Demonstrationszug <<MyGruni>> in Berlin Grunewald. (Quelle: rbb/Rehmann)
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Video: rbb|24 | 01.05.2019 | Bettina Rehmann, Anne Kohlick, Stephan Ozsváth | Bild: rbb/Rehmann

Grunewald - Demo-Party "MyGruni" zieht durch Berliner Villenviertel

Wem gehört der Grunewald? Im Berliner Südwesten sind mehrere Tausend Demonstranten vom gleichnamigen S-Bahnhof aus durch den Kiez gezogen. Sie wollten die Enteignungsdebatte in das Villenviertel tragen.  

Tausende Demonstranten sind am 1. Mai durch ein Villenviertel im Berlin-Grunewald gezogen. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 2.400 Menschen am Mittwochnachmittag am S-Bahnhof Grunewald zum Bürgerfest "MyGruni", welches das Aktionsbündnis "Hedonistische Internationale" um Organisator Robert Rating organisiert hatte. Im Laufe des Nachmittags schätzten Einsatzkräfte die maximale Teilnehmerzahl auf 4.500 Menschen, die Organisatoren sprachen von 5.000 bis 6.000 Teilnehmern - deutlich mehr als im Vorjahr.

Nach der Auftaktkundgebung unter dem Motto "Miteinander gegen ein Gegeneinander im Grunewald" zog der "Spaziergang" wie im vergangenen Jahr durch das umliegende Villenviertel. Thema des Protests seien "Immobilienspekulanten und der teure Wohnungsmarkt". Man wolle hier "mit den Villenbewohnern am Gartenzaun" ins Gespräch kommen, hatte Rating rbb|24 vorab gesagt. Ein Dialog ergab sich selten, viele Anwohner zeigten jedoch Verständnis für die Anliegen der Demoteilnehmer, den rasanten Anstieg der Berliner Miet- und Immobilienpreise zu bremsen. Ein Anwohner an der Bismarckallee drückte das so aus: ihm gehe es besser, aber er könnte nicht helfen - die Politik müsse etwas tun.

"Mit den Villenbewohnern am Gartenzaun" sprechen

Noch vor Beginn der Kundgebung erteilte die Polizei nach rbb|24-Informationen mehrere Platzverweise, unter anderem aufgrund aufgefunder Edding-Stifte und einer Sturmhaube. Es habe allerdings keine Festnahmen gegeben. Kurz vor Ende der Demonstration bilanzierten Einsatzkräfte vor Ort, es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben, außer einigen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetzt und einigen Aufklebern auf fremdem Eigentum.

Ansonsten herrschte ausgelassene und entspannte Feierstimmung - mit essenden, tanzenden und fröhlichen Teilnehmern. Unter den Anwesenden waren viele junge Eltern, die ihre Kinder mit auf die Demo genommen hatten. Auf einem der Lkw war zu lesen: "Kapitalisten enteignen". Auf einem anderen stand: "Streiken, besetzen, enteignen. Kapitalismus überwinden".

Organisator Rating hatte rbb|24 vorab gesagt, er wolle die Kundgebung im Grunewald als Alternative zum "MyFest" in Kreuzberg verstanden wissen. Das Straßenfest in Kreuzberg werde gar nicht mehr als politische Demonstration wahrgenommen. "Wir fragen: Wem gehört der Grunewald? Wem gehört die Stadt, und wann meldet eine Gesellschaft Eigenbedarf an, wenn der Wohnraum knapp wird?", so Rating.

Demonstranten im Grunewald (Quelle: rbb|24/Rehmann)"MyGruni"-Demonstranten versammeln sich am S-Bahnhof Grunewald.

Demonstranten feiern Party im Villenviertel

Krawalle hat es laut Beobachtern bis zum frühen Abend nicht gegeben. Während einzelne Gruppen im Laufe des Nachmittags bereits wieder abreisten, feierten andere Teilnehmer im Villenviertel zu lauter Musik rings um die Party-Wagen.

Das Bündnis der Organisatoren hatte auf seiner Website ursprünglich eine Abschlusskundgebung um 16:30 Uhr am Bahnhof Grunewald angekündigt. Damit sollte den Anwesenden eine anschließende Teilnahme an der revolutionären 1.-Mai-Demo in Friedrichshain ermöglicht werden. Eine kurze Kundgebung der Organisatoren fand schließlich verspätet gegen 17:45 Uhr vor dem Bahnhofsgebäude statt.

Am 1. Mai 2018 waren rund 3.000 Demonstranten durch Grunewald gelaufen. Die Polizei gab damals später an, es habe 82 Fälle von Sachbeschädigungen gegeben. Demonstranten hätten Zäune, Wege, Autos, Häuser oder Laternen besprüht. 700 Polizisten waren im Einsatz.

So protestiert, mahnt und feiert sich Berlin durch den Tag

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25 Kommentare

  1. 25.

