Archivbild: Eine Protestaktion gegen das Versprühen von giftigen Pestiziden wie dem Pestizid <<Karate Forst flüssig>> findet in Fichtenwalde statt. (Quelle: dpa/Steinach)
Bild: dpa/Steinach

Insektengift - Nabu klagt gegen den Einsatz von "Karate Forst flüssig"

Bislang haben die Proteste nichts bewirkt: Der Landesbetrieb Forst versprüht seit Dienstag das umstrittene Insektizid "Karate Forst flüssig" -  per Hubschrauber. Doch jetzt stellt sich die Naturschützer vom Nabu quer - mit einem Eilantrag vorm Verwaltungsgericht.

Der Naturschutzbund (Nabu) hat beim Verwaltungsgericht Potsdam einen Eilantrag gegen den laufenden Einsatz des Insektengifts "Karate Forst flüssig" eingereicht. Zudem hat die Umweltorganisation nach eigenen Angaben am Donnerstag beantragt, dass Insektizid so lange nicht mehr eingesetzt werden darf, bis das Gericht den Eilantrag entschieden hat.  

Hubschrauber des Landesbetriebs Forst versprühen das umstrittene Schädlingsbekämpfungsmittel seit Dienstagnachmittag über Wäldern in Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Der Nabu Brandenburg und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatten zwar dagegen Widerspruch beim Planzenschutzdienst des Landes eingelegt. Die Behörde ordnete am Dienstag dennoch den sofortigen Vollzug an.

Die zuständige Kammer des Verwaltungsgerichts will den beteiligten Behörden bis kommenden Montag Gelegenheit zur Stellungnahme geben, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. Ob der Einsatz schon vorher durch eine Zwischenverfügung vorläufig gestoppt wird, will die Kammer bis spätestens Freitagnachmittag entscheiden.

Hersteller warnt vor Gesundheitsgefahren

Mit dem Versprühen des Insektengift "Karate Forst flüssig" will Brandenburg verhindern, dass Nonnen-Raupen in Wäldern Kiefern kahlfressen. Das Schädlingsbekämpfungsmittel soll bis Mitte Juni auf einer Fläche von mehreren tausend Hektar Kiefernwald versprüht werden, das ist in etwa ein Zehntel der Fläche Berlins. Vor allem in der Gegend um die Spargelstadt Beelitz hat sich der Nonnenfalter seit dem letzten Sommer offenbar enorm ausgebreitet.

Syngenta, die Herstellerfirma des Insektizids, warnt in einem Datenblatt zu "Karate Forst" vor Gesundheitsschäden, die beim Einatmen des Produktes entstehen können. Konkret könne das Insektizid demnach "Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden" auslösen. Auf Anfrage von rbb|24 erklärte ein Syngenta-Sprecher, Sicherheits- und Gefahrenhinweise würden vor allem für Menschen gelten, die mit dem Insektizid in unverdünnter Form in Kontakt kommen könnten. "Bei Einsätzen gegen Schädlinge wird das Produkt stark verdünnt", hieß es.

3.000 Hektar Wald drohe Kahlfraß

Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) sieht keine Alternative zu der geplanten Bekämpfungsaktion per Hubschrauber. Wenn nichts unternommen werde, drohe der Kahlfraß von 3.000 Hektar Wald. "Jetzt stellt sich die Frage: Was macht man? Diese Bekämpfung ist das letzte Mittel", sagte Vogelsänger am Montag in Potsdam.

Gerade im Hinblick auf den Klimawandel sei es wichtig, den schädlingsbedrohten Wald als Speicher für klimaschädliches Kohlenstoffdioxid zu erhalten. Auch Thomas Weber, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes, sieht einen sofortigen Handlungsbedarf. In Brandenburg gebe es 1.170 Waldeigentümer, die als Einzelne nicht in der Lage seien, etwas gegen den Kahlfraß des Waldes zu unternehmen.

Die Grünen-Fraktion des Brandenburger Landtages hatte hingegen die Aktion im Vorfeld kritisiert. Der Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin, der bei der Aktion zum Einsatz kommen solle, gefährde auch Arten, die mit dem Mittel gar nicht bekämpft werden sollen, hatte Benjamin Raschke, umweltpolitischer Sprecher, am vergangenen Freitag in Potsdam erklärt.

Gesperrtes Einsatzgebiet und Pilzsammelverbot

Nach dem Versprühen des Insektizids dürfen drei Wochen lang keine Pilze, Beeren oder Kräuter gesammelt werden. Zudem sind betroffenen Waldgebiete zwei Tage lang gesperrt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 09.05.2019, 19:30 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    Es ist keine Abwägung Wald gegen Insekt, es geht schon auch um Geld. Es ist ja nicht so dass der Nonnenfalter alle Bäume auffrisst. Bäume, die durch den Nonnenfalter geschwächt werden können danach von anderen Schädlingen oder Pilzen befallen. Ein natürlicher Vorgang der nur in den fälschlicherweise Wald genannten Kiefernholzplantagen schnell problematisch wird. Das Holz ist dann minderwertig und kann bestenfalls noch zum Heizen verwertet werden.

  2. 5.

    Der Wald stirbt,weil die Natur keine Monokulturen vorsieht bzw duldet. Stangenkieferwald hat nicht wirklich einen Mehrwert außer Holzeinschlag und Verhinderung von Erosion. Unter Kiefernwäldern sinkt beständig der Grundwasserspiegel. Absterben lassen bzw kontrollierter Holzeinschlag mit konsequenter Anpflanzung von Mischwald ist die Option welche erfolgreich im bayrischen Wald oder großen Teilen von Schweden angewandt wird. Die Trockenheit ist natürlich auch da kein Helfer. Konzepte für bessere Wasserrückhaltekraft des Bodens erforderlich.

  3. 3.

    Da sieht man wieder, wie engstirnig Umwelt"Aktivisten" sind: für die Rettung der Nonnen-Raupen opfern die sogar den Wald.
    Absurdistan.

  4. 2.

    Was bitte schlägt der NABU als geeignete Maßnahmen vor??? Nur meckern und Stimmung machen hilft nicht wirklich weiter.

  5. 1.

    Nun soll mal einer daraus schlau werden.
    Aufgebrachte demonstrieren dagegen, dass man Schädlingsbekämpfungsmittel gegen den Befall von Nonnen-Raupen respektive Nonnenfalter einsetzt wird um den Wald zu retten, nehmen aber in Kauf, dass der Wald dann durch das Ungeziefer vernichtet wird.
    Was soll jetzt passieren? Wird unter #RettetdenWald Gruppen gebildet, die dann durch den Wald ziehen, unter der Gefahr, dass man Lebenswertes zertrampelt, und per Hand die Raupen abgesammelt werden?
    Der blanke Irrsinn verschrobener Umweltschützer.
    Holz den Wald ab und macht ein Biotop daraus!

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