Ein Transparent zeigt am 11.05.2019 in Münster, Maria, die Mutter Gottes, mit einem Pflaster auf dem Mund anlässlich eines Gottesdienstes unter freiem Himmel. Katholische Frauen und verschiedene Frauen-Initiativen aus mehreren deutschen Bistümern beteiligen sich am Kirchenstreik «Maria 2.0». (Bild: dpa/Friso Gentsch)
Audio: Kulturradio | 26.04.2019 | Vera Kröning-Menzel | Bild: dpa/Friso Gentsch

Interview | "Maria 2.0"-Aktivistin - "Frauen müssen in der Kirche alle Ämter besetzen können"

Die Initiative "Maria 2.0" will am Donnerstag in Berlin für eine Modernisierung der katholischen Kirche demonstrieren. Die Aktivistin Angelika Plümpe sagt im Interview, was ihre Kirche ihrer Meinung nach tun muss, damit nicht noch mehr Menschen austreten.

rbb: Frau Plümpe, warum engagieren Sie sich bei Maria 2.0?

Angelika Plümpe: Ich beteilige mich als Frau in der Kirche - nicht weil ich in einem Verband bin. Wichtig ist mir mein christlicher Glaube, der ist mir wertvoll. Er gibt mir Halt, das ist eigentlich der Hauptgrund. Ich liebe die Kirche, die diesen Glauben durch die Jahrhunderte hin bewahrt hat - und ich bin der festen Überzeugung, dass Jesus Frauen und Männer gleichermaßen berufen hat, seine Botschaft weiter zu tragen. Jetzt ist die Zeit, etwas in der Kirche zu ändern - nach Missbrauchsfällen und Finanzskandalen. Es muss sich einfach etwas ändern an der Einstellung zur Sexualität, zu Frauen und zum Machtanspruch in der Kirche.

Was planen Sie denn konkret in Berlin?

Eine Andacht auf dem Bebelplatz vor der Hedwigs-Kathedrale. Die Kirche ist zwar geschlossen wegen Umbau und Renovierung - vielleicht ist das auch symbolisch, es hat doch etwas mit dem Zustand der Kirche zu tun. Und wir wollen weiße Kleidung tragen und weiße Tücher aufhängen.

Angelika Plümpe (Bild: Angelika Plümpe)
Angelika Plümpe ist in der Katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie in Prenzlauer Berg aktiv. | Bild: Angelika Plümpe

Warum die Farbe Weiß?

Einmal ist es eine Farbe der Trauer - Trauer über den Zustand der Kirche, Mitgefühl für vom Missbrauch Betroffene. Aber Weiß es auch die Farbe von Ostern, die Farbe der Hoffnung.

Im Vorgespräch haben Sie angedeutet, dass es bei der Vorbereitung der Aktion Maria 2.0 auch Schwierigkeiten gibt. Was haben Sie damit gemeint?

Wir mussten uns natürlich überlegen, wen wir ansprechen zur Mitarbeit. Wir konnten natürlich nicht übers Bistum gehen. Wir müssen praktisch einzelne Frauen ansprechen, an diesem Tag und dann dieser Andacht teilzunehmen. Eine andere Möglichkeit sehen wir nicht.  Wir können in unseren Gemeinden persönlich Werbung machen. Ich muss auch sagen: Es gibt viele Frauen in der Kirche, die sehr klerikal eingestellt sind und die überhaupt nicht das Gefühl haben, dass sie benachteiligt sind. Sie fühlen sich sehr wohl in ihrer Rolle und begegnen der Aktion mit Misstrauen. Auch das haben wir schon erfahren aber wir haben ja eine Stimme , wir lassen uns nicht den Mund verbieten, so wie es auf dem Plakat zu sehen ist.

Was fordern Sie denn von der katholischen Kirche?

Zum einen erst einmal, dass diese Missbrauchsfälle nicht weiter verschleiert werden. Dann, dass die Täter vor weltliche Gerichte gestellt werden und ihre Strafe bekommen. Weiter, dass die Kirche ihre Einstellung zu Sexualität verändert -  und letztlich auch, dass Frauen in der Kirche alle Ämter besetzen können. Ich denke, das entspricht dem Evangelium.

Man könnte jetzt sagen, dass die katholische Kirche ja bisher auch ganz gut ohne die Frauen klargekommen ist. Was würde denn passieren, wenn sich die Kirche in dieser Hinsicht nicht verändert?