    Lieber Andreas aus München,
    Leider hast du weder meine rhetorische Anspielung verstanden, noch bist du inhaltlich auf meinen Kommentar eingegangen. Das ist natürlich schade, denn so gelingt der Austausch hier eher schlecht.

    Da du das von mir verwendete sprachliche Stilmittel als "Lüge" missverstanden hast bzw. dir die Abstraktion nicht klar war, hier die Erklärung meines Kommentares: ich habe deine Aussage und den logischen Gedanken darin quasi karikiert. Natürlich habe ich nicht das wieder gegeben, was du ursprünglich gesagt hast. Sondern ich habe in der gleichen Art inkl. Satzbau eine quasi konträre Position eingenommen. Du hast behauptet, dass jmd. der selbst nicht viel hat, der sich nie etwas aufgebaut hat, das Wort Enteignung schneller über die Lippen bekommt. Das halte ich für eine unsinnige und etwas nebulös suggestive Aussage. Deshalb habe ich dem gegenüber gestellt: wer selbst viel hat, sich etwas aufbauen konnte, ist blind für die Nöte anderer. Das ist eine Aussage des gleichen Niveaus. Sehr undifferenziert, etwas suggestiv und eigtl völlig inhaltsfrei in Bezug auf das Thema des Artikels. Ich habe Eigentum und trotzdem unterstütze ich die "Deutsche Wohnen & Co. enteignen"-Kampagne. Warum? Weil ich als in Vollzeit arbeitende leitende Angestellte in Berlin merke, dass die Mieten hier im Gegensatz zum Lohn dramatisch steigen und schon gestiegen sind. Das betrifft bereits mein Umfeld negativ und das ist eine Entwicklung, die auf die von Deutsche Wohnen & Co. ausgenutzte Marktlage in puncto Wohnraum in Berlin zurückzuführen ist. Ich sehe kein wirksames Instrument, was diese Preisspirale in Berlin wirksam aufhalten wird - deshalb ist es Zeit für drastische Maßnahmen und die Rückbesinnung auf eine eben auch "soziale" Marktwirtschaft.

    Was würden Sie denn alternativ zur Lösung vorschlagen?

  2. 24.

    „Um es mit ihren Worten zu sagen: "Wer selbst viel hat, wer sich selbst was aufbauen konnte, der ist ganz offensichtlich oft blind für die Nöte anderer."“
    Sie lügen, denn das sind nicht meine Worte, sondern Ihre.

  3. 22.

    @Rübe: Sie beleidigen u.a. mich und suggerieren ernsthaft, dass ich nur demonstriere, weil ich heute nicht arbeiten muss. Ernsthaft? Was soll diese viel zu kurz gedachte Unterstellung?

    Die gesamte Arbeiterbewegung inkl. Gewerkschaften, die überhaupt erst zu unserem Feiertag am 1.Mai geführt haben - alles Faulpelze, die statt zu arbeiten demonstrierten? Vielleicht sollten Sie nochmal ein bisschen Geschichtsunterricht nachholen. Und wenn Sie schon dabei sind, sich mit den Nöten derjenigen beschäftigen, die täglich in Vollzeit schuften und trotzdem nicht genug Lohn für die Kosten des Alltages in der Tasche haben.

    Liege ich richtig, wenn ich davon ausgehe, dass ihre "Kreativität" nun dazu aufruft, dass diese Menschen eben eigene Firmen gründen sollten? Leider weltfremd.

  4. 21.

    @Andreas aus München: ihr Argumentationsansatz ist bedauernswert unreflektiert. Um es mit ihren Worten zu sagen: "Wer selbst viel hat, wer sich selbst was aufbauen konnte, der ist ganz offensichtlich oft blind für die Nöte anderer." Das ist genau die De-Sozialisierung, die Thema der Demonstranten im Grunewald war. Wer die z. B. Mietnot der ganz normalen Berliner (die im übrigen deutlich weniger als die Münchner verdienen) so selbstgerecht beiseite schiebt, der will ganz offensichtlich nicht verstehen, dass es Millionen Menschen in Deutschland gibt, die 40 Wochenstunden arbeiten und trotzdem nicht viel beiseite legen können. Vollbeschäftigung und Ganztagsjobs sind eben leider kein Garant für ein angemessenes Gehalt.

    Ich unterstütze die Kampagne "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" - denn ohne wirksame und abschreckende Mittel wird die Mietpreis-Spirale in Berlin von Immobilienunternehmen und Kleineigentümern (wenn eines es vormacht, machen es andere nach) immer weiter gedreht werden. Von allein wird niemand auf Gewinne verzichten und die Mietpreisbremse ist bereits gescheitert.

    Ich möchte auch noch in 10 Jahren in meinem Kiez leben können, ohne Angst vor der letzten "Todesstoß"-artigen Mieterhöhung, die selbst ich mir nicht mehr leisten kann!

  5. 20.

    Klar, die die sich die Miete nicht mehr leisten können gehen nicht (Vollzeit) arbeiten. Oh man, das Ding hat schon sooo einen Bart.

