Archivbild: 26.04.2019, Fichtenwalde, Brandenburg, Eine Protestaktion gegen das Verspruehen von Gift findet in Fichtenwalde statt (Quelle: dpa/ Steinach)
Audio: Antenne Brandenburg | 10.05.2019 | Ute Sander | Bild: dpa/ Steinach

Brandenburg - Gericht stoppt Insektizid-Einsatz in einigen Gebieten

Es ist ein Teilerfolg für die Naturschützer in Brandenburg: Ein Potsdamer Gericht hat am Freitag die Insektizid-Einsätze über Brandenburgs Wäldern vorerst gestoppt. Allerdings nur in einigen, besonders geschützten Arealen.

Das Verwaltungsgericht Potsdam hat am Freitag die laufenden Insektizid-Einsätze über Brandenburgs Wäldern vorläufig gestoppt - allerdings nur über Vogelschutzgebieten (SPA), Naturschutz- und FFH-Gebieten, also besonderen Schutzgebieten nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Das sagte Friedhelm Schmitz-Jersch vom Nabu Brandenburg rbb|24.

Eine kompletter Stopp des Einsatzes, wie zunächst von der Deutschen Presse-Agentur vermeldet, wurde laut Nabu nicht verhängt. Vom Gericht hieß es: "Zu darüber hinausgehenden vorläufigen Schutzanordnungen" sehe sich die Kammer "nicht veranlasst".

Laut Schmitz-Jersch darf das Insektizid damit zunächst nicht im FFH-Gebiet Hackenheide eingesetzt werden; auch weitere kleinere Gebiete seien ausgenommen. Laut Nabu sollte das Insektizid ursprünglich auf etwa 8.000 Hektar eingesetzt werden.

Bis zu einer Entscheidung des Gerichts über den Eilantrag des Naturschutzbundes (Nabu) dürfe der Landesbetrieb Forst Brandenburg das Insektizid "Karate-Forst flüssig" dort vorerst nicht mehr versprühen, teilte das Gericht am Freitag mit. Die Entscheidung zum Eilantrag solle spätestens am 17. Mai bekannt gegeben werden.

Einsätze seit Dienstag

Seit Dienstagnachmittag waren Hubschrauber des Landesbetriebs Forst Brandenburg über Wälder  in Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming geflogen und hatten das umstrittene Insektizid "Karate Forst flüssig" versprüht. Damit sollte die Vermehrung der Schmetterlingsart Nonne eingedämmt werden.

Aus Sicht des Umweltministeriums ist die Ausbreitung der Nonne eine Folge der Trockenheit 2018. Auch Forstleute würden den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Wald kritisch und nur als letztes Mittel sehen. Wenn aber jetzt nichts getan werde, drohe nach Prognosen ein Totalverlust von mindestens 3.000 Hektar Wald, sagte Hubertus Kraut, Direktor es Landesforstbetriebes Brandenburg. [Infos Landesbetrieb Forst]

Der Nabu hatte gegen den Einsatz jedoch Rechtsmittel eingelegt. Die Naturschützer kritisierten, auch andere Arten seien von dem Breitband-Insektizid betroffen: Schmetterlinge, aber auch Fledermäuse und Vögel. Betroffen seien auch Reptilien und Amphibien, darunter zwei streng geschützte Arten. [Mitteilung Nabu Brandenburg]

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.05.2019, 14:00 Uhr

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Antwort auf [Kurze] vom 10.05.2019 um 13:52
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21 Kommentare

  1. 21.

    Wer stoppt diesen Irrsinn sofort? Wie ich gelesen habe wird seit Dienstag letzter Woche geflogen und gesprüht. Mit furchtbaren Folgen: Menschen klagen über Haut Ausschläge, Atemnot,Vögel sterben Fliegen liegen zu Tausenden auf dem Boden.... wie können wir den Einsatz noch heute stoppen, bevor noch mehr Leben vernichtet wird

  2. 20.