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle hat ja gezeigt, dass es schon ein Problem ist dass nur zölibatäre Männer Priester werden können, und dass da etwas passieren muss. Ich denke, wenn Frauen und Männer in der Kirche zusammenarbeiten, ist das Problem einfach geringer. Ich habe etwas Sorge, dass die Kirche immer mehr an Glaubwürdigkeit verliert und dass aus dem Grund noch mehr Menschen aus der Kirche austreten. Viele Frauen haben jetzt einfach jetzt die Nase voll. Die sagen: Ich habe jetzt so viele Jahre probiert, in der Kirche irgendwas zu verändern. Die Kirche putzen durfte ich gerne. Ich durfte auch immer einspringen, wenn Not an der Frau war. Aber wenn es letztlich darum ging, etwas mitzubestimmen, war es vorbei. Ich denke, diese Frauen würden weg gehen - und die bunte Vielfalt in der Kirche würde auch verschwinden. Jetzt sind sind noch viele Menschen in der Kirche, die Halt suchen. Aber wenn Kirche an Glaubwürdigkeit verliert, wird das auch vorbei sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Vera Kröning-Menzel. Der Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das ganze Gespräch können Sie sich anhören, wenn Sie auf das Abspielsymbol im oberen Bild klicken.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Merkt denn keiner, dass die wirklich schlimmen Mißbräuche in unserer Kirche in dieser Aktion nur dazu "mißbraucht" werden, um die uralten Forderungen nach Abschaffung des Zölibats und der Einführung des Frauenpriestertums doch noch irgendwie voran zu bringen? Hier wird das Kind buchstäblich mit dem Bade ausgeschüttet.
    Eine solche Aktion kann und will ich nicht unterstützen. Viele heilige Frauen haben - gerade durch ihre Demut, ihre Leidensbereitschaft, ihre Hingabe und wahre Frömmigkeit viel mehr genutzt, als jetzt die Initiatorinnen von Maria 2.o. Macht mit Macht zu beantworten zu wollen, ist niemals im Sinne Jesu. Im Sinne von Maria schon gleich gar nicht.

  2. 7.

    Liebe Angelika Plümpe, liebe Mitstreiterinnen

    ich war am Donnerstag auf dem Bebelplatz und habe Euch zugehört. Ihr habt mir aus dem Herzen gesprochen. Vielen Dank für Euer Engagement.

    Viele Grüße

    Hildegard

  3. 6.

    .. hey in den Staatskirchen geht es nur um die eigene Macht, Staatspolitisch juristisch freigestellt und gestützt, da interessiert es wenig was die da im Kämmerlein mit ihren sexuellen Orientierungen treiben und ob nun da noch Frauen dabei seien sollen um das zu verbessern? Was eigentlich verbessern? Hauptsache der Staat treibt die Kirchensteuer ein.

  4. 5.

    Nur zur Info: In der Evangelisch Kirche in Deutschland (EKD) gibt es keine Regeln, die nur für Männer oder nur für Frauen gelten.

  5. 4.

    Beitrag 2:
    Unabhängig davon, dass mir persönlich unbegreiflich, wie man seinen eigenen guten Namen für einen Verein hergibt, in dem Missbrauch jeder Form, wenn überhaupt, mehr als halbherzig verfolgt wird. Wie viel Verdränung braucht es, um das noch mitzufinanzieren?
    Für mich wäre das bereits ein Grund sofortigen Austritts, so, wie ich auch keinen Arbeitsgeber unterstütze, der nachweisbar miese Machenschaften und strafrechtlich Verfolgbares betreibt oder in den eigenen Reihen duldet.
    Seltsame, mehr als befremdliche Art von Loyalität.

  6. 3.

    Sehe ich ähnlich. Da sind 2-Jahrtausend alte Krusten, die es aufzubrechen gälte und das mit einem Haufen in feinsten Zwirn gekleideter alter, betonköpfiger Männer?
    Da nutzt auch ein Papst nichts, der ein wenig "jünger" denkt. Wie will der dagegen ankommen?
    Bis da alles Notwendige reformiert wäre, dauerte es ein paar Jahrhunderte bei dem Tempo.

    Ich denke, nur noch "neu machen" auf Basis eine unschuldigen, freien, weißen Fläche ohne Vergangenheit und Gegenwart wäre da eine Lösung.
    Oder halt - Hinweis ist ja prominent bereits daneben gesetzt - mal rechts (und links) gucken, was es für "ähnliche Vereine" gibt, wo der Reformwille und -gedanke schon ein bisschen länger vorhanden und umgesetzt.

  7. 2.

    So oder so ähnlich dachte man auch, als Frauen in der Politik zugelassen wurden. Sicherlich haben sie einige Veränderungen bewirkt und am Frauenbild der Männer etwas verändert, aber letztendlich sind Ihrem Wirkungskreis auch harte Grenzen gesetzt. Tatsächlich empfinde ich, mich nur von wenigen Politikerinnen "weiblich" vertreten. Die Damen, die sich nach oben durchkämpfen, sind meist kerniger und dogmatischer, als ihre männlichen Gegenspieler. Da wird genauso verdeckt, kaschiert und taktiert wie eh und je. Der Karriere zuliebe^^

  8. 1.

    Es wird Zeit das der Filz in der Kirche durchbrochen wird. Ich habe aber meine Zweifel wenn ich all die Kirchenfürsten sehe, dass sie bereit sind Macht zu teilen oder abzugeben. Wenn Frauen wichtige Positionen einnehmen werden vielleicht auch mal Kindesmissbrauch konsequent verfolgt, die Täter verurteilt und neue Vorfälle vermieden.

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