Ein Hubschrauber beim Versprühen von Insektiziden (Quelle: dpa / Jens Büttner)
Video: Brandenburg aktuell | 15.05.2019 | Carsten Krippahl | Bild: dpa-Zentralbild

Streit um Gift "Karate Forst flüssig" - Nabu scheitert mit Eilantrag gegen Insektizid-Einsatz

Der Landesbetrieb Forst versprüht seit vergangener Woche das umstrittene Insektizid "Karate Forst flüssig" per Hubschrauber. Naturschützer des Nabu versuchten dies zu stoppen. Der Eilantrag scheiterte allerdings an einer Formalie.

Der Naturschutzbund Nabu ist beim Verwaltungsgericht Potsdam mit einen Eilantrag zum Einsatzstopp des umstrittenen Insektengifts "Karate Forst flüssig" gescheitert.  

Der bislang gültige vorläufige Einsatzstopp für das Mittel in speziellen Schutzgebieten sei damit aufgehoben, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Die Entscheidung erging dabei aus formalen Gründen. Die Richter begründeten die Freigabe damit, dass der Nabu "nicht antragsbefugt" sei. "Wir werden in jedem Fall Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht einlegen", kündigte der Vorsitzende des Nabu, Friedhelm Schmitz-Jersch, an.

Entscheidung ist keine generelle Freigabe

Ein Sprecher des Gerichts wies darauf hin, dass das Insektizid auch weiterhin nicht in Gebieten verteilt werden darf, in denen nach Anordnung der unteren Naturschutzbehörde bereits die Ausbringung untersagt worden war. Dazu gehörten beispielsweise Gebiete, in denen es Adlerhorste gibt.

Hubschrauber des Landesbetriebs Forst hatten das umstrittene Schädlingsbekämpfungsmittel seit vergangene Woche über Wäldern in Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming verteilt. Der Nabu Brandenburg und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatten zwar dagegen Widerspruch beim Planzenschutzdienst des Landes eingelegt. Die Behörde hatte allerdings trotzdem den sofortigen Vollzug des Einsatzes angeordnet.

Am Mittwoch sollten noch insgesamt 800 Hektar Waldfläche besprüht werden, wie Einsatzleiter Michael Kopka am Abend sagte. Kommende Woche solle dann die Ausbringung des Mittels in den Gemeinden Borkheide, Borkwalde sowie dem Beelitzer Ortsteil Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark) beginnen.

Weitere Eilanträge zu "Karate Forst"-Beschränkungen eingegangen

Nach Angaben des Verwaltungsgerichts müsse das Gericht auch noch über zwei weitere Eilanträge zu Einsatzbeschränkungen für "Karate Forst flüssig" entscheiden. In einem Antrag wendet sich der Nabu gegen die Ausbringung per Hubschrauber.

In einem weiteren Fall will der Landschaftsförderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung als Eigentümer eines Waldgrundstücks erreichen, dass das umstrittene Insektizid nicht gesprüht wird. Der Forstbetrieb hatte dort angeordnet, das Ausbringen des Mittels zu dulden. Wann über die Anträge entschieden werden soll, konnte das Gericht nicht mitteilen.

Hersteller warnt vor Gesundheitsgefahren

Mit dem Versprühen des Insektengift "Karate Forst flüssig" will Brandenburg verhindern, dass Nonnen-Raupen in Wäldern Kiefern kahlfressen. Das Schädlingsbekämpfungsmittel soll bis Mitte Juni auf einer Fläche von mehreren Tausend Hektar Kiefernwald versprüht werden, das entspricht - zum Vergleich - etwa einem Zehntel der Fläche Berlins. Vor allem in der Gegend um die Spargelstadt Beelitz hat sich der Nonnenfalter seit dem letzten Sommer offenbar sehr stark ausgebreitet.

Syngenta, die Herstellerfirma des Insektizids, warnt in einem Datenblatt zu "Karate Forst" vor Gesundheitsschäden, die beim Einatmen des Produktes entstehen können. Konkret könne das Insektizid demnach "Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden" auslösen. Auf Anfrage von rbb|24 erklärte ein Syngenta-Sprecher, Sicherheits- und Gefahrenhinweise würden vor allem für Menschen gelten, die mit dem Insektizid in unverdünnter Form in Kontakt kommen könnten. "Bei Einsätzen gegen Schädlinge wird das Produkt stark verdünnt", hieß es.