    Mit dem Sprühen des Giftes wird auch die Gesundheit von Menschen u Kindern die besonders in Fichtenwalde im Wald wohnen.Ohne Rücksicht auf Verluste Menschen,Tiere ist denen doch egal .Kaputt spritzen ,Profit zählt !Die Waldbesitzer schreien nach Gift bequem hätten doch auch wie Herr Tempel Alternativen ergreifen können.Und der doofe Steuerzahler zahlt !Die Nabu waren die einzigsten mit Rückgrat!!Siehe gesundheitliche Einschränkungen der Dame dessen Statemant hier zu lesen. Giftmischer die Polikter schauen zu!

  3. 19.

    Das hat mit Gott nichts zu tun. Die Erde ist unsere Mutter und die bringt man nicht um. Alte Indianerweisheit.

  4. 18.

    Der Kraut gehört entlassen als Naturschädling, wenn er wohl auch nur ein kleiner Diener seines Herrn ist.
    Mut ist keine schlechte Eigenschaft, möchte man Herrn Kraut wünschen.
    Das aber muss man wollen.

    Ganz toll, wie sich die Brandenburger "Die Linke" hier wieder einen schlanken Fuss macht.
    Denen sollte man nicht vertrauen, angesichts des Wahl- und Parteiprogramms, insbesondere nicht in Brandenburg, wo die fast jeden Blödsinn mitmachen oder sich verstecken.
    Eine Frechheit ist das gegenüber den Wählern.


  5. 17.

    Na Gott sei Dank .

  6. 16.

    Danke Ihnen ! Ich mache es ebenso: Wildblumen auf dem Balkon, eine Wurmkiste zum Kompostieren der Bioabfälle, um den Kreislauf ein klein Wenig wieder herzustellen und auch den Kindern die Notwendigkeit einer gesunden Vielfalt zu erklären. Man kann Einiges bewegen und bewirken und dabei macht es auch noch Spass :-)

  7. 15.

    Ich war heute etwa eineinhalb Stunden beim Walken im Wald um Wandlitz in der Nähe vom Liepnitzsee. In einigen Waldabschnitten, die fast nur mit Kiefern bewachsen sind, roch es extrem nach Chemie. Auffallend war, dass Totenstille und kein einziger Vogel zu hören war. Seitdem tränen meine Augen, die Gesichtshaut juckt und ich kann nicht so atmen wie sonst. Also wurde doch dort ebenfalls gesprüht! Wer weiß, ob und wie dieses Mittel im Körper nachweisbar ist?

  8. 14.

    Sehr gut kommentiert. Daher leiste ich auch wieder einen kleinen Beitrag an Mutter Natur und Pflanze wie jedes Jahr wieder Wildblumen auf meinem Balkon an. Erfreue mich dann Hummeln, Wildbienen und andere kl.Insekten dabei beobachten zu können und zu dürfen.

  9. 13.

    Traurig, wie hier einige Kommentatoren immer noch auf dem NABU herumhacken und nicht einsehen können, dass es hier um unser aller Wohlergehen geht. Dabei sollten wir dankbar sein, wenn zumindest teilweise erreicht werden konnte, uns und unsere Umwelt nicht noch weiter zu vergiften. Für mich nicht nachvollziehbar, wie der Mensch überhaupt auf die Idee kommen kann, chemische Mittel zu verwenden, um Leben zu töten, anstatt sich mit dem natürlichen Gleichgewicht auseinanderzusetzen und davon zu lernen, um daraus zu schöpfen. Es müsste doch mittlerweile klar sein, dass immer mehr Menschen eine intakte, gesunde Natur bevorzugen. Ein langfristiges Denken und Handeln bringt uns weiter und nicht das kurzfristige auslöschen ganzer Bestände von Insekten. Gerade die Insekten sind die Basis allen Lebens und da gehört kein Gift drauf. Ist ganz einfach zu verstehen... wenn man es denn zulässt.

  10. 12.