    Und rechnen können sie anscheinend auch nicht.

  6. 19.

    Wer selbst nicht viel hat, wer sich selbst nie was aufgebaut hat, dem geht das Wort Enteignung natürlich leicht über die Lippen.

  7. 18.

    Geniale Idee, den Protest in ein Villenviertel zu tragen! Die sehr, sehr Reichen bekommen so wieder etwas von den Sorgen der Normalbevölkerung mit! Genau so muss es sein! Man kann sich vor der gesellschaftlichen Realität nicht in einer Luxusgegend verstecken, so wie es in anderen Ländern in abgezäunten Stadtvierteln der Fall ist.

  8. 17.

    Das ist der Parallelgesellschaft im Grunewaldd durchaus zuzumuten, dass einmal im Jahr Menschen friedlich vorbeispazieren, sich die gut gesicherten Villen/Anwesen mal ansehen, und den bestenfalls ehrlich (!?) erarbeiteten Wohlstand/Reichtum mal in Frage stellen. Am unendlich längeren Hebel sitzen die Villenbesitzer ja weiterhin.

  9. 16.

    Na ein Glück gibt es die Lohnsklaverei! Und die einen nehmen, indem sie ihre Abeitskraft verkaufen und die anderen geben und profitieren auch noch davon. Schön: so werden die Reichen reicher und die Armen ärmer. Fortschritt und Wachstum! Und auch noch ganz nebenbei werden die ökologischen Lebensbedingungen zerstört. Toll!

  10. 15.

    Neid? Der Grunewald ist echt tot, kein Leben da... Andererseits, bitte schön unser "Sozialneid" gegen eure Gier & Konkurrenz & Leistungsgedöns. Böse Obdachlose, die ne Wohnung wollen... Böse Arbeiter, die sinnvolle und würdevolle Arbeitsbedingungen wollen... böse Flüchlinge, die einfach überleben wollen... ECT. Merkt ihr noch wie verlogen das ist? Sozialneid, mit den Leuten die so nen Quatsch schreiben, will doch keiner tauschen, da stimmt doch was nicht im Kopf.

  11. 14.

    Kreativ ist was anderes.
    Kreativ wäre, die "Missstände" durch Gründung eigener Firmen nicht zu übernehmen.
    Kreativ wäre sich durch Arbeit (Vollzeit) die Miete leisten zu können, deswegen nehmen fast 100% der Bevölkerung daran nicht teil, da sie morgen zur Arbeit müssen, um Ihnen Wasser, Strom, Essen zu garantieren.

  12. 13.

    Immerhin, ein Polizeihubschrauber hat mit ausdauerndem Lärm den Grunewaldianern einen ruhigen arbeitsfreien Maitag vermasselt. Eine Geräuschkulisse, die der eine oder andere Weddinger, Reinickendorfer und Pankower 365 Tag im Jahr zwischen 6 Uhr bis 23 Uhr immer mal wieder geniessen darf.

  13. 10.

    So ein Unsinn! Die Demo war, zum Ärger vieler hier, friedlich und Sozialneid konnte ich auch keinen entdecken.

    Dieses Gefasel von Sozialneid kommt immer dann auf wenn man das eigene schlechte Gewissen entdeckt.

  14. 9.

    Ja! Lassen sie den Frust darüber dass es zu keinen Straßenschlachten kam über die sie sich echauffieren können ruhig heraus.

    Diese Demo war friedlich, kreativ ("Rhabarberkuchen" ^^ )und trotzdem oder gerade deswegen politisch mächtig. Sie zeigt den Herrschaften in Politik und Business dass man sich nicht mehr auspressen lässt und auch noch stillhalten soll.

    Man sollte die Demo monatlich wiederholen.

  15. 8.

    "spät-pubertärer albern" ist nur ihr Versuch diese kreative und friedliche Demo zu diffamieren. Aus Frust darüber dass es, wie von vielen erhofft, zu keinen Auseinandersetzungen kam (er-)findet man halt was anderes worüber man sich mokieren kann.

  16. 7.

    Irrtum! Das waren bestimmt keine Eddingstifte. Wer diese ungewaschenen, langhaarigen Sozialschmarotzer kennt weiß dass das ganz sicher Cruise Missiles Launcher en miniature waren!

    Aber unsere besonnene Polizei hat energisch durchgegriffen und diese Kriegswaffen konsequent eingezogen, ein Hoch auf unsere Polizei! *augenroll*

    P.S. Wer in diesem Kommentar Ironie findet darf sie gerne behalten...

  17. 6.

    Häuser, Fassaden, Autos, Laternen, Strom- und Verteilerkästen, Wartehäuschen ... beschmieren.

    Fremdes Eigentum zählt halt für einige nichts mehr und da ist es auch völlig egal ob es die Allgemeinheit, den Reichen oder den Arbeiter trifft, der sich z. B. mühsam sein Auto erarbeitet hat.

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