Nach dem Versprühen des Insektizids dürfen drei Wochen lang keine Pilze, Beeren oder Kräuter gesammelt werden. Zudem sind betroffenen Waldgebiete zwei Tage lang gesperrt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 09.05.2019, 19:30 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    Jupp, Sie meinten wohl, wenn das Management versagt hat, dann muss schnellstmöglich etwas gegen den Werte-Verlust getan werden, egal wie und womit. Sie scheinen sich gar nicht im Klaren zu sein, was dieses Gift bewirkt und haben sich scheinbar nicht richtig die Produktinfo. durchgelesen. Dieses Gift ist ein Totalinsektizid, das bedeutet ALLE Insekten sterben, nicht nur das Räupchen, desweiteren ist es ebenso für Menschen gesundheitsschädlich. Aber ihre Mitmenschen sind Ihnen wohl egal. Ich möchte Sie sehen, wenn eines Ihrer Kinder ernsthaft von einem Insektizid erkrankt, weil man wild die Chemiekeule schwingt. Dann ist das Geschrei los, meistens von denen die nur ans Geld denken.
    Desweiteren wird dann auch so schnell keine Biene ihren nächsten Forst bestäuben, wenn der jetzige zum Verkauf geht.
    Einfach mal über den Tellerrand schauen und nicht nur auf die Börsen-Kurse.

  2. 12.

    Eigentlich hat die Forstverwaltung ja nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ohne Bekämpfung ist der Wald in 5 Jahren kaputt. Mit Bekämpfung überlebt der Wald vielleicht, aber mit Nebenwirkungen. Ich sehe das schon als eine zwischen den beiden Möglichkeiten ausgewogene Entscheidung. Es nützt ja nix, wenn alle Kiefernwälder abgeholzt werden oder sterben. Der Waldumbau zu Mischwäldern braucht seine 40 bis 50 Jahre. Dieser Waldumbau läuft schon längst. Dass Brandenburg so viele Monokultur-Wälder hat, ist leider auch unserer Waldgeschichte geschuldet. Und die begann vor über 100 Jahren und nicht erst zu DDR Zeiten.

  3. 11.

    Genau greifen wir zu den Waffen der Biochemie, am Besten dann gleich noch gegen Borkenkäfer und den Kiefernprachtkäfer, letzterer ist übrigens viel gefährlicher.
    Immer rauf das Gift u nachher dann jammern, dass die Bienchen weg sind und Mann Hodenkrebs hat.

  4. 10.

    Zahlt das Management auch die Schäden die dadurch entstehen, oder muss dort der Steuerzahler wieder einspringen?

  5. 9.

    "Hat was mit Management zu tun, nur mal so." Genau, deswegen ja auch der gezielte Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Die sind nämlich dafür da, wenn im Falle der Fälle das Management auf eine Störung reagieren muss.

  6. 8.

    Ja, endlich wird der völlig überzogene Einsatz von Chemikalien in der Land- und Forstwirtschaft bekämpft. Sehr gut Nabu.

  7. 7.

    Hätten die Forstbesitzer nicht nur auf Monokultur, schnellwachsende und veräußerbare Kiefer, gesetzt, sondern vernünftigen Misch-Wald , dann müssten sie alle jetzt nicht rumheulen. Und wenn dann eben solche kleinen Tierchen euch euren Gewinn wegfressen, dann ist das Unternehmer-Risiko. Jedem anderen Unternehmer geht es genauso, denn falls irgendetwas passiert, sollte man zumindest Rücklagen haben. Hat man diese nicht, hat man wohl nicht richtig aufgepasst im Unternehmer-Seminar. Hat was mit Management zu tun, nur mal so.

  8. 6.

    Wie dumm die Menschen doch sind.

    Die Erde wird bald unter gehen, wenn wir den Einsatz von Gift nicht stoppen!

    Aber egal.
    Greift ruhig weiter in unser immer instabileres Ökosystem ein.

    Die Natur braucht keine Korrektur!
    Der Mensch muss sich ihr beugen, wenn er überleben will.

    Die Rechten versprechen nur Vergangenheit.
    Meine Kinder sollen aber in der Zukunft noch leben können.

  9. 5.

    Endlich wird bekämpft. Gut so.

  10. 4.

    Das hat nichts mit Vernuft zu tun, ihnen ist Umweltschutz egal. Gut das Bayer gestern den dritten Prozess verloren hat, dort trifft es mal den Richtigen. Schädlinge bekämpft man, in dem man Umgebungen für Fressfeinde schafft. So einfach ist das. Wenn man nur das schnelle Geld machen will und im Notfall Pestizide sprühen will, dann macht man halt Monokulturen.

  11. 3.

    Na Gott sei Dank. Hier hat mal die Vernunft gewonnen. Der NABU hat kein eingeben Konzept zur Schädlingsbekämpfung wiegelt aber die Menschen auf und stiftet Unruhe. Wie wollen sie denn die Schädlinge bekämpfen. Auf diese Antwort bin ich sehr gespannt.

  12. 2.

    Warum schützen wir Kiefern, die nicht Hitzebeständig sind, wenn wir Misch- und Laubwald brauchen? Holzt die befallenden Kiefern lieber ab oder schlagt eine kreisförmige Waldschneise um das betroffene Gebiet. Weg damit.

  13. 1.

    .. Antragsbefugt? Umwelthilfe oder so?? , man kann ja kaum glauben wie diese Gerichte entscheiden, unabhängig scheint das nicht zu sein...

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