    Zum Teil gibt es im link unten geografische Hinweise zu Einsatzgebieten. "Das Mittel wirkt auf eine Vielzahl von Insekten und es ist hochgiftig für Fische und Fischnährtiere. Durch den Einsatz aus der Luft besteht das Risiko, dass das Insektizid durch Abtriften direkt oder durch Regenwasser indirekt in die den Forstflächen nahe liegenden Gewässer eingetragen wird. Unsere größte Sorge gilt dabei den unmittelbar an das Einsatzgebiet angrenzenden Gewässern im Kerngebiet des Naturschutzgroßprojekts Nuthe-Nieplitz-Niederung. Der Landschafts-Förderverein hat als Projektträger für dieses Gebiet mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung besondere Verantwortung. Der geplante Einsatz könnte gravierende Auswirkungen für die jahrzehntelange naturnahe Entwicklung zur Folge haben."
    https://www.naturpark-nuthe-nieplitz.de/aktuelles/offener-brief-zum-einsatz-von-karate-forst-fluessig.html?page=

  11. 11.

    Also ich habe heute aktuelle Fotos aus der Region Niemegk gesehen. Da liegen die Fliegen nach dem Einsatz wie gesät auf einem Waldweg...traurig.

  12. 10.

    wo bitte wurde gesprüht? Wo wird noch gesprüht? Ich würde das gerne wisse, denn dort muss ich erstmal nicht hin. Aber man erfährt es nirgends. Ich habe die frage auch schon beim ersten Artikel dazu gepostet.

  13. 9.

    Ich denke der Vorschlag des NABU ist kein Gift zu versprühen, sondern die Natur sich selbst regeln zu lassen. Würde passen zu einer Umweltorganisation, meinen Sie nicht?

  14. 8.

    Die Nadelwälder müssen eh weg und mit Laubwald ersetzt werden. Falls bei dem Mangel an Wasser noch Wälder wachsen.

  15. 7.

    Der NABU hat wie immer keine eigenen Vorschläge aber sie haben die Meute aufgemischt. Toll!!! Macht ruhig weiter so???

  16. 6.

    @rbb Danke für den link zur NABU Mitteilung. Offenbar regenerieren sich die Bäume im Wald ohne Gift allein genauso gut: "Der NABU widerlegt auch die Behauptung des Landesforstbetriebes, dass mit einem großflächigen Absterben der Kiefernwälder durch den Fraß der Nonnenraupen zu rechnen sei. Privatdozent Dr. Werner Kratz, Ökotoxikologe und stellvertretender Vorsitzender des NABU Brandenburg verweist dafür auf Erfahrungen aus Gebieten mit massivem Schädlingsbefall, die sich innerhalb kurzer Zeit wieder erholt haben. „Wir haben große Kieferflächen in der Lieberoser Heide, die mit Raupen des Kiefernspinners befallen waren. Dort wurden im Jahr 2014 Teilflächen gespritzt, in Naturschutzgebieten liegende Flächen aufgrund der Intervention des NABU aber nicht. Beide Flächen unterscheiden sich heute nicht mehr voneinander. Der Wald hat sich nach diesem Schädlingsbefall erwartungsgemäß erholt. Dies belegt der NABU gegenüber dem Gericht mit eindrucksvollen Fotos. ..."

  17. 5.

    Bevor man solch einen Blödsinn von sich gibt, sollte man sich wirklich umfassend informieren!

  18. 4.

    So ein Quatsch, warum soll wer Schadensersatzansprüche haben, nur weil er kein Gift verstreuen darf. Übrigens scheint ihnen das Konzept eines Naturschutzgebietes nicht klar zu sein.

  19. 3.

    Wenn man kein Geld mit etwas verdienen kann, zum Beispiel der Biodiversität, dann darf man es ungestraft kaputt machen. Wirtschaftliche Interessen gehen stets vor.

  20. 2.

    Ich hoffe, das durch die raupen kein Schaden am waldbestand entsteht. Wenn doch, wuerde ich den NABU und ihre Helfer verantwortlich machen und dann Schadenersatz von ihnen einklagen.

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