich zur Zeit beschweren, weil die Kunden wegbleiben, haben Sie aber schon gelesen, oder?

  8. 7.

    schönes Bild, aber wo sind die schäbbigen Bauten der Friedrichstraße hin? Man könnte da sooo toll was machen, wären nicht rechts und links diese Gebäude, die niemand wollte, aber gebaut werden durften. Von denen schon mal ein Fenster nach unten kracht. In den "Herrenboutiquen" mit Wuppertaler Charme ;-) kann man nur shoppen, wenn man der Papst ist oder einen Lottogewinn (ca. 500t. €) verjubeln möchte. Also was genau soll da stattfinden? Mit den vorhandenen (Kauf-)häusern geht nix anderes, als da ist, und ohne Häuser wiederum gibts keine Friedrichstraße. Bummeln geht man am Kudamm. Flanieren in der Mitte unter den Linden. Natürlich alles nur für Rollenkoffer-Menschen. Der Berliner kauft lieber an der Schlossstraße ein. Der Spandauer macht keine Auslandsreise nach Mitte. Was also soll mit der Friedrichstraße werden, seitdem sie so verbaut wurde?? Lasst sie einfach so für die Touristen, die haben eh keine Zeit, sich mal hinzusetzen oder Rad zu fahren..

  9. 6.

    @2 u 3: Beinahe lustig, wie voellig realitaetsfern Verteter der Blech- & Betonfraktion versuchen, Verkehrskonzepte aus dem vorigen Jahrtausend aufrecht zu erhalten. - Dieter, einen fluessigen Autoverkehr kriegen Sie in der Friedrichstrasse weder mit Cayenne noch per Pferdekutsche hin: Fuer solche Platzvernichter ist da auto-matisch Dauerstau. Das haben inzwischen uebrigens auch schon so manche Reichen festgestellt: Wer reich UND clever ist, faehrt in der Stadt gern Edelrad. - SB, ich finde, Einsatzfahrzeuge sollten vorwaerts kommen. Und das ist bei dem neuen Konzept absolut gewaehrleistet: Denn Radler koennen zur Seite fahren, wenn's drauf ankommt - stauende Blechkisten dagegen koennen das u.a. in der Friedrichstrasse nicht mal, wenn es um Leben und Tod geht. Also, legen Sie mal Ihre Vorurteile ab und argumentieren mit der Wirklichkeit - gern auch kindlich, denn u.a. um deren Zukunft geht es. Aber nicht kindisch und unsachlich! Dafuer ist das Thema zu wichtig.

  10. 5.

    Da kommen Erinnerungen hoch.
    Wir plaaaaanen da mal was...
    ( Der BER hätte November 2011 eröffnen
    sollen.)

  11. 3.

    Hui, da hat wieder die große Gruppe des Waldkindergartens ihre kindlichen Phantasien zu Papier gebracht. Erinnert stark an den Murks, den die Grünen in der Bergmannstraße in Kreuzberg anstellen. Ich sehe schon, wie die vor den Polizeiautos und Rettungswagen zur Seite flüchtenden Radfahrer direkt in den Taxi- und Lieferverkehr hineinkreuzen. Und wer regelmäßig durch die Friedrichstraße läuft, weiß, dass Polizei und Rettungsdienst dort häufig unterwegs sind (die Charité ist nicht weit), Aber Hauptsache wir haben uns alle ganz doll lieb. Dann kommt der Rest schon von alleine, nicht wahr?

  12. 2.

    Mir tun die Boutique-Inhaber jetzt schon leid: Luxus-Kunden fahren zum Shoppen eben lieber mit dem Cayenne als mit dem Fahrrad :-/

    Bei allem Respekt für diese netten Ideen: Nur durch einen flüssigen Autoverkehr und gute Parkmöglichkeiten kommen vermögende Kunden in die Geschäfte, mit den geplanten Maßnahmen erreicht man nur das Gegenteil.

  13. 1.

    Queerende Strassen - ist das so was Transitstrecken? Geil - Tradition und Moderne vereint!

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