Symbolbild: In der Schlosserei eines Unternehmens mit Azubi beim Bedienen einer Fräs- und Bohrmaschine. (Quelle: dpa/Peuckert)
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Audio: Inforadio | 13.05.2019 | Elisabeth Mattner | Bild: dpa/Peuckert

Bildungsministerium bestätigt - Mindestlohn für Azubis kommt ab 2020

Deutsche Auszubildende werden ab dem nächsten Jahr mindestens 515 Euro im Monat verdienen. Diesen Mindestlohn will die Bundesregierung auf den Weg bringen, das bestätigt am Montag das Bildungsministerium. Zuerst berichtete die Funke-Mediengruppe zu dem Vorhaben. 

In den Folgejahren soll sich die Ausbildungsvergütung laut Ministerium weiter erhöhen - im Jahr 2021 auf 550 Euro, ein Jahr später auf 585 Euro und ab 2023 auf 620 Euro. Zudem seien Aufschläge für Azubis im zweiten, dritten und vierten Ausbildungsjahr geplant. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) strebt einen Kabinettsbeschluss zur Reform des Berufsbildungsgesetzes bereits an diesem Mittwoch an.

Tarifverträge könnten Ausnahmen begründen

Mit der Reform würde erstmals in Deutschland eine gesetzliche Untergrenze für die Vergütung von Auszubildenden festgeschrieben, analog zum gesetzlichen Mindestlohn. Von der neuen Regelung würden vor allem Lehrlinge in Ostdeutschland profitieren. Laut des Bundesinstituts für Berufsbildung bekommen beispielsweise Friseure in Ostdeutschland durchschnittlich 325, in Westdeutschland 498 Euro. 

Bildungsministerin Karliczek hat laut der Funke-Mediengruppe im Vorfeld Zugeständnisse gemacht: Dort, wo es aktuell Tarifverträge gebe, könne es passieren, dass Azubis auch weiterhin weniger als die Mindestvergütung bekämen.

Handwerksverbände warnen vor gesetzlich festgelegtem Mindestlohn

Der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks (ZDFH) warnte, eine deutliche Anhebung der Vergütung könne letztlich zu einer Senkung der Azubiquote in der Branche führen. "Derzeit gibt es eine hohe Ausbildungsbereitschaft", sagte ZDFH-Hauptgeschäftsführer Jörg Müller den Zeitungen der "Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft". Diese könne aber kippen, "wenn sich abzeichnet, dass die Betriebe vor der Anstellung von Azubis zurückschrecken, weil sie sich nicht rentiert."

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) äußerte scharfe Kritik am Azubi-Mindestlohn als schwerden "Eingriff in die gelebte Betriebs- und Tarifautonomie". Gerade kleine Betriebe würden belastet.

Fortbildungsstufen sollen international vergleichbar werden

Das Gesetz soll nicht nur den Mindestlohn für Auszubildende sichern, sondern auch drei Fortbildungsstufen und die Einführung von einheitlichen Bezeichnungen verankern. Neben den traditionellen Titeln wie "Meister" soll es dann laut eines Zeitungsberichts der Funke-Mediengruppe zum Beispiel auch einen "Bachelor Professional" oder einen "Master Professional" geben. Damit sollen diese Qualifikationen auf dem internationalen Arbeitsmarkt vergleichbarer werden.

Sendung: Inforadio, 13.05.2019, 11:20 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Was ist mit Studenten die kein Bafög bekommen

  2. 1.

    Sehr schön für die Azubis. Unüberlegt von den
    Verantwortlichen. Vielleicht hätte man vorher mal mit den Unternehmen reden sollen.